Ganz unten

Ganz unten

Softcover
4.014

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Description

Günter Wallraffs Erfahrungsbericht als Türke Ali wurde mit einer deutschsprachigen Auflage von über fünf Millionen und Übersetzungen in mehr als 30 Ländern nicht nur weltweit einer der sensationellsten Bucherfolge, sondern entwickelte auch eine »durchschlagende politische Wirkung« (Süddeutsche Zeitung).

Elf Jahre nach seinem ersten Anlauf in der Ausländerrolle erlebte Günter Wallraff 1984 bundesdeutsche Wirklichkeit aus einer Perspektive, die Deutschen sonst nicht zugänglich ist, und machte Erfahrungen, die eher an das südafrikanische Apartheitsregime erinnern als an den vielgerühmten demokratischen Rechtsstaat. In seiner Rolle als Türke Ali Levent war er unter anderem Hilfskraft in einer Filiale von McDonald’s, Leiharbeiter auf einer Großbaustelle sowie bei einem Arbeiterverleiher bei Thyssen/Duisburg und Versuchskaninchen bei einem Medikamentenversuch.

Er erlebte, wie Türken buchstäblich als »der letzte Dreck« angesehen und behandelt werden, gebraucht nicht nur als »Lückenbüßer« der wirtschaftlichen Konjunktur, sondern vor allem als Billigarbeitskräfte für jeden Zweck, für dreckigste und gefährlichste Arbeiten. Trotz gesundheitlicher Schädigungen, trotz aller Menschenverachtung und Demütigungen, die er zu spüren bekam, erfuhr Günter Wallraff in seiner Ali Levent-Rolle auch Positives, ihn Aufbauendes: die Solidarität und Freundschaft seiner Kollegen. Anders als während seiner Arbeit in er BILD-Redaktion ( Der Aufmacher ), wo er sich vollständig verleugnen mußte, war er immer auch ein Stück er selbst, auch wenn er seine Identität nicht preisgeben durfte.

Das Echo auf die Veröffentlichung seiner Erfahrungen in dem Buch Ganz unten (Oktober 1985) war unvergleichlich groß. Fernsehen und Presse nahmen sich des Themas Leiharbeit engagiert an und übten dadurch Druck auf Politiker und Unternehmer aus. In Nordrhein-Westfalen haben zahlreiche illegale Leiharbeitsfirmen Besuch vom Staatsanwalt bekommen, entsprechend sind auch gerichtliche Verfahren eingeleitet worden. Um Ausländern wirksam helfen zu können, richtete Günter Wallraff den Hilfsfonds »Ausländersolidarität« ein. Für ein in Duisburg geplantes Wohnmodell, in dem Ausländer und Deutsche zusammen leben werden, stiftete er den Großteil seiner Honorare.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Softcover
Pages
464
Price
14.40 €

Author Description

Günter Wallraff, Jahrgang 1942, lebt und arbeitet in Köln. Veröffentlichungen u.a.: Wir brauchen dich. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben (1966; 1970 unter dem Titel Industriereportagen), 13 unerwünschte Reportagen (1969), Ihr da oben, wir da unten (mit Bernt Engelmann), Unser Faschismus nebenan (1975), die Dokumentation einer in Athen durchgeführten Protestaktion Wallraffs gegen das griechische Obristenregime. Besonderes Aufsehen erregte Wallraff 1977 mit seinen verdeckten Recherchen innerhalb der Redaktion der Bild-Zeitung ( Der Aufmacher und weitere Bücher zum Thema). Mit über 5 Mio. Exemplaren der deutschsprachigen Ausgabe und 38 Übersetzungen war Ganz unten (1985), die Reportage über den menschenverachtenden Handel mit Leiharbeitern, das erfolgreichste Sachbuch der Nachkriegszeit. Große Medien- und Leserresonanz fanden die Reportagen in dem Band Aus der schönen neuen Welt (2009, 2012) und dem von ihm herausgegebenen Band Die Lastenträger (2014).

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4.5

Auch wenn das Buch mittlerweile im Original fast 40 Jahre alt ist, ist der gelebte Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit immer noch aktuell - wenn nicht sogar aktueller denn je.

Auch wenn sich die Arbeitsbedingungen seit den 80ern endlich gebessert haben (und wer weiß, wie viel gerade im Bauwesen noch schwarz und unter ähnlichen Missständen läuft), ist die Gesellschaft doch immer noch die gleiche problematische - in der rechte Kräfte immer stärker werden. Die geschilderten Erlebnisse sind krass, unglaublich und doch real, und von so vielen Gastarbeiter:innen tagtäglich so erlebt. Das Buch hätte einen erneuten Aufschwung wie in den 80ern, wo es quasi jeder kannte, verdient. Und ich hoffe, dass uns Günter Wallraff noch lange erhalten bleibt, so ein mutiger Mensch, der seine Gesundheit und sein Leben aufs Spiel setzt, um zu zeigen, wie die Dinge wirklich laufen. Und trotzdem ist das (in dieser Ausgabe neue) Nachwort so wichtig - wie absurd es eigentlich ist, dass man erst einen als Türken verkleideten Deutschen braucht, damit Millionen von Gastarbeiter:innen endlich zugehört wird - und das wird es ja eigentlich immer noch nicht, es gibt immer noch wenig öffentlich publizierte Erfahrungsberichte von Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte. Auch da muss diese Gesellschaft endlich besser werden.

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