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Seit einigen Jahren macht der Begriff der 'Kreativindustrie' Konjunktur. Während das Stammwort 'Industrie' an Versatzstücke der fabriklichen Ära erinnert – an weiträumige Lofts und stählerne Türen –, suggeriert der Zusatz 'kreativ', dass die Arbeit endlich befreit sei von allen depravierenden Wirkungen industrieller Betriebsamkeit:
Statt wie die Proleten zwischen eisernen Kolossen zu schuften, die den Körper in schweißtreibende Takte zwingen, hängen die Kreativen heute zwischen smarten kleinen Kisten herum, an denen jeder als sein eigener kleiner Direktor auf eine durchaus selbstbestimmte Art fleißig sein kann.
Europa, so heißt es euphorisch, habe die Herstellung von Dingen aufgegeben und sein Schicksal hänge nun davon ab, Konzepte und Images zu entwickeln: technologische Innovationen und Phantasieerreger für Konsumakte. Der Kapitalismus sei von einem neuen Geist beseelt und dürfe nun 'kultureller Kapitalismus' genannt werden.
Aus dem Editorial von Jörg Petruschat
ISBN9783935053105
Publisherform + zweck
Publication Date09/19/05
Pages112
Main GenreSpecialized Books
Sub GenreArt
FormatBook
LanguageGerman
Price25.80 €
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