Hellere Tage
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Description
Ulrich Woelk führt seine Heldin durch eine Phase existenzieller Umbrüche und erzählt mit literarischer Eleganz vom Wandel der Werte und der Suche nach Nähe. Sein Roman ist das überzeugende Portrait einer Generation, die fühlt, wie ihre Distanz zur Gegenwart wächst, und ein Gesellschaftsroman, der die aufgeheizte Realität seiner Zeit widerspiegelt - klug und feinfühlig.
Ruth, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität, lebt in Berlin-Moabit. Ihre Ehe mit Ben ist Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Tochter ist zerbrechlich und doch voller Nähe. Ihre Studentinnen und Studenten scheinen von Jahr zu Jahr jünger zu werden, der wachsende Abstand zu ihnen beunruhigt Ruth ebenso wie die Spaltung der Gesellschaft. Dann tun sich auch im Privaten, der sicher geglaubten Vergangenheit, Risse auf: Der Tod ihres Vaters konfrontiert Ruth mit einem Familiengeheimnis, das ihre Identität erschüttert. Mit feinem Gespür und großer Empathie zeichnet Woelk das Porträt einer Frau, die sich den Fragen ihrer Zeit stellt. Hellere Tage ist ein kluger, berührender Gesellschaftsroman über Generationen, Identität und den Wunsch, uns zugehörig zu fühlen - ein literarischer Spiegel unserer Gegenwart.
Book Information
Author Description
Ulrich Woelk lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Er studierte Physik und Philosophie. Sein erster Roman "Freigang" erschien 1990. 2019 veröffentlichte er mit großem Erfolg den Roman "Der Sommer meiner Mutter", der auf der Longlist des deutschen Buchpreises stand und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Sein Romanprojekt "Für ein Leben" wurde mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.
Posts
Ruth Lembers, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin steht vor einem neuen Kapitel ihres Lebens. Sie muss ihre gescheiterte Ehe mit dem Architekten Ben akzeptieren, gibt ihre gemeinsame, geliebte Dachgeschosswohnung am Lietzensee auf, sowie viele Lebens Routinen, die ihr Jahrzehnte Sicherheit und Geborgenheit geschenkt haben. Der Auszug von Tochter Jenny in eine WG in Friedrichshain macht ihr schmerzlich bewusst nun allein im privaten Leben zu stehen. Sie ist allein nach Berlin-Moabit in eine Wohnung gezogen. Der plötzliche Tod ihres über 90 jährigen verehrten und geliebten Vaters konfrontiert sie zusätzlich mit einer ihr unbekannten Phase seines Lebens. Beruflich hat sich Ruth mit ihrer Tätigkeit als Professorin voll im Griff, kennt die Ansichten und Gepflogenheiten ihrer sehr viel jüngeren Student*inen, ist mit dem gesellschaftlichen Main Stream sehr vertraut. Ihre grosse Beliebtheit bei den Kolleg*innen gibt ihr Anerkennung und Sicherheit. Als junge Frau hat sie in den 1980er Jahren mit der linken Szene geliebäugelt und damals mit einem Freund in einer Protestaktion heimlich einen Strommast umgesägt. Diese politisch motivierte , vor Jahrzehnten begangene Tat, wird überraschend von den Medien öffentlich ausgeschlachtet und stellt Ruth vor neue Fragen ihres beruflichen und privaten Umfeldes. Eine neue, aufkeimende Beziehung in dieser Situation zu einem linksautonomen Alt-Hippie gibt ihr neuen Lebensmut und die lang vermisste Nähe nach Liebe und Zärtlichkeit. Der sehr feinfühlige und wunderbar zu erfassende Schreibstil von Ulrich Woelk hat mich mit Leidenschaft durch die Seiten fliegen lassen. Ruth's liebevollen Gefühle und Bemühungen um den Erhalt der Beziehung zur Stieftochter haben mich sehr berührt und ich bin erstaunt wie gut Ulrich Woelk diese heikle Situation auf so empathische Weise beschrieben hat. Er hat auch jedem der anderen Protagonisten eine ganz eigene, faszinierende Charakterdarstellung gegeben. So dem Architekten Ben, beschäftigt mit seiner neuen Geliebten, einer jungen Arbeitskollegin. Harald, der es schafft Ruth's Herz zu erobern und zu verzaubern. Die charismatischen, langjährigen Kollegen von Ruth an der Uni. Sogar poetische, brandenburgische Landschaftsbeschreibungen finden sich im Buch. Für mich war dieses Buch ein absolutes Highlight , bezeichnend für die gegenwärtigen politischen und privaten Umbrüche und Veränderungen unserer Gesellschaft auch zwischen den Generationen, sowie den vielen Patchwork-Familien und ihren Problemen. FÜNF ***** STERNE.
Ruth steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihr Mann hat sich in eine andere Frau verliebt. Es gibt noch einiges zu klären und auch den Kontakt zu ihrer Stieftochter möchte Ruth gern erhalten. Sie hat sich eine neue Wohnung gesucht in Berlin Moabit. Da muss sie erstmal richtig ankommen. Ihren Job als Professorin für Philosophie macht sie gern, doch werden die Studierenden immer jünger. Als auch noch ihr Vater stirbt, muss sie versuchen mit diesen ganzen Umbrüchen umzugehen. Ein Familiengeheimnis kommt auch noch ans Licht. Was ändert das für Ruth? Klug und feinfühlig erzählt Woelk in diesem Roman. In Ruths Leben passiert gerade sehr viel. Sie beginnt zu reflektieren und lässt uns an ihrer Vergangenheit teilhaben. Zur Stieftochter findet sie viele Parallelen. Auch sie lebt in einer WG und kennt schwierige Beziehungen. Der Schreibstil war mir etwas zu nüchtern. Da konnte ich leider keine intensive Verbindung zu Ruth herstellen. Konfrontiert werden wir hier noch mit vielen Fragen aus unserer Zeit, mit der sich auch Ruth beschäftigen muss. Das war ganz spannend für mich aber hätte gern noch intensiver sein dürfen. Ein einfühlsames Porträt einer Frau Mitte 50, das mich leider nicht komplett erreichen konnte.
Der Titel hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht und da ich gern einen mir bisher unbekannten Autor kennenlernen wollte, habe ich zu diesem Buch gegriffen, ohne recht zu wissen, was mich erwartet. Ruth Lambert, Professorin an der Humbold Universität, seit kurzem geschieden, nun allein lebend, sucht für sich einen Weg, wie sie ihr Leben verbringen möchte. Ihr 91jährigen Vater, pflegebedürftig im Heim, stirbt. Und Ruth ist einsam. Sie muss sich in ihrem neuen Stadtteil, Moabit, einleben, zu ihre Stieftochter Jenny möchte sie den Kontakt nicht verlieren und ihre Studenten werden gefühlt immer jünger. Ihre Stieftochter, um die sie sich sehr bemühte, wird ihr immer fremder, seit sie ausgezogen ist und seit Ruth getrennt von deren Vater lebt. Hinzu kommt ein Problem mit einem Fehltritt Ruths vor dreißig Jahren. Wir werden hineingezogen in die Gedanken- und Gefühlswelt von Ruth. Ulrich Woelk erzählt beobachtend und geradlinig. Die eingeschoben Erinnerungen sind passend und ergänzen Handlungen und Gefühle. Als dann, schon ziemlich im ersten Viertel des Romans, das Geheimnis gelüftet wird, war ich nicht erstaunt, da dies unterschwellig mit schwang. Leider werden im Laufe der Geschichte viele Gedanken mehrmals erzählt. Schicksale, die nicht außergewönlich sind, weder Ruths, noch das ihres Vaters, müssen verarbeitet werden. Der Autor möchte den Lesenden auf diesem Weg mitnehmen. Leider gelang es mir nicht, Ruth sehr nah zu kommen. Sie blieb fremd in ihrem häufig komplizierten Überlegungen, mit ihrem Perfektionismus und in ihrer Beherrschtheit. Es wird deutlich wie Ruth gereift ist, sich verändert hat und älter geworden ist. Wie Dinge, für die sie als Studentin kämpfte, im Laufe des Lebens hintergründig wurden. Beeindruckend ist, wie sie Erkenntnisse gewinnt und umsetzt. Leider hat mich der Roman nicht ganz erreicht. Den Schreibstil von Ulrich Woelk habe ich auch nicht flüssig lesen können. Ich brauchte Pausen, kam dann schwierig in den Text wieder hinein. Obwohl der Klappentext mich sehr ansprach, war es mir dann zu überspitzt, ausufernd. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir Ruths Lebenswirklichkeit zu fremd ist. Ein Buch für alle, die auch politisch, bezüglich RAF, interessiert sind und über eine kluge Frau lesen wollen, die ihren Weg geht, und Veränderungen annimmt und akzeptiert.
Hellere Tage“ von Ulrich Wölk ist ein Gesellschaftsroman unserer Zeit, der viele aktuelle Themen aufgreift und sie in die Lebensrealität seiner Figuren einbettet. Themen wie politischer Extremismus, sexuelle Orientierung, Umwelt- und Klimaschutz fließen in die Handlung ein ohne dass der Roman dabei belehrend wirkt. Stattdessen entsteht beinahe eine Chronik unserer Gegenwart, die zeigt, welche Fragen und Konflikte unsere Gesellschaft derzeit beschäftigen. Im Mittelpunkt des Romans steht die Ethikprofessorin Ruth, Mitte fünfzig, die sich nach der Affäre ihres Mannes Ben plötzlich neu orientieren muss. Sie sucht nach Nähe, Liebe und Sexualität, streitet gleichzeitig mit ihrem Ex um eine Immobilie und versucht weiterhin eine enge Beziehung zu ihrer Stieftochter Jenny aufrechtzuerhalten. Parallel dazu wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Vor Jahren war sie an einem linksextremistischen Anschlag auf einen Strommast beteiligt, was berufliche Konsequenzen für sie hatte. Hinzu kommen der Tod ihres Vaters und ein Geheimnis, das dieser ihr zeitlebens verschwiegen hat. Dadurch stellt sich Ruth zwangsläufig die Frage, wie gut sie ihn eigentlich wirklich kannte. Ihr Leben gerät zunehmend ins Wanken. Besonders gelungen fand ich Ruth als Figur. Ihr Seelenleben wird offengelegt. Sie ist intellektuell, reflektiert, aber auch verletzlich. Gerade ihre Gedanken über gesellschaftliche Entwicklungen machen den Roman interessant. Auch die Beziehung zu Jenny ist glaubwürdig geschrieben. Ruth bemüht sich ehrlich um einen guten Kontakt zu ihrer Stieftochter, hört ihr zu und ist bereit, sich auf ihre Sichtweisen einzulassen. Gleichzeitig merkt man, wie sehr Jenny zu Ruth aufblickt. Sie möchte selbst rebellisch und aktivistisch sein, erkennt aber schnell, dass sie an ihre Grenzen stößt und Ruth in ihrer Jugend deutlich kompromissloser und mutiger war. Sehr amüsant war zudem die Szene, in der Jenny für ihren Freund ein Steak kaufen möchte, es an der Kasse jedoch zurücklegt, nachdem sie dort eine alte Bekannte trifft. Die Scham darüber, in bestimmten Kreisen mit Fleischkonsum negativ aufzufallen, beschreibt Woelk äußerst treffend. Gerade solche kleinen Momente halten unserer heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor und machen den Roman so zeitnah. Trotz vieler starker Ansätze hätte ich mir an manchen Stellen allerdings mehr Tiefe gewünscht. Einige Themen werden eher angerissen als wirklich ausgearbeitet. Die Homosexualität von Ruths Vater verläuft beispielsweise etwas im Sande, ebenso die beginnende Affäre mit dem unter RAF-Verdacht stehenden Harald. Andererseits passt genau das vielleicht auch zum Konzept des Romans. Denn nicht jede Geschichte findet eine klare Auflösung, manches verliert sich einfach im Alltag und bleibt fragmentarisch, genau wie im echten Leben. „Hellere Tage“ ist ein Roman über gesellschaftliche Umbrüche, persönliche Krisen und die Frage, wie man sich selbst immer wieder neu erfindet. Trotz aller Schwere bleibt am Ende ein hoffnungsvoller Ton zurück und die leise Erinnerung daran, dass nach dunklen Zeiten eben doch wieder hellere Tage kommen können. Für mich ein kluger, aktueller und sehr menschlicher Roman.
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Ulrich Woelk führt seine Heldin durch eine Phase existenzieller Umbrüche und erzählt mit literarischer Eleganz vom Wandel der Werte und der Suche nach Nähe. Sein Roman ist das überzeugende Portrait einer Generation, die fühlt, wie ihre Distanz zur Gegenwart wächst, und ein Gesellschaftsroman, der die aufgeheizte Realität seiner Zeit widerspiegelt - klug und feinfühlig.
Ruth, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität, lebt in Berlin-Moabit. Ihre Ehe mit Ben ist Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Tochter ist zerbrechlich und doch voller Nähe. Ihre Studentinnen und Studenten scheinen von Jahr zu Jahr jünger zu werden, der wachsende Abstand zu ihnen beunruhigt Ruth ebenso wie die Spaltung der Gesellschaft. Dann tun sich auch im Privaten, der sicher geglaubten Vergangenheit, Risse auf: Der Tod ihres Vaters konfrontiert Ruth mit einem Familiengeheimnis, das ihre Identität erschüttert. Mit feinem Gespür und großer Empathie zeichnet Woelk das Porträt einer Frau, die sich den Fragen ihrer Zeit stellt. Hellere Tage ist ein kluger, berührender Gesellschaftsroman über Generationen, Identität und den Wunsch, uns zugehörig zu fühlen - ein literarischer Spiegel unserer Gegenwart.
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Ulrich Woelk lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Er studierte Physik und Philosophie. Sein erster Roman "Freigang" erschien 1990. 2019 veröffentlichte er mit großem Erfolg den Roman "Der Sommer meiner Mutter", der auf der Longlist des deutschen Buchpreises stand und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Sein Romanprojekt "Für ein Leben" wurde mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.
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Ruth Lembers, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin steht vor einem neuen Kapitel ihres Lebens. Sie muss ihre gescheiterte Ehe mit dem Architekten Ben akzeptieren, gibt ihre gemeinsame, geliebte Dachgeschosswohnung am Lietzensee auf, sowie viele Lebens Routinen, die ihr Jahrzehnte Sicherheit und Geborgenheit geschenkt haben. Der Auszug von Tochter Jenny in eine WG in Friedrichshain macht ihr schmerzlich bewusst nun allein im privaten Leben zu stehen. Sie ist allein nach Berlin-Moabit in eine Wohnung gezogen. Der plötzliche Tod ihres über 90 jährigen verehrten und geliebten Vaters konfrontiert sie zusätzlich mit einer ihr unbekannten Phase seines Lebens. Beruflich hat sich Ruth mit ihrer Tätigkeit als Professorin voll im Griff, kennt die Ansichten und Gepflogenheiten ihrer sehr viel jüngeren Student*inen, ist mit dem gesellschaftlichen Main Stream sehr vertraut. Ihre grosse Beliebtheit bei den Kolleg*innen gibt ihr Anerkennung und Sicherheit. Als junge Frau hat sie in den 1980er Jahren mit der linken Szene geliebäugelt und damals mit einem Freund in einer Protestaktion heimlich einen Strommast umgesägt. Diese politisch motivierte , vor Jahrzehnten begangene Tat, wird überraschend von den Medien öffentlich ausgeschlachtet und stellt Ruth vor neue Fragen ihres beruflichen und privaten Umfeldes. Eine neue, aufkeimende Beziehung in dieser Situation zu einem linksautonomen Alt-Hippie gibt ihr neuen Lebensmut und die lang vermisste Nähe nach Liebe und Zärtlichkeit. Der sehr feinfühlige und wunderbar zu erfassende Schreibstil von Ulrich Woelk hat mich mit Leidenschaft durch die Seiten fliegen lassen. Ruth's liebevollen Gefühle und Bemühungen um den Erhalt der Beziehung zur Stieftochter haben mich sehr berührt und ich bin erstaunt wie gut Ulrich Woelk diese heikle Situation auf so empathische Weise beschrieben hat. Er hat auch jedem der anderen Protagonisten eine ganz eigene, faszinierende Charakterdarstellung gegeben. So dem Architekten Ben, beschäftigt mit seiner neuen Geliebten, einer jungen Arbeitskollegin. Harald, der es schafft Ruth's Herz zu erobern und zu verzaubern. Die charismatischen, langjährigen Kollegen von Ruth an der Uni. Sogar poetische, brandenburgische Landschaftsbeschreibungen finden sich im Buch. Für mich war dieses Buch ein absolutes Highlight , bezeichnend für die gegenwärtigen politischen und privaten Umbrüche und Veränderungen unserer Gesellschaft auch zwischen den Generationen, sowie den vielen Patchwork-Familien und ihren Problemen. FÜNF ***** STERNE.
Ruth steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihr Mann hat sich in eine andere Frau verliebt. Es gibt noch einiges zu klären und auch den Kontakt zu ihrer Stieftochter möchte Ruth gern erhalten. Sie hat sich eine neue Wohnung gesucht in Berlin Moabit. Da muss sie erstmal richtig ankommen. Ihren Job als Professorin für Philosophie macht sie gern, doch werden die Studierenden immer jünger. Als auch noch ihr Vater stirbt, muss sie versuchen mit diesen ganzen Umbrüchen umzugehen. Ein Familiengeheimnis kommt auch noch ans Licht. Was ändert das für Ruth? Klug und feinfühlig erzählt Woelk in diesem Roman. In Ruths Leben passiert gerade sehr viel. Sie beginnt zu reflektieren und lässt uns an ihrer Vergangenheit teilhaben. Zur Stieftochter findet sie viele Parallelen. Auch sie lebt in einer WG und kennt schwierige Beziehungen. Der Schreibstil war mir etwas zu nüchtern. Da konnte ich leider keine intensive Verbindung zu Ruth herstellen. Konfrontiert werden wir hier noch mit vielen Fragen aus unserer Zeit, mit der sich auch Ruth beschäftigen muss. Das war ganz spannend für mich aber hätte gern noch intensiver sein dürfen. Ein einfühlsames Porträt einer Frau Mitte 50, das mich leider nicht komplett erreichen konnte.
Der Titel hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht und da ich gern einen mir bisher unbekannten Autor kennenlernen wollte, habe ich zu diesem Buch gegriffen, ohne recht zu wissen, was mich erwartet. Ruth Lambert, Professorin an der Humbold Universität, seit kurzem geschieden, nun allein lebend, sucht für sich einen Weg, wie sie ihr Leben verbringen möchte. Ihr 91jährigen Vater, pflegebedürftig im Heim, stirbt. Und Ruth ist einsam. Sie muss sich in ihrem neuen Stadtteil, Moabit, einleben, zu ihre Stieftochter Jenny möchte sie den Kontakt nicht verlieren und ihre Studenten werden gefühlt immer jünger. Ihre Stieftochter, um die sie sich sehr bemühte, wird ihr immer fremder, seit sie ausgezogen ist und seit Ruth getrennt von deren Vater lebt. Hinzu kommt ein Problem mit einem Fehltritt Ruths vor dreißig Jahren. Wir werden hineingezogen in die Gedanken- und Gefühlswelt von Ruth. Ulrich Woelk erzählt beobachtend und geradlinig. Die eingeschoben Erinnerungen sind passend und ergänzen Handlungen und Gefühle. Als dann, schon ziemlich im ersten Viertel des Romans, das Geheimnis gelüftet wird, war ich nicht erstaunt, da dies unterschwellig mit schwang. Leider werden im Laufe der Geschichte viele Gedanken mehrmals erzählt. Schicksale, die nicht außergewönlich sind, weder Ruths, noch das ihres Vaters, müssen verarbeitet werden. Der Autor möchte den Lesenden auf diesem Weg mitnehmen. Leider gelang es mir nicht, Ruth sehr nah zu kommen. Sie blieb fremd in ihrem häufig komplizierten Überlegungen, mit ihrem Perfektionismus und in ihrer Beherrschtheit. Es wird deutlich wie Ruth gereift ist, sich verändert hat und älter geworden ist. Wie Dinge, für die sie als Studentin kämpfte, im Laufe des Lebens hintergründig wurden. Beeindruckend ist, wie sie Erkenntnisse gewinnt und umsetzt. Leider hat mich der Roman nicht ganz erreicht. Den Schreibstil von Ulrich Woelk habe ich auch nicht flüssig lesen können. Ich brauchte Pausen, kam dann schwierig in den Text wieder hinein. Obwohl der Klappentext mich sehr ansprach, war es mir dann zu überspitzt, ausufernd. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir Ruths Lebenswirklichkeit zu fremd ist. Ein Buch für alle, die auch politisch, bezüglich RAF, interessiert sind und über eine kluge Frau lesen wollen, die ihren Weg geht, und Veränderungen annimmt und akzeptiert.
Hellere Tage“ von Ulrich Wölk ist ein Gesellschaftsroman unserer Zeit, der viele aktuelle Themen aufgreift und sie in die Lebensrealität seiner Figuren einbettet. Themen wie politischer Extremismus, sexuelle Orientierung, Umwelt- und Klimaschutz fließen in die Handlung ein ohne dass der Roman dabei belehrend wirkt. Stattdessen entsteht beinahe eine Chronik unserer Gegenwart, die zeigt, welche Fragen und Konflikte unsere Gesellschaft derzeit beschäftigen. Im Mittelpunkt des Romans steht die Ethikprofessorin Ruth, Mitte fünfzig, die sich nach der Affäre ihres Mannes Ben plötzlich neu orientieren muss. Sie sucht nach Nähe, Liebe und Sexualität, streitet gleichzeitig mit ihrem Ex um eine Immobilie und versucht weiterhin eine enge Beziehung zu ihrer Stieftochter Jenny aufrechtzuerhalten. Parallel dazu wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Vor Jahren war sie an einem linksextremistischen Anschlag auf einen Strommast beteiligt, was berufliche Konsequenzen für sie hatte. Hinzu kommen der Tod ihres Vaters und ein Geheimnis, das dieser ihr zeitlebens verschwiegen hat. Dadurch stellt sich Ruth zwangsläufig die Frage, wie gut sie ihn eigentlich wirklich kannte. Ihr Leben gerät zunehmend ins Wanken. Besonders gelungen fand ich Ruth als Figur. Ihr Seelenleben wird offengelegt. Sie ist intellektuell, reflektiert, aber auch verletzlich. Gerade ihre Gedanken über gesellschaftliche Entwicklungen machen den Roman interessant. Auch die Beziehung zu Jenny ist glaubwürdig geschrieben. Ruth bemüht sich ehrlich um einen guten Kontakt zu ihrer Stieftochter, hört ihr zu und ist bereit, sich auf ihre Sichtweisen einzulassen. Gleichzeitig merkt man, wie sehr Jenny zu Ruth aufblickt. Sie möchte selbst rebellisch und aktivistisch sein, erkennt aber schnell, dass sie an ihre Grenzen stößt und Ruth in ihrer Jugend deutlich kompromissloser und mutiger war. Sehr amüsant war zudem die Szene, in der Jenny für ihren Freund ein Steak kaufen möchte, es an der Kasse jedoch zurücklegt, nachdem sie dort eine alte Bekannte trifft. Die Scham darüber, in bestimmten Kreisen mit Fleischkonsum negativ aufzufallen, beschreibt Woelk äußerst treffend. Gerade solche kleinen Momente halten unserer heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor und machen den Roman so zeitnah. Trotz vieler starker Ansätze hätte ich mir an manchen Stellen allerdings mehr Tiefe gewünscht. Einige Themen werden eher angerissen als wirklich ausgearbeitet. Die Homosexualität von Ruths Vater verläuft beispielsweise etwas im Sande, ebenso die beginnende Affäre mit dem unter RAF-Verdacht stehenden Harald. Andererseits passt genau das vielleicht auch zum Konzept des Romans. Denn nicht jede Geschichte findet eine klare Auflösung, manches verliert sich einfach im Alltag und bleibt fragmentarisch, genau wie im echten Leben. „Hellere Tage“ ist ein Roman über gesellschaftliche Umbrüche, persönliche Krisen und die Frage, wie man sich selbst immer wieder neu erfindet. Trotz aller Schwere bleibt am Ende ein hoffnungsvoller Ton zurück und die leise Erinnerung daran, dass nach dunklen Zeiten eben doch wieder hellere Tage kommen können. Für mich ein kluger, aktueller und sehr menschlicher Roman.







