Hinter den Mauern der Ozean
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Description
Book Information
Author Description
Anne Reinecke wurde 1978 in Meißen geboren. 1984 siedelten ihre Eltern mit ihr nach Westdeutschland u¨ber. Seit Ende der 90er lebt sie in Berlin, wo sie Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur studierte und fu¨r verschiedene Theater-, Film- und Ausstellungsprojekte sowie als Stadtfu¨hrerin gearbeitet hat. Ihr Debu¨troman ›Leinsee‹ war nominiert fu¨r den Debu¨tpreis der LitCologne und stand auf der Shortlist fu¨r das Lieblingsbuch der Unabhängigen (WUB). Sie ist verheiratet und Mutter eines Sohnes.
Posts
Faszinierend und tiefsinnig
Bei diesem Buch brauchte ich etwas um mich zurecht zu finden. Dann war es aber irgendwie toll und ich hab zwischendurch sehr viel nachgedacht über einzelne Sätze und Szenen. Es war faszinierend, tiefsinnig und schön, hat mich grübelnd hinterlassen und ich wünschte man hätte noch mehr erfahren. Der Schreibstil war auch sehr besonders! Ich empfehle es!

Die Welt ist im Meer versunken. Nur Berlin scheint Hinter einer dicken Mauer Bestand zu haben. Darin leben 5 Ewige. Sie waren 5, sind 5 und werden immer 5 bleiben. Altert, erkrankt und entschwindet einer von ihnen, kommt ein Kind, die jüngere Version des Entschwundenen, neu in die Gruppe. Im Winter sind sie allein, dürfen sich nur in den gesicherten Gebieten aufhalten. Doch im Sommer kommen die Schiffe mit den Fremden, denen sie die Stadt zeigen. Doch nicht jede und jeder der fünf will bleiben und diesem Leben fristen. Hier wollte ich mich mal wieder an einer Dystopie versuchen und so recht weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll. Rein sprachlich wirklich schön. Und auch die Grundidee mochte ich. Aber wahrscheinlich ist das einfach nicht mein Genre.
Anne Reinecke entführt uns in ihrem Roman „Hinter den Mauern der Ozean" in ein faszinierendes, dystopisches Berlin. Mit einer stillen, aber intensiven Atmosphäre erzählt die Autorin eine Geschichte über Freiheit, Identität und die Komplexität menschlicher Beziehungen. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Ein großer Teil der Erde ist von Wassermassen verschlungen und nur der Kern Berlins bleibt durch eine hohe Schutzmauer erhalten. In dieser abgeschotteten Insel leben fünf sogenannte „Ewige" – Lola, Friedrich, Wilhelm, Else und Alexander. Sie sind die Hüter einer untergegangenen Welt und führen die wenigen Außenstehenden, die die Stadt besuchen dürfen, durch die Ruinen der Vergangenheit. Dabei sind sie nicht nur Erzählende, sondern auch Gefangene ihrer eigenen Existenz. Reinecke meistert es, eine beklemmende Stimmung zu erzeugen, ohne in Klischees abzurutschen. In einem ruhigen, eindringlichen Sprachstil wird die Geschichte aus der Sicht von Lola erzählt. Durch die Ich-Perspektive wird eine intime Nähe geschaffen, die es ermöglicht, Lolas innere Konflikte und Zweifel hautnah mitzuerleben und tief in ihre Gedankenwelt einzutauchen. Lolas Suche nach Freiheit und Identität, ihr Ringen mit den auferlegten Regeln und ihrer Rolle als „Ewige" geben der Geschichte eine philosophische Tiefe, die viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Besonders interessant ist, wie Reinecke mit der Berliner Topografie spielt. Das einst so lebendige Berlin wird in der Erzählung zu einem Ort der Vergangenheit, dessen bedeutende Wahrzeichen nur noch als Relikte in einer zerstörten Welt existieren. Die Vorstellung, dass diese Orte in einer untergegangenen Welt nur noch Schauplätze einer bizarren Sightseeingtour sind, ist gleichermaßen faszinierend wie erschütternd. Was Freiheit wirklich bedeutet und was man bereit ist, dafür zu opfern, wird durch die Figuren in verschiedenen Facetten beleuchtet. Jede der fünf Figuren verkörpert eine andere Perspektive auf das Leben innerhalb der Mauern und durch die zwischenmenschlichen Spannungen wird das fragile Gleichgewicht ihrer Gemeinschaft deutlich. Die Idee der Wiederkehr in einer jüngeren Inkarnation, die den natürlichen Lebenszyklus der „Ewigen" ersetzt, ist sowohl faszinierend als auch unheimlich und wirft grundlegende Fragen über die Natur der Identität auf. Trotz der düsteren Thematik und der dystopischen Umgebung ist der Roman kein reines Schreckensszenario. Reinecke schafft es, eine Balance zwischen Hoffnung und Resignation, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu finden. Diese Ambivalenz macht „Hinter den Mauern der Ozean" zu einem Buch, das nachhallt und über das man auch nach dem Lesen noch lange nachdenken wird. Eine beeindruckende Erzählung, die durch ihre poetische Sprache und die vielschichtige Thematik besticht.

Zwischen Freiheit und dem sicheren Überleben
**** Worum geht es? **** Eine Geschichte die auf der einen Seite in wenigen Sätzen zu fassen ist und auf der anderen Seite so komplex und vielschichtig ist, dass man es nach dem Lesen gleich nochmals lesen sollte. Das Hochwasser hat sämtliche Landmasse verschluckt. Um Berlin sind (wieder) Mauern und so kann man dort überleben. 5 Individuen, wie Gottheiten leben dort. Wenn eine Person zu sterben droht kommt sie als Kind zurück. Das Ungleichgewicht von 3 Männern und 2 Frauen bleibt erhalten. Wie sollen dabei monogame (braucht man das?) Beziehungen entstehen und das Leben selbst neu erschaffen werden? Was bedeutet es (erneut) hinter Mauern eingesperrt zu sein? Wo ist die Freiheit? Zentrale Fragen, denen sich die Autorin in ihrer dystopischen Welt substantiell widmet. **** Mein Eindruck **** Aus der Sicht von Lola entfalten sich die Welt und die widersprüchlichen Emotionen. Die Grenzen möchten überschritten werden und der ewige Kreislauf auf engstem Raum wird in Frage gestellt. Motiviert auch durch die Darstellung des Lebens im Winter und Sommer. Interessant und anspruchsvoll, denn in der Sommerpassage rauchte mir ganz schön der Kopf. Wer redet grad und warum lese ich das überhaupt? Deshalb auch der eine Stern Abzug, hier hätte der Text noch präziser sein dürfen. Motiv und Botschaft sind hervorragend herausgestellt in diesem Buch. Zu guter letzt: das Titelbild wurde wirklich vortrefflich gewählt. Ein Bild das definitiv hängen bleibt und das Buch perfekt darstellt. **** Empfehlung? **** Literatur pur und so fühlte ich mich manchmal an meine Schulzeit erinnert. Ich habe es damals geliebt mich mit solchen Texten auseinander zu setzen, aber ich weiß auch, dass es nicht jedermanns Fall ist. Daher spreche ich vor allem eine Empfehlung für Literaturfans mit einem übergeordneten Verständnis für unsere Welt aus.
Dieses Buch gehört zu denen, die mit mir nach Kreta reisen durften. Und ja, natürlich war für diese Entscheidung ausschlaggebend, ob der Buchtitel irgendwas mit dem Meer zu tun hat, auch hier wieder. Wer will mich davon abhalten? In diesem Buch geht es um Lola, eine von nur fünf verbliebenen Einwohnern Berlins. Die anderen sind Friedrich, Alexander, Wilhelm und Else und zusammen sind sie die Ewigen. Alexander, Wilhelm und Else und das auf ewig – auch wenn keiner von ihnen unsterblich ist. Stattdessen wird jede dieser Personen von einem Kind mit gleichem Aussehen und gleicher Persönlichkeit ersetzt, sobald die Person Zeichen von Alter oder Krankheit zu zeigen beginnt. Durch diesen Kreislauf soll das Wissen der Alten bewahrt werden. Doch nicht alle sind mit diesem Verlauf zufrieden – und vor allem Friedrich beginnt schon bald im Buch damit, nach einem Ausweg zu suchen. Die Ähnlichkeiten zu Geschichten von der Flucht aus der DDR sind da wohl nicht nur mir aufgefallen. Die große Mauer, die einen Teil Berlins von der Außenwelt abtrennt... Da klingelt doch was... Und wie auch bei Fluchtgeschichten stellt sich auch hier bald die Frage: Kommt die Gefahr für die Fünf wirklich (nur) von außen oder doch auch aus den eigenen Reihen? Und sind die Mauern am Rande Berlins wirklich dazu da, das Meer draußen zu halten – oder sie drinnen? Der Autorin ist hier eine sehr ruhige Dystopie gelungen. Ihr Schreibstil ist poetisch und voll mit intertextuellen Referenzen. So finden sich hier Zitate aus Liedern und Märchen sowie aus der Bibel, die geschickt in den Gesamttext eingeflochten werden. Am Ende des Romans bleiben viele Fragen offen – die aber vielleicht auch gar nicht beantwortet werden sollten. Denn so muss jede Person die Lücken selbst füllen – und während es für mich klar ist, dass die Ewigen Klone sind, die Übersetzer vielleicht eine weit fortgeschrittene Künstliche Intelligenz und das Meer am Stadtrand Berlins das Ergebnis einer Klimakatastrophe, werden andere Leser*innen wohl ganz andere Erklärungen für all das Ungewöhnliche in diesem Buch finden. Und es wäre super spannend, diese unterschiedlichen Erklärungen zu hören und zu diskutieren - falls ihr diesen Roman also ebenfalls gelesen habt, lasst mir gerne eine Nachricht da, was ihr da so reininterpretiert habt! Mein Fazit? Ein spannendes Roman-Experiment!
Literarisch und philosophisch 😻
Das Buch regt finde ich sehr zum Denken über die Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit , und ab wann man wirklich frei ist, an. Es war erfrischend hier mal nicht, die Schattenseiten einer dys?topischen Gesellschaft zu entlarven, sondern eher den Blick darauf richten wie es sich anfühlt in einer Welt zu leben, in der man weiß, dass etwas grundlegend falsch ist, aber der Zugang zu Wissen so begrenzt ist, dass man vor der Wahl steht: Bleibe ich hinter den Mauern? Oder Wage ich den Sprung ins blaue, aber werde dafür vielleicht mit negativem konfrontiert? Der Stil war sehr "literarisch" tragend, und hat damit perfekt das Gefühl der Ewigkeit eingefangen. Durch die zahlreichen Anspielungen auf Literatur und griechische Mythologie hatte ich zwischendrin das Gefühl, dass ich es mit einem Roman zu tun hatte, der unbedingt aussagen wollte: "Schau mal wie viel ich weiß , und wieviele Anspielungen ich habe. " Mir ist da persönlich gutes Handwerk/ein eigener Stil wichtiger, aber ich fand es auch nicht aufgesetzt oder störend, sondern in sich stimmig. Insgesamt fand ich das Buch wirklich gut! Ich finde es hat super viel Potential über philosophische Fragen nachzudenken. Und so etwas liebe ich sehr.☺️
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Anne Reinecke wurde 1978 in Meißen geboren. 1984 siedelten ihre Eltern mit ihr nach Westdeutschland u¨ber. Seit Ende der 90er lebt sie in Berlin, wo sie Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur studierte und fu¨r verschiedene Theater-, Film- und Ausstellungsprojekte sowie als Stadtfu¨hrerin gearbeitet hat. Ihr Debu¨troman ›Leinsee‹ war nominiert fu¨r den Debu¨tpreis der LitCologne und stand auf der Shortlist fu¨r das Lieblingsbuch der Unabhängigen (WUB). Sie ist verheiratet und Mutter eines Sohnes.
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Faszinierend und tiefsinnig
Bei diesem Buch brauchte ich etwas um mich zurecht zu finden. Dann war es aber irgendwie toll und ich hab zwischendurch sehr viel nachgedacht über einzelne Sätze und Szenen. Es war faszinierend, tiefsinnig und schön, hat mich grübelnd hinterlassen und ich wünschte man hätte noch mehr erfahren. Der Schreibstil war auch sehr besonders! Ich empfehle es!

Die Welt ist im Meer versunken. Nur Berlin scheint Hinter einer dicken Mauer Bestand zu haben. Darin leben 5 Ewige. Sie waren 5, sind 5 und werden immer 5 bleiben. Altert, erkrankt und entschwindet einer von ihnen, kommt ein Kind, die jüngere Version des Entschwundenen, neu in die Gruppe. Im Winter sind sie allein, dürfen sich nur in den gesicherten Gebieten aufhalten. Doch im Sommer kommen die Schiffe mit den Fremden, denen sie die Stadt zeigen. Doch nicht jede und jeder der fünf will bleiben und diesem Leben fristen. Hier wollte ich mich mal wieder an einer Dystopie versuchen und so recht weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll. Rein sprachlich wirklich schön. Und auch die Grundidee mochte ich. Aber wahrscheinlich ist das einfach nicht mein Genre.
Anne Reinecke entführt uns in ihrem Roman „Hinter den Mauern der Ozean" in ein faszinierendes, dystopisches Berlin. Mit einer stillen, aber intensiven Atmosphäre erzählt die Autorin eine Geschichte über Freiheit, Identität und die Komplexität menschlicher Beziehungen. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Ein großer Teil der Erde ist von Wassermassen verschlungen und nur der Kern Berlins bleibt durch eine hohe Schutzmauer erhalten. In dieser abgeschotteten Insel leben fünf sogenannte „Ewige" – Lola, Friedrich, Wilhelm, Else und Alexander. Sie sind die Hüter einer untergegangenen Welt und führen die wenigen Außenstehenden, die die Stadt besuchen dürfen, durch die Ruinen der Vergangenheit. Dabei sind sie nicht nur Erzählende, sondern auch Gefangene ihrer eigenen Existenz. Reinecke meistert es, eine beklemmende Stimmung zu erzeugen, ohne in Klischees abzurutschen. In einem ruhigen, eindringlichen Sprachstil wird die Geschichte aus der Sicht von Lola erzählt. Durch die Ich-Perspektive wird eine intime Nähe geschaffen, die es ermöglicht, Lolas innere Konflikte und Zweifel hautnah mitzuerleben und tief in ihre Gedankenwelt einzutauchen. Lolas Suche nach Freiheit und Identität, ihr Ringen mit den auferlegten Regeln und ihrer Rolle als „Ewige" geben der Geschichte eine philosophische Tiefe, die viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Besonders interessant ist, wie Reinecke mit der Berliner Topografie spielt. Das einst so lebendige Berlin wird in der Erzählung zu einem Ort der Vergangenheit, dessen bedeutende Wahrzeichen nur noch als Relikte in einer zerstörten Welt existieren. Die Vorstellung, dass diese Orte in einer untergegangenen Welt nur noch Schauplätze einer bizarren Sightseeingtour sind, ist gleichermaßen faszinierend wie erschütternd. Was Freiheit wirklich bedeutet und was man bereit ist, dafür zu opfern, wird durch die Figuren in verschiedenen Facetten beleuchtet. Jede der fünf Figuren verkörpert eine andere Perspektive auf das Leben innerhalb der Mauern und durch die zwischenmenschlichen Spannungen wird das fragile Gleichgewicht ihrer Gemeinschaft deutlich. Die Idee der Wiederkehr in einer jüngeren Inkarnation, die den natürlichen Lebenszyklus der „Ewigen" ersetzt, ist sowohl faszinierend als auch unheimlich und wirft grundlegende Fragen über die Natur der Identität auf. Trotz der düsteren Thematik und der dystopischen Umgebung ist der Roman kein reines Schreckensszenario. Reinecke schafft es, eine Balance zwischen Hoffnung und Resignation, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu finden. Diese Ambivalenz macht „Hinter den Mauern der Ozean" zu einem Buch, das nachhallt und über das man auch nach dem Lesen noch lange nachdenken wird. Eine beeindruckende Erzählung, die durch ihre poetische Sprache und die vielschichtige Thematik besticht.

Zwischen Freiheit und dem sicheren Überleben
**** Worum geht es? **** Eine Geschichte die auf der einen Seite in wenigen Sätzen zu fassen ist und auf der anderen Seite so komplex und vielschichtig ist, dass man es nach dem Lesen gleich nochmals lesen sollte. Das Hochwasser hat sämtliche Landmasse verschluckt. Um Berlin sind (wieder) Mauern und so kann man dort überleben. 5 Individuen, wie Gottheiten leben dort. Wenn eine Person zu sterben droht kommt sie als Kind zurück. Das Ungleichgewicht von 3 Männern und 2 Frauen bleibt erhalten. Wie sollen dabei monogame (braucht man das?) Beziehungen entstehen und das Leben selbst neu erschaffen werden? Was bedeutet es (erneut) hinter Mauern eingesperrt zu sein? Wo ist die Freiheit? Zentrale Fragen, denen sich die Autorin in ihrer dystopischen Welt substantiell widmet. **** Mein Eindruck **** Aus der Sicht von Lola entfalten sich die Welt und die widersprüchlichen Emotionen. Die Grenzen möchten überschritten werden und der ewige Kreislauf auf engstem Raum wird in Frage gestellt. Motiviert auch durch die Darstellung des Lebens im Winter und Sommer. Interessant und anspruchsvoll, denn in der Sommerpassage rauchte mir ganz schön der Kopf. Wer redet grad und warum lese ich das überhaupt? Deshalb auch der eine Stern Abzug, hier hätte der Text noch präziser sein dürfen. Motiv und Botschaft sind hervorragend herausgestellt in diesem Buch. Zu guter letzt: das Titelbild wurde wirklich vortrefflich gewählt. Ein Bild das definitiv hängen bleibt und das Buch perfekt darstellt. **** Empfehlung? **** Literatur pur und so fühlte ich mich manchmal an meine Schulzeit erinnert. Ich habe es damals geliebt mich mit solchen Texten auseinander zu setzen, aber ich weiß auch, dass es nicht jedermanns Fall ist. Daher spreche ich vor allem eine Empfehlung für Literaturfans mit einem übergeordneten Verständnis für unsere Welt aus.
Dieses Buch gehört zu denen, die mit mir nach Kreta reisen durften. Und ja, natürlich war für diese Entscheidung ausschlaggebend, ob der Buchtitel irgendwas mit dem Meer zu tun hat, auch hier wieder. Wer will mich davon abhalten? In diesem Buch geht es um Lola, eine von nur fünf verbliebenen Einwohnern Berlins. Die anderen sind Friedrich, Alexander, Wilhelm und Else und zusammen sind sie die Ewigen. Alexander, Wilhelm und Else und das auf ewig – auch wenn keiner von ihnen unsterblich ist. Stattdessen wird jede dieser Personen von einem Kind mit gleichem Aussehen und gleicher Persönlichkeit ersetzt, sobald die Person Zeichen von Alter oder Krankheit zu zeigen beginnt. Durch diesen Kreislauf soll das Wissen der Alten bewahrt werden. Doch nicht alle sind mit diesem Verlauf zufrieden – und vor allem Friedrich beginnt schon bald im Buch damit, nach einem Ausweg zu suchen. Die Ähnlichkeiten zu Geschichten von der Flucht aus der DDR sind da wohl nicht nur mir aufgefallen. Die große Mauer, die einen Teil Berlins von der Außenwelt abtrennt... Da klingelt doch was... Und wie auch bei Fluchtgeschichten stellt sich auch hier bald die Frage: Kommt die Gefahr für die Fünf wirklich (nur) von außen oder doch auch aus den eigenen Reihen? Und sind die Mauern am Rande Berlins wirklich dazu da, das Meer draußen zu halten – oder sie drinnen? Der Autorin ist hier eine sehr ruhige Dystopie gelungen. Ihr Schreibstil ist poetisch und voll mit intertextuellen Referenzen. So finden sich hier Zitate aus Liedern und Märchen sowie aus der Bibel, die geschickt in den Gesamttext eingeflochten werden. Am Ende des Romans bleiben viele Fragen offen – die aber vielleicht auch gar nicht beantwortet werden sollten. Denn so muss jede Person die Lücken selbst füllen – und während es für mich klar ist, dass die Ewigen Klone sind, die Übersetzer vielleicht eine weit fortgeschrittene Künstliche Intelligenz und das Meer am Stadtrand Berlins das Ergebnis einer Klimakatastrophe, werden andere Leser*innen wohl ganz andere Erklärungen für all das Ungewöhnliche in diesem Buch finden. Und es wäre super spannend, diese unterschiedlichen Erklärungen zu hören und zu diskutieren - falls ihr diesen Roman also ebenfalls gelesen habt, lasst mir gerne eine Nachricht da, was ihr da so reininterpretiert habt! Mein Fazit? Ein spannendes Roman-Experiment!
Literarisch und philosophisch 😻
Das Buch regt finde ich sehr zum Denken über die Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit , und ab wann man wirklich frei ist, an. Es war erfrischend hier mal nicht, die Schattenseiten einer dys?topischen Gesellschaft zu entlarven, sondern eher den Blick darauf richten wie es sich anfühlt in einer Welt zu leben, in der man weiß, dass etwas grundlegend falsch ist, aber der Zugang zu Wissen so begrenzt ist, dass man vor der Wahl steht: Bleibe ich hinter den Mauern? Oder Wage ich den Sprung ins blaue, aber werde dafür vielleicht mit negativem konfrontiert? Der Stil war sehr "literarisch" tragend, und hat damit perfekt das Gefühl der Ewigkeit eingefangen. Durch die zahlreichen Anspielungen auf Literatur und griechische Mythologie hatte ich zwischendrin das Gefühl, dass ich es mit einem Roman zu tun hatte, der unbedingt aussagen wollte: "Schau mal wie viel ich weiß , und wieviele Anspielungen ich habe. " Mir ist da persönlich gutes Handwerk/ein eigener Stil wichtiger, aber ich fand es auch nicht aufgesetzt oder störend, sondern in sich stimmig. Insgesamt fand ich das Buch wirklich gut! Ich finde es hat super viel Potential über philosophische Fragen nachzudenken. Und so etwas liebe ich sehr.☺️











