Endkontrolle

Endkontrolle

Book
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Description

Der VEB Schirmfabrik Karl-Marx-Stadt war die einzige Schirmfabrik der DDR. Bis zu seiner Schließung 1991 hat er etwa 40 Millionen Regenschirme produziert und hauptsächlich ins sozialistische Ausland exportiert. In Adorf im Erzgebirge befand sich der dritte von insgesamt vier Betriebsteilen – die Schirmkonfektion und der Versand. In Chemnitz und Umgebung begegnen Lysann Németh bis heute Einkaufsbeutel, die aus Stoffresten dieser Regenschirme gefertigt wurden. So entstanden die Fotoserien „Gefährten“ und „Auserwählte“. Zehn Textcollagen aus zahlreichen Gesprächen mit den ehemaligen Adorfer Arbeiterinnen erzählen von Schirmherstellung und Sonderschichten, Kollektiv und Arbeitsalltag, Endkontrolle – und Abwicklung. Lysann Németh, 1979 in Leipzig geboren, ist in Chemnitz aufgewachsen und hat an der Bauhaus Universität Weimar Freie Kunst studiert. Sie ist interessiert am Aufdecken von Schönheit im Alltäglichen und richtet ihren Blick auf Dinge, die scheinbar nutzlos geworden sind – und sich im Verborgenen dennoch als außerordentlich beständig erweisen.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
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Book
Pages
240
Price
20.60 €

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„Endkontrolle“ ist das Ende einer Fabrik, aber auch ein Anfang: als notwendiger Beitrag in der Aufarbeitung der Wende, ein wichtiger Beitrag zur Sichtbarmachung der Bedeutung dieser historischen Fabrik und der in ihr geleisteten Arbeit in den Biografien der Arbeiterinnen, ohne dabei romantisch zu verklären.

»Frau Weißbach, die bereits telefonisch versuchte, mir den Unterschied zwischen PES-Stoffen (Polyesterseide) und PAS-Stoffen (Polyamidseide) zu erläutern, geht in den Vorraum und holt einen Schirm: „Mal sehen, ob der noch nass ist. Das ist ein Schirm von Yves Rocher.“ Allgemeines Gelächter. Eine Frau ruft: „Der wäre nicht durch die Endkontrolle gegangen!“« aus „Endkontrolle“ (2025) von Lysann Németh, S. 9, Trottoir Noir »Es war alles weg, es ist alles verfallen. Das war schade - doch. Vor allem, wenn man so lange hier gearbeitet hat.« aus „Endkontrolle“ (2025) von Lysann Németh, S. 185, Trottoir Noir Schirmproduktion in der DDR. Erscheint es zunächst als nischiges Thema mit allenfalls regionalem Bezug, versteckt sich hinter Lysann Némeths „Endkontrolle“ eine exzeptionelle Collage über die einzige Schirmfabrik der DDR, über die ehemaligen Arbeiter des Werks III im erzgebirgischen Adorf. In dokumentierten Gesprächsauszügen eröffnet sich der Leser*in ein Einblick in Arbeitsabläufe, in das solidarische Miteinander im Betrieb, in die Sonderschichten, in vietnamesische Gastarbeit und schließlich in die tragische Abwicklung und den Verfall der Fabrik nach der Wiedervereinigung. Was sich besonders hervorhebt, ist das Nebeneinanderstehen und Aneinanderreihen von Wortbeiträgen der ehemaligen Arbeiterinnen. Es ergibt sich ein Konstrukt aus sich teils widersprechenden, sich teils aber auch in Wortlaut gleichenden Aussagen, die in ihrer Gleichzeitigkeit ein nahbares Sozialgefüge erzeugen. Gerahmt werden sie durch Betriebsanweisungen aus der Lehre, die die Schritte zur Produktion der Schirme technokratisch herunterbrechen und so antagonistisch zur identitätsstiftenden Arbeit stehen, sowie durch Chemnitzer Bildfolgen der Autorin, die das heutige Nachleben des Schirmstoffes als Einkaufsbeutel dokumentieren. Text, Stil und Ausdruck sind so ineinander verwoben, dass man das Werk nach dem Lesen wieder und wieder in die Hand nimmt, da sich der Eindruck aufdrängt, noch nicht alles gesehen oder etwas übersehen zu haben. So begibt man sich auf eine weitere Entdeckung. „Endkontrolle“ ist der finale Schritt und Qualitätsüberprüfung, um nochmal alle Arbeitsprozesse in der Produktion von Schirmen zu kontrollieren. Es ist die Verknüpfung transparenter Produktionsprozesse. Eine Arbeit, eine Leistung. „Endkontrolle“ ist das Ende einer Fabrik, aber auch ein Anfang: als notwendiger Beitrag in der Aufarbeitung der Wende, ein wichtiger Beitrag zur Sichtbarmachung der Bedeutung dieser historischen Fabrik und der in ihr geleisteten Arbeit in den Biografien der Arbeiterinnen, ohne dabei romantisch zu verklären.

„Endkontrolle“ ist das Ende einer Fabrik, aber auch ein Anfang: als notwendiger Beitrag in der Aufarbeitung der Wende, ein wichtiger Beitrag zur Sichtbarmachung der Bedeutung dieser historischen Fabrik und der in ihr geleisteten Arbeit in den Biografien der Arbeiterinnen, ohne dabei romantisch zu verklären.
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