Himmlischer Frieden
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Description
Über unverbrüchliche Freundschaften, die weltveränderte Kraft von Gemeinschaft und den unschätzbaren Wert von Freiheit
Lai wächst in einem trubeligen Arbeiterviertel in Peking auf. Ihr Vater redet nicht, die Mutter interessiert sich nur für das Geschehen auf dem Hausflur, einzig die Großmutter ist wirklich präsent, kompromisslos in ihrer Liebe zu ihren Enkeln.
Bei einem Nachbarschaftsstreich lernt die junge Lai die Härte des Regimes kennen. Sie zieht sich zurück in die Welt der Bücher und erlangt ein Stipendium an der renommierten Peking-Universität. Dort eröffnet sich ihr eine neue Welt, in der die Meinung frei gesagt wird. Während sich der Widerstand gegen das Regime formiert, findet Lai ihre eigene Stimme und Freunde, die an ihrer Seite stehen auf dem Platz des Himmlischen Friedens.
»Ergreifend und kraftvoll.« DAILY MAIL
»Ein eindringlicher Roman. Lai Wen erweckt in dieser zutiefst persönlichen Erzählung die Vergangenheit zum Leben.« PUBLISHERS WEEKLY
»Ein ergreifendes Epos über die Entwicklung eines politischen Bewusstseins in einer Zeit großer Gefahr.« LOS ANGELES TIMES
»Ein bemerkenswerter Roman, den man nicht mehr vergisst, und der zeigt: Geschichte wird von Frauen geschrieben.« KRISTINA LUNZ
Book Information
Author Description
Lai Wen wurde 1970 in Peking geboren. Sie lebt heute mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in England, nachdem sie China 1989 nach den Protesten am Platz des Himmlischen Friedens verlassen musste.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Jugend in China
In dem Roman begleitet man Lai, die in den 70er/80er Jahren in Peking aufwächst. Dreh- und Angelpunkt ist das Haus, in dem das Mädchen aufwächst. Die Eltern, die Großmutter, der kleine Bruder und die Nachbarschaft bilden das Zentrum von Lai. Die Familie hat jedoch einige Risse. Der Vater leidet unter dem kommunistischen Regime, zieht sich in sich zurück und wird immer schweigsamer. Die Mutter ist stets auf den äußeren Schein und die Anerkennung der anderen bedacht und vernachlässigt dabei ihre Tochter. Lediglich die Großmutter, die sich nicht scheut sich systemkritisch zu äußern, ermuntert ihre Enkelin, mehr aus sich zu machen. Aber das Stille und zurückhaltende Mädchen wird immer angepasster, nachdem sie als Kind mit Freunden eine Ausgehsperre ignoriert und dafür Gewalt von den Soldaten erfahren hat. Immer mehr versucht sie es anderen Recht zu machen und am besten unsichtbar zu sein, mitzuschwimmen und das zu sagen, was die systemtreuen Lehrer hören wollen. Es kommt langsam zu einer Entwicklung, als die Großmutter verstirbt und Lai an der Universität zu studieren beginnt. Dort wendet sich auch noch ihr langjähriger Freund von ihr ab, so dass sie den Druck nur noch durch Ritzen ertragen kann. Aber es langsam beginnt auch eine Wandlung, als sie die unkonventionelle Anna kennenlernt und sich den studentischen Aufstände für Freiheit und Demokratie anschließt, die nachher auf den Protestbekundungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens gipfeln. Der biographische Roman erzählt in leisen Tönen vom Frauenbild Chinas, den Traditionen, der Rolle der Familie und natürlich von Staatshörigkeit und Mitläufertum. Es ist manchmal schwer Lai zu verstehen. Als Leser wünscht man ihr, sie würde nicht alles mit sich machen lassen; durch die frühe Gewalterfahrung blieb ihr aber wohl nichts anderes übrig als sich anzupassen. Verstehen konnte ich wiederum ihre Flucht in fremde Buchwelten und ihre Liebe zur Literatur: "Ich schließe die Seiten um und nahm das entgegen, was Literatur bieten kann. Die Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen, auch wenn es nur kurz anhält. Abstand zum eigenen Leben zu bekommen und an der Erfahrung anderer zu teilhaben als unsichtbare Präsenz irgendwo am Rande der Seiten. Lesen war schon immer mein Zufluchtsort gewesen." "Himmlischer Frieden" ist ein ruhiger Roman und ein Stück Zeitgeschichte Chinas von einem Mädchen, das langsam ihre eigene Stimme findet und war sehr schön zu lesen.
Ein stilles Beben zwischen den Zeilen
Manche Bücher tragen eine solche Kraft in sich, dass sie leise sprechen können – und dennoch nachhallen. Lai Wens Debüt Himmlischer Frieden ist genau so ein Buch. Mit einer zurückgenommenen, fast meditativen Sprache, wie ich sie aus literarischen Werken mit östlicher Prägung kenne, erzählt sie die Geschichte einer jungen Frau inmitten der chinesischen Protestbewegung von 1989 – einer Figur, die so nahbar, so echt ist, dass man meint, sie atmen zu hören. Was mich besonders bewegt hat ist die feine, unaufgeregte Art der Sprache. Sie ist einfach gehalten, und doch durchzogen von gewählten Formulierungen, die in ihrer Schlichtheit eine tiefe Würde tragen. Die Worte fordern nicht – sie laden ein. Während in China Menschen für Freiheit auf die Straße gingen, erlebte Deutschland seine eigene Wende. Der Wunsch nach Freiheit durchzieht das Buch wie ein warmer Strom – nachvollziehbar, universell, und doch in seiner Ausprägung so mutig, dass ich in Ehrfurcht zurückbleibe. Wer dieses Buch liest, wird es nicht vergessen. Vor allem das Ende – ich wage zu behaupten, es wird niemanden geben, der dabei keine Tränen vergießt. Und dann, wenn die letzte Seite umgeblättert ist, wenn man „Tank Man China“ googelt und die Bilder sieht – dann fehlen die Worte. Ein zutiefst menschliches, politisches und poetisches Buch. Ein Dokument der Erinnerung. Ein Debüt, das bleibt.
Horizont erweiternd, aber mit Längen…
Wie so oft weckte als erstes der Titel und auch die Covergestaltung des Buches mein Interesse und nach der Lektüre des Klappentexts war für mich klar: Das möchte ich gern lesen. Wir begleiten Lai auf ihrem Weg vom Kind zur jungen Erwachsenen. So weit so gut. Sie hat wie so viele von uns mit ambivalenten Gefühlen bezüglich ihrer Herkunftsfamilie zu tun, mit der Suche nach ihrer Identität und ihrer Bestimmung und auch mit dem Verlauf und den Folgen ihrer ersten großen Liebe. Auch Freundschaft ist ein Thema, das den ganzen Roman durchzieht. Was nach einer klassischen Coming-of-Age Geschichte klingt, hebt sich insofern ab, dass wir uns im China der 70er und 80er Jahre wiederfinden. Alle Ereignisse laufen auf die Tragödie am Platz den Himmlischen Friedens zu. Wir begleiten Lai und all die Menschen in ihren Leben dabei, wie sie mehr oder weniger angepasst versuchen, ihren Weg in dem erdrückenden politischen System zu finden. Ich habe unglaublich viel gelernt im Rahmen der Lektüre. Ich war sehr oft sehr berührt: Der Besuch von Lai und ihrem Vater an der besonderen Gedenkwand, der gesamte Handlungsstrang in Bezug auf die Großmutter, seien hier genannt. Der Schreibstil war ruhig, sanft und dennoch kraftvoll und manchmal wiederum derb und brutal. Auch das gefiel mir gut. Allerdings fand ich einige Themen recht redundant und auch in die Länge gezogen. An sich hat mir der Abschnitt bis zum Abschied von der Großmutter am besten gefallen und hätte mir fast als eigenständiges Buch ausgereicht. Dennoch kann ich diese tiefgründige Lektüre empfehlen. Sie hat meinen Horizont erweitert. HINWEIS: Gewinn bei Vorablesen. Ihr lest meinen unabhängigen Leseeindruck.
Lai Wen: „Himmlischer Frieden“ entspinnt sich an dem berühmten Bild des Mannes, der sich auf dem Platz des Himmlischen Frieden den Panzern in den Weg stellt - und es kulminiert darin. Es ist ein Coming of Age Roman, eine Gesellschaftsstudie und ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte, aber lässt sich auch sehr viel Zeit für die Protagonistin und ihren Weg der Emanzipation. Für Fans von Charakter zentrierten historischen Stoffen, die um aktuelle Fragen kreisen und sich einen eigenen kleinen Twist erlauben.
Einblicke in Chinas Politik und die Seele einer Heranwachsenden
Auf autobiografische Weise beschreibt die chinesische Autorin ihre Kindheit und Jugend in China. Behutsam und eindringlich zugleich thematisiert sie politische und gesellschaftliche Entwicklungen — stets verwoben mit der Gefühlswelt eines jungen Mädchens, das ihren eigenen Weg sucht. Mich hat vor allem der Schreibstil beeindruckt: poetisch, sanft und bildreich. Besonders die vielen literarischen Abschnitte haben mich sehr berührt und inspiriert. Diese Passagen stachen deutlich heraus aus der ansonsten eher chronologischen Erzählweise — für mich waren sie das Herzstück des Romans. „Worte und Wörter waren das Medium, in dem ich mich am freisten bewegte, in dem ich mich leicht fühlte wie die Luft und frei wie die Berge.“ Einige Themen wiederholen sich im Laufe der über 550 Seiten, was stellenweise zu Redundanz führt und den Erzählfluss etwas bremst. Dennoch hat mir das Buch wertvolle Einblicke in Chinas Politik vermittelt und mit seiner literarischen Sprache beeindruckt. — Triggerwarnung: Ich war überrascht, wie deutlich und bildhaft das Thema Selbstverletzung dargestellt wurde, und hätte mir einen entsprechenden Hinweis für Betroffene gewünscht.

Titel: Himmlischer Frieden Autor:in: Lai Wen Verlag: Ullstein Genre: Literarische Fiktion Reihe: Einzelband Himmlischer Frieden von Autorin Lai Wen ist ein Buch, das mich von der ersten Seite an gepackt hat. Wir begleiten das Leben von Protagonistin Lai, die in China nach Maos Kulturrevolution aufwächst, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Es ist eine Coming-of-Age Story, doch auch so viel mehr als das. Durch die aufmerksamen Augen der jungen Chinesin und ihre scharfe Beobachtungsgabe lernen wir viel über die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Erwachsenen zu dieser Zeit. Dabei sehen wir die ganze Bandbreite an menschlichen Reaktionen, von Resignation bis aufflammendem Protest. Der Schreibstil der Autorin dieses autofiktionalen Romans ist poetisch und kraftvoll. Sie wählt oftmals leisere Töne, die das Gesagte nur umso lauter und erschütternder in mir nachhallen ließen. Auch wenn das Werk auch mit etwas weniger Seiten ausgekommen wäre, gibt es von mir eine klare Empfehlung! Vielen Dank an Vorablesen und den Ullstein Verlag für mein Rezensionsexemplar!
Himmlischer Frieden ist ein autobiografisches, historisches und fiktionalisiertes Werk, das die Geschichte von Lai erzählt.
Sie ist um die 6, als die Geschichte in Peking beginnt, und wächst in einem Arbeiterviertel auf, in dem viele Familien auf engstem Raum in kleinen Wohnungen zusammenwohnen. Es sind die 80er Jahre, Mao ist nicht so lange her verstorben und wurde zu einer Ikone in China erklärt, es herrscht weiterhin (autoritärer) Kommunismus. Als Kind bekommen Lai und ihr kleiner Bruder davon allerdings wenig mit. Sie weiß nur, dass ihr Vater als junger Mann festgenommen wurde — was genau dabei geschieh, weiß niemand. Er spricht nicht davon, ist allerdings regierungskritischer als die Mutter. Das letzte Familienmitglied ist die Großmutter, zu der Lai die engste Verbindung hat und mit der sie sehr viel Zeit verbringt. Eines Tages soll ein ausländischer Politiker in die Stadt einreisen und die Regierung möchte sich von ihrer besten Seite zeigen, verhängt eine Ausgangssperre. Lai und einige ihrer Freund*innen widersetzen sich, schleichen sich raus. Lai und ihr Freund Gen werden festgenommen, dabei kugeln die Polizisten ihr eine Schulter aus und traumatisieren sie so sehr, dass sie nach ihrer Freilassung weitestgehend zu einem angepassten, ruhigen Kind wird, dass viel lernt und liest, nicht auffallen möchte und sich einsam fühlt inmitten von Menschenmassen. Das Buch dreht sich zwar um das chinesische politische Geschehen, bis zu den studentischen Protesten (und vielen Toten) in 1989, wir begleiten aber vor allem Lai dabei, wie sie erwachsen wird, und selbst politisch aktiv wird — wie sie sich in Bücher, dann in einen (toxischen) Mann verliebt, wie sie vereinsamt und (Achtung TW) sich selbst verletzt, um dem Schmerz des Lebens zu entkommen, wie sie an die Uni kommt aufgrund herausragender schriftstellerischer Leistungen und dort Anschluss findet bei einer Gruppe von kreativen Menschen, die alle irgendwie die Normen sprengen. Bis sie sich selbst am Platz des himmlischen Friedens wiederfindet bei den Protesten. Ich finde, dieses Buch hat keine Seite zu viel oder zu wenig. Es ist unglaublich schön und persönlich geschrieben, vor allem die Beziehung zur Großmutter und das Leiden dieser mit Demenz hat mich sehr gerührt. Auch das Ende des Buches war sehr emotional. Eine alles in allem absolute Leseempfehlung. Das einzige, was mir hin und wieder sauer aufgestoßen ist, war die wiederholt verwendete diskriminierende fettfeindliche Sprache. Vielen Dank an NetGalley für das digitale Leseexemplar—dies hat meinen Eindruck vom Buch nicht beeinflusst.
Lai Wens Roman „Himmlischer Frieden“ nimmt uns mit auf eine eindrucksvolle Reise von Pekings Arbeitervierteln bis zu den dramatischen Ereignissen der Tian’anmen-Proteste 1989. Lai Wen, geboren 1970 in Peking, verließ China nach diesen Protesten und lebt heute in England. Ihre Geschichte verbindet persönliche Erinnerungen mit politischem Engagement und dem universellen Streben nach Freiheit. Worum geht’s? Das Buch schildert Lai Wens Aufwachsen in einer kleinen, von Armut und gesellschaftlichen Zwängen geprägten Wohnung. Während ihre Eltern kaum sprechen, ist die Großmutter die feste Bezugsperson. Lai entdeckt die Welt der Bücher, erhält ein Stipendium für die Universität und wird Zeugin und Teilnehmerin der Protestbewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Dabei zeichnet der Roman nicht nur die politischen Umbrüche, sondern auch die vielschichtigen menschlichen Beziehungen und den Wert von Freundschaft und Gemeinschaft nach. Meine Meinung Der Roman mit seinen über 550 Seiten ist ein ehrgeiziges Projekt, das mich zunächst etwas herausforderte. Die ersten 150 Seiten fielen mir schwer; die Handlung entwickelte sich langsam, und die vielen Details schienen zunächst wenig Fokus zu haben. Doch danach gewann die Erzählung erheblich an Dynamik und emotionaler Tiefe. Besonders berührt hat mich die ungeschönte Darstellung des Familienlebens und der sozialen Zwänge. Gewalt gegen Frauen wird als gesellschaftliches Tabu gezeigt: „Bei diesen Gelegenheiten übte sich das gesamte Stockwerk in einer ebenso sonderbaren wie surrealen Scharade...“ (S. 14). Diese Alltagssituationen werden nicht nur erzählt, sondern spürbar gemacht. Die Großmutter, die inmitten dieser Verhältnisse ihre eigene Form von weiblichem Widerstand lebt, wird zur Symbolfigur für kleinen, aber hartnäckigen Mut. Die Reflexionen über Erinnerung und Identität sind ein weiterer Pluspunkt. Lai Wen beschreibt, wie ihre Großmutter an Demenz erkrankt, und welche Bedeutung dies für den Verlust und die Trauer hat: „Was die Demenz meiner Großmutter mich lehrte, war, dass es möglich ist, um die Lebenden genauso zu trauern wie um die Toten“ (S. 279). Auch der Generationenkonflikt mit der Mutter, geprägt von Verletzungen und unausgesprochenen Schmerzen, zeigt die Komplexität familiärer Bindungen. Politisch ist das Buch tief verwurzelt, erzählt von den mutigen Protesten junger Menschen und dem brutalen Regime, das diese unterdrückt. Die Dynamik der Studentenproteste und die Kraft der Freundschaft werden greifbar: „Wir alle gestalteten die Horizonte der Zukunft...“ (S. 479). Gleichzeitig bleibt Lai Wen menschlich nahbar, wenn sie von eigenen Ängsten und dem Gefühl des Kleinseins berichtet. Literatur und das Lesen selbst werden als befreiende Kraft thematisiert, etwa im Gespräch mit dem Buchhändler: „Jeder stiehlt ein kleines Stück eines Buches, wenn er es liest“ (S. 144). Dies ist ein schönes Bild für die Wirkung von Geschichten und Wissen. Auch wenn das Buch zu Beginn sehr ausführlich ist, bietet es durch seine Vielschichtigkeit und den ehrlichen Blick auf gesellschaftliche und persönliche Themen ein großes Leseerlebnis. Die Mischung aus politischem Widerstand, Familiendrama und persönlicher Reflexion macht „Himmlischer Frieden“ zu einem wichtigen Werk, das zur Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart einlädt. Fazit Mit 3,5 von 5 Sternen bewerte ich das Buch als wertvolle Lektüre, die Mut macht, trotz aller Widrigkeiten für Freiheit und Gemeinschaft einzustehen. Der langsame Einstieg ist dem Umfang und der Tiefe geschuldet, doch lohnt sich das Durchhalten. Vielen Dank an Vorablesen und den Ullstein Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar!
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Über unverbrüchliche Freundschaften, die weltveränderte Kraft von Gemeinschaft und den unschätzbaren Wert von Freiheit
Lai wächst in einem trubeligen Arbeiterviertel in Peking auf. Ihr Vater redet nicht, die Mutter interessiert sich nur für das Geschehen auf dem Hausflur, einzig die Großmutter ist wirklich präsent, kompromisslos in ihrer Liebe zu ihren Enkeln.
Bei einem Nachbarschaftsstreich lernt die junge Lai die Härte des Regimes kennen. Sie zieht sich zurück in die Welt der Bücher und erlangt ein Stipendium an der renommierten Peking-Universität. Dort eröffnet sich ihr eine neue Welt, in der die Meinung frei gesagt wird. Während sich der Widerstand gegen das Regime formiert, findet Lai ihre eigene Stimme und Freunde, die an ihrer Seite stehen auf dem Platz des Himmlischen Friedens.
»Ergreifend und kraftvoll.« DAILY MAIL
»Ein eindringlicher Roman. Lai Wen erweckt in dieser zutiefst persönlichen Erzählung die Vergangenheit zum Leben.« PUBLISHERS WEEKLY
»Ein ergreifendes Epos über die Entwicklung eines politischen Bewusstseins in einer Zeit großer Gefahr.« LOS ANGELES TIMES
»Ein bemerkenswerter Roman, den man nicht mehr vergisst, und der zeigt: Geschichte wird von Frauen geschrieben.« KRISTINA LUNZ
Book Information
Author Description
Lai Wen wurde 1970 in Peking geboren. Sie lebt heute mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in England, nachdem sie China 1989 nach den Protesten am Platz des Himmlischen Friedens verlassen musste.
Posts
Jugend in China
In dem Roman begleitet man Lai, die in den 70er/80er Jahren in Peking aufwächst. Dreh- und Angelpunkt ist das Haus, in dem das Mädchen aufwächst. Die Eltern, die Großmutter, der kleine Bruder und die Nachbarschaft bilden das Zentrum von Lai. Die Familie hat jedoch einige Risse. Der Vater leidet unter dem kommunistischen Regime, zieht sich in sich zurück und wird immer schweigsamer. Die Mutter ist stets auf den äußeren Schein und die Anerkennung der anderen bedacht und vernachlässigt dabei ihre Tochter. Lediglich die Großmutter, die sich nicht scheut sich systemkritisch zu äußern, ermuntert ihre Enkelin, mehr aus sich zu machen. Aber das Stille und zurückhaltende Mädchen wird immer angepasster, nachdem sie als Kind mit Freunden eine Ausgehsperre ignoriert und dafür Gewalt von den Soldaten erfahren hat. Immer mehr versucht sie es anderen Recht zu machen und am besten unsichtbar zu sein, mitzuschwimmen und das zu sagen, was die systemtreuen Lehrer hören wollen. Es kommt langsam zu einer Entwicklung, als die Großmutter verstirbt und Lai an der Universität zu studieren beginnt. Dort wendet sich auch noch ihr langjähriger Freund von ihr ab, so dass sie den Druck nur noch durch Ritzen ertragen kann. Aber es langsam beginnt auch eine Wandlung, als sie die unkonventionelle Anna kennenlernt und sich den studentischen Aufstände für Freiheit und Demokratie anschließt, die nachher auf den Protestbekundungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens gipfeln. Der biographische Roman erzählt in leisen Tönen vom Frauenbild Chinas, den Traditionen, der Rolle der Familie und natürlich von Staatshörigkeit und Mitläufertum. Es ist manchmal schwer Lai zu verstehen. Als Leser wünscht man ihr, sie würde nicht alles mit sich machen lassen; durch die frühe Gewalterfahrung blieb ihr aber wohl nichts anderes übrig als sich anzupassen. Verstehen konnte ich wiederum ihre Flucht in fremde Buchwelten und ihre Liebe zur Literatur: "Ich schließe die Seiten um und nahm das entgegen, was Literatur bieten kann. Die Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen, auch wenn es nur kurz anhält. Abstand zum eigenen Leben zu bekommen und an der Erfahrung anderer zu teilhaben als unsichtbare Präsenz irgendwo am Rande der Seiten. Lesen war schon immer mein Zufluchtsort gewesen." "Himmlischer Frieden" ist ein ruhiger Roman und ein Stück Zeitgeschichte Chinas von einem Mädchen, das langsam ihre eigene Stimme findet und war sehr schön zu lesen.
Ein stilles Beben zwischen den Zeilen
Manche Bücher tragen eine solche Kraft in sich, dass sie leise sprechen können – und dennoch nachhallen. Lai Wens Debüt Himmlischer Frieden ist genau so ein Buch. Mit einer zurückgenommenen, fast meditativen Sprache, wie ich sie aus literarischen Werken mit östlicher Prägung kenne, erzählt sie die Geschichte einer jungen Frau inmitten der chinesischen Protestbewegung von 1989 – einer Figur, die so nahbar, so echt ist, dass man meint, sie atmen zu hören. Was mich besonders bewegt hat ist die feine, unaufgeregte Art der Sprache. Sie ist einfach gehalten, und doch durchzogen von gewählten Formulierungen, die in ihrer Schlichtheit eine tiefe Würde tragen. Die Worte fordern nicht – sie laden ein. Während in China Menschen für Freiheit auf die Straße gingen, erlebte Deutschland seine eigene Wende. Der Wunsch nach Freiheit durchzieht das Buch wie ein warmer Strom – nachvollziehbar, universell, und doch in seiner Ausprägung so mutig, dass ich in Ehrfurcht zurückbleibe. Wer dieses Buch liest, wird es nicht vergessen. Vor allem das Ende – ich wage zu behaupten, es wird niemanden geben, der dabei keine Tränen vergießt. Und dann, wenn die letzte Seite umgeblättert ist, wenn man „Tank Man China“ googelt und die Bilder sieht – dann fehlen die Worte. Ein zutiefst menschliches, politisches und poetisches Buch. Ein Dokument der Erinnerung. Ein Debüt, das bleibt.
Horizont erweiternd, aber mit Längen…
Wie so oft weckte als erstes der Titel und auch die Covergestaltung des Buches mein Interesse und nach der Lektüre des Klappentexts war für mich klar: Das möchte ich gern lesen. Wir begleiten Lai auf ihrem Weg vom Kind zur jungen Erwachsenen. So weit so gut. Sie hat wie so viele von uns mit ambivalenten Gefühlen bezüglich ihrer Herkunftsfamilie zu tun, mit der Suche nach ihrer Identität und ihrer Bestimmung und auch mit dem Verlauf und den Folgen ihrer ersten großen Liebe. Auch Freundschaft ist ein Thema, das den ganzen Roman durchzieht. Was nach einer klassischen Coming-of-Age Geschichte klingt, hebt sich insofern ab, dass wir uns im China der 70er und 80er Jahre wiederfinden. Alle Ereignisse laufen auf die Tragödie am Platz den Himmlischen Friedens zu. Wir begleiten Lai und all die Menschen in ihren Leben dabei, wie sie mehr oder weniger angepasst versuchen, ihren Weg in dem erdrückenden politischen System zu finden. Ich habe unglaublich viel gelernt im Rahmen der Lektüre. Ich war sehr oft sehr berührt: Der Besuch von Lai und ihrem Vater an der besonderen Gedenkwand, der gesamte Handlungsstrang in Bezug auf die Großmutter, seien hier genannt. Der Schreibstil war ruhig, sanft und dennoch kraftvoll und manchmal wiederum derb und brutal. Auch das gefiel mir gut. Allerdings fand ich einige Themen recht redundant und auch in die Länge gezogen. An sich hat mir der Abschnitt bis zum Abschied von der Großmutter am besten gefallen und hätte mir fast als eigenständiges Buch ausgereicht. Dennoch kann ich diese tiefgründige Lektüre empfehlen. Sie hat meinen Horizont erweitert. HINWEIS: Gewinn bei Vorablesen. Ihr lest meinen unabhängigen Leseeindruck.
Lai Wen: „Himmlischer Frieden“ entspinnt sich an dem berühmten Bild des Mannes, der sich auf dem Platz des Himmlischen Frieden den Panzern in den Weg stellt - und es kulminiert darin. Es ist ein Coming of Age Roman, eine Gesellschaftsstudie und ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte, aber lässt sich auch sehr viel Zeit für die Protagonistin und ihren Weg der Emanzipation. Für Fans von Charakter zentrierten historischen Stoffen, die um aktuelle Fragen kreisen und sich einen eigenen kleinen Twist erlauben.
Einblicke in Chinas Politik und die Seele einer Heranwachsenden
Auf autobiografische Weise beschreibt die chinesische Autorin ihre Kindheit und Jugend in China. Behutsam und eindringlich zugleich thematisiert sie politische und gesellschaftliche Entwicklungen — stets verwoben mit der Gefühlswelt eines jungen Mädchens, das ihren eigenen Weg sucht. Mich hat vor allem der Schreibstil beeindruckt: poetisch, sanft und bildreich. Besonders die vielen literarischen Abschnitte haben mich sehr berührt und inspiriert. Diese Passagen stachen deutlich heraus aus der ansonsten eher chronologischen Erzählweise — für mich waren sie das Herzstück des Romans. „Worte und Wörter waren das Medium, in dem ich mich am freisten bewegte, in dem ich mich leicht fühlte wie die Luft und frei wie die Berge.“ Einige Themen wiederholen sich im Laufe der über 550 Seiten, was stellenweise zu Redundanz führt und den Erzählfluss etwas bremst. Dennoch hat mir das Buch wertvolle Einblicke in Chinas Politik vermittelt und mit seiner literarischen Sprache beeindruckt. — Triggerwarnung: Ich war überrascht, wie deutlich und bildhaft das Thema Selbstverletzung dargestellt wurde, und hätte mir einen entsprechenden Hinweis für Betroffene gewünscht.

Titel: Himmlischer Frieden Autor:in: Lai Wen Verlag: Ullstein Genre: Literarische Fiktion Reihe: Einzelband Himmlischer Frieden von Autorin Lai Wen ist ein Buch, das mich von der ersten Seite an gepackt hat. Wir begleiten das Leben von Protagonistin Lai, die in China nach Maos Kulturrevolution aufwächst, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Es ist eine Coming-of-Age Story, doch auch so viel mehr als das. Durch die aufmerksamen Augen der jungen Chinesin und ihre scharfe Beobachtungsgabe lernen wir viel über die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Erwachsenen zu dieser Zeit. Dabei sehen wir die ganze Bandbreite an menschlichen Reaktionen, von Resignation bis aufflammendem Protest. Der Schreibstil der Autorin dieses autofiktionalen Romans ist poetisch und kraftvoll. Sie wählt oftmals leisere Töne, die das Gesagte nur umso lauter und erschütternder in mir nachhallen ließen. Auch wenn das Werk auch mit etwas weniger Seiten ausgekommen wäre, gibt es von mir eine klare Empfehlung! Vielen Dank an Vorablesen und den Ullstein Verlag für mein Rezensionsexemplar!
Himmlischer Frieden ist ein autobiografisches, historisches und fiktionalisiertes Werk, das die Geschichte von Lai erzählt.
Sie ist um die 6, als die Geschichte in Peking beginnt, und wächst in einem Arbeiterviertel auf, in dem viele Familien auf engstem Raum in kleinen Wohnungen zusammenwohnen. Es sind die 80er Jahre, Mao ist nicht so lange her verstorben und wurde zu einer Ikone in China erklärt, es herrscht weiterhin (autoritärer) Kommunismus. Als Kind bekommen Lai und ihr kleiner Bruder davon allerdings wenig mit. Sie weiß nur, dass ihr Vater als junger Mann festgenommen wurde — was genau dabei geschieh, weiß niemand. Er spricht nicht davon, ist allerdings regierungskritischer als die Mutter. Das letzte Familienmitglied ist die Großmutter, zu der Lai die engste Verbindung hat und mit der sie sehr viel Zeit verbringt. Eines Tages soll ein ausländischer Politiker in die Stadt einreisen und die Regierung möchte sich von ihrer besten Seite zeigen, verhängt eine Ausgangssperre. Lai und einige ihrer Freund*innen widersetzen sich, schleichen sich raus. Lai und ihr Freund Gen werden festgenommen, dabei kugeln die Polizisten ihr eine Schulter aus und traumatisieren sie so sehr, dass sie nach ihrer Freilassung weitestgehend zu einem angepassten, ruhigen Kind wird, dass viel lernt und liest, nicht auffallen möchte und sich einsam fühlt inmitten von Menschenmassen. Das Buch dreht sich zwar um das chinesische politische Geschehen, bis zu den studentischen Protesten (und vielen Toten) in 1989, wir begleiten aber vor allem Lai dabei, wie sie erwachsen wird, und selbst politisch aktiv wird — wie sie sich in Bücher, dann in einen (toxischen) Mann verliebt, wie sie vereinsamt und (Achtung TW) sich selbst verletzt, um dem Schmerz des Lebens zu entkommen, wie sie an die Uni kommt aufgrund herausragender schriftstellerischer Leistungen und dort Anschluss findet bei einer Gruppe von kreativen Menschen, die alle irgendwie die Normen sprengen. Bis sie sich selbst am Platz des himmlischen Friedens wiederfindet bei den Protesten. Ich finde, dieses Buch hat keine Seite zu viel oder zu wenig. Es ist unglaublich schön und persönlich geschrieben, vor allem die Beziehung zur Großmutter und das Leiden dieser mit Demenz hat mich sehr gerührt. Auch das Ende des Buches war sehr emotional. Eine alles in allem absolute Leseempfehlung. Das einzige, was mir hin und wieder sauer aufgestoßen ist, war die wiederholt verwendete diskriminierende fettfeindliche Sprache. Vielen Dank an NetGalley für das digitale Leseexemplar—dies hat meinen Eindruck vom Buch nicht beeinflusst.
Lai Wens Roman „Himmlischer Frieden“ nimmt uns mit auf eine eindrucksvolle Reise von Pekings Arbeitervierteln bis zu den dramatischen Ereignissen der Tian’anmen-Proteste 1989. Lai Wen, geboren 1970 in Peking, verließ China nach diesen Protesten und lebt heute in England. Ihre Geschichte verbindet persönliche Erinnerungen mit politischem Engagement und dem universellen Streben nach Freiheit. Worum geht’s? Das Buch schildert Lai Wens Aufwachsen in einer kleinen, von Armut und gesellschaftlichen Zwängen geprägten Wohnung. Während ihre Eltern kaum sprechen, ist die Großmutter die feste Bezugsperson. Lai entdeckt die Welt der Bücher, erhält ein Stipendium für die Universität und wird Zeugin und Teilnehmerin der Protestbewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Dabei zeichnet der Roman nicht nur die politischen Umbrüche, sondern auch die vielschichtigen menschlichen Beziehungen und den Wert von Freundschaft und Gemeinschaft nach. Meine Meinung Der Roman mit seinen über 550 Seiten ist ein ehrgeiziges Projekt, das mich zunächst etwas herausforderte. Die ersten 150 Seiten fielen mir schwer; die Handlung entwickelte sich langsam, und die vielen Details schienen zunächst wenig Fokus zu haben. Doch danach gewann die Erzählung erheblich an Dynamik und emotionaler Tiefe. Besonders berührt hat mich die ungeschönte Darstellung des Familienlebens und der sozialen Zwänge. Gewalt gegen Frauen wird als gesellschaftliches Tabu gezeigt: „Bei diesen Gelegenheiten übte sich das gesamte Stockwerk in einer ebenso sonderbaren wie surrealen Scharade...“ (S. 14). Diese Alltagssituationen werden nicht nur erzählt, sondern spürbar gemacht. Die Großmutter, die inmitten dieser Verhältnisse ihre eigene Form von weiblichem Widerstand lebt, wird zur Symbolfigur für kleinen, aber hartnäckigen Mut. Die Reflexionen über Erinnerung und Identität sind ein weiterer Pluspunkt. Lai Wen beschreibt, wie ihre Großmutter an Demenz erkrankt, und welche Bedeutung dies für den Verlust und die Trauer hat: „Was die Demenz meiner Großmutter mich lehrte, war, dass es möglich ist, um die Lebenden genauso zu trauern wie um die Toten“ (S. 279). Auch der Generationenkonflikt mit der Mutter, geprägt von Verletzungen und unausgesprochenen Schmerzen, zeigt die Komplexität familiärer Bindungen. Politisch ist das Buch tief verwurzelt, erzählt von den mutigen Protesten junger Menschen und dem brutalen Regime, das diese unterdrückt. Die Dynamik der Studentenproteste und die Kraft der Freundschaft werden greifbar: „Wir alle gestalteten die Horizonte der Zukunft...“ (S. 479). Gleichzeitig bleibt Lai Wen menschlich nahbar, wenn sie von eigenen Ängsten und dem Gefühl des Kleinseins berichtet. Literatur und das Lesen selbst werden als befreiende Kraft thematisiert, etwa im Gespräch mit dem Buchhändler: „Jeder stiehlt ein kleines Stück eines Buches, wenn er es liest“ (S. 144). Dies ist ein schönes Bild für die Wirkung von Geschichten und Wissen. Auch wenn das Buch zu Beginn sehr ausführlich ist, bietet es durch seine Vielschichtigkeit und den ehrlichen Blick auf gesellschaftliche und persönliche Themen ein großes Leseerlebnis. Die Mischung aus politischem Widerstand, Familiendrama und persönlicher Reflexion macht „Himmlischer Frieden“ zu einem wichtigen Werk, das zur Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart einlädt. Fazit Mit 3,5 von 5 Sternen bewerte ich das Buch als wertvolle Lektüre, die Mut macht, trotz aller Widrigkeiten für Freiheit und Gemeinschaft einzustehen. Der langsame Einstieg ist dem Umfang und der Tiefe geschuldet, doch lohnt sich das Durchhalten. Vielen Dank an Vorablesen und den Ullstein Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar!














