Ganz wie ein Mensch

Ganz wie ein Mensch

Hardback
3.521

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Nominiert für den PEN/Faulkner Award 2024

In den Hügeln von Los Angeles, gleich unter dem Hollywood-Schriftzug, lebt einer der gefährlichsten und hungrigsten Bewohner der Millionenstadt: Ein einsamer Berglöwe, der die heißen und beutearmen Tage damit verbringt, den Wanderern in den Hollywood Hills bei neurotischen Gesprächen zuzuhören, ein nahegelegenes Obdachlosencamp zu bewachen und Insekten zu fressen.

Als ein Feuer im Camp ihn zwingt, den Weg über die Highways nehmen, findet er sich auf einmal in der Stadt wieder, von der er schon so viel gehört hat: „Ellay“. Hier begegnet er nicht nur neuen Gefahren, sondern auch einer möglichen Retterin – und einem alten Bekannten, mit dem er noch eine Rechnung offen hat …
In atemloser, außergewöhnlicher Sprache beschreibt der Löwe seine Sicht auf eine schnelle, hitzige und traumatisierte Welt, und erzählt so letztendlich doch nicht von sich – sondern von uns Menschen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
192
Price
22.70 €

Author Description

Henry Hoke machte seinen Abschluss am California Insitute of the Arts, an dem er fünf Jahre lehrte, und unterrichtet heute Kreatives Schreiben an der University of Virginia. Seine Arbeiten erschienen in Electric Literature, Triangle House und The Offing. Er ist außerdem Autor mehrerer Bücher und lebt in Brooklyn. Die Gedankenwelt des Berglöwen in Ganz wie ein Mensch hat Henry Hoke zwar erfunden, den Berglöwen gab es jedoch tatsächlich. Sein Name war P-22 und er lebte in den Hollywood Hills, bis er 2022 eingeschläfert werden musste. Sein Tod löste Beileidsbekundungen und Lobeshymnen aus. Ganz wie ein Mensch war 2024 unter den Finalisten für den PEN/Faulkner Award for Fiction.

Posts

5
All
5

„𝘐𝘤𝘩 𝘷𝘦𝘳𝘴𝘶𝘤𝘩𝘦 𝘥𝘪𝘦 𝘔𝘦𝘯𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘻𝘶 𝘷𝘦𝘳𝘴𝘵𝘦𝘩𝘦𝘯 𝘢𝘣𝘦𝘳 𝘴𝘪𝘦 𝘮𝘢𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘦𝘴 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘮 𝘴𝘤𝘩𝘸𝘦𝘳“ (𝘚.8) In „Ganz wie ein Mensch“ wirft Henry Hoke durch die Augen eines Berglöwen einen Blick auf unsere Welt und die Menschen. Der Puma wurde aus seinem Gebiet vertrieben und lebt nun einsam in den Hollywood Hills. Er beobachtet und belauscht vorüberziehende Menschen, sieht ein Obdachlosencamp als sein Rudel an, leidet an Nahrungsknappheit, Hitze und fehlendem Wasser. Als ein Feuer ausbricht, ist er genötigt in die Stadt umzusiedeln. Ein vorerst gefährlicher Plan, der sich aber schnell dreht, als er Zuflucht bei einem Teenager findet und vorübergehend zu einem zahmen „Haustier“ wird. Henry Hokes Betrachtung fesselt… Ich hab das Bich an einem Abend durchgelesen, konnte es einfach nicht weglegen. Die Sicht des Puma auf den Menschen ist schonungslos. Auf der einen Seite werden immer wieder Gesprächsfetzen, die er aufnimmt, und die von den Problemen der Menschen erzählen, eingebaut. Probleme, die in Anbetracht dessen, dass er selbst täglich um sein Überleben kämpft, absolut nichtig werden. Andererseits erfasst er grundlegende Problematiken, sei es Ressourcenverschwendung, die Leugnung der Klimakrise oder Kämpfe untereinander und kann kein Verständnis dafür aufbringen. Am Beispiel der „kleinen Slaugther“, die ihn aufnimmt, als er in die Stadt flüchten muss, wird zwar klar, dass nicht alle Menschen „böse“ sind, doch auch hier zeigt sich ein Phänomen, dass den Menschen eigen ist: die Tatsache, dass sie versuchen wilde Tiere zu domestizieren. Der Ausgang ist daher nicht weiter überraschend. „𝘌𝘴 𝘨𝘦𝘩𝘵 𝘩𝘪𝘦𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘶𝘮 𝘔𝘶̈𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘕𝘦𝘪𝘯 𝘦𝘴 𝘨𝘦𝘩𝘵 𝘶𝘮 𝘞𝘰𝘭𝘭𝘦𝘯 𝘌𝘴 𝘪𝘴𝘵 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘧𝘶̈𝘳𝘤𝘩𝘵𝘦𝘳𝘭𝘪𝘤𝘩𝘦 𝘌𝘯𝘵𝘴𝘤𝘩𝘦𝘪𝘥𝘶𝘯𝘨 𝘢𝘣𝘦𝘳 𝘪𝘤𝘩 𝘵𝘳𝘦𝘧𝘧𝘦 𝘴𝘪𝘦 𝘎𝘢𝘯𝘻 𝘸𝘪𝘦 𝘦𝘪𝘯 𝘔𝘦𝘯𝘴𝘤𝘩“ (𝘚.180) „Ganz wie ein Mensch“ ist ein witziges Buch, auch wenn es sich offensichtlich größtenteils um Galgenhumor handelt. Henry Hoke klagt die Menschheit an, stößt den Finger in die offene Wunde und ermahnt, schafft es aber gleichzeitig (durch die Sicht eines Tieres) eine unglaubliche Leichtigkeit in seine Zeilen zu legen. Ein großartiger Roman, ein tolles Konzept und eine absolute Leseempfehlung.

4

Mit anderen Augen

Tiere sehen unsere Welt mit anderen Augen. Daher wünschen wir uns oft, Einblick in ihre Gedanken und ihre Perspektive zu erhalten. Henry Hoke hat sich für dieses Gedankenexperiment ein ganz besonderes Tier ausgesucht, nämlich den Berglöwen, der unter dem Hollywood-Schriftzug in Los Angeles lebt(e). Obwohl es sich um wilde Tiere handelt, sind diese Berglöwen recht umgänglich und ohne konkrete Bedrohung nicht besonders aggressiv. Dieser milde und reflektierte Charakter kommt auch in den zahlreichen episodenhaften Kapiteln zur Geltung. Der unverfälschte und arglose Blick des Berglöwen auf seine Umgebung und die Menschen ist sehr amüsant, macht aber auch nachdenklich. Hoke bricht bewusst mit dem Klischee der „menschenfressenden Bestie“ und zeigt den Berglöwen als Teil einer menschengemachten Welt und gleichzeitig als Opfer menschlicher Arroganz. Denn selbst, als sich dem wilden Tier gegenüber eine junge Frau offen und freundlich zeigt, ist es in den Projektionen menschlicher Vorstellung gefangen. So bekommt der eigentlich freilebende Berglöwe ein Katzenklo, schläft auf dem Sofa und wird gekrault und gefüttert - ganz wie ein Haustier oder ganz wie ein Mensch? Herausstechend ist dabei der besondere Stil und Satz, der uns durch die Gedankenschleifen der Wildkatze führt. Tiere kennen keine Satzzeichen, keine Kommasetzung und wissen auch nicht wie „Ellej“ aka „L. A.“ geschrieben wird - das macht den Text etwas schwer zu lesen aber auch besonders und authentisch. Auch die vielfältige Darstellung der Menschen hat mir durch den naiven und nur dadurch möglichen kritischen Ton gut gefallen. Wie auch im Klapptentext angedeutet, erfahren wir durch die tierische Perspektive nämlich vor allem etwas über die Unzulänglichkeiten der Menschen im Umgang mit ihrer Umwelt. Die einzige menschliche Hauptfigur, die „kleine Slaughter“ konnte ich dabei allerdings nicht wirklich greifen. Besonders schwer fiel mir, ihr Alter einzuschätzen, da sie sich einerseits sehr kindlich verhält und auch spricht, andererseits aber Auto fährt und raucht. Irgendwie hat mich das Buch jedoch wirklich berührt und beschäftigt und ich werde es sicher noch oft empfehlen.

5

Ein einsamer Berglöwe zwischen den Menschen in LA. Sehr lesenswert!

Ein einsamer Berglöwe zwischen den Menschen in LA. Sehr lesenswert!
3

Ganz wie ein Mensch* Henry Hoke „Ich habe noch nie einen Menschen gefressen, Aber heute könnte es soweit sein.“ In den Hügeln von Los Angeles lebt ein einsamer Berglöwe, der die heißen und beutearmen Tage damit verbringt, den Wanderern in den Hollywood Hills bei neurotischen Gesprächen zuzuhören, ein nahegelegenes Obdachlosencamp zu bewachen und Insekten zu fressen. Als ein Feuer im Camp ihn dazu zwingt sein Territorium zu verlassen, nehmen die Geschehnisse an Fahrt auf. Einen ungewöhnlichen Blick auf die Menschen bietet Henry Hokes Roman, der versucht uns Zweibeiner aus einer anderen Perspektive dazustellen. Dabei beschreibt der Löwe seine Sicht auf die ihn umgebende Welt und die Menschen, die ihm immer wieder begegnen. Ein interessanter Ansatz, der mich aber nicht ganz überzeugen konnte. Besonders Passagen in denen sich der Löwe, der menschliche Gespräche belauscht, beispielsweise ebenfalls einen Therapeuten wünscht, erschienen mir unausgereift und irrwitzig - ich bilde mir ein, dass wilde Tiere uns doch etwas distanzierter und kritischer betrachten würden. Die Mischung aus fast lyrischem Buchsatz, der in seiner Optik sehr an Verse und Strophen erinnert und der stoischen Beschreibung des Löwen haben allerdings in ihrem Kontrast einen gewissen Reiz. 3 von 5 🌟

3

Aus Sicht, Sprache und Verstand eines Berglöwen, der in den Hollywood Hills lebt, nachdem er aus seinem ursprünglichen Revier vertrieben wurde, erzählt der Autor, wie der Lebensraum des Pumas immer kleiner wird, der Hunger immer größer und dieser dadurch gezwungen wird immer näher in den Lebensraum der Menschen vorzudringen. Die Geschichte erinnert ein bisschen an die Novelle Fuchs8 , kommt aber für mich da nicht ganz ran. Weniger gut gefallen hat mir, dass das wilde Tier plötzlich zahm in einem Kinderzimmer lebt. Dennoch öffnet es einem beim Lesen den Blick für die schützenswerte Tierwelt .

Create Post