Farewell, My Lovely
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Book Information
Posts
Ein Krimi, der 1940 in Los Angeles spielt – der Fall selbst hat mich nicht wahnsinnig gepackt, aber Chandlers Stil und Atmosphäre haben mich trotzdem total in den Bann gezogen. Irgendwie macht es einfach Spass, in diese Welt einzutauchen. Mein erstes Buch von Raymond Chandler – und bestimmt nicht das letzte. 🚬📚🥃

Wenn Liebe im Rauch der Nacht verschwindet
Eine schwere Hitze liegt über den Straßen von Los Angeles, während Zigarettenrauch durch dunkle Bars zieht und jede Begegnung ein kleines Risiko trägt. Zwischen verschwitzten Neonlichtern und brüchigen Fassaden entfaltet sich eine Geschichte, die nach Whiskey schmeckt und nach verlorener Liebe klingt. Raymond Chandler erschafft eine Welt, in der Hoffnung nur ein flackerndes Licht ist und jede Spur tiefer in ein Netz aus Lügen führt. Die Suche nach Velma fühlt sich an wie ein langsames Abtauchen in einen Strudel aus Sehnsucht, Gewalt und gebrochenen Träumen. Moose Malloy wirkt roh und ungestüm, gleichzeitig tragisch und verletzlich. Hinter jeder Tür wartet eine neue Täuschung, hinter jedem Blick eine unausgesprochene Wahrheit. Besonders die Frauenfiguren schillern zwischen Verführung und Geheimnis, ohne jemals einfach zu sein. Dichte Dialoge treiben die Handlung voran und verleihen dem Roman eine fast filmische Intensität. Bilder entstehen im Kopf, ohne laut zu sein. Der Fall wirkt nicht wie ein Puzzle, sondern wie ein dunkler Spaziergang durch moralische Grauzonen. Genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte, die weniger vom Ziel lebt als von der Atmosphäre unterwegs. Zurück bleibt ein bittersüßer Nachhall. Eine Mischung aus Melancholie, Spannung und einem Hauch Nostalgie. Jeder Satz trägt den Klang einer Zeit, in der Liebe gefährlich war und Vertrauen ein Luxus. Ein Noir Klassiker, der sich langsam entfaltet und lange im Kopf bleibt.

Dies ist der zweite Marlowe-Roman von Chandler. Auch diesen habe ich wieder mit großem Vergnügen gelesen und habe mich dabei wiedergefunden in der Gangsterwelt von Hollywood Ende der 1930er, Anfang der 1940er. Der Privatdetektiv Phlip Marlowe will eigentlich den Mann einer Auftraggeberin aufspüren und zurückbringen; dabei gerät er jedoch - eher zufällig - in eine Situation, die mit einem Mord endet. Der Täter, Moose Malloy, ein hünnhafter und bärenstarker Mann, auf der Suche nach seiner Freundin Velma, entkommt. Auf Bitte des etwas sehr faulen Polizisten Nulty - und weil er gerade keinen anderen Fall hat - ermittelt Marlowe. Schnell findet er eine Spur, die zur Witwe des Vorbesitzers der Bar führt, in welcher der Mord geschehen ist. Parallel erhält er einen Auftrag von einem Mann namens Marriott, den er bei einer Geldübergabe für den Rückkauf einer gestohlenen Jadehalskette begleiten soll. Dierse Übergabe schlägt reichlich fehl, übrig bleiben eine Leiche und ein in die Besinnungslosigkeit geschlagener Marlowe. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, nur soviel - Marlowe ermittelt, gerät in Lebensgefahr, kann sich herrauswinden und löst den Fall, der mit einem - für mich sehr überraschendem - Twist endet. Ein einflußreicher Gangster, ein unbekannter Helfer, ein weiterer (tüchtiger) Polizist, eine - nein - zwei schöne Frauen und ein zwielichtiger Wunderheiler spielen noch eine entscheidende Rolle. Chandler lässt Marlowe wieder als den zynischen und furchtlosen Helden auftreten, der die Sache in der Regel im Alleingang regelt. Er bringt sich dabei immer wieder in Gefahr, lässt aber die Gerechtigkeit dabei nicht eine Sekunde aus dem Blick. Er geht hierfür häufig einen Schritt zu weit, kann sich aber immer gerade noch einmal vor dem Fall in den Abgrund retten. Ja, er trinkt und raucht heirbei viel (zu viel) und tritt den Leuten gehörig auf die Füsse; gerade das macht jedoch einen Heidenspaß. Auch der dichte Schreibstil, gespickt von komisch-zynischen Dialogen macht das Lesen zu einem wahren Vergnügen. Sie sind so wunderbar«, sagte sie. »So tapfer, so entschlossen, und Sie arbeiten für so wenig Geld. Jeder haut Ihnen eins über den Schädel, würgt Sie, knallt Ihnen was aufs Kinn und pumpt Sie voll mit Morphium, aber Sie klopfen unbeirrt weiter auf den Busch, bis allen schließlich die Puste ausgeht. Was ist es, was Sie so wundervoll macht?« »Nur weiter«, knurrte ich, »erleichtern Sie Ihr Herz.« Nachdenklich sagte Anne Riordan: »Einen Kuß will ich, verdammt noch mal!« Ich habe das Buch genossen und werde zeitnah den dritten Marlowe (Das hohe Fenster) angehen, welches mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar in der Neuübersetzung (Ulrich Blumenbach) von 2022 zur Verfügung gestellt wurde. Wer auf Gangsterfilme der 1940er, auf Film Noir und Roman Noir steht, der sollte sich dieses Buch bzw. die ganze Reihe zu Gemüte führen. 10/10
Description
Book Information
Posts
Ein Krimi, der 1940 in Los Angeles spielt – der Fall selbst hat mich nicht wahnsinnig gepackt, aber Chandlers Stil und Atmosphäre haben mich trotzdem total in den Bann gezogen. Irgendwie macht es einfach Spass, in diese Welt einzutauchen. Mein erstes Buch von Raymond Chandler – und bestimmt nicht das letzte. 🚬📚🥃

Wenn Liebe im Rauch der Nacht verschwindet
Eine schwere Hitze liegt über den Straßen von Los Angeles, während Zigarettenrauch durch dunkle Bars zieht und jede Begegnung ein kleines Risiko trägt. Zwischen verschwitzten Neonlichtern und brüchigen Fassaden entfaltet sich eine Geschichte, die nach Whiskey schmeckt und nach verlorener Liebe klingt. Raymond Chandler erschafft eine Welt, in der Hoffnung nur ein flackerndes Licht ist und jede Spur tiefer in ein Netz aus Lügen führt. Die Suche nach Velma fühlt sich an wie ein langsames Abtauchen in einen Strudel aus Sehnsucht, Gewalt und gebrochenen Träumen. Moose Malloy wirkt roh und ungestüm, gleichzeitig tragisch und verletzlich. Hinter jeder Tür wartet eine neue Täuschung, hinter jedem Blick eine unausgesprochene Wahrheit. Besonders die Frauenfiguren schillern zwischen Verführung und Geheimnis, ohne jemals einfach zu sein. Dichte Dialoge treiben die Handlung voran und verleihen dem Roman eine fast filmische Intensität. Bilder entstehen im Kopf, ohne laut zu sein. Der Fall wirkt nicht wie ein Puzzle, sondern wie ein dunkler Spaziergang durch moralische Grauzonen. Genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte, die weniger vom Ziel lebt als von der Atmosphäre unterwegs. Zurück bleibt ein bittersüßer Nachhall. Eine Mischung aus Melancholie, Spannung und einem Hauch Nostalgie. Jeder Satz trägt den Klang einer Zeit, in der Liebe gefährlich war und Vertrauen ein Luxus. Ein Noir Klassiker, der sich langsam entfaltet und lange im Kopf bleibt.

Dies ist der zweite Marlowe-Roman von Chandler. Auch diesen habe ich wieder mit großem Vergnügen gelesen und habe mich dabei wiedergefunden in der Gangsterwelt von Hollywood Ende der 1930er, Anfang der 1940er. Der Privatdetektiv Phlip Marlowe will eigentlich den Mann einer Auftraggeberin aufspüren und zurückbringen; dabei gerät er jedoch - eher zufällig - in eine Situation, die mit einem Mord endet. Der Täter, Moose Malloy, ein hünnhafter und bärenstarker Mann, auf der Suche nach seiner Freundin Velma, entkommt. Auf Bitte des etwas sehr faulen Polizisten Nulty - und weil er gerade keinen anderen Fall hat - ermittelt Marlowe. Schnell findet er eine Spur, die zur Witwe des Vorbesitzers der Bar führt, in welcher der Mord geschehen ist. Parallel erhält er einen Auftrag von einem Mann namens Marriott, den er bei einer Geldübergabe für den Rückkauf einer gestohlenen Jadehalskette begleiten soll. Dierse Übergabe schlägt reichlich fehl, übrig bleiben eine Leiche und ein in die Besinnungslosigkeit geschlagener Marlowe. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, nur soviel - Marlowe ermittelt, gerät in Lebensgefahr, kann sich herrauswinden und löst den Fall, der mit einem - für mich sehr überraschendem - Twist endet. Ein einflußreicher Gangster, ein unbekannter Helfer, ein weiterer (tüchtiger) Polizist, eine - nein - zwei schöne Frauen und ein zwielichtiger Wunderheiler spielen noch eine entscheidende Rolle. Chandler lässt Marlowe wieder als den zynischen und furchtlosen Helden auftreten, der die Sache in der Regel im Alleingang regelt. Er bringt sich dabei immer wieder in Gefahr, lässt aber die Gerechtigkeit dabei nicht eine Sekunde aus dem Blick. Er geht hierfür häufig einen Schritt zu weit, kann sich aber immer gerade noch einmal vor dem Fall in den Abgrund retten. Ja, er trinkt und raucht heirbei viel (zu viel) und tritt den Leuten gehörig auf die Füsse; gerade das macht jedoch einen Heidenspaß. Auch der dichte Schreibstil, gespickt von komisch-zynischen Dialogen macht das Lesen zu einem wahren Vergnügen. Sie sind so wunderbar«, sagte sie. »So tapfer, so entschlossen, und Sie arbeiten für so wenig Geld. Jeder haut Ihnen eins über den Schädel, würgt Sie, knallt Ihnen was aufs Kinn und pumpt Sie voll mit Morphium, aber Sie klopfen unbeirrt weiter auf den Busch, bis allen schließlich die Puste ausgeht. Was ist es, was Sie so wundervoll macht?« »Nur weiter«, knurrte ich, »erleichtern Sie Ihr Herz.« Nachdenklich sagte Anne Riordan: »Einen Kuß will ich, verdammt noch mal!« Ich habe das Buch genossen und werde zeitnah den dritten Marlowe (Das hohe Fenster) angehen, welches mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar in der Neuübersetzung (Ulrich Blumenbach) von 2022 zur Verfügung gestellt wurde. Wer auf Gangsterfilme der 1940er, auf Film Noir und Roman Noir steht, der sollte sich dieses Buch bzw. die ganze Reihe zu Gemüte führen. 10/10






