Ich dachte, bis dahin bin ich tot
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Description
Schonungslos, ehrlich, voller Reue – die ehemalige RAF-Terroristin Silke Maier-Witt erzählt ihr Leben
Die RAF ist ein deutsches Trauma. Viele Verbrechen der Roten Armee Fraktion aus den 70er- bis 90er-Jahren sind bis heute unaufgeklärt, noch immer ranken sich Mythen um die Mitglieder, die die Bundesrepublik terrorisierten. Silke Maier-Witt gibt in diesem Buch einzigartige Einblicke in das Innere der Gruppe.
Am 7. April 1977 – dem Tag des Mordes an Siegfried Buback – schloss Silke Maier-Witt sich der RAF an und tauchte unter. Fortan war sie eine der meistgesuchten Terroristinnen der Bundesrepublik. Während des »Deutschen Herbstes« spähte sie die Fahrtstrecke von Hanns Martin Schleyer aus, leistete logistische Hilfe und gehörte dem innersten Kreis der RAF an, der in Köln den Arbeitgeberpräsidenten entführte und dessen vier Begleiter tötete. Nach einem Banküberfall der RAF, bei dem eine Unbeteiligte erschossen wurde, übte sie Kritik – und stieg aus der Terrorgruppe aus. Mithilfe der Staatssicherheit tauchte sie in der DDR unter und begann ein neues, bürgerliches Leben – das mit ihrer Verhaftung nach dem Fall der Mauer ein jähes Ende fand.
In ihrem Buch blickt Silke Maier-Witt auf ihr Leben zurück – von der Kindheit in Hamburg über ihre Zeit in der RAF, ihrem Leben mit neuer Identität in der DDR, die Haft bis hin zu ihrem Neustart als ausgebildete Friedensfachkraft. Vor allem aber ergründet sie, wie es dazu kam, dass sie sich als junge Frau der Roten Armee Fraktion anschloss, und warum sie das Töten als Mittel zum Erreichen der RAF-Ziele hinnahm.
Book Information
Author Description
Silke Maier-Witt wurde 1950 in Nagold, Baden-Württemberg, geboren und wuchs in Hamburg auf. Sie studierte Medizin und Psychologie. 1977 schloss sie sich der Roten Armee Fraktion an und ging in den Untergrund. 1979 löste sie sich von der Terrorgruppe und tauchte in der DDR unter. Nach dem Mauerfall wurde sie verhaftet und in die Bundesrepublik abgeschoben, wo sie 1991 wegen der Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer sowie anderer Straftaten zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. 1995 kam sie vorzeitig aus der Haft frei. Sie beendete ihr Psychologiestudium und absolvierte eine Ausbildung zur Friedensfachkraft. Heute lebt Silke Maier-Witt vorwiegend in Nordmazedonien.
Posts
ICH DACHTE, BIS DAHIN BIN ICH TOT Meine Zeit als RAF-Terroristin und mein Leben danach Silke Maier-Witt André Groenewoud Ich war das Kind, das in jeder Bank oder Post vor dem großen Plakat der RAF-Gesuchten stand, während meine Mutter am Schalter ihre Angelegenheiten erledigte. Jedes Mal glaubte ich, gerade eine dieser Personen gerade gesehen zu haben. Doch meine Mutter tat es als Hirngespinst ab - ohne zu ahnen, dass nur 300 Meter Luftlinie entfernt von der Post am Poppenbüttler Wentzelplatz, wo wir gerade standen, eine konspirative Wohnung der RAF lag. Hamburg war damals voller Polizeikontrollen; ohne Papiere fuhren meine Eltern nie los. Eine dieser Terroristinnen war Silke Maier-Witt. Sie gehörte zur zweiten Generation der RAF. Gudrun Ensslin, Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Ulrike Meinhof saßen bereits in Stammheim ein - die verbliebenen RAF-Mitglieder versuchten die Inhaftierten freizupressen. Wie gerät man in eine anarchistische Gruppe wie diese? Silkes Kindheit war schwierig. Ihre Mutter starb früh, der Vater zeigte kaum Interesse an ihr und ihrer Schwester, schickte sie zu den Großeltern und später übernahm die Stiefmutter die Erziehung. Trotz dieser unbeständigen Kindheit war Silke eine ausgezeichnete Schülerin. Das Gymnasium meisterte sie spielend. Als sie später erste Kontakte zur linken Szene knüpfte, brach sie ihr Medizinstudium ab. 1977, als sich ihr die Möglichkeit bot, der RAF beizutreten, beendete sie ihr Psychologiestudium, obwohl sie bereits an ihrer Diplomarbeit schrieb. Zweieinhalb Jahre lebte sie im Untergrund, erledigte Botengänge, mietete konspirative Wohnungen in Deutschland und den Nachbarländern an und war schließlich an der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer beteiligt. Als Schleyer nach der gescheiterten Flugzeugentführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ von der RAF erschossen wurde, „war unsere Daseinsberechtigung weggebrochen“ (S. 90). Die RAF versuchte sich neu zu formieren, doch Silke Maier-Witt fühlte sich nicht mehr zugehörig und wurde von „den Illegalen“ verstoßen. Die DDR nahm sie auf, gab ihr eine neue Identität und half ihr, sich einzugliedern - was ihr bis zum Mauerfall auch einigermaßen gelang. Was danach geschah und ob Silke Maier-Witt je wieder ein normales Leben führen konnte, müsst ihr selbst nachlesen. Fazit: Das Buch war für mich eine Achterbahnfahrt. Die RAF hat mich schon immer interessiert, doch ich konnte nie verstehen, wie man bereit sein kann, für eine Ideologie so viel Gewalt zu rechtfertigen. Nicht immer konnte mich das Buch fesseln, einige Passagen haben mich schlicht gelangweilt, dann wieder gab es Abschnitte, wo ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Einige seltene Male konnte ich mit Silke Maier-Witt mitfühlen, an anderen Stellen wiederum dachte ich, dass sie ihre gerechte Strafe bekommen hat. Stefan Austs Buch über die RAF habe ich damals verschlungen, und auch dieses Werk kann ich allen empfehlen, die ein Stück deutsche Geschichte aufgrund ihres Alters nicht selbst erlebt haben oder sich für die Geschichte der RAF interessieren. 3½/5

Zum Thema RAF habe ich seit vielen Jahren viel gelesen, Dokus und Filme geschaut, war sogar Mitte der 90er auf dem Bahnhof von Bad Kleinen. Silke Maier- Witt gehörte zur 2. Generation der RAF. In ihrer Autobiografie erzählt sie, wie sie als junger Mensch in die Szene rutschte, Aufträge wie das Ausspionieren von Leuten übernahm, eine Waffe bei sich trug, versteckte Depots mit falschen Pässen, Geld und Munition anlegte. Sie war, sagt sie selbst von sich, immer nur Mitläuferin, traf keine Entscheidungen, sondern nahm Befehle entgegen. Nach dem Tod von Hanns Martin Schleyer tauchte sie in der DDR unter. 1990 wurde sie verhaftet. Ich habe mich mit ihrer doch recht spröden, betont reuevollen Biografie etwas schwer getan. Ihr Leben nach der Haft, welches sie ausführlich schildert, fand ich nicht so wahnsinnig spannend. Hab mir irgendwie mehr versprochen von dem Buch.
Einen solchen Einblick in einen Teil der Geschichte der RAF zu bekommen, fand ich grundsätzlich sehr interessant. Entgegen anderer Stimmen gilt das aus meiner Sicht auch und insbesondere für die Zeit „danach“. Ich hadere allerdings noch ein wenig damit, wie überzeugend bzw. glaubhaft ich den Teil mit der Reue und der Einsicht finde. Ging es noch jemandem so?
Als ich diese Buch in der Vorschau vom Kiwi Verlag gesehen habe, wollte ich es unbedingt lesen. Ich bin ein riesen Fan von Geschichte, nicht nur Mittelalter und das 19. Jahrhundert, auch die jüngere - vor allem deutsche - Geschichte interessiert mich sehr. Dann kam das Buch und ich las voller Vorfreude los. Seit Wochen hadere ich nun mit mir, was für eine Rezi ich zu diesem Buch schreibe. Klar, es ist kein fiktiver Roman, sondern eine Biographie. Es gibt Passagen, die habe ich förmlich durch gesuchtet, aber es gab auch Passagen, die ich sehr langatmig fand. Maier-Witt war meines Erachtens sehr intelligent, hatte jedoch eine schwere Kindheit. Nichts desto trotz machte sie ihr Abi ohne Mühe, startete ein Medizinstudium, was sie jedoch vor Abschluss über den Haufen warf, als sie Kontakte in die linke Szene knüpfte und brach sogar ihr Psychologiestudium kurz vor Abschluss ab, als sich die Gelegenheit zum Beitritt bei der RAF bot. Was bringt einen so intelligenten Menschen zu so etwas? Ich habe es auch nach Beenden des Buches nicht nachvollziehen können. Eine schwere Kindheit ist für mich keine Entschuldigung. Auch stellt sie sich selbst häufig als Opfer dar, geht im nächsten Satz wieder hart mit sich ins Gericht. Als wenn sie selbst nicht wüsste was nun eigentlich ist. Besonders interessant fand ich den Part, dass die DDR ihr Unterschlupf nach ihrer Flucht aus der RAF gab. Inzwischen ist Maier-Witt eine alte Frau, aber bis heute den „vermeintlichen“ Idealen der damaligen und heutigen Linken treu. Distanziert sie sich wirklich von den damaligen Taten? Selten hat mich ein Buch so ratlos zurück gelassen, was ich davon halten soll. Ich gebe trotzdem eine Leseempfehlung ab. Diese Taten dürfen nie in Vergessenheit geraten. Ein Unrecht, bzw. das was der einzelne als Unrecht sieht, kann und darf nie mit einem anderen Unrecht wieder „gut“ gemacht werden.
Silke Maier-Witts Buch ist ein aufrichtiges, oft beklemmendes Zeugnis einer radikalisierten Jugend und eines Lebens, das von politischem Fanatismus, aber auch späterer Reue geprägt ist. Es bietet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der RAF-Vergangenheit – allerdings mit blinden Flecken. Wer das Buch liest, sollte es als Ausgangspunkt für weitergehende Auseinandersetzungen begreifen – nicht als abschließendes Urteil über ein Kapitel deutscher Geschichte, das bis heute nachwirkt.
Silke Maier-Witt, einst Mitglied der sogenannten „zweiten Generation“ der Rote Armee Fraktion (RAF), legt mit ihrem autobiografischen Werk einen vielschichtigen, oft bedrückenden Einblick in ihr Leben und ihre Beweggründe vor. Das Buch ist ein wichtiges Zeitdokument, das sich mit den radikalen 1970er- und 1980er-Jahren in der Bundesrepublik auseinandersetzt – eine Ära, in der politischer Idealismus für einige in blutige Gewalt umschlug. Maier-Witt schreibt offen, stellenweise schonungslos. Sie beschreibt ihre Entwicklung vom linksalternativen Engagement in sozialen Bewegungen hin zum radikalisierten Untergrundkampf. Die Leserinnen bekommen ein Gefühl für das politische Klima der damaligen Zeit – geprägt von der Enttäuschung über gesellschaftliche Verhältnisse, die Ohnmacht gegenüber imperialistischen Strukturen und die Faszination einer „konsequenten“ politischen Handlung, wie sie von der RAF propagiert wurde. Besonders eindrucksvoll ist ihre Schilderung des persönlichen Zerbrechens. Die Jahre im Untergrund, die Isolation, das ständige Misstrauen – das Buch gibt einen authentischen Einblick in den psychischen und moralischen Preis, den ein Leben im bewaffneten Kampf mit sich bringt. Auch ihre Reflexion über Schuld, Verantwortung und die Fehler ihres damaligen Denkens ist in vielen Passagen ernsthaft und nachvollziehbar. Trotz aller Offenheit bleibt das Buch in zentralen Punkten ambivalent. Zwar distanziert sich Maier-Witt von der Gewalt, doch wirkt diese Distanzierung stellenweise eher psychologisch als politisch motiviert. Es bleibt zuweilen unklar, ob sie die Ideologie der RAF grundsätzlich ablehnt – oder ob sie sich nur von deren Umsetzung entfernt hat. Die ethische Bewertung der RAF-Taten bleibt oft im Ungefähren, anstatt sie klar als terroristische Gewaltakte zu benennen. Zudem wird an manchen Stellen die Opferperspektive zu wenig berücksichtigt. Die RAF hat nicht nur Repräsentanten des Staates getroffen, sondern Menschen getötet, deren Angehörige bis heute mit dem Verlust leben müssen. Diese Dimension bleibt im Buch eher eine Randnotiz – hier wäre mehr Empathie und klare Haltung wünschenswert gewesen.
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Schonungslos, ehrlich, voller Reue – die ehemalige RAF-Terroristin Silke Maier-Witt erzählt ihr Leben
Die RAF ist ein deutsches Trauma. Viele Verbrechen der Roten Armee Fraktion aus den 70er- bis 90er-Jahren sind bis heute unaufgeklärt, noch immer ranken sich Mythen um die Mitglieder, die die Bundesrepublik terrorisierten. Silke Maier-Witt gibt in diesem Buch einzigartige Einblicke in das Innere der Gruppe.
Am 7. April 1977 – dem Tag des Mordes an Siegfried Buback – schloss Silke Maier-Witt sich der RAF an und tauchte unter. Fortan war sie eine der meistgesuchten Terroristinnen der Bundesrepublik. Während des »Deutschen Herbstes« spähte sie die Fahrtstrecke von Hanns Martin Schleyer aus, leistete logistische Hilfe und gehörte dem innersten Kreis der RAF an, der in Köln den Arbeitgeberpräsidenten entführte und dessen vier Begleiter tötete. Nach einem Banküberfall der RAF, bei dem eine Unbeteiligte erschossen wurde, übte sie Kritik – und stieg aus der Terrorgruppe aus. Mithilfe der Staatssicherheit tauchte sie in der DDR unter und begann ein neues, bürgerliches Leben – das mit ihrer Verhaftung nach dem Fall der Mauer ein jähes Ende fand.
In ihrem Buch blickt Silke Maier-Witt auf ihr Leben zurück – von der Kindheit in Hamburg über ihre Zeit in der RAF, ihrem Leben mit neuer Identität in der DDR, die Haft bis hin zu ihrem Neustart als ausgebildete Friedensfachkraft. Vor allem aber ergründet sie, wie es dazu kam, dass sie sich als junge Frau der Roten Armee Fraktion anschloss, und warum sie das Töten als Mittel zum Erreichen der RAF-Ziele hinnahm.
Book Information
Author Description
Silke Maier-Witt wurde 1950 in Nagold, Baden-Württemberg, geboren und wuchs in Hamburg auf. Sie studierte Medizin und Psychologie. 1977 schloss sie sich der Roten Armee Fraktion an und ging in den Untergrund. 1979 löste sie sich von der Terrorgruppe und tauchte in der DDR unter. Nach dem Mauerfall wurde sie verhaftet und in die Bundesrepublik abgeschoben, wo sie 1991 wegen der Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer sowie anderer Straftaten zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. 1995 kam sie vorzeitig aus der Haft frei. Sie beendete ihr Psychologiestudium und absolvierte eine Ausbildung zur Friedensfachkraft. Heute lebt Silke Maier-Witt vorwiegend in Nordmazedonien.
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ICH DACHTE, BIS DAHIN BIN ICH TOT Meine Zeit als RAF-Terroristin und mein Leben danach Silke Maier-Witt André Groenewoud Ich war das Kind, das in jeder Bank oder Post vor dem großen Plakat der RAF-Gesuchten stand, während meine Mutter am Schalter ihre Angelegenheiten erledigte. Jedes Mal glaubte ich, gerade eine dieser Personen gerade gesehen zu haben. Doch meine Mutter tat es als Hirngespinst ab - ohne zu ahnen, dass nur 300 Meter Luftlinie entfernt von der Post am Poppenbüttler Wentzelplatz, wo wir gerade standen, eine konspirative Wohnung der RAF lag. Hamburg war damals voller Polizeikontrollen; ohne Papiere fuhren meine Eltern nie los. Eine dieser Terroristinnen war Silke Maier-Witt. Sie gehörte zur zweiten Generation der RAF. Gudrun Ensslin, Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Ulrike Meinhof saßen bereits in Stammheim ein - die verbliebenen RAF-Mitglieder versuchten die Inhaftierten freizupressen. Wie gerät man in eine anarchistische Gruppe wie diese? Silkes Kindheit war schwierig. Ihre Mutter starb früh, der Vater zeigte kaum Interesse an ihr und ihrer Schwester, schickte sie zu den Großeltern und später übernahm die Stiefmutter die Erziehung. Trotz dieser unbeständigen Kindheit war Silke eine ausgezeichnete Schülerin. Das Gymnasium meisterte sie spielend. Als sie später erste Kontakte zur linken Szene knüpfte, brach sie ihr Medizinstudium ab. 1977, als sich ihr die Möglichkeit bot, der RAF beizutreten, beendete sie ihr Psychologiestudium, obwohl sie bereits an ihrer Diplomarbeit schrieb. Zweieinhalb Jahre lebte sie im Untergrund, erledigte Botengänge, mietete konspirative Wohnungen in Deutschland und den Nachbarländern an und war schließlich an der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer beteiligt. Als Schleyer nach der gescheiterten Flugzeugentführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ von der RAF erschossen wurde, „war unsere Daseinsberechtigung weggebrochen“ (S. 90). Die RAF versuchte sich neu zu formieren, doch Silke Maier-Witt fühlte sich nicht mehr zugehörig und wurde von „den Illegalen“ verstoßen. Die DDR nahm sie auf, gab ihr eine neue Identität und half ihr, sich einzugliedern - was ihr bis zum Mauerfall auch einigermaßen gelang. Was danach geschah und ob Silke Maier-Witt je wieder ein normales Leben führen konnte, müsst ihr selbst nachlesen. Fazit: Das Buch war für mich eine Achterbahnfahrt. Die RAF hat mich schon immer interessiert, doch ich konnte nie verstehen, wie man bereit sein kann, für eine Ideologie so viel Gewalt zu rechtfertigen. Nicht immer konnte mich das Buch fesseln, einige Passagen haben mich schlicht gelangweilt, dann wieder gab es Abschnitte, wo ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Einige seltene Male konnte ich mit Silke Maier-Witt mitfühlen, an anderen Stellen wiederum dachte ich, dass sie ihre gerechte Strafe bekommen hat. Stefan Austs Buch über die RAF habe ich damals verschlungen, und auch dieses Werk kann ich allen empfehlen, die ein Stück deutsche Geschichte aufgrund ihres Alters nicht selbst erlebt haben oder sich für die Geschichte der RAF interessieren. 3½/5

Zum Thema RAF habe ich seit vielen Jahren viel gelesen, Dokus und Filme geschaut, war sogar Mitte der 90er auf dem Bahnhof von Bad Kleinen. Silke Maier- Witt gehörte zur 2. Generation der RAF. In ihrer Autobiografie erzählt sie, wie sie als junger Mensch in die Szene rutschte, Aufträge wie das Ausspionieren von Leuten übernahm, eine Waffe bei sich trug, versteckte Depots mit falschen Pässen, Geld und Munition anlegte. Sie war, sagt sie selbst von sich, immer nur Mitläuferin, traf keine Entscheidungen, sondern nahm Befehle entgegen. Nach dem Tod von Hanns Martin Schleyer tauchte sie in der DDR unter. 1990 wurde sie verhaftet. Ich habe mich mit ihrer doch recht spröden, betont reuevollen Biografie etwas schwer getan. Ihr Leben nach der Haft, welches sie ausführlich schildert, fand ich nicht so wahnsinnig spannend. Hab mir irgendwie mehr versprochen von dem Buch.
Einen solchen Einblick in einen Teil der Geschichte der RAF zu bekommen, fand ich grundsätzlich sehr interessant. Entgegen anderer Stimmen gilt das aus meiner Sicht auch und insbesondere für die Zeit „danach“. Ich hadere allerdings noch ein wenig damit, wie überzeugend bzw. glaubhaft ich den Teil mit der Reue und der Einsicht finde. Ging es noch jemandem so?
Als ich diese Buch in der Vorschau vom Kiwi Verlag gesehen habe, wollte ich es unbedingt lesen. Ich bin ein riesen Fan von Geschichte, nicht nur Mittelalter und das 19. Jahrhundert, auch die jüngere - vor allem deutsche - Geschichte interessiert mich sehr. Dann kam das Buch und ich las voller Vorfreude los. Seit Wochen hadere ich nun mit mir, was für eine Rezi ich zu diesem Buch schreibe. Klar, es ist kein fiktiver Roman, sondern eine Biographie. Es gibt Passagen, die habe ich förmlich durch gesuchtet, aber es gab auch Passagen, die ich sehr langatmig fand. Maier-Witt war meines Erachtens sehr intelligent, hatte jedoch eine schwere Kindheit. Nichts desto trotz machte sie ihr Abi ohne Mühe, startete ein Medizinstudium, was sie jedoch vor Abschluss über den Haufen warf, als sie Kontakte in die linke Szene knüpfte und brach sogar ihr Psychologiestudium kurz vor Abschluss ab, als sich die Gelegenheit zum Beitritt bei der RAF bot. Was bringt einen so intelligenten Menschen zu so etwas? Ich habe es auch nach Beenden des Buches nicht nachvollziehen können. Eine schwere Kindheit ist für mich keine Entschuldigung. Auch stellt sie sich selbst häufig als Opfer dar, geht im nächsten Satz wieder hart mit sich ins Gericht. Als wenn sie selbst nicht wüsste was nun eigentlich ist. Besonders interessant fand ich den Part, dass die DDR ihr Unterschlupf nach ihrer Flucht aus der RAF gab. Inzwischen ist Maier-Witt eine alte Frau, aber bis heute den „vermeintlichen“ Idealen der damaligen und heutigen Linken treu. Distanziert sie sich wirklich von den damaligen Taten? Selten hat mich ein Buch so ratlos zurück gelassen, was ich davon halten soll. Ich gebe trotzdem eine Leseempfehlung ab. Diese Taten dürfen nie in Vergessenheit geraten. Ein Unrecht, bzw. das was der einzelne als Unrecht sieht, kann und darf nie mit einem anderen Unrecht wieder „gut“ gemacht werden.
Silke Maier-Witts Buch ist ein aufrichtiges, oft beklemmendes Zeugnis einer radikalisierten Jugend und eines Lebens, das von politischem Fanatismus, aber auch späterer Reue geprägt ist. Es bietet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der RAF-Vergangenheit – allerdings mit blinden Flecken. Wer das Buch liest, sollte es als Ausgangspunkt für weitergehende Auseinandersetzungen begreifen – nicht als abschließendes Urteil über ein Kapitel deutscher Geschichte, das bis heute nachwirkt.
Silke Maier-Witt, einst Mitglied der sogenannten „zweiten Generation“ der Rote Armee Fraktion (RAF), legt mit ihrem autobiografischen Werk einen vielschichtigen, oft bedrückenden Einblick in ihr Leben und ihre Beweggründe vor. Das Buch ist ein wichtiges Zeitdokument, das sich mit den radikalen 1970er- und 1980er-Jahren in der Bundesrepublik auseinandersetzt – eine Ära, in der politischer Idealismus für einige in blutige Gewalt umschlug. Maier-Witt schreibt offen, stellenweise schonungslos. Sie beschreibt ihre Entwicklung vom linksalternativen Engagement in sozialen Bewegungen hin zum radikalisierten Untergrundkampf. Die Leserinnen bekommen ein Gefühl für das politische Klima der damaligen Zeit – geprägt von der Enttäuschung über gesellschaftliche Verhältnisse, die Ohnmacht gegenüber imperialistischen Strukturen und die Faszination einer „konsequenten“ politischen Handlung, wie sie von der RAF propagiert wurde. Besonders eindrucksvoll ist ihre Schilderung des persönlichen Zerbrechens. Die Jahre im Untergrund, die Isolation, das ständige Misstrauen – das Buch gibt einen authentischen Einblick in den psychischen und moralischen Preis, den ein Leben im bewaffneten Kampf mit sich bringt. Auch ihre Reflexion über Schuld, Verantwortung und die Fehler ihres damaligen Denkens ist in vielen Passagen ernsthaft und nachvollziehbar. Trotz aller Offenheit bleibt das Buch in zentralen Punkten ambivalent. Zwar distanziert sich Maier-Witt von der Gewalt, doch wirkt diese Distanzierung stellenweise eher psychologisch als politisch motiviert. Es bleibt zuweilen unklar, ob sie die Ideologie der RAF grundsätzlich ablehnt – oder ob sie sich nur von deren Umsetzung entfernt hat. Die ethische Bewertung der RAF-Taten bleibt oft im Ungefähren, anstatt sie klar als terroristische Gewaltakte zu benennen. Zudem wird an manchen Stellen die Opferperspektive zu wenig berücksichtigt. Die RAF hat nicht nur Repräsentanten des Staates getroffen, sondern Menschen getötet, deren Angehörige bis heute mit dem Verlust leben müssen. Diese Dimension bleibt im Buch eher eine Randnotiz – hier wäre mehr Empathie und klare Haltung wünschenswert gewesen.











