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Gebete, Gedichte und Gedanken aus dem Gefängnis

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"In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht." In Gebeten, Gedichten und anderen Texten, die Dietrich Bonhoeffer während seiner Haft von 1943-1945 schrieb, verarbeitet er nicht nur die Trennung von allem, was sein bisheriges Leben ausmachte - er weitet den Blick auf die Zukunft und weiß sich in allen Kämpfen und Anfechtungen "von guten Mächten wunderbar geborgen". Gedichte wie "Wer bin ich" oder die Gebete, die er für seine Mitgefangenen schrieb, sind nicht nur einzigartige Zeugnisse des Widerstands gegen das NS-Regime - sie wollen meditiert oder sogar mitgebetet werden. Die Einführungen von Peter Zimmerling, in denen er die zeitgeschichtlichen Hintergründe erläutert, helfen, die Texte tiefer verstehen und einordnen zu können.

Editions (1)

ISBN9783765533921
PublisherBrunnen Verlag GmbH
Publication Date01/30/26
Pages160

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    📖 𝑩𝒖𝒄𝒉𝒕𝒊𝒑𝒑 𝑮𝒆𝒃𝒆𝒕𝒆, 𝑮𝒆𝒅𝒊𝒄𝒉𝒕𝒆 𝒖𝒏𝒅 𝑮𝒆𝒅𝒂𝒏𝒌𝒆𝒏 𝒂𝒖𝒔 𝒅𝒆𝒎 𝑮𝒆𝒇ä𝒏𝒈𝒏𝒊𝒔 – 𝑫𝒊𝒆𝒕𝒓𝒊𝒄𝒉 𝑩𝒐𝒏𝒉𝒐𝒆𝒇𝒇𝒆𝒓 *„In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht.“* Kaum ein Satz bringt die Atmosphäre dieses Buches besser auf den Punkt. Die hier versammelten Gebete, Gedichte und Gedanken entstanden während Dietrich Bonhoeffers Haftzeit von 1943 bis 1945. Sie geben Einblick in die schwersten Jahre seines Lebens – Jahre der Isolation, der Ungewissheit und der ständigen Bedrohung durch den Tod. Gerade deshalb besitzen die Texte eine besondere Tiefe. Sie wirken nicht wie theoretische Abhandlungen über den Glauben, sondern wie Worte, die im Ringen mit Leid, Angst und Hoffnung entstanden sind. Der Band wird durch eine ausführliche Einführung von Peter Zimmerling ergänzt, die die geschichtlichen Hintergründe erläutert und die Texte in Bonhoeffers Lebenssituation einordnet. Besonders eindrücklich ist die Darstellung, wie Bonhoeffer trotz Gefängnis, Trennung von Familie und Verlobter sowie der drohenden Hinrichtung nicht verbitterte. Sein Leiden suchte er nicht, doch er lernte, es als einen Weg Gottes mit seinem Leben zu verstehen. Gerade darin liegt ein Schlüssel zum Verständnis seiner Texte. Zimmerling weist außerdem auf einen Gedanken hin, der heute ungewohnt geworden ist. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Schwierigkeiten, Misserfolge, Leiden, Krankheit und Schmerzen oft nur noch als Störungen betrachtet werden, die möglichst schnell beseitigt werden müssen. *Bonhoeffer hingegen deutet sein Leiden nicht als sinnlosen Zufall. Er erkennt darin die Möglichkeit geistlicher Reifung.* Sein Schicksal erhält dadurch Sinn, ohne dass das Leid selbst verharmlost wird. Das Buch versammelt unterschiedliche Textgattungen – Gebete, Gedichte und andere Texte. Man kann es deshalb gut abschnittsweise lesen statt am Stück. Viele Texte laden dazu ein, innezuhalten und über das Gelesene nachzudenken. Auf zwei Kapitel möchte ich besonders eingehen: die *„Traupredigt aus der Zelle“* und das Gedicht *„Von guten Mächten wunderbar geborgen“.* Die „Traupredigt aus der Zelle“ verfasste Bonhoeffer 1943 für die Hochzeit seines Freundes Eberhard Bethge und seiner Nichte Renate. Die Predigt steht dabei nicht losgelöst von seiner eigenen Entwicklung. Ursprünglich meinte Bonhoeffer, wegen seines Einsatzes für die Bekennende Kirche auf Ehe und Familie verzichten zu müssen. Erst durch die Liebe zu seiner Verlobten Maria von Wedemeyer begann er umzudenken. In einem seiner Briefe schreibt er: „Unsere Ehe soll ein Ja zu Gottes Erde sein. Sie soll uns den Mut, auf der Erde etwas zu schaffen und zu wirken, stärken.“ Wie schon Martin Luther versteht Bonhoeffer die Ehe als Ausdruck des Vertrauens auf die Zukunft. Die Traupredigt fußt auf diesen neu gewonnenen Erkenntnissen. Grundlage der Predigt ist *Epheser 1:12: „Dass wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit.“* Bonhoeffer verbindet darin menschliche Verantwortung und Gottes Handeln. Er schreibt: „Darum tragt auch ihr selbst und allein die Verantwortung dafür, die euch kein Mensch abnehmen kann.“ Gleichzeitig verweist er darauf, dass Gottes Wille den menschlichen Weg trägt: „So groß wird auch eure Dankbarkeit sein, dass Gottes Wille und Gottes Weg euch hierher geführt hat.“ Besonders klar ist seine Sicht auf die Ehe selbst: *„Gott stiftet eure Ehe. Ehe ist mehr als eure Liebe zueinander.“* Sein wohl bekanntester Satz lautet: *„Nicht eure Liebe trägt die Ehe, sondern von nun an trägt die Ehe eure Liebe.“* Bonhoeffer versteht die Ehe nicht als bloßes Gefühl, sondern als eine von Gott gestiftete Wirklichkeit, die Bestand haben soll. Deshalb kann er schreiben: *„Es ist eine beglückende Gewissheit für den, der das weiß, dass keine Macht der Welt, keine Versuchung, keine menschliche Schwachheit auflösen kann, was Gott zusammenhält.“* Einen besonderen Schwerpunkt legt Bonhoeffer auf die Vergebung. Für ihn kann keine menschliche Gemeinschaft und erst recht keine Ehe ohne die tägliche Bereitschaft zur Vergebung bestehen: *„Lebt miteinander in der Vergebung eurer Sünden, ohne die keine menschliche Gemeinschaft, erst recht keine Ehe bestehen kann. Seid nicht rechthaberisch gegeneinander, urteilt und richtet nicht übereinander, erhebt euch nicht übereinander, schiebt nie einander die Schuld zu, sondern nehmt euch auf, wie ihr seid und vergebt einander täglich und von Herzen.“* Daneben geht Bonhoeffer ausführlich auf die von ihm vertretene Ordnung von Mann und Frau ein. Manche Aussagen werden heute sicherlich kontrovers diskutiert werden. Dennoch wird deutlich, wie ernst er Verantwortung, Treue und gegenseitige Hingabe nimmt. Sein Anliegen ist nicht die Durchsetzung menschlicher Machtansprüche, sondern die Orientierung an einer von Gott gegebenen Ordnung. Bonhoeffer ist überzeugt, dass diese Ordnung nicht beliebig ist. Gott gründet eine Ordnung, in der Mann und Frau miteinander leben können. Wo diese Ordnung missachtet wird, sieht er letztlich die Gefahr von Zerfall und Auflösung menschlichen Zusammenlebens. Deshalb schreibt er: *„Es ist der Beginn der Auflösung und des Zerfalls aller menschlichen Lebensordnung, wenn das Dienen der Frau als Zurücksetzung, ja als Kränkung ihrer Ehre und die ausschließliche Liebe des Mannes zu seiner Frau als Schwäche oder gar als Dummheit angesehen wird.“* Ein weiterer Höhepunkt des Buches ist das Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Es ist das letzte vollständig erhaltene Gedicht Bonhoeffers und bildet gewissermaßen den Abschluss seines dichterischen Schaffens. Ende 1944 geschrieben, deutet es sein eigenes Leben bereits im Licht der anbrechenden Ewigkeit. Besonders bewegend wird das Gedicht, wenn man seinen Entstehungshintergrund kennt: Bonhoeffer musste damals täglich mit seiner Hinrichtung rechnen. In seiner Einführung deutet Peter Zimmerling die zweite Strophe des Gedichts als Beschreibung menschlicher Ängste und Sorgen: *„Sie halten uns fest im Griff und drohen, uns die Luft zum Atmen zu nehmen. Wir fühlen uns überfordert, getrieben von den vielen Ansprüchen: von uns selbst, aber auch von den Ansprüchen anderer an uns.“* Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt Bonhoeffers Vertrauen auf Gott besondere Tiefe. Dem stellt er eine Hoffnung entgegen, die nicht von äußeren Umständen abhängig ist: *„Gott hat uns geschaffen, damit wir das Heil empfangen. Darin liegt unsere Bestimmung, ja unser Wesen, dass wir heil werden an Leib, Seele und Geist.“* Besonders nachdenklich macht seine Überzeugung, dass sich die Tragfähigkeit des Glaubens gerade in Zeiten der Not zeigt. Der Apostel Paulus und viele Christen nach ihm sahen im Leiden nicht nur eine Last, sondern auch eine Möglichkeit, Christus ähnlicher zu werden. Bonhoeffer greift diesen Gedanken auf. Glaube zeigt sich dort, wo Schwierigkeiten kommen und sichtbar wird, ob wir Gott wirklich vertrauen oder ihn lediglich als Erfüllungsgehilfen unserer Wünsche benutzen. Ebenso bemerkenswert ist sein Gedanke, dass wir uns mit unserer Vergangenheit durch Dankbarkeit und Reue versöhnen können. Erst wenn wir bereit sind, unser Leben ganz Gott anzuvertrauen, finden wir inneren Frieden. Besonders aktuell erscheinen auch Bonhoeffers Überlegungen zur Situation des christlichen Glaubens in einer zunehmend säkularen Welt. Peter Zimmerling schreibt: „In der mündigen Welt der Moderne haben diese Begriffe jedoch ihre Kraft verloren, weil sie nicht mehr verstanden werden. Der Glaube hat seine selbstverständliche Prägekraft für die Lebensauffassung der meisten Menschen verloren.“ *Bonhoeffer beobachtete, dass Begriffe wie Versöhnung, Erlösung, Wiedergeburt oder Heiliger Geist vielen Menschen nicht mehr selbstverständlich zugänglich waren. Nicht weil der christliche Glaube bedeutungslos geworden wäre, sondern weil die Sprache des Glaubens nicht mehr verstanden wird.* Trotz dieser Diagnose ist für Bonhoeffer die Sache des christlichen Glaubens keineswegs verloren. Er hofft auf eine neue Sprache und vertraut darauf, dass Menschen diese Sprache geschenkt bekommen, um das Evangelium wieder verständlich und vollmächtig verkündigen zu können. Bonhoeffers Texte stellen darüber hinaus eine Mahnung an eine müde und angepasste Christenheit dar. Immer wieder fordert er zu einem Glauben heraus, der Gottes Wort ernst nimmt und im konkreten Leben umsetzt. Die Verkündigung der Kirche darf für ihn nicht im Unverbindlichen stehen bleiben, sondern muss Gottes Willen in die konkrete Lebenssituation hinein auslegen. Kurz vor seiner Hinrichtung ließ er ausrichten: *„Für mich ist dies das Ende, aber auch der Anfang.“* Seine Hoffnung reichte dabei weit über die eigene Auferstehung hinaus. *Gegen allen Augenschein hielt er am endgültigen Sieg des Reiches Gottes über Hass, Gewalt und Unrecht fest.* Gerade deshalb wirken seine Worte bis heute erstaunlich lebendig. Gebete, Gedichte und Gedanken aus dem Gefängnis ist nicht nur ein bewegendes Stück Zeitgeschichte. Es ist das Zeugnis eines Menschen, dessen Glaube in einer extremen Lebenssituation geprüft wurde und der gerade dort Worte fand, die bis heute Trost, Orientierung und Herausforderung zugleich sein können. #wortelicht #dietrichbonhoeffer

    Jun 25, 2026

Author

About Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer: einer der führenden Köpfe der Bekennenden Kirche und des Widerstands im Dritten Reich. Leiter des verbotenen Predigerseminars der Bekennenden Kirche in Finkenwalde. Lutherischer Theologe. Gründer der ersten evangelischen Kommunität. Poet. Märtyrer. Ein Kirchenvater des 20. Jahrhunderts.

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