Elbland
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Description
Über die verlorene Heimat am Ufer der Elbe
Als ihre Mutter Irma stirbt, verliert Nina den Boden unter den Füßen. Nach Jahren des Ausharrens an der Seite dieser gebrochenen Frau ist sie plötzlich frei und fühlt sich verlorener denn je. Um wieder festen Grund zu finden, reist sie ins tschechische Riesengebirge, wo die Familie ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Nina will ergründen, was die Familie damals auseinandertrieb – und was das Land für sie bereithält, das ihre Mutter einst Heimat nannte: Böhmen.
So tiefsinnig wie schwebend schön ergründet Claudia Rikl, was beim Verlassen der Heimat zurückbleibt und was uns das Bleiben kostet.
»Claudia Rikl schreibt mit großer Empathie und Leidenschaft über die Lebenslügen einer leidgeprüften Generation und das erdrückende Erbe des Ungesagten.« Kristina Hauff
Book Information
Author Description
Claudia Rikl ist geboren und aufgewachsen in einer Kleinstadt in der ehemaligen DDR. Sie ist Literaturwissenschaftlerin und Schreibdozentin und lebt mit ihrer Familie in Leipzig. In Elbland verarbeitet sie die Geschichte ihrer sudetendeutschen Familie.
Posts
Hörbuch Rezension 🎧
⭐⭐⭐✨☆ (3,5/5) Elbland von Claudia Rikl hat mich vor allem wegen seines Hintergrunds angesprochen. Die Autorin wurde durch ihre eigene Familiengeschichte dazu inspiriert, sich mit der Vertreibung der Sudetendeutschen auseinanderzusetzen. Da auch meine Omi mütterlicherseits dieses Schicksal erleben und ihre Heimat verlassen musste, war ich besonders gespannt auf diesen Roman. Im Mittelpunkt steht Nina, die nach dem Tod ihrer Mutter Irma in eine tiefe Krise gerät. Obwohl ihr Verhältnis eher kühl war, hat sie sich jahrelang aufopferungsvoll um ihre depressive Mutter gekümmert und dabei ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt. Die Fragen nach Irmas innerem Schmerz und Ninas eigener Unfähigkeit, Nähe zuzulassen, ziehen sich durch die gesamte Geschichte. Der Roman wird auf drei Zeitebenen erzählt. Besonders interessant sind die Rückblicke in Irmas Kindheit im böhmischen Riesengebirge, wo das Leben durch die Vertreibung der Sudetendeutschen abrupt zerstört wird. Genau hier hatte ich mir jedoch deutlich mehr erhofft. Mein größter Kritikpunkt ist, dass dieses zentrale Thema, trotz seiner emotionalen Wucht, zu oberflächlich bleibt. Vieles wird nur angedeutet, statt wirklich ausgearbeitet zu werden. Gerade weil mich das Thema auch persönlich betrifft, hat mir hier die Tiefe gefehlt. Die Angst, der Verlust, das Zurücklassen von Heimat und Identität, all das hätte viel intensiver und greifbarer erzählt werden können. Elbland ist ein leiser Roman mit wichtigen Themen und einer persönlichen Grundlage – konnte mich aber trotz allem nicht so tief berühren, wie ich es mir erhofft hatte.

Hat mich tief berührt 🌿🌼
✨Rezensionsexemplar✨ Das war mein erstes Buch der Autorin und ich bin begeistert von ihrer Ausdruckskraft und der Tiefe dieser Geschichte (und in Tränen aufgelöst bin ich auch). ✨Inhalt Ninas Mama Irma stirbt und ihre Welt zerbricht in 1000 Einzelteile. War sie doch als Einzige noch für ihre Mutter da. Ihre Mutter, die niemanden an sich herangelassen hat und dir von unsichtbaren Geistern verfolgt wurde. Die Familie ist schon vor vielen Jahren zerbrochen und Nina macht sich auf den Weg in die Vergangenheit, um herauszufinden, was passiert ist. Im Prolog erhaschen wir einen Blick ins Früher, wir sind im letzten gemeinsamen Familienurlaub unterwegs an der Seite der Schwestern Nina und Katja, die mit ihren Eltern nach Böhmen fahren. Später erfahren wir außerdem, was Irma als Sudetendeutsche am Ende des 2. Weltkriegs im heutigen Tschechien passiert ist. ✨Meinung Wir lesen hauptsächlich aus Ninas Perspektive, dabei wechseln wir die Zeitebenen zwischen heute und dem Schicksalsjahr der Familie 1987. Es gibt auch ein paar Kapitel aus Irmas Sicht, dort lernen wir, wie sie aufgewachsen ist. Der Schreibstil ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber tatsächlich zieht er einen stark in die Geschichte und bereits in Teil 1 war ich schon gefesselt. Die Stimmung fühlt sich roh und real an. Es wird nichts beschönigt. Die Familiensituation ist komplex, viele Verletzungen wurden einander zugefügt. Diese Geschichte entschleunigt und sie ist auch nichts für zwischendurch. Man muss sich darauf ein- und sich forttreiben lassen. Insbesondere viele Aspekte aus der Vergangenheit haben mich regelrecht kaputtgemacht. „Nina fasst den Mut, in dem stillen Gesicht zu forschen. Muttis Haut ist ganz glatt, sie sieht erleichtert aus, so als wäre sie eine übergroße Last losgeworden. Nina möchte sie an den Schultern packen und schütteln. War dein Leben so schlimm die letzten Jahre? Wirklich?“ Interessant fand ich wie das Theater eine Brücke zwischen Vater und Tochter geschlagen hat. Auch wenn das im Verlauf der Geschichte zunehmend weniger eine Rolle spielt. Aufgefallen ist es mir dennoch und deshalb habe ich auch dazu ein Zitat mitgebracht. „Wenn Roswitha Bergmann ein Kostüm für sie anfertigt, sitzt es bei der ersten Anprobe, Frau Bergmann kennt ihren Körper seit siebenundzwanzig Jahren. Seit siebenundzwanzig Jahren ist er fast unverändert, keine Schwangerschaften, keine Krankheiten oder schiefgelaufene Diäten. Nina schnäuzt sich erneut. Vieles hat sich nie verändert, zu viel vielleicht.“ Es gibt innerhalb der Erzählung auch mehrere Beziehungen, die beleuchtet werden. Allen voran geht es um Nina und den älteren Kai. „Ich habe Baustellen, Kai. Gewaltige.“ „Ich bin ein guter Handwerker.“ 🥵 oder?? ✨Fazit Erste Tränen sind frühzeitig geflossen, so sehr berührt Ninas Verletzlichkeit, ihr schmerzhafter Verlust und das Wachstum ihres Charakters. Überhaupt habe ich viel geweint und wurde öfter einfach überwältigt. Ein wirklich sehr sehr schöner Gegenwartsroman mit historischen Auszügen! Macht Euch sehr gern ein eigenes Bild! 5/5⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Elbland von Claudia Rikl ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Es hat mich tief berührt, und ich möchte es euch ans Herz legen. Das Buch spielt auf drei Zeitebenen: In der Gegenwart, im Jahr 1945 und 1987. Im Mittelpunkt des Romans stehen Nina und ihre Mutter Irma. Nina, um die 50, ist Theaterschauspielerin in Leipzig. Nach dem Tod ihrer Mutter Irma verliert sie ihre Stimme, die HNO-Ärztin diagnostiziert eine stressbedingte psychogene Aphonie und schreibt sie für eine Woche krank. Nina beschließt, nach Hostinné ins Sudetenland zu fahren, wo ihre Mutter geboren ist und wohin sie im Jahr 1987 in den letzten gemeinsamen Familienurlaub gefahren sind. Die Herkunft der Mutter wurde in der Familie nie thematisiert. Nina ist überrascht, als sie mitbekommt, dass ihre Mutter Tschechisch spricht. Irma war ihr Leben lang sehr in sich gekehrt und ließ niemanden an sich heran. Als die Töchter erwachsen wurden, hat ihr Mann sie verlassen, da er mit ihrer emotionalen Distanz nicht länger leben konnte. Die jüngere Tochter Katja hat im Westen Karriere gemacht und ist nur selten zu Besuch gekommen, was ihre Schwester Nina ihr übel genommen hat. In den Kapiteln aus dem Jahr 1945 lesen wir, was damals in Böhmen passiert ist, als Irma sieben Jahre alt war. Die Familie gehörte der deutschen Minderheit an, sie besaß eine Textilfabrik. Nach der deutschen Kapitulation wurden die Deutschen, die noch in Böhmen lebten, in Lager verfrachtet. Die furchtbaren Erlebnisse der Siebenjährigen im Lager hatten Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, und Nina bekommt endlich eine Erklärung für das Verhalten ihrer Mutter. Ich interessiere mich sehr für Geschichten von Vertriebenen, und auch diese hat mich tief berührt. Es macht mich traurig zu lesen, wie grausam Menschen zu Menschen waren, die eine andere Nationalität oder einen anderen Glauben hatten. Noch trauriger macht es mich, dass sich in den letzten achtzig Jahren nicht viel daran geändert hat. Ich hätte gern mehr über Irmas Leben nach 1945 erfahren, vor allem wie und wann sie aus dem Lager in Olesovice nach Leipzig gekommen ist. Gerne vergebe ich fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.
Schweigen erzeugt manchmal mehr Leid als einem bewusst ist Die Geschichte der Sudetendeutschen in Tschechien und deren Vertreibung stehen im „Elbland“ im Mittelpunkt. Eingearbeitet in die Familiengeschichte von Nina bringt Claudia Rikl auch einen Teil ihrer eigenen Geschichte mit ein. Ninas Mutter will die Vergangenheit durch Schweigen vergessen, oder es ist schlichtweg zu schmerzvoll für sie zu erzählen. Wie dem auch sei. Für ihre Familie eine jahrelange Belastung. Nach ihrem Tod versucht Nina einen Teil ihrer Wurzeln zu finden. Darüberhinaus versucht sie auch die Entfremdung zu ihrer Schwester zu verringern. Und ganz nebenbei bemerkt Nina welche Mauern sie selbst um sich gezogen hat. Claudia Rikl schreibt einfühlsam, vorsichtig und nennt die Dinge doch beim Namen. Da das Buch zwei Zeitebenen enthält, erfährt der Leser immer wieder die Geschichte auch aus Irmas Sicht, der Mutter von Nina. Mir hat diese Herangehensweise sehr gut gefallen, da ich schon zwischendurch immer wieder Einblicke in die Vergangenheit erfahren konnte. Das Buch ist aufwühlend und zugleich auch hoffnungsvoll. Es hat mir Neues aus diesem Kapitel der Geschichte aufgezeigt. Ich finde es ein sehr lesenswertes Buch.
⭐️⭐️⭐️(⭐️) Vom Gehen und Bleiben...
In „Elbland“ ergründet Claudia Rikl eine Schwesternbeziehung und zeigt, wie sich Entscheidungen der Vergangenheit auf die Gegenwart auswirken. Nina und Kati waren sich als Kinder nah. Beide hatten für ihre Zukunft andere Pläne als ihre Eltern für sie vorsahen. Doch nur eine von ihnen verwirklichte sie vollständig. Kati ging. Nicht nur ihren eigenen Weg, sondern auch weg von der Familie, weg von der Mutter, die zeit ihres Lebens mit psychologischen Herausforderungen zu kämpfen hatte. Nina war der Meinung, dass sie es ihrer Mutter nicht antun könnte, ebenfalls zu gehen. Und so blieb sie. Und litt, vor allem im Stillen. Und ohne mit ihrer Schwester geklärt zu haben, was sie ihr insgeheim so viele Jahre lang vorgeworfen hat: dass sie ihr eigenes Glück über das der Familie gestellt und Nina mit der Verantwortung allein gelassen hat. Nach dem Tod der Mutter hinterfragt Nina die letzten Jahre, die sie - als aufopferungsvolle Tochter - in einem Leben verbracht hat, das sich nicht wirklich wie ihr eigenes anfühlt. Sie rebelliert gegen sich selbst und versucht endlich, dem Kern ihrer Gefühle auf die Spur zu kommen. Und zwar, indem sie die Vergangenheit ihrer Mutter recherchiert. Dort, wo diese ursprünglich zuhause war: in Böhmen. Die Autorin lässt Nina zunächst zaghaft, dann jedoch voller Enthusiasmus in die Rolle der Spurensucherin schlüpfen. Während Nina enthüllt, was in der Familie nie ausgesprochen wurde, aber ihre Mutter zeit ihres Lebens stark belastete, kommt sie schließlich auch ihrer Schwester Kati wieder näher. Das Enthüllen der schmerzhaften Vergangenheit ihrer Mutter ebnet den Weg für die Klärung der schwesterlichen Beziehung. Und so lässt sich dieser melancholische, aber gleichzeitig hoffnungsvolle Roman am besten mit einem Zitat von August Bebel zusammenfassen: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Ich empfehle diesen Roman allen, die gern tiefgründige Familiengeschichten mit historischem Bezug lesen, die die psychologischen Fallstricke innerhalb familiärer Beziehungen ergründen möchten und die mehr wissen möchten über ein dunkles Kapitel deutsch-tschechischer Geschichte: die Vertreibung der Deutschen aus Böhmen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Trauma und die Suche nach dem Warum
Vorablesen- Gewinn Auf drei verschiedenen Zeitebenen spielt dieser Roman. In der Jetzt-Zeit begleiten wir als Leser Nina, deren Schwester Katja und die Eltern Irma und den Vater. Stück für Stück wird klar, dass das Verhältnis der beiden Schwestern schwierig, fast zerrüttet ist, der Grund bleibt lange unklar. Auch ihre Mutter, Irma scheint depressiv gewesen zu sein. In Rückblenden erfährt man von Irmas Vergangenheit in Böhmen, der Vertreibung und einem persönlichen Trauma. Das wird erst sehr spät im Buch aufgelöst und hat es für mich etwas langatmig gemacht. Zwischenzeitlich habe ich ein wenig den Faden verloren, da die Autorin für mich ein, zwei Nebenstränge zu viel eingebaut hat ( das schwierige Liebesleben von Nina). Insgesamt ist es jedoch ein Stück deutsche Geschichte, von dem ich noch nichts wusste und das gut erzählt wurde. Die Figuren sind mir trotzdem etwas fern geblieben.
Suche nach Identität
"Elbland" von Claudia Rikl erzählt eine ruhige, aber eindringliche Geschichte über Herkunft, Familie und Identität. Als Ninas Mutter Irma stirbt, bricht eine Welt für sie zusammen und sie beginnt, sich viele Fragen zu stellen. Lange Zeit hat sie ihr ganzes Leben nach den Bedürfnissen ihrer Mutter ausgerichtet und als diese plötzlich nicht mehr ihr Leben bestimmen, muss Nina ihren eigenen Weg finden. Das tut sie u.a., indem sie in das tschechische Riesengebirge reist, aus dem ihre Mutter einst als Kind vertrieben worden ist. Nina erhofft sich dadurch Antworten auf ihre Fragen dazu, warum ihre Mutter so war wie sie war. Zu Beginn fiel es mir aufgrund der verschiedenen Zeitebenen nicht leicht, in die Handlung hineinzufinden. Doch nach und nach hat mich die Geschichte dann immer mehr in ihren Bann gezogen. Die Autorin erzählt unaufgeregt, aber dennoch auch mit einer gewissen Dramatik. Besonders beeindruckt haben mich die Figuren. Sie sind keine glatt gezeichneten Charaktere, sondern haben Ecken und Kanten, wirken dadurch authentisch und greifbar. Im Zentrum steht dabei immer wieder die Beziehung der beiden Schwestern Nina und Katja, die vielschichtig und glaubwürdig dargestellt wird. Wiederholt habe ich mich gefragt, ob ich Ninas Wut auf ihre Schwester und ihren Vater nachvollziehen kann oder ob ich durchaus auch die Entscheidungen der anderen Familienmitglieder nachvollziehen kann. Besonders spannend fand ich die Nachforschungen, die Nina im Heimatland ihrer Mutter anstellt. Nach und nach setzt sich ein Puzzle zusammen, was einen Zusammenhänge verstehen lässt. Der Autorin gelingt es wunderbar, Ninas Suche nach Identität und der damit verbundenen Herkunft der Familie zu schildern. Es wird deutlich, was es mit den nachfolgenden Generationen macht, wenn die eigene Familiengeschichte verschwiegen wird. Der Umgang der Mutter mit ihrer Vergangenheit scheint die gesamte Familie sehr geprägt zu haben, weshalb man als Leser*in sehr neugierig ist, was ihr widerfahren ist. Auch sprachlich überzeugt das Buch: Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Stattdessen schafft er Raum für leise Zwischentöne, die lange nachwirken. „Elbland“ ist ein stiller, nachdenklicher Roman, der eine zentrale Frage aufwirft: Weiß man eigentlich wirklich, woher man kommt? Und wie sehr prägt uns das, was wir über unsere Herkunft wissen – oder eben nicht wissen? Da wir im Sommer nach Tschechien und in die Slowakei reisen, hat mich dieses Buch besonders interessiert. Ich lese vor Urlauben sehr gern Romane, die ganz oder zumindest teilweise in unseren Reiseländern handeln, da man so vorab schon einige wertvolle Eindrücke und oft spannende Einblicke in die Geschichte des Landes erhält. Das Lesen dieses Romans hat sich definitiv gelohnt!
Darum geht es: Ninas Mutter Irma ist tot. Zurück bleibt Leere. Und eine Freiheit, die sich falsch anfühlt. Jahrelang hat Nina funktioniert und ausgehalten. Nun weiß sie nicht, wohin mit sich. Sie reist ins Riesengebirge nach Tschechien, an den Ort, an dem ihre Familie zuletzt noch unbeschwert war. Dort stellt sie sich den Fragen, die lange im Raum standen. Was ist damals zerbrochen? Was wurde nie ausgesprochen? In Böhmen beginnt für Nina eine leise, aber eindringliche Suche nach Antworten, nach ihrer Mutter und nach sich selbst. Mein Leseeindruck: Die Autorin Claudia Rikl hat mit diesem Roman eine wunderbare und tiefgründige Geschichte geschaffen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Irma und ihre Tochter Nina. Irmas Kindheit ist von Erlebnissen geprägt, über die sie ihr Leben lang schweigt. Dieses Schweigen zieht sich durch ihr ganzes Leben bis zu ihrem Tod. Erst danach beginnt Nina, sich auf die Suche nach Antworten zu machen. Schritt für Schritt versucht sie zu verstehen, was ihre Mutter geprägt hat und warum so vieles unausgesprochen blieb. Ich habe Nina auf diesem Weg begleitet. Ein Weg, der mich sehr berührt hat. Immer wieder musste ich beim Lesen innehalten, weil das Gelesene nachgewirkt hat. Es gab Momente, in denen ich bewusst eine Pause brauchte, um alles zu verarbeiten. Der Roman zeigt eindrucksvoll, was Schweigen in Familien auslösen kann. Wie es eine Generation prägt und sich auf die nächste überträgt. Wie sehr unausgesprochene Wahrheiten das Leben beeinflussen können. All das hat die Autorin sensibel und stimmig in diese Geschichte eingebettet. Ich habe das Buch sehr sehr gerne gelesen. Fazit: 4/5 ⭐️ Ein stiller, berührender Roman über das, was unausgesprochen bleibt und dennoch wirkt.

„Was uns am meisten schmerzt, sind verpasste Gelegenheiten.“ (S.226) ELBLAND Claudia Kikl ET: 12.03.26 Ninas Mutter Irma ist gestorben – und mit ihr verschwindet nicht nur ein Mensch, sondern auch ein Stück Halt. Zurück bleibt eine ungewohnte Leere, aber auch eine Freiheit, die sich eher befremdlich als erleichternd anfühlt. Jahrelang hat Nina ihr Leben einfach weitergeführt, vieles hingenommen und verdrängt. Jetzt steht sie vor der Frage, wie es für sie weitergehen soll. Um Abstand zu gewinnen, reist sie ins Riesengebirge nach Tschechien – an einen Ort, der einst für unbeschwerte Familienmomente stand. Dort beginnt sie, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Alte Erinnerungen tauchen auf, lange verdrängte Fragen drängen sich in den Vordergrund: Was ist damals wirklich passiert? Warum wurde so vieles nie ausgesprochen? In dieser stillen Umgebung begibt sich Nina auf eine vorsichtige, aber intensive Suche – nach Antworten, nach ihrer Mutter und letztlich auch nach sich selbst. Der Roman entfaltet eine ruhige, aber eindringliche Atmosphäre, die lange nachwirkt. Im Zentrum stehen die Beziehung zwischen Mutter und Tochter sowie die Spuren, die unausgesprochene Erlebnisse hinterlassen. Obwohl ich nicht vollständig mit der Protagonistin warm geworden bin, wirkt ihr Verhalten durchgehend authentisch und in sich stimmig. Besonders eindrucksvoll zeigt die Geschichte, wie sich ungelöste Konflikte und unausgesprochene Wahrheiten über Generationen hinweg fortsetzen können. Der Roman erzählt diese Themen auf eine zurückhaltende und feinfühlige Weise, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Fazit: Ein leiser, nachdenklicher Roman über familiäre Prägungen, verdrängte Vergangenheit und die Suche nach Antworten. 4½/5

Berührende Geschichte, aber mit etwas Distanz
Dieser Roman behandelt viele wichtige und emotionale Themen wie Heimat, Zugehörigkeit, Familie und die Auswirkungen von Krieg und Vergangenheit. Die Geschichte ist insgesamt sehr berührend, allerdings habe ich etwas Zeit gebraucht, um in das Buch hineinzufinden. Der Schreibstil in der dritten Person hat für mich dazu geführt, dass ich eine gewisse Distanz zur Protagonistin Nina empfunden habe. Dadurch fiel es mir schwer, mich vollständig in sie hineinzuversetzen. Trotzdem ist es ein gutes Buch, das durch seine Themen überzeugt. Ich habe mich gefreut, es lesen zu dürfen, auch wenn ich mir persönlich durch eine andere Erzählperspektive noch mehr Nähe zur Geschichte gewünscht hätte.

Eine Reise in die Vergangenheit
Das Hardcover mit Schutzumschlag ist hochwertig und zeigt durch das Cover eine gewisse Verbundenheit mit der Natur. Wir begleiten Nina, nach dem Tod ihrer Mutter, auf eine Reise in ihrer beider Vergangenheit. Die Gegenwartsgeschichte von Nina wird immer wieder durch Sprünge in Irmas Kindheit 1945 und in den letzten gemeinsamen Familienurlaub im Jahre 1987 unterbrochen. Wir bekommen mit dem Roman sowohl einen Einblick in die deutsche Geschichte, als auch in die Familiengeschichte der Autorin. Denn wie es scheint, ist der Roman zumindest in Teilen an ihre eigene Familiengeschichte angelehnt. Ich finde es immer wieder interessant und auch wichtig, einen Blick in die allgemeine deutsche Vergangenheit zu werfen. Eingebettet in eine spannende Geschichte, die für mich jedoch die eine oder andere Länge hat, macht es dazu auch noch “Spaß”.
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Über die verlorene Heimat am Ufer der Elbe
Als ihre Mutter Irma stirbt, verliert Nina den Boden unter den Füßen. Nach Jahren des Ausharrens an der Seite dieser gebrochenen Frau ist sie plötzlich frei und fühlt sich verlorener denn je. Um wieder festen Grund zu finden, reist sie ins tschechische Riesengebirge, wo die Familie ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Nina will ergründen, was die Familie damals auseinandertrieb – und was das Land für sie bereithält, das ihre Mutter einst Heimat nannte: Böhmen.
So tiefsinnig wie schwebend schön ergründet Claudia Rikl, was beim Verlassen der Heimat zurückbleibt und was uns das Bleiben kostet.
»Claudia Rikl schreibt mit großer Empathie und Leidenschaft über die Lebenslügen einer leidgeprüften Generation und das erdrückende Erbe des Ungesagten.« Kristina Hauff
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Author Description
Claudia Rikl ist geboren und aufgewachsen in einer Kleinstadt in der ehemaligen DDR. Sie ist Literaturwissenschaftlerin und Schreibdozentin und lebt mit ihrer Familie in Leipzig. In Elbland verarbeitet sie die Geschichte ihrer sudetendeutschen Familie.
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Hörbuch Rezension 🎧
⭐⭐⭐✨☆ (3,5/5) Elbland von Claudia Rikl hat mich vor allem wegen seines Hintergrunds angesprochen. Die Autorin wurde durch ihre eigene Familiengeschichte dazu inspiriert, sich mit der Vertreibung der Sudetendeutschen auseinanderzusetzen. Da auch meine Omi mütterlicherseits dieses Schicksal erleben und ihre Heimat verlassen musste, war ich besonders gespannt auf diesen Roman. Im Mittelpunkt steht Nina, die nach dem Tod ihrer Mutter Irma in eine tiefe Krise gerät. Obwohl ihr Verhältnis eher kühl war, hat sie sich jahrelang aufopferungsvoll um ihre depressive Mutter gekümmert und dabei ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt. Die Fragen nach Irmas innerem Schmerz und Ninas eigener Unfähigkeit, Nähe zuzulassen, ziehen sich durch die gesamte Geschichte. Der Roman wird auf drei Zeitebenen erzählt. Besonders interessant sind die Rückblicke in Irmas Kindheit im böhmischen Riesengebirge, wo das Leben durch die Vertreibung der Sudetendeutschen abrupt zerstört wird. Genau hier hatte ich mir jedoch deutlich mehr erhofft. Mein größter Kritikpunkt ist, dass dieses zentrale Thema, trotz seiner emotionalen Wucht, zu oberflächlich bleibt. Vieles wird nur angedeutet, statt wirklich ausgearbeitet zu werden. Gerade weil mich das Thema auch persönlich betrifft, hat mir hier die Tiefe gefehlt. Die Angst, der Verlust, das Zurücklassen von Heimat und Identität, all das hätte viel intensiver und greifbarer erzählt werden können. Elbland ist ein leiser Roman mit wichtigen Themen und einer persönlichen Grundlage – konnte mich aber trotz allem nicht so tief berühren, wie ich es mir erhofft hatte.

Hat mich tief berührt 🌿🌼
✨Rezensionsexemplar✨ Das war mein erstes Buch der Autorin und ich bin begeistert von ihrer Ausdruckskraft und der Tiefe dieser Geschichte (und in Tränen aufgelöst bin ich auch). ✨Inhalt Ninas Mama Irma stirbt und ihre Welt zerbricht in 1000 Einzelteile. War sie doch als Einzige noch für ihre Mutter da. Ihre Mutter, die niemanden an sich herangelassen hat und dir von unsichtbaren Geistern verfolgt wurde. Die Familie ist schon vor vielen Jahren zerbrochen und Nina macht sich auf den Weg in die Vergangenheit, um herauszufinden, was passiert ist. Im Prolog erhaschen wir einen Blick ins Früher, wir sind im letzten gemeinsamen Familienurlaub unterwegs an der Seite der Schwestern Nina und Katja, die mit ihren Eltern nach Böhmen fahren. Später erfahren wir außerdem, was Irma als Sudetendeutsche am Ende des 2. Weltkriegs im heutigen Tschechien passiert ist. ✨Meinung Wir lesen hauptsächlich aus Ninas Perspektive, dabei wechseln wir die Zeitebenen zwischen heute und dem Schicksalsjahr der Familie 1987. Es gibt auch ein paar Kapitel aus Irmas Sicht, dort lernen wir, wie sie aufgewachsen ist. Der Schreibstil ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber tatsächlich zieht er einen stark in die Geschichte und bereits in Teil 1 war ich schon gefesselt. Die Stimmung fühlt sich roh und real an. Es wird nichts beschönigt. Die Familiensituation ist komplex, viele Verletzungen wurden einander zugefügt. Diese Geschichte entschleunigt und sie ist auch nichts für zwischendurch. Man muss sich darauf ein- und sich forttreiben lassen. Insbesondere viele Aspekte aus der Vergangenheit haben mich regelrecht kaputtgemacht. „Nina fasst den Mut, in dem stillen Gesicht zu forschen. Muttis Haut ist ganz glatt, sie sieht erleichtert aus, so als wäre sie eine übergroße Last losgeworden. Nina möchte sie an den Schultern packen und schütteln. War dein Leben so schlimm die letzten Jahre? Wirklich?“ Interessant fand ich wie das Theater eine Brücke zwischen Vater und Tochter geschlagen hat. Auch wenn das im Verlauf der Geschichte zunehmend weniger eine Rolle spielt. Aufgefallen ist es mir dennoch und deshalb habe ich auch dazu ein Zitat mitgebracht. „Wenn Roswitha Bergmann ein Kostüm für sie anfertigt, sitzt es bei der ersten Anprobe, Frau Bergmann kennt ihren Körper seit siebenundzwanzig Jahren. Seit siebenundzwanzig Jahren ist er fast unverändert, keine Schwangerschaften, keine Krankheiten oder schiefgelaufene Diäten. Nina schnäuzt sich erneut. Vieles hat sich nie verändert, zu viel vielleicht.“ Es gibt innerhalb der Erzählung auch mehrere Beziehungen, die beleuchtet werden. Allen voran geht es um Nina und den älteren Kai. „Ich habe Baustellen, Kai. Gewaltige.“ „Ich bin ein guter Handwerker.“ 🥵 oder?? ✨Fazit Erste Tränen sind frühzeitig geflossen, so sehr berührt Ninas Verletzlichkeit, ihr schmerzhafter Verlust und das Wachstum ihres Charakters. Überhaupt habe ich viel geweint und wurde öfter einfach überwältigt. Ein wirklich sehr sehr schöner Gegenwartsroman mit historischen Auszügen! Macht Euch sehr gern ein eigenes Bild! 5/5⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Elbland von Claudia Rikl ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Es hat mich tief berührt, und ich möchte es euch ans Herz legen. Das Buch spielt auf drei Zeitebenen: In der Gegenwart, im Jahr 1945 und 1987. Im Mittelpunkt des Romans stehen Nina und ihre Mutter Irma. Nina, um die 50, ist Theaterschauspielerin in Leipzig. Nach dem Tod ihrer Mutter Irma verliert sie ihre Stimme, die HNO-Ärztin diagnostiziert eine stressbedingte psychogene Aphonie und schreibt sie für eine Woche krank. Nina beschließt, nach Hostinné ins Sudetenland zu fahren, wo ihre Mutter geboren ist und wohin sie im Jahr 1987 in den letzten gemeinsamen Familienurlaub gefahren sind. Die Herkunft der Mutter wurde in der Familie nie thematisiert. Nina ist überrascht, als sie mitbekommt, dass ihre Mutter Tschechisch spricht. Irma war ihr Leben lang sehr in sich gekehrt und ließ niemanden an sich heran. Als die Töchter erwachsen wurden, hat ihr Mann sie verlassen, da er mit ihrer emotionalen Distanz nicht länger leben konnte. Die jüngere Tochter Katja hat im Westen Karriere gemacht und ist nur selten zu Besuch gekommen, was ihre Schwester Nina ihr übel genommen hat. In den Kapiteln aus dem Jahr 1945 lesen wir, was damals in Böhmen passiert ist, als Irma sieben Jahre alt war. Die Familie gehörte der deutschen Minderheit an, sie besaß eine Textilfabrik. Nach der deutschen Kapitulation wurden die Deutschen, die noch in Böhmen lebten, in Lager verfrachtet. Die furchtbaren Erlebnisse der Siebenjährigen im Lager hatten Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, und Nina bekommt endlich eine Erklärung für das Verhalten ihrer Mutter. Ich interessiere mich sehr für Geschichten von Vertriebenen, und auch diese hat mich tief berührt. Es macht mich traurig zu lesen, wie grausam Menschen zu Menschen waren, die eine andere Nationalität oder einen anderen Glauben hatten. Noch trauriger macht es mich, dass sich in den letzten achtzig Jahren nicht viel daran geändert hat. Ich hätte gern mehr über Irmas Leben nach 1945 erfahren, vor allem wie und wann sie aus dem Lager in Olesovice nach Leipzig gekommen ist. Gerne vergebe ich fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.
Schweigen erzeugt manchmal mehr Leid als einem bewusst ist Die Geschichte der Sudetendeutschen in Tschechien und deren Vertreibung stehen im „Elbland“ im Mittelpunkt. Eingearbeitet in die Familiengeschichte von Nina bringt Claudia Rikl auch einen Teil ihrer eigenen Geschichte mit ein. Ninas Mutter will die Vergangenheit durch Schweigen vergessen, oder es ist schlichtweg zu schmerzvoll für sie zu erzählen. Wie dem auch sei. Für ihre Familie eine jahrelange Belastung. Nach ihrem Tod versucht Nina einen Teil ihrer Wurzeln zu finden. Darüberhinaus versucht sie auch die Entfremdung zu ihrer Schwester zu verringern. Und ganz nebenbei bemerkt Nina welche Mauern sie selbst um sich gezogen hat. Claudia Rikl schreibt einfühlsam, vorsichtig und nennt die Dinge doch beim Namen. Da das Buch zwei Zeitebenen enthält, erfährt der Leser immer wieder die Geschichte auch aus Irmas Sicht, der Mutter von Nina. Mir hat diese Herangehensweise sehr gut gefallen, da ich schon zwischendurch immer wieder Einblicke in die Vergangenheit erfahren konnte. Das Buch ist aufwühlend und zugleich auch hoffnungsvoll. Es hat mir Neues aus diesem Kapitel der Geschichte aufgezeigt. Ich finde es ein sehr lesenswertes Buch.
⭐️⭐️⭐️(⭐️) Vom Gehen und Bleiben...
In „Elbland“ ergründet Claudia Rikl eine Schwesternbeziehung und zeigt, wie sich Entscheidungen der Vergangenheit auf die Gegenwart auswirken. Nina und Kati waren sich als Kinder nah. Beide hatten für ihre Zukunft andere Pläne als ihre Eltern für sie vorsahen. Doch nur eine von ihnen verwirklichte sie vollständig. Kati ging. Nicht nur ihren eigenen Weg, sondern auch weg von der Familie, weg von der Mutter, die zeit ihres Lebens mit psychologischen Herausforderungen zu kämpfen hatte. Nina war der Meinung, dass sie es ihrer Mutter nicht antun könnte, ebenfalls zu gehen. Und so blieb sie. Und litt, vor allem im Stillen. Und ohne mit ihrer Schwester geklärt zu haben, was sie ihr insgeheim so viele Jahre lang vorgeworfen hat: dass sie ihr eigenes Glück über das der Familie gestellt und Nina mit der Verantwortung allein gelassen hat. Nach dem Tod der Mutter hinterfragt Nina die letzten Jahre, die sie - als aufopferungsvolle Tochter - in einem Leben verbracht hat, das sich nicht wirklich wie ihr eigenes anfühlt. Sie rebelliert gegen sich selbst und versucht endlich, dem Kern ihrer Gefühle auf die Spur zu kommen. Und zwar, indem sie die Vergangenheit ihrer Mutter recherchiert. Dort, wo diese ursprünglich zuhause war: in Böhmen. Die Autorin lässt Nina zunächst zaghaft, dann jedoch voller Enthusiasmus in die Rolle der Spurensucherin schlüpfen. Während Nina enthüllt, was in der Familie nie ausgesprochen wurde, aber ihre Mutter zeit ihres Lebens stark belastete, kommt sie schließlich auch ihrer Schwester Kati wieder näher. Das Enthüllen der schmerzhaften Vergangenheit ihrer Mutter ebnet den Weg für die Klärung der schwesterlichen Beziehung. Und so lässt sich dieser melancholische, aber gleichzeitig hoffnungsvolle Roman am besten mit einem Zitat von August Bebel zusammenfassen: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Ich empfehle diesen Roman allen, die gern tiefgründige Familiengeschichten mit historischem Bezug lesen, die die psychologischen Fallstricke innerhalb familiärer Beziehungen ergründen möchten und die mehr wissen möchten über ein dunkles Kapitel deutsch-tschechischer Geschichte: die Vertreibung der Deutschen aus Böhmen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Trauma und die Suche nach dem Warum
Vorablesen- Gewinn Auf drei verschiedenen Zeitebenen spielt dieser Roman. In der Jetzt-Zeit begleiten wir als Leser Nina, deren Schwester Katja und die Eltern Irma und den Vater. Stück für Stück wird klar, dass das Verhältnis der beiden Schwestern schwierig, fast zerrüttet ist, der Grund bleibt lange unklar. Auch ihre Mutter, Irma scheint depressiv gewesen zu sein. In Rückblenden erfährt man von Irmas Vergangenheit in Böhmen, der Vertreibung und einem persönlichen Trauma. Das wird erst sehr spät im Buch aufgelöst und hat es für mich etwas langatmig gemacht. Zwischenzeitlich habe ich ein wenig den Faden verloren, da die Autorin für mich ein, zwei Nebenstränge zu viel eingebaut hat ( das schwierige Liebesleben von Nina). Insgesamt ist es jedoch ein Stück deutsche Geschichte, von dem ich noch nichts wusste und das gut erzählt wurde. Die Figuren sind mir trotzdem etwas fern geblieben.
Suche nach Identität
"Elbland" von Claudia Rikl erzählt eine ruhige, aber eindringliche Geschichte über Herkunft, Familie und Identität. Als Ninas Mutter Irma stirbt, bricht eine Welt für sie zusammen und sie beginnt, sich viele Fragen zu stellen. Lange Zeit hat sie ihr ganzes Leben nach den Bedürfnissen ihrer Mutter ausgerichtet und als diese plötzlich nicht mehr ihr Leben bestimmen, muss Nina ihren eigenen Weg finden. Das tut sie u.a., indem sie in das tschechische Riesengebirge reist, aus dem ihre Mutter einst als Kind vertrieben worden ist. Nina erhofft sich dadurch Antworten auf ihre Fragen dazu, warum ihre Mutter so war wie sie war. Zu Beginn fiel es mir aufgrund der verschiedenen Zeitebenen nicht leicht, in die Handlung hineinzufinden. Doch nach und nach hat mich die Geschichte dann immer mehr in ihren Bann gezogen. Die Autorin erzählt unaufgeregt, aber dennoch auch mit einer gewissen Dramatik. Besonders beeindruckt haben mich die Figuren. Sie sind keine glatt gezeichneten Charaktere, sondern haben Ecken und Kanten, wirken dadurch authentisch und greifbar. Im Zentrum steht dabei immer wieder die Beziehung der beiden Schwestern Nina und Katja, die vielschichtig und glaubwürdig dargestellt wird. Wiederholt habe ich mich gefragt, ob ich Ninas Wut auf ihre Schwester und ihren Vater nachvollziehen kann oder ob ich durchaus auch die Entscheidungen der anderen Familienmitglieder nachvollziehen kann. Besonders spannend fand ich die Nachforschungen, die Nina im Heimatland ihrer Mutter anstellt. Nach und nach setzt sich ein Puzzle zusammen, was einen Zusammenhänge verstehen lässt. Der Autorin gelingt es wunderbar, Ninas Suche nach Identität und der damit verbundenen Herkunft der Familie zu schildern. Es wird deutlich, was es mit den nachfolgenden Generationen macht, wenn die eigene Familiengeschichte verschwiegen wird. Der Umgang der Mutter mit ihrer Vergangenheit scheint die gesamte Familie sehr geprägt zu haben, weshalb man als Leser*in sehr neugierig ist, was ihr widerfahren ist. Auch sprachlich überzeugt das Buch: Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Stattdessen schafft er Raum für leise Zwischentöne, die lange nachwirken. „Elbland“ ist ein stiller, nachdenklicher Roman, der eine zentrale Frage aufwirft: Weiß man eigentlich wirklich, woher man kommt? Und wie sehr prägt uns das, was wir über unsere Herkunft wissen – oder eben nicht wissen? Da wir im Sommer nach Tschechien und in die Slowakei reisen, hat mich dieses Buch besonders interessiert. Ich lese vor Urlauben sehr gern Romane, die ganz oder zumindest teilweise in unseren Reiseländern handeln, da man so vorab schon einige wertvolle Eindrücke und oft spannende Einblicke in die Geschichte des Landes erhält. Das Lesen dieses Romans hat sich definitiv gelohnt!
Darum geht es: Ninas Mutter Irma ist tot. Zurück bleibt Leere. Und eine Freiheit, die sich falsch anfühlt. Jahrelang hat Nina funktioniert und ausgehalten. Nun weiß sie nicht, wohin mit sich. Sie reist ins Riesengebirge nach Tschechien, an den Ort, an dem ihre Familie zuletzt noch unbeschwert war. Dort stellt sie sich den Fragen, die lange im Raum standen. Was ist damals zerbrochen? Was wurde nie ausgesprochen? In Böhmen beginnt für Nina eine leise, aber eindringliche Suche nach Antworten, nach ihrer Mutter und nach sich selbst. Mein Leseeindruck: Die Autorin Claudia Rikl hat mit diesem Roman eine wunderbare und tiefgründige Geschichte geschaffen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Irma und ihre Tochter Nina. Irmas Kindheit ist von Erlebnissen geprägt, über die sie ihr Leben lang schweigt. Dieses Schweigen zieht sich durch ihr ganzes Leben bis zu ihrem Tod. Erst danach beginnt Nina, sich auf die Suche nach Antworten zu machen. Schritt für Schritt versucht sie zu verstehen, was ihre Mutter geprägt hat und warum so vieles unausgesprochen blieb. Ich habe Nina auf diesem Weg begleitet. Ein Weg, der mich sehr berührt hat. Immer wieder musste ich beim Lesen innehalten, weil das Gelesene nachgewirkt hat. Es gab Momente, in denen ich bewusst eine Pause brauchte, um alles zu verarbeiten. Der Roman zeigt eindrucksvoll, was Schweigen in Familien auslösen kann. Wie es eine Generation prägt und sich auf die nächste überträgt. Wie sehr unausgesprochene Wahrheiten das Leben beeinflussen können. All das hat die Autorin sensibel und stimmig in diese Geschichte eingebettet. Ich habe das Buch sehr sehr gerne gelesen. Fazit: 4/5 ⭐️ Ein stiller, berührender Roman über das, was unausgesprochen bleibt und dennoch wirkt.

„Was uns am meisten schmerzt, sind verpasste Gelegenheiten.“ (S.226) ELBLAND Claudia Kikl ET: 12.03.26 Ninas Mutter Irma ist gestorben – und mit ihr verschwindet nicht nur ein Mensch, sondern auch ein Stück Halt. Zurück bleibt eine ungewohnte Leere, aber auch eine Freiheit, die sich eher befremdlich als erleichternd anfühlt. Jahrelang hat Nina ihr Leben einfach weitergeführt, vieles hingenommen und verdrängt. Jetzt steht sie vor der Frage, wie es für sie weitergehen soll. Um Abstand zu gewinnen, reist sie ins Riesengebirge nach Tschechien – an einen Ort, der einst für unbeschwerte Familienmomente stand. Dort beginnt sie, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Alte Erinnerungen tauchen auf, lange verdrängte Fragen drängen sich in den Vordergrund: Was ist damals wirklich passiert? Warum wurde so vieles nie ausgesprochen? In dieser stillen Umgebung begibt sich Nina auf eine vorsichtige, aber intensive Suche – nach Antworten, nach ihrer Mutter und letztlich auch nach sich selbst. Der Roman entfaltet eine ruhige, aber eindringliche Atmosphäre, die lange nachwirkt. Im Zentrum stehen die Beziehung zwischen Mutter und Tochter sowie die Spuren, die unausgesprochene Erlebnisse hinterlassen. Obwohl ich nicht vollständig mit der Protagonistin warm geworden bin, wirkt ihr Verhalten durchgehend authentisch und in sich stimmig. Besonders eindrucksvoll zeigt die Geschichte, wie sich ungelöste Konflikte und unausgesprochene Wahrheiten über Generationen hinweg fortsetzen können. Der Roman erzählt diese Themen auf eine zurückhaltende und feinfühlige Weise, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Fazit: Ein leiser, nachdenklicher Roman über familiäre Prägungen, verdrängte Vergangenheit und die Suche nach Antworten. 4½/5

Berührende Geschichte, aber mit etwas Distanz
Dieser Roman behandelt viele wichtige und emotionale Themen wie Heimat, Zugehörigkeit, Familie und die Auswirkungen von Krieg und Vergangenheit. Die Geschichte ist insgesamt sehr berührend, allerdings habe ich etwas Zeit gebraucht, um in das Buch hineinzufinden. Der Schreibstil in der dritten Person hat für mich dazu geführt, dass ich eine gewisse Distanz zur Protagonistin Nina empfunden habe. Dadurch fiel es mir schwer, mich vollständig in sie hineinzuversetzen. Trotzdem ist es ein gutes Buch, das durch seine Themen überzeugt. Ich habe mich gefreut, es lesen zu dürfen, auch wenn ich mir persönlich durch eine andere Erzählperspektive noch mehr Nähe zur Geschichte gewünscht hätte.

Eine Reise in die Vergangenheit
Das Hardcover mit Schutzumschlag ist hochwertig und zeigt durch das Cover eine gewisse Verbundenheit mit der Natur. Wir begleiten Nina, nach dem Tod ihrer Mutter, auf eine Reise in ihrer beider Vergangenheit. Die Gegenwartsgeschichte von Nina wird immer wieder durch Sprünge in Irmas Kindheit 1945 und in den letzten gemeinsamen Familienurlaub im Jahre 1987 unterbrochen. Wir bekommen mit dem Roman sowohl einen Einblick in die deutsche Geschichte, als auch in die Familiengeschichte der Autorin. Denn wie es scheint, ist der Roman zumindest in Teilen an ihre eigene Familiengeschichte angelehnt. Ich finde es immer wieder interessant und auch wichtig, einen Blick in die allgemeine deutsche Vergangenheit zu werfen. Eingebettet in eine spannende Geschichte, die für mich jedoch die eine oder andere Länge hat, macht es dazu auch noch “Spaß”.















