Hier ist es schön

Hier ist es schön

Hardback
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VerlustFluchtMars-One-ProjektMedien

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Description

An einem Tag im August beschließt Irma, die Erde zu verlassen, ihren Eltern und Freunden für immer den Rücken zu kehren und eine Heldin zu werden. Gemeinsam mit dem rätselhaften Sam wird sie in einer spektakulären Fernsehshow dafür ausgewählt, einen neuen Planeten zu besiedeln. Doch dann entscheidet sich Sam plötzlich anders. Er, der abgeschirmt von der Welt und den Menschen aufwuchs, ergreift die Flucht. Er will endlich Antworten auf die Fragen nach seiner Herkunft, nach seiner Geschichte. Und so begeben sich Sam und Irma auf eine Reise – nicht ins All, sondern durch abgestorbene Wälder, lebensfeindliche Städte, entlang leerer Straßen. Sie entdecken eine kaputte Welt von surrealer Schönheit, verfolgt – oder doch gelenkt? – von Mächten, die Puppenspielern gleich im Hintergrund die Fäden ziehen.

Hier ist es schön ist ein so phantastischer wie gegenwärtiger Roman über den Größenwahn der Menschen, die Ausbeutung der Natur, die totale Überwachung, den Zynismus von Reality-Shows – vor allem aber ist es ein Roman über das Wünschen und das Träumen, ein zärtliches Porträt zweier junger Menschen und ihres Kampfes um Freiheit und Selbstbestimmung.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
389
Price
24.70 €

Author Description

Annika Scheffel, 1983 in Hannover geboren, ist Prosa- und Drehbuchautorin. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar 2013 und dem Robert Gernhardt Preis 2015. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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Ich wusste nichts über Hier ist es schön, als ich es auf meine Wunschliste gepackt habe. Na ja, nichts außer der Zusammenfassung auf Amazon. Es hat aber sehr gut in mein Ziel, mehr original deutsche Bücher zu lesen gepasst und die Story klang wirklich interessant, also konnte ich nicht widerstehen.  Dieses Buch ist definitiv anders, als die meisten Bücher. Die gesamte Einführung in die Handlung und Charaktere findet über Briefe statt. Ein Großteil der ersten 100 Seiten ist nur das. Briefe, die sich über ungefähr zehn Jahre ziehen und die Situation auf der Welt beschreiben. So lernt man die Charaktere zuerst kennen, über Worte, die an die Protagonistin Irma gerichtet sind. Es fiel mir hier zuerst schwer, mich an die Briefe zu gewöhnen und ich hätte es bevorzugt, wenn sie schon früher durch wirkliche Erzählung aufgelockert worden wären. Dennoch finde ich, dass so dem Buch eine besondere Einleitung gegeben wurde, die ich sonst noch nicht so gesehen habe.  Die Handlung selbst beginnt mit Sams Flucht aus in die Welt und Irma, die sich ihm sofort anschließt. Ihre Reise ist realistischer, als so etwas meistens in Büchern beschrieben wird. Es wird viel auf die verschiedenen Bedürfnisse eines Körpers hingewiesen und das gefällt mir immer gut. Ihr Weg auf der Suche nach der Insel wird hier immer wieder mit Erinnerungen aufgelockert, zuerst Szenen aus Irmas Vergangenheit und dann auch aus Sams. Mir hat das sehr gut gefallen, es war eine gute Möglichkeit, dem Leser wichtige Informationen zu geben, ohne dass es in der gegenwärtigen Handlung erklärt werden musste.  Mir hat die Welt sehr gut gefallen, die in diesem Roman gemalt wird. Es war eine sehr interessante und realistische Zukunftsvision, in der viel Liebe fürs Detail zu sehen ist.  Auch die Charaktere fand ich sehr ansprechend. Besonders Sam fand ich nicht nur super lustig, wahrscheinlich eher auf Kosten seiner Unwissenheit, aber auch super geschrieben. Er weiß wenig über die Welt und besonders Redewendungen, was mich oft zum Grinsen gebracht hat. Besonders amüsant wird dies aber auch durch Irmas eher zynische Art. Weiterhin fand ich es klasse, dass dieses Buch keinen unangenehmen romantischen Unterton hatte. Sam und Irma sollen zwar zusammen auf einen anderen Planeten gehen, aber sie sind nicht ineinander verliebt und es sieht auch nicht so aus, als würde das noch was werden. Außerdem wird es in der Handlung deutlich, dass Sam allgemein mehr an Männern interessiert ist, ein weiteres Detail, dass ich sehr gut angebracht fand.  Am Ende wurde das Buch jedoch etwas zu abgefahren für mich. Ich bin nicht ganz sicher, was echt war und was nicht, ich glaube auch, dass war der Plan bei dieser Geschichte. Trotzdem war ich am Ende etwas verwirrt und hätte mir eine Erklärung jeglicher Art erhofft. Ich sehe jedoch auch, wieso es so geendet hat, hier spricht nur persönliche Präferenz aus mir.  Allgemein hat mir dieses Buch unheimlich gut gefallen und ich würde es jedem empfehlen, der eine kreative, besondere Sicht auf unsere Zukunft voller interessanter und realistischer Charaktere mit tiergehenden Botschaften sucht. Ich gebe nur nicht die vollen 5 Sterne, weil ich mir an manchen Stellen mehr erhofft hatte, aber es ist definitiv ein grandioses Buch, dass sich jeder wenigstens mal ansehen sollte. 

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„Hier ist es schön“ von Annika Scheffel ist eines dieser Bücher, bei denen man nicht weiß, woran man ist. Allein der Klapptentext klingt nach Coming-of-Age, Sci-Fi, vielleicht auch Jugendroman — das hat mich neugierig gemacht. Das und dieses wunderwunderschöne Cover, auf dem man eine Sternenkarte sieht. Es geht um Irma, die ihr normales, plätscherndes Leben ein wenig satt hat. Als ein Fernsehsender junge Menschen sucht, die sich auf eine interstellare Reise begeben wollen, um das Fortleben der Menschheit zu sichern, zögert sie nicht lange und bewirbt sich. Und sie wird ausgewählt. Ihre Freunde und Familie sind schockiert und kommen nicht darüber weg, als Irma sie verlässt. Zehn Jahre soll sie nun in einer Art Arena leben, in der sie und die anderen Jugendlichen für die Mission trainiert werden — aber nur zwei von ihnen sollen später ausgewählt werden, um die Reise anzutreten. Wie sich der Sender das vorgestellt hat, dass man mit nur zwei Menschen einen neuen Planeten besiedeln soll, bleibt ein Geheimnis. 😀 Nach zehn Jahren, so heißt es, sollen die Familien ihre Sprösslinge noch ein letztes Mal sehen dürfen. Doch das fällt ins Wasser, und stattdessen sollen Irma (natürlich wurde sie ausgewählt!) und Sam (der das Leben außerhalb der Arena nicht kennt) sofort das Raumschiff besteigen. Doch Sam hat da andere Pläne. Bevor er die Erde verlässt, möchte er sie zumindest ein Mal gesehen haben. Irma folgt ihm, mehr genötigt als freiwillig, und begleitet ihn bei der ersten und letzten Reise auf unserem Heimatplaneten. "Wir alle hier draußen suchen nach einer Zukunft, die sich lohnt. Ich frage mich, ob das so schlau ist — wer kümmert sich um die Gegenwart? Warum wird Lohnenswertes immer in anderen Zeiten, an anderen Orten vermutet? Ich habe […] irgendwie das Gefühl, wir lassen die Gegenwart im Stich." Dieser Roman hat es innerhalb der ersten Seiten geschafft, dass ich mich so auf das noch Kommende gefreut habe, es ist unfassbar. Durch Briefe, die allerlei Personen an Irma, als sie schon in der Arena war, gesendet haben, erfährt man zunächst nicht viel. Doch irgendwie auch schon zu viel. Aber man weiß noch nicht alles, man wird neugierig. Sehr neugierig. Wie ist der Alltag in der Arena? Wie sieht das Raumschiff aus? Und wann geht’s denn auf ins All? Das sind alles Fragen, die unbeantwortet bleiben. Über den Alltag in der Arena erfährt man wenig bis kaum etwas, das Schiff wird nur verschwommen beschrieben und wann es ins All geht, weiß ich auch nicht. Nachdem Annika Scheffel von den Briefen nach draußen, außerhalb der Arena, wechselt, fällt der Spannungsbogen rapide ab. Wir erfahren allerhand über Irmas Familie und auch, was aus ihren Freunden geworden ist, wie alle gespannt die Fernsehsendung schauen und in den Aufzeichnungen nach einem Zeichen suchen, dass Irma ihre Briefe gelesen hat. Irmas Eltern fallen immer tiefer in ein schwarzes Loch, und vor allem ihre Mutter kommt mit dem Verlust ihrer Tochter überhaupt nicht zurecht. Die Charaktere von Irmas Mutter und Vater, ja sogar von Sam, sind wunderbar ausgefleischt — im Gegensatz zu Irma selbst: Sie ist die Person, die ich in diesem Roman am wenigsten mag. Sie erscheint trotzig, stur, launisch und nicht besonders freundlich. Da habe ich deutlich mehr mit ihren Eltern mitgefühlt, die darunter leiden, dass ihre Tochter sich gegen ein Leben mit ihnen, auf der Erde, entschieden hat und allen und allem den Rücken kehrt. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/annika-scheffel-hier-ist-es-schoen

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„Warum wird Lohnenswertes immer in anderen Zeiten, an anderen Orten vermutet?“ Ich weiß nicht so recht, was ich über Annika Scheffels „Hier ist es schön“ schreiben soll. Ich weiß nicht, wie ich dem Roman gerecht werden kann. „Hier ist es schön“ ist einer der Romane, die seine Leserschaft in zwei Fraktionen teilen: Die eine Fraktion wird den Roman schon während des Lesens ziemlich schlecht finden – vielleicht langweilig, vielleicht vom Stil her schwierig, vielleicht zu fragmentarisch, zu wenig konkret, nicht logisch – und am Ende Bestätigung finden; die andere Fraktion wird das Buch gut, vielleicht sogar sehr gut finden – den Stil eventuell schwierig, aber doch passend finden, das Fragmentarische gut heißen, froh sein, nicht alles bis ins Letzte erklärt zu bekommen, sich emotional vielleicht mitreißen lassen. Vielleicht wird sich sogar eine dritte Fraktion finden, die sich irgendwo in der Mitte befindet. Eins ist aber klar: Die Geister werden sich scheiden. Gestern habe ich das Buch beendet und es lässt mich nicht mehr los. Tatsächlich habe ich die halbe Nacht wach gelegen, weil es mich so beschäftigt hat. Und auch nach dem Aufstehen waren die ersten Gedanken wieder bei dem Buch. Und zwar nicht, weil ich frustriert bin oder verärgert, sondern weil es mich auf eine ganz merkwürdige Art mitgenommen hat. Und weil ich mich frage, wie ich eine Rezension verfassen soll, die dem Buch gerecht wird, die meine Begeisterung widerspiegelt, ohne dass ich euch auf die falsche Fährte locke und ihr ein Buch kauft, das ihr scheiße findet. Denn ganz ehrlich: Die – sehr kurze – Inhaltsangabe auf dem Buchrücken hat mich persönlich auf eine falsche Fährte gelockt. Ich habe ein völlig anderes Buch erwartet. Auch wenn vieles so anmutet, ist „Hier ist es schön“ meiner Meinung nach kein Jugendroman, schon gar kein typischer Jugendroman. Eher ist es ein Buch für Erwachsene. Und auch wenn es in einer dystopischen Zukunft spielt – die Erde ist dem Untergang geweiht und die Protagonisten sollen auf einem anderen Planeten eine neue Zivilisation gründen – ist es auch keine Dystopie, wie ich sie bisher kenne. Ich würde den Roman als „literarische Dystopie“ bezeichnen. Das passt aus meiner Sicht ganz gut. Annika Scheffel geht während des gesamten Verlaufs kein einziges mal ins Detail. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern. Die Roman besteht aus Bruchstücken, ist eher fragmentarisch aufgebaut. Die Sätze sind kurz und verstärken den bruchstückhaften Charakter. Die Phantasie des Lesers ist im Grunde genommen immer gefragt, immer muss er das Erzählte für sich ergänzen, muss sich seine eigenen Gedanken machen, wie die Welt beschaffen ist, muss selbst visualisieren, aber eben auch selbst die Charaktere vervollständigen. Das kann Spaß machen, das kann aber auch nerven. Mir hat das Fragmentarische gefallen. Mir hat es gefallen, dass ich mir im Prinzip meine eigene Geschichte basteln konnte, dass mir nicht vorgegeben wurde, was ich zu denken und zu fühlen habe. Und wenn ich so einige Kritiken hier im Internet lese, zum Beispiel die vom SWR oder die vom MDR, dann stelle ich fest, dass ich ein völlig anderes Buch gelesen habe als deren Kritiker. Spricht das nun für oder gegen das Buch? Es ist egal. Das Kapitel „Vorspann“, „Innen“, „Briefe I“ etc. fand ich anfangs sehr bemüht. Irgendwann ging mir die Briefe sogar auf die Nerven. Ich wollte endlich, dass die Geschichte beginnt! Und dann habe ich mich irgendwann bewusst entschieden, meine Erwartungshaltung komplett aufzugeben, nicht nach Logik und Sinn zu suchen, sondern das Buch einfach nur noch auf mich wirken zu lassen – ab da genoss ich es, konnte plötzlich mitfühlen, konnte alles als gegeben akzeptieren, ohne im Detail zu untersuchen, ob denn alles Sinn ergibt. Ergibt es nicht. Muss es auch nicht. Darum geht es aus meiner Sicht auch nicht. Ich habe „Hier ist es schön“ als ein melancholisches Werk wahrgenommen, ein wehmütiges Werk – zumindest habe ich Wehmut empfunden. Die Welt wird untergehen. So oder so. Jeder Mensch geht anders damit um. Aber jeder Mensch braucht auch etwas Hoffnung. Das zeigt „Hier ist es schön“. Und auch die Entwicklung, die die Menschen innerhalb der 10 Jahre, in denen Irma und Sam in der Arena auf ihre Mission vorbereitet wurden, wird aufgezeigt. Ich will nicht allzu sehr ins Detail gehen, weil ich nicht zu viel verraten will (genau genommen will ich nicht verraten, wie viel im Roman NICHT verraten wird). So viel sei gesagt: Wir wissen noch nicht einmal genau, wo auf der Erde der Roman spielt und erfahren auch nie, wann er spielt. Und wir erfahren noch vieles mehr nicht. Wer gerne Antworten geliefert bekommt, wer kein offenes Ende mag, wer in einem Roman alle oder viele Hintergründe geliefert bekommt, der wird „Hier ist es schön“ grauenvoll finden. Wer nach Sinn und Logik sucht, wird enttäuscht werden. Für mich hat sich am Ende alles zusammengefügt, weil sich nichts zusammenfügt.

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