Großer Bruder, kleine Schwester
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Description
Book Information
Author Description
Kim Thúy wurde in Saigon geboren und floh als Zehnjährige mit ihrer Familie in den Westen. Sie arbeitete als Dolmetscherin und Rechtsanwältin, als Gastronomin, als Kritikerin und Moderatorin für Radio und Fernsehen. 2010 wurde sie mit ihrem in zahlreiche Sprachen übersetzten Überraschungserfolg Der Klang der Fremde als Autorin bekannt. Es folgten Der Geschmack der Sehnsucht (2014) und Die vielen Namen der Liebe (2017). Kim Thúy lebt in Montreal.
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Da ich gerade in Vietnam bin, war ich auf der Suche nach Büchern von vietnamesischen Autor:innen in englischer Sprache. Nicht ganz einfach: Die meisten, die international publiziert werden, sind von amerikanisch-vietnamesischen, deutsch-vietnamesischen etc. Autor: innen. Gestoßen bin ich dann auf die kanadische Autorin Kim Thúy, geboren 1968 in Saigon, die im Alter von 10 Jahren als 'boat people ' mit ihrer Familie nach Kanada flüchtete. Dieses Buch erzählt in vielen kurzen Kapiteln die Geschichte der Kriegskinder des Vietnamkrieges, der im übrigen in Vietnam 'amerikanischer Krieg' genannt wird. Louis ist das Kind einer Vietnamesin und eines afro-amerikanischen Soldaten, Tam ist das Kind einer vietnamesischen Widerstandskämperin und eines französischen Plantagenbesitzers, die bei einem Angriff ums Leben kommen. Wir erfahren von der Operation Babylift, in der diese Waisenkinder beim Abzug der amerikanischen Truppen im April 1975 in die USA gebracht und zur Adoption freigegeben wurden. Ein sehr bewegender Roman über traumatisierte Kinder auf der Suche nach Identität, der auch die Gräuel des Krieges am Rande streift, aber nicht zu sehr in die Tiefe geht (man bekommt aber aufgrund der bildhaften Sprache einen guten Einblick). Viel zu lange wurde die Geschichte dieses Krieges aus amerikanischer Perspektive erzählt, es lohnt sich, sich die vietnamesische anzuhören. Große Leseempfehlung.
Wurden meine Erwartungen erfüllt? Nicht wirklich.. das liegt jedoch daran, dass ich keine Geschichte in so kleinen Happen und auch weniger Krieg erwartet habe.. Ist es trotzdem empfehlenswert? Auf jeden Fall.. denn der Schreibstil ist wirklich gut und wenn man sich drauf einlässt, findet man gut hinein in diese feinen Verwirrungen..
Was auf den ersten Blick wie eine lose Sammlung kurzer Erzählungen wirkt, setzt sich beim Lesen zu einem bewegenden Mosaik über Vietnam zusammen. Kim Thúy schreibt über die Zeit des „Amerikanischen Kriegs“ und dessen Folgen, die bis heute spürbar sind. Sie spannt dabei einen weiten Bogen: von den Kautschukplantagen um 1920 bis in das Jahr 2020. Es ist faszinierend zu sehen, wie Entscheidungen, die vor einhundert Jahren getroffen wurden, das Leben der Urenkel noch immer prägen.Das zentrale Motiv ist die Zerrissenheit. Die Figuren stehen oft zwischen ihrer Herkunft und dem Leben im Westen. Thúy zeigt uns Einzelschicksale – vom Straßenkind bis zum Besitzer einer Plantage –, die alle durch die Gewalt der Geschichte gezeichnet sind. ⛔️ Achtung, Spoiler zu einer der Geschichten. ⛔️Besonders gut fand ich die Erzählung über die Operation Babylift. Es geht um die Kinder, die 1975 kurz vor Ende des Krieges massenhaft in den Westen ausgeflogen wurden. Thúy beschreibt hier sehr präzise das Gefühl der totalen Entfremdung am Beispiel eines der Kinder, das in einer wohlhabenden westlichen Familie aufwächst – es ist zwar gerettet, hat aber seine kulturelle Identität komplett verloren.Interessant ist hier die Perspektive auf das Thema Schuld. Man bekommt das Gefühl, dass die Amerikaner mit der Rettung der Babys versuchten, ihr eigenes Gewissen und die Kriegsschuld zu beruhigen, aber für die Kinder selbst bedeutete es jedoch oft ein Leben in einem emotionalen „Dazwischen“, in dem sie nirgendwo richtig dazugehören, was letztendlich die Folge der meisten Lebensgeschichten mit Migrationshintergrund sind. Bei mir ist es das mit Sicherheit und das empfinde ich mittlerweile als sehr gut, da es immer mein Motor war, den/die richtigen Ort/e zu finden.
In einem Rutsch durch! Das passiert mir ja selten. Na gut, das Büchlein umfasst auch nur knapp 150 Seiten. Aber was für welche! Kim Thúys Roman erzählt von vielen Einzelschicksalen vor, während und nach dem Vietnamkrieg bzw. amerikanischen Krieg. All diese Fäden laufen manchmal zusammen, manchmal auch wieder auseinander. Es sind Schicksale von Erwachsenen, ihren Kindern, zurückgelassenen Kindern und Menschen, die einander so nahe stehen, wie es sonst nur engste Verwandte tun - nur, weil sie Ähnliches erlebten. Wie man es häufig von ostasiatischen Autor:innen gewöhnt ist, ist der Erzählstil sehr nüchtern. Das macht jedoch grausame Szenen während des Krieges noch grausamer. Ein paar Male musste ich das Buch zumachen und tief durchatmen. Das Schlimme daran ist, dass so viele beschriebene Dinge den Tatsachen entsprechen. Das Buch hat eine unglaubliche Wucht, obwohl es so federleicht daherkommt. Wer sich mit dem Vietnam, seinen Kindern und ein wenig seiner Geschichte befassen will, sollte dieses Buch unbedingt lesen!
Was auf den ersten Blick wie eine lose Sammlung kurzer Erzählungen wirkt, setzt sich beim Lesen zu einem bewegenden Mosaik über Vietnam zusammen. Kim Thúy schreibt über die Zeit des „Amerikanischen Kriegs“ und dessen Folgen, die bis heute spürbar sind. Sie spannt dabei einen weiten Bogen: von den Kautschukplantagen um 1920 bis in das Jahr 2020. Es ist faszinierend zu sehen, wie Entscheidungen, die vor einhundert Jahren getroffen wurden, das Leben der Urenkel noch immer prägen. Das zentrale Motiv ist die Zerrissenheit. Die Figuren stehen oft zwischen ihrer Herkunft und dem Leben im Westen. Thúy zeigt uns Einzelschicksale – vom Straßenkind bis zum Besitzer einer Plantage –, die alle durch die Gewalt der Geschichte gezeichnet sind. ⛔️ Achtung, Spoiler zu einer der Geschichten. ⛔️ Besonders gut fand ich die Erzählung über die Operation Babylift. Es geht um die Kinder, die 1975 kurz vor Ende des Krieges massenhaft in den Westen ausgeflogen wurden. Thúy beschreibt hier sehr präzise das Gefühl der totalen Entfremdung am Beispiel eines der Kinder, das in einer wohlhabenden westlichen Familie aufwächst – es ist zwar gerettet, hat aber seine kulturelle Identität komplett verloren. Interessant ist hier die Perspektive auf das Thema Schuld. Man bekommt das Gefühl, dass die Amerikaner mit der Rettung der Babys versuchten, ihr eigenes Gewissen und die Kriegsschuld zu beruhigen, aber für die Kinder selbst bedeutete es jedoch oft ein Leben in einem emotionalen „Dazwischen“, in dem sie nirgendwo richtig dazugehören, was letztendlich die Folge der meisten Lebensgeschichten mit Migrationshintergrund sind. Bei mir ist es das mit Sicherheit und das empfinde ich mittlerweile als sehr gut, da es immer mein Motor war, den/die richtigen Ort/e zu finden.
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Kim Thúy wurde in Saigon geboren und floh als Zehnjährige mit ihrer Familie in den Westen. Sie arbeitete als Dolmetscherin und Rechtsanwältin, als Gastronomin, als Kritikerin und Moderatorin für Radio und Fernsehen. 2010 wurde sie mit ihrem in zahlreiche Sprachen übersetzten Überraschungserfolg Der Klang der Fremde als Autorin bekannt. Es folgten Der Geschmack der Sehnsucht (2014) und Die vielen Namen der Liebe (2017). Kim Thúy lebt in Montreal.
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Da ich gerade in Vietnam bin, war ich auf der Suche nach Büchern von vietnamesischen Autor:innen in englischer Sprache. Nicht ganz einfach: Die meisten, die international publiziert werden, sind von amerikanisch-vietnamesischen, deutsch-vietnamesischen etc. Autor: innen. Gestoßen bin ich dann auf die kanadische Autorin Kim Thúy, geboren 1968 in Saigon, die im Alter von 10 Jahren als 'boat people ' mit ihrer Familie nach Kanada flüchtete. Dieses Buch erzählt in vielen kurzen Kapiteln die Geschichte der Kriegskinder des Vietnamkrieges, der im übrigen in Vietnam 'amerikanischer Krieg' genannt wird. Louis ist das Kind einer Vietnamesin und eines afro-amerikanischen Soldaten, Tam ist das Kind einer vietnamesischen Widerstandskämperin und eines französischen Plantagenbesitzers, die bei einem Angriff ums Leben kommen. Wir erfahren von der Operation Babylift, in der diese Waisenkinder beim Abzug der amerikanischen Truppen im April 1975 in die USA gebracht und zur Adoption freigegeben wurden. Ein sehr bewegender Roman über traumatisierte Kinder auf der Suche nach Identität, der auch die Gräuel des Krieges am Rande streift, aber nicht zu sehr in die Tiefe geht (man bekommt aber aufgrund der bildhaften Sprache einen guten Einblick). Viel zu lange wurde die Geschichte dieses Krieges aus amerikanischer Perspektive erzählt, es lohnt sich, sich die vietnamesische anzuhören. Große Leseempfehlung.
Wurden meine Erwartungen erfüllt? Nicht wirklich.. das liegt jedoch daran, dass ich keine Geschichte in so kleinen Happen und auch weniger Krieg erwartet habe.. Ist es trotzdem empfehlenswert? Auf jeden Fall.. denn der Schreibstil ist wirklich gut und wenn man sich drauf einlässt, findet man gut hinein in diese feinen Verwirrungen..
Was auf den ersten Blick wie eine lose Sammlung kurzer Erzählungen wirkt, setzt sich beim Lesen zu einem bewegenden Mosaik über Vietnam zusammen. Kim Thúy schreibt über die Zeit des „Amerikanischen Kriegs“ und dessen Folgen, die bis heute spürbar sind. Sie spannt dabei einen weiten Bogen: von den Kautschukplantagen um 1920 bis in das Jahr 2020. Es ist faszinierend zu sehen, wie Entscheidungen, die vor einhundert Jahren getroffen wurden, das Leben der Urenkel noch immer prägen.Das zentrale Motiv ist die Zerrissenheit. Die Figuren stehen oft zwischen ihrer Herkunft und dem Leben im Westen. Thúy zeigt uns Einzelschicksale – vom Straßenkind bis zum Besitzer einer Plantage –, die alle durch die Gewalt der Geschichte gezeichnet sind. ⛔️ Achtung, Spoiler zu einer der Geschichten. ⛔️Besonders gut fand ich die Erzählung über die Operation Babylift. Es geht um die Kinder, die 1975 kurz vor Ende des Krieges massenhaft in den Westen ausgeflogen wurden. Thúy beschreibt hier sehr präzise das Gefühl der totalen Entfremdung am Beispiel eines der Kinder, das in einer wohlhabenden westlichen Familie aufwächst – es ist zwar gerettet, hat aber seine kulturelle Identität komplett verloren.Interessant ist hier die Perspektive auf das Thema Schuld. Man bekommt das Gefühl, dass die Amerikaner mit der Rettung der Babys versuchten, ihr eigenes Gewissen und die Kriegsschuld zu beruhigen, aber für die Kinder selbst bedeutete es jedoch oft ein Leben in einem emotionalen „Dazwischen“, in dem sie nirgendwo richtig dazugehören, was letztendlich die Folge der meisten Lebensgeschichten mit Migrationshintergrund sind. Bei mir ist es das mit Sicherheit und das empfinde ich mittlerweile als sehr gut, da es immer mein Motor war, den/die richtigen Ort/e zu finden.
In einem Rutsch durch! Das passiert mir ja selten. Na gut, das Büchlein umfasst auch nur knapp 150 Seiten. Aber was für welche! Kim Thúys Roman erzählt von vielen Einzelschicksalen vor, während und nach dem Vietnamkrieg bzw. amerikanischen Krieg. All diese Fäden laufen manchmal zusammen, manchmal auch wieder auseinander. Es sind Schicksale von Erwachsenen, ihren Kindern, zurückgelassenen Kindern und Menschen, die einander so nahe stehen, wie es sonst nur engste Verwandte tun - nur, weil sie Ähnliches erlebten. Wie man es häufig von ostasiatischen Autor:innen gewöhnt ist, ist der Erzählstil sehr nüchtern. Das macht jedoch grausame Szenen während des Krieges noch grausamer. Ein paar Male musste ich das Buch zumachen und tief durchatmen. Das Schlimme daran ist, dass so viele beschriebene Dinge den Tatsachen entsprechen. Das Buch hat eine unglaubliche Wucht, obwohl es so federleicht daherkommt. Wer sich mit dem Vietnam, seinen Kindern und ein wenig seiner Geschichte befassen will, sollte dieses Buch unbedingt lesen!
Was auf den ersten Blick wie eine lose Sammlung kurzer Erzählungen wirkt, setzt sich beim Lesen zu einem bewegenden Mosaik über Vietnam zusammen. Kim Thúy schreibt über die Zeit des „Amerikanischen Kriegs“ und dessen Folgen, die bis heute spürbar sind. Sie spannt dabei einen weiten Bogen: von den Kautschukplantagen um 1920 bis in das Jahr 2020. Es ist faszinierend zu sehen, wie Entscheidungen, die vor einhundert Jahren getroffen wurden, das Leben der Urenkel noch immer prägen. Das zentrale Motiv ist die Zerrissenheit. Die Figuren stehen oft zwischen ihrer Herkunft und dem Leben im Westen. Thúy zeigt uns Einzelschicksale – vom Straßenkind bis zum Besitzer einer Plantage –, die alle durch die Gewalt der Geschichte gezeichnet sind. ⛔️ Achtung, Spoiler zu einer der Geschichten. ⛔️ Besonders gut fand ich die Erzählung über die Operation Babylift. Es geht um die Kinder, die 1975 kurz vor Ende des Krieges massenhaft in den Westen ausgeflogen wurden. Thúy beschreibt hier sehr präzise das Gefühl der totalen Entfremdung am Beispiel eines der Kinder, das in einer wohlhabenden westlichen Familie aufwächst – es ist zwar gerettet, hat aber seine kulturelle Identität komplett verloren. Interessant ist hier die Perspektive auf das Thema Schuld. Man bekommt das Gefühl, dass die Amerikaner mit der Rettung der Babys versuchten, ihr eigenes Gewissen und die Kriegsschuld zu beruhigen, aber für die Kinder selbst bedeutete es jedoch oft ein Leben in einem emotionalen „Dazwischen“, in dem sie nirgendwo richtig dazugehören, was letztendlich die Folge der meisten Lebensgeschichten mit Migrationshintergrund sind. Bei mir ist es das mit Sicherheit und das empfinde ich mittlerweile als sehr gut, da es immer mein Motor war, den/die richtigen Ort/e zu finden.







