Frau Fünf

Frau Fünf

Hardback
3.610

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Description

Mirjam wird von Martin Mustermann nach fast zehn Jahren Beziehung verlassen. Völlig unerwartet steht sie allein in der ehemals gemeinsamen Wohnung und versteht die Welt nicht mehr. Eine Welt, die mit Martins Möbeln eingerichtet war. Nach Jahren der Anpassung an Martins Leben und Vorlieben, bricht es aus ihr heraus. Wütend versucht Mirjam, Martins Beweggründe für die Trennung herauszufinden. Hat er eine andere? Mit drastischen Mitteln spioniert sie ihm nach und fängt an, ihr eigenes Leben zu erkunden. Was bedeutet ihr die Freundschaft zu ihrer ehemaligen WG-Mitbewohnerin Lena? Welcher Sex macht ihr eigentlich Spaß? Als »Frau Fünf« lotet Mirjam nach und nach ihre Grenzen neu aus und gerät dabei in einen Strudel aus Slapstick und Grauen. Juliane Baldy spielt in ihrem zweiten Roman gekonnt mit Klischees und Rollenbildern und erschafft eine Erzählerin, die mit zahlreichen Tabubrüchen noch lange im Gedächtnis bleibt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
224
Price
22.70 €

Author Description

JULIANE BALDY wurde in Neuss geboren und lebt heute in Berlin. Sie veröffentlichte Theaterstücke, die in Deutschland und Italien uraufgeführt wurden. 2019 erhielt sie das Stipendium der Käthe-Dorschund-Agnes-Straub-Stiftung für ihr Romandebüt und zudem die Autorenförderung des Bezirksamts Pankow für die Aufführung von »Sieben Lagen Knoblauch scharf« im Theater unterm Dach Berlin. Ihr Debütroman »Paul« erschien 2020 in der Frankfurter Verlagsanstalt und wurde mit dem White Raven der Internationalen Jugendbibliothek ausgezeichnet. Zudem erhielt sie ein weiteres Stipendium der Käthe-Dorsch- und Agnes-Straub-Stiftung für ihren zweiten Roman »Frau Fünf«. 2021 wurde ihr vom Deutschen Literaturfonds Neustart Kultur »Neue Perspektiven für Dramatikerinnen und Dramatiker« eine Förderung zugesprochen.

Posts

4
All
3.5

„Mirjam atmet ein und aus, einundzwanzig, zweiundzwanzig, …“

… und macht ziemlich viele wilde Dinge, die sie schon immer mal machen wollte, aber durch Martin Mustermann daran gehindert wurde. Wut und Verzweiflung führen zu grenzwertigen Spionageattacken und auch ihre scheinbar dysfunktionale Kindheit blieb nicht ohne Folgen. Man könnte sagen, sie sucht und findet sich in Teilen selber. Auch wenn die Protagonistin mir persönlich sehr überzeichnet, unsympathisch ist, möchte ich sie umarmen und sagen, dass alles irgendwann anders wird.

2.5

Frau Fünf von Juliane Baldy Verlag: Verbrecher Mirjam wird nach zehn Jahren von ihrem Partner Martin Mustermann verlassen. Ihre besten Jahre hat sie mit Anpassung verbracht, sich verbogen, um es Martin recht zu machen, und ihre eigene Meinung hintangestellt. Doch hatte sie überhaupt eine eigene Meinung und wenn ja, welche? Als Martin plötzlich mit einer anderen Frau auftaucht, bricht Mirjams Welt zusammen. Diese neue Frau fährt seinen Wagen, er sitzt hinter ihr auf dem Roller, sie küssen sich öffentlich und wirken unbeschwert. Setzt sie ihn unter Drogen? Das kann doch nicht ihr Martin sein?! Sicher kommt er bald zu Mirjam zurück oder etwa nicht? Mirjam beginnt, Martin hinterherzuspionieren, und versucht gleichzeitig herauszufinden, was ihr selbst guttut. Doch das ist gar nicht so leicht. Als sie sich schließlich sogar einen Callboy gönnt, entsteht Frau Fünf, ihr zweites Ich, das Grenzen sprengt und wagt, was Mirjam sich nie getraut hätte. Sie lässt sich die Haare schneiden, trägt Leder, sagt, was sie denkt und lebt, wie sie will. Frau Fünf steht für Selbstbestimmung, Freiheit und das Entdecken des eigenen Willens, doch für mich war das Ganze leider zu chaotisch, zu egozentrisch und stellenweise zu rüpelhaft. Der Schreibstil ist flüssig und das Thema Trennung wird intensiv ausgearbeitet, aber weder Mirjam noch Frau Fünf konnten mich wirklich erreichen. Ich konnte ihre Handlungen nicht nachvollziehen und fand keinen emotionalen Zugang zu den Figuren. Ein Buch über eine Trennung der besonderen Art, leider hat es mich persönlich nicht überzeugt. Ich wünsche dem Roman aber die passenden LeserInnen, die genau diese Mischung aus Chaos, Neuanfang und Selbstfindung schätzen.

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4.5

Alle Figuren sind furchtbar überzeichnet und bringen einen beim Lesen zur Weißglut. Großartig!

Stellt euch vor ihr seid in nem Buchclub und in dem werden neu erschienene Indiebücher gelesen. Beim ersten Treffen landet auch Juliane Baldys „Frau Fünf“ in der Auswahl, du liest den Klappentext und denkst dir ah, vermutlich ein emanzipatorisch angelegtes Buch, in dem ne Frau von ihrem Typen verlassen wird und dann zu sich selbst findet, langsam ist das doch mal durch mit so super edukatorischen Selbstfindungsbüchern“ und dann liest du lieber ein anderes. Auf der Buchmesse bekommst du dann aber von der Verlagsmitarbeiterin Alex erklärt, dass die Protagonistin, die Mirjam, total durchdreht und den Typen stalkt und eine weitere Verlagsautorin erklärt dir, dass man beide Protas nur furchtbar finden kann. Klar nimmst du dir das Buch dann sofort als Reziexemplar beim Stand der Verbrechis mit. Und dann bist du im Leseclub doch tatsächlich die einzige, die das Buch absolut feiert, weil es grade nicht das ist was du befürchtet hast und es gefühlt null Entwicklung gibt und doch super viel und man das Gefühl hat man guckt nem Autounfall zu und alles ist einfach furchtbar, aber dabei so großartig geschrieben. Ist ein etwas ausholender Einstieg, aber so ist das mit Juliane Baldys Roman wirklich passiert. Das Buch spaltet also offensichtlich sehr und man liebt es oder man hasst es, glaube ich. Denn die Mirjam (wichtig: nicht Mirjam, immer die Mirjam) wird von Martin verlassen, nach fast 10 Jahren Beziehung. Und sie rastet so richtig gepflegt aus, stalkt ihn, wird eifersüchtig auf seine Arbeitskolleginnen, ist absolut unangenehm misogyn dabei. Was man von Martin mitkriegt führt nicht dazu, dass man ihn sympathisch findet und eigentlich dachte ich beim Lesen die ganze Zeit „die hätten sich schon gegenseitig verdient“. Aber die Mirjam sucht ihren Weg und dabei entwickelt sie ein Alter Ego, FRAU FÜNF, das sie aus ihrer Komfortzone holt (und über die Grenzen anderer Menschen schiebt natürlich auch) und das auf der einen Seite fast noch unangenehmer ist als die Mirjam selbst, auf der anderen Seite aber zumindest für sowas wie ne Charakterentwicklung sorgt (wenn auch nicht unbedingt zum Guten). Und naja, ein Callboy spielt auch noch ne Rolle. Es klingt wild und das ist es auch, und dazu kommt eine sehr eigene Sprache, bei der die Schachtelsätze in sarkastische Fußnoten ausgelagert werden und zugleich der Gedankenfluss von der Mirjam sehr ungefiltert weitergegeben wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Buch viele Leute irritiert und überhaupt nicht abholt. Wer sich aber gerne an unsympathischen Protas reibt und es mit einem Buch nicht leicht haben will, kann sich hier auf knapp 200 Seiten köstlich amüsieren und aufregen und zwar sowohl über den Roman als auch unsere Gesellschaft. Denn grade, indem das Buch mit so vielen Erwartungen vermutlich gerade auch weiblicher Leserinnen bricht und es uns nicht so leicht macht mit der Entwicklung der Prota, ist es ziemlich feministisch. Und gerade weil es so realistisch ist, weil die Trennung von einem arschige Partner leider zu oft keine Emanzipation einleitet, dass hetero cis Männer eben doch oft ähnliche Verhaltensweisen haben, darauf verweist bereits der Nachname von Martin Mustermann. Der Roman ist bitterböse, aber für mich grade deshalb auf jeden Fall ein unerwartetes Highlight.

Alle Figuren sind furchtbar überzeichnet und bringen einen beim Lesen zur Weißglut.  Großartig!
4

"Mirjam hatte die meiste Zeit im Weg gestanden und Martin immer wieder gefragt, ob es hackt, ob es sein Ernst, ob das alles ein schlechter Scherz sei." (S. 6) Martin macht mit Miri Schluss. Nach zehn Jahren. Einfach so. Das kann Mirjam nicht auf sich sitzen lassen. Sie schmiedet einen Plan – oder besser gesagt: eine ganze Liste – um Martin zurückzugewinnen. Doch bevor sie in den Modus „Mission Rückeroberung“ wechseln kann, muss erstmal alles raus aus der Wohnung, was sie an den (Noch-)Ex erinnert. Blöd nur, dass sie sich die Miete allein eigentlich gar nicht leisten kann. Zwischen Möbelrücken, Wuttränen und Selbstzweifeln stellt sich Mirjam die Frage: Was war an mir falsch? Warum hat er sich eine neue Frau gesucht – denn ja, die gibt es wirklich! Also lautet der nächste Punkt auf Mirjams To-do-Liste: Rivalin finden und beseitigen. Aus der Verlassenen wird Stück für Stück eine Ermittlerin, eine Art Undercover-Agentin in eigener Sache. Bald hat sie sich dermaßen in ihre neue Rolle hineingesteigert, dass sie schließlich eine zweite Identität annimmt: FRAU FÜNF. Auf ihrer Mission läuft Mirjam durch die Straßen ihrer Stadt, immer etwas zu schnell, immer kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Sie verfolgt ihren Ex und dessen (vermeintliche?) Neue, analysiert Blicke, Gesten und Gesprächsfetzen, als ginge es um Leben und Tod. Buchstäblich durchläuft sie dabei die klassischen Phasen einer Trennung: leugnen, trauern, kämpfen, loslassen, neu beginnen – nur eben auf Baldys ganz eigene, schräg-komische Weise. Juliane Baldy gelingt es, diese emotionale Achterbahnfahrt mit einer Mischung aus Slapstick, Selbstironie und bitterem Ernst zu erzählen. Ihre Figuren sind überzeichnet, manchmal absurd, oft unsympathisch – aber auf eine so unterhaltsame Weise, dass man ihnen fasziniert folgt. Hinter all dem Humor steckt jedoch ein feiner, feministischer Unterton: Baldy spielt mit den Erwartungen an Weiblichkeit, Beziehungsdynamik und Selbstfindung. Wie viel „Ich“ bleibt übrig, wenn das „Wir“ zerbricht? Und wie sehr definiert sich eine Frau über den Blick des anderen? Es ist ein wilder, kluger Text über Identität, Kontrolle und das Chaos nach dem Beziehungsende.

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