Fremde Gäste
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
London in den Zwanzigerjahren. Die 28-jährige Frances Wray und ihre Mutter sind gezwungen, Untermieter in ihrem Stadthaus aufzunehmen, seit der Vater und die beiden Brüder im Krieg gefallen sind.
Mit der Ankunft von Lilian und Leonard Barber, einem modernen jungen Ehepaar, halten Grammophonmusik, Lebensfreude und Gelächter Einzug. Offene Türen gewähren Frances Einblicke in fremde Gewohnheiten, ans Tageslicht drängende Geheimnisse wecken verborgene Sehnsüchte in ihr. Bis ein schreckliches Ereignis nicht nur Frances‘ Welt gänzlich aus den Fugen geraten lässt ...
»Wahrhaft eine emotionale Achterbahnfahrt ... Mit Fremde Gäste hat Sarah Waters eine wunderbar ausgeleuchtete Liebesgeschichte und zugleich einen atemberaubend düsteren psychologischen Spannungsroman geschrieben.« The Washington Post
Book Information
Author Description
Sarah Waters, geboren 1966 in Neyland, Wales, promovierte an der University of Lancaster in Englischer Literatur. Sie lebt gegenwärtig als freie Schriftstellerin in Kennington, London, und ist nicht nur in Großbritannien längst ein Star mit einer begeisterten Leserschaft. Ihre Romane wurden in zahlreiche Länder verkauft und mit diversen Preisen ausgezeichnet, mehrere ihrer Stoffe wurden verfilmt.
Posts
Ab der Hälfte geht’s bergauf
London, 1920er Jahre: Die 28-jährige Frances und ihre Mutter sind gezwungen, Untermieter in ihrem ursprünglichen sehr noblen, mittlerweile leicht altbackenen Stadthaus aufzunehmen. Das Geld ist rar seit die beiden Brüder im Krieg gefallen sind und der Vater ebenfalls verstorben ist, jedoch nicht ohne die gesamten finanziellen Rücklagen zuvor verpulvert zu haben. So ziehen Lilian und Leonard Barber, ein junges, modernes Ehepaar, inklusive lauter Grammophonmusik, Lebensfreude und Gelächter als Untermieter ein. Schnell leckt die etwas prüde und altbackene Francis Blut und lernt eine völlig neue Lebenseinstellung und fremde Gewohnheiten kennen - und entdeckt ihr sexuelles (und emotionales) Interesse an der neuen Untermieterin. Besonders vor Sarah Waters eigenem biografischen Hintergrund thematisiert der Roman nichts überraschend Neues: Gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen in einer Zeit, in der es sowas nicht geben darf. Es gibt eindeutige Sexszenen, verpackt in teils ellenlangen Beschreibungen der Gefühlswelten der beiden Frauen. Insbesondere die erste Buchhälfte „tröpfelt“ dahin und wirkt bisweilen ziemlich kitschig und schnulzig. Die Handlung ist größtenteils vorhersehbar und langatmig. Ab der Hälfte wird es jedoch spannend. Waters verfasst damit einen Genremix aus Krimi, Justizthrilller, Liebesgeschichte und historischem Drama. Die starke Charakterzeichnung der Figuren fand ich sehr erfrischend. Sarah Waters gelingt eine historisch einprägsame Darstellung der damaligen Zeit: Mrs Wray hängt den altmodischen Idealen des viktorianischen Englands nach, der insbesondere die eigene Außendarstellung und das Wahren des äußerlichen Scheins („Was sollen nur die Nachbarn denken?“) wichtig ist. Sie hat stark damit zu kämpfen nicht mehr zu den oberen Kreisen zu gehören und sich bedingt durch den Tod der männlichen Familienoberhäupter nun mit ihrer neuen Stellung in der Mittelschicht zufrieden geben zu müssen. Lil wirkt wie das komplette Gegenteil: sie ist jung, modern, ein wenig ausflippt, tanzt gerne, trägt Lippenstift und zeigt ihre kosmopolitische Einstellung durch die Wahl ihrer Einrichtungsgegenstände. Damit repräsentieren die Figuren den historisch-gesellschaftlichen Bruch zur damaligen Zeit - das alte England und das neue England. Francis bemerkt diesen Bruch und sehnt sich selbst nach einer neuen Zeit, der Erfüllung ihrer gesellschaftlich unterdrückten und tabuisierten Sexualität und bewundert Lil für ihre „Stärke“ - bei der nach und nach jedoch auch die Frage in den Raum gestellt wird, was eigentlich „Stärke“ ist. Generell behandelt der Roman viele „Trigger-Themen“: lesbische Sexualität, sozialer Konformismus, weibliche Unterdrückung in der Ehe, die Frage nach Gerechtigkeit und bietet in alldem einen großen Interpretationsspielraum. Damit bietet das Buch literarische „Simpsons-Momente“: ein einfach gehaltener Plot und je nach Lesart und Tiefe ergeben sich daraus viele unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten – von „Liebesgeschichte“ bishin zur eindeutigen Gesellschaftskritik. ⭐️⭐️⭐️⭐️
Description
London in den Zwanzigerjahren. Die 28-jährige Frances Wray und ihre Mutter sind gezwungen, Untermieter in ihrem Stadthaus aufzunehmen, seit der Vater und die beiden Brüder im Krieg gefallen sind.
Mit der Ankunft von Lilian und Leonard Barber, einem modernen jungen Ehepaar, halten Grammophonmusik, Lebensfreude und Gelächter Einzug. Offene Türen gewähren Frances Einblicke in fremde Gewohnheiten, ans Tageslicht drängende Geheimnisse wecken verborgene Sehnsüchte in ihr. Bis ein schreckliches Ereignis nicht nur Frances‘ Welt gänzlich aus den Fugen geraten lässt ...
»Wahrhaft eine emotionale Achterbahnfahrt ... Mit Fremde Gäste hat Sarah Waters eine wunderbar ausgeleuchtete Liebesgeschichte und zugleich einen atemberaubend düsteren psychologischen Spannungsroman geschrieben.« The Washington Post
Book Information
Author Description
Sarah Waters, geboren 1966 in Neyland, Wales, promovierte an der University of Lancaster in Englischer Literatur. Sie lebt gegenwärtig als freie Schriftstellerin in Kennington, London, und ist nicht nur in Großbritannien längst ein Star mit einer begeisterten Leserschaft. Ihre Romane wurden in zahlreiche Länder verkauft und mit diversen Preisen ausgezeichnet, mehrere ihrer Stoffe wurden verfilmt.
Posts
Ab der Hälfte geht’s bergauf
London, 1920er Jahre: Die 28-jährige Frances und ihre Mutter sind gezwungen, Untermieter in ihrem ursprünglichen sehr noblen, mittlerweile leicht altbackenen Stadthaus aufzunehmen. Das Geld ist rar seit die beiden Brüder im Krieg gefallen sind und der Vater ebenfalls verstorben ist, jedoch nicht ohne die gesamten finanziellen Rücklagen zuvor verpulvert zu haben. So ziehen Lilian und Leonard Barber, ein junges, modernes Ehepaar, inklusive lauter Grammophonmusik, Lebensfreude und Gelächter als Untermieter ein. Schnell leckt die etwas prüde und altbackene Francis Blut und lernt eine völlig neue Lebenseinstellung und fremde Gewohnheiten kennen - und entdeckt ihr sexuelles (und emotionales) Interesse an der neuen Untermieterin. Besonders vor Sarah Waters eigenem biografischen Hintergrund thematisiert der Roman nichts überraschend Neues: Gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen in einer Zeit, in der es sowas nicht geben darf. Es gibt eindeutige Sexszenen, verpackt in teils ellenlangen Beschreibungen der Gefühlswelten der beiden Frauen. Insbesondere die erste Buchhälfte „tröpfelt“ dahin und wirkt bisweilen ziemlich kitschig und schnulzig. Die Handlung ist größtenteils vorhersehbar und langatmig. Ab der Hälfte wird es jedoch spannend. Waters verfasst damit einen Genremix aus Krimi, Justizthrilller, Liebesgeschichte und historischem Drama. Die starke Charakterzeichnung der Figuren fand ich sehr erfrischend. Sarah Waters gelingt eine historisch einprägsame Darstellung der damaligen Zeit: Mrs Wray hängt den altmodischen Idealen des viktorianischen Englands nach, der insbesondere die eigene Außendarstellung und das Wahren des äußerlichen Scheins („Was sollen nur die Nachbarn denken?“) wichtig ist. Sie hat stark damit zu kämpfen nicht mehr zu den oberen Kreisen zu gehören und sich bedingt durch den Tod der männlichen Familienoberhäupter nun mit ihrer neuen Stellung in der Mittelschicht zufrieden geben zu müssen. Lil wirkt wie das komplette Gegenteil: sie ist jung, modern, ein wenig ausflippt, tanzt gerne, trägt Lippenstift und zeigt ihre kosmopolitische Einstellung durch die Wahl ihrer Einrichtungsgegenstände. Damit repräsentieren die Figuren den historisch-gesellschaftlichen Bruch zur damaligen Zeit - das alte England und das neue England. Francis bemerkt diesen Bruch und sehnt sich selbst nach einer neuen Zeit, der Erfüllung ihrer gesellschaftlich unterdrückten und tabuisierten Sexualität und bewundert Lil für ihre „Stärke“ - bei der nach und nach jedoch auch die Frage in den Raum gestellt wird, was eigentlich „Stärke“ ist. Generell behandelt der Roman viele „Trigger-Themen“: lesbische Sexualität, sozialer Konformismus, weibliche Unterdrückung in der Ehe, die Frage nach Gerechtigkeit und bietet in alldem einen großen Interpretationsspielraum. Damit bietet das Buch literarische „Simpsons-Momente“: ein einfach gehaltener Plot und je nach Lesart und Tiefe ergeben sich daraus viele unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten – von „Liebesgeschichte“ bishin zur eindeutigen Gesellschaftskritik. ⭐️⭐️⭐️⭐️




