Einer von uns

Einer von uns

Hardback
4.648
SpdSoziologischer KontextMette-MaritUtoya

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Description

Wie konnte sich Anders Breivik, der im wohlhabenden Westen aufwuchs, zu einem perfiden Terroristen entwickeln? Åsne Seierstads ausgezeichnetes Buch ist gleichzeitig psychologische Studie und literarisches True Crime, gleichzeitig Würdigung der Opfer und eine messerscharfe Analyse einer Tat, die sich jederzeit und überall wiederholen könnte.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Hardback
Pages
544
Price
27.80 €

Author Description

Åsne Seierstad, geboren 1970 in Oslo, arbeitete als Korrespondentin und Kriegsberichterstatterin für verschiedene internationale Zeitungen und ist Autorin mehrerer Sachbücher. Sowohl als Journalistin als auch für ihren weltweiten Bestseller »Der Buchhändler aus Kabul« (2002) wurde sie vielfach ausgezeichnet. Sie lebt in Oslo.

Posts

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Vor 13 Jahren kam es in Norwegen zu Anschlägen, die bis heute Fassungslosigkeit und absolute Leere hinterlassen. Jeder von uns weiß, wo er an einem Tag gewesen ist, der die Welt veränderte. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Anschlag von Norwegen handelt oder um den Amoklauf von Erfurt. Um 15:25:22 Uhr, begann eine unglaubliche Gewalt, die für immer in den Geschichtsbüchern in Norwegen vorhanden sein wird. Verübt durch eine krankhafte Ideologie einer einzigen Person. Ich habe persönlich immer Schwierigkeiten, wenn in den Medien Zahlen veröffentlicht und diese unter dem Wort Opfer geführt werden. Es kommt so rüber, als wären dies die einzigen Beteiligten. Am 22.07.2011 mussten 77 Menschen ihr Leben lassen. Unter den Opfern sind aber auch die Eltern, Geschwister, Verwandten, Freunde und Bekannten, die es an diesem schrecklichen Tag gab. Der hinterhältige Angriff dieser einen Person, macht deutlich, zu was Menschen in der Lage sind, wenn ihre Ideologie, in ihren Augen, die Richtige ist. Es entzieht sich jeglicher Logik, dass jemand im Stande ist, schwerbewaffnet auf unbewaffnete und wehrlose Menschen solch ein Attentat zu verüben. In diesem Buch zeigt sich nicht nur ein genaues Bild der ausführenden Person wieder, sondern auch von Jugendlichen, die an diesem Tag, vor 13 Jahren, ihr Leben lassen mussten. Ein Stückweit ist zu spüren, welche Ziele, Wünsche und Träume sie hatten und die ihnen durch einen Fingerdruck einfach genommen wurden. Persönlich bin ich durch dieses Buch tief bewegt worden. Ich hatte von der ersten Zeile an das Empfinden, dass ich mittendrin bin. Dies hat mich absolut mitgenommen, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, den Schmerz der Angehörigen ein Stückweit spüren zu können. Dieses Buch lässt für mich aber auch viele Fragen zurück und die Politik in Europa ist herausgefordert, damit sich solche Dinge nicht wiederholen. Leider haben Menschen Angst, wie sich in der Flüchtlingspolitik verhalten wird und ich kann nur darum bitten, die Ängste der Menschen in Europa ernst zu nehmen, damit sich der 22. Juli 2011 nicht wiederholt. Ich möchte mit diesem Post heute, den 77 Menschen, die ihr Leben lassen mussten und deren Angehörige ein Stückweit eine Stimme geben. Sie sind alle die wahren Opfer dieses Tages und wir reden hauptsächlich über die 77 Menschen, die gestorben sind. Wissen wir aber mit Sicherheit, dass es bei diesen 77 geblieben Der Lese_Rolli

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Aktueller denn je

Die Autorin zeichnet auf wirklich beeindruckend Weise das Leben und die Kindheit von Anders Breivik nach. Sie erzählt ebenso detailliert den Tathergang und den anschließenden Gerichtsprozess. Die Fülle an Material in Form von Interviews, Artikeln, Akten und so weiter, die die Autorin zusammengetragen hat, ist riesig. Neben der Lebensgeschichte begleiten wir parallel zwei Familien, die Opfer des Massakers wurden. Das Buch ist vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage wirklich aktueller denn je und sollte uns allen vor Augen führen, wohin so ein menschenfeindliches Weltbild führen kann.

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Am 22. Juli 2011 explodiert in Oslo eine Autobombe und auf der kleinen Insel Utoya erschießt Andreas Behring Breivik 69 Menschen. Insgesamt sterben an diesem Tag 77 Menschen. Zuerst glauben alle an islamistischen Terror, doch schnell stellt sich heraus, dass der Attentäter ein Norweger ist. Nun muss sich ein Land, das als tolerant und fortschrittlich gilt, die Frage stellen, wie konnte es soweit kommen? Warum mussten so viele Menschen sterben, welche Auswirkungen wird dieses Attentat auf das Land haben? Die Autorin Asne Seierstad versucht in diesem Buch ein Bild des Täters zu geben. Seine Vergangenheit, sein Elternhaus und sein beruflicher Werdegang werden durchleuchtet. Seine extremen politischen Ansichten wuchsen in vielen Jahren heran und gipfeln am 22. Juli 2011. Natürlich liegt das Augenmerk auf dem Attentäter, doch in diesem Buch bekommen auch die Opfer Platz. Besonders 3 gute Freunde und eine junge Frau aus Kurdistan werden in den Mittelpunkt gerückt. Ihr Leben, ihre Familien und ihre Leidenschaften stehen stellvertretend für alle Opfer. Es wurden nicht nur 77 Menschen getötet, sondern damit veränderte sich das Leben von unzähligen anderen. Auch die Überlebenden erzählen von ihren traumatischen Erlebnissen. Das Gerichtsverfahren ca. 1 Jahr später bildet im Buch den Abschluss. Die Taten an sich stehen niemals im Zweifel, jedoch herrscht keine Einigkeit über den Geisteszustand von ABB. Ist der Mann einfach verrückt oder böse bis in die Knochen? Das Buch entstand aus Berichten der Polizei, Zeugenaussagen, Gesprächen und Interviews. Die Autorin recherchiert vor allem in der Vergangenheit des Täters . Diese zeigt einen Mann, dem ein männliches Vorbild fast völlig fehlt. Denn Anders Vater Jens ist Diplomat und nie wirklich anwesend. Seine Mutter Wenche entstammt einer lieblosen Familie. Mit seiner älteren Schwester Elisabeth verbindet ihn auch nicht besonders viel. Die Familie zieht oft um und er kann keine freundschaftliche Verbindungen knüpfen. Er ist immer auf der Suche nach Anerkennung und Ruhm, die ihm jedoch ständig verwährt werden. Die Polizei muss sich schweren Vorwürfen stellen. Sämtliche Notpläne schlugen fehl. Beamte hielten sich nicht an Anweisungen und somit konnte Breivik seinen mörderischen Weg fortsetzen. Kommunikationsprobleme und Missgeschicke pflastern den Weg. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem bei der Gerichtsverhandlung die Aussage eines Überlebenden, der sich gut auf seinen Auftritt vorbereitet. Er wurde schwerst verletzt und will sich dennoch nicht unterkriegen lassen, obwohl ihm noch viele schmerzhafte Jahre bevorstehen. Während der Verhandlung erhält jedes Opfer ein Gesicht und wird erwähnt. Sie sollen nicht untergehen im Auftritt des Täters, der seine Momente nutzt, um die Welt mit seiner extremen Meinung zu vergiften. Das Buch gilt als Sachbuch, liest sich jedoch stellenweise wie ein Krimi. Die Seiten rund um ABBs Kindheit und Jugend, haben mir stellenweise die Haare zu Berge stehen lassen. Die Schilderungen der Ereignisse am Freitag 22. Juli lassen wohl niemanden kalt. Mit tödlicher Präzision und Kaltblütigkeit zieht Anders sein Vorhaben durch. Als Leserin war es fast unerträglich die sachliche Schilderung zu lesen. Ich möchte mich bei Michael aus einer Facebook Gruppe bedanken, der mich auf dieses außergewöhnliche Buch aufmerksam gemacht hat. Es war keine leichte Lektüre, aber jede Stunde des Lesens wert.

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Eine faszinierende und zugleich schockierende Darstellung eines der schlimmsten Ereignisse Norwegens..

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INHALT: ⚠️Trigger-Warnung: Tod, Gewalt, Massenmord ⚠️ • Wer Utøya hört, denkt an den 22. Juli 2011. Wer Anders Breivik hört, denkt an den 22. Juli 2011. Wer an den 22. Juli 2011 denkt, fühlt das Leid einer ganzen Nation. Das Buch "Einer von uns" behandelt die schrecklichen Ereignisse, die sich am genannten Tag in Oslo und auf Utøya abgespielt haben. Eigentlich jeder kann sich an diesen Tag erinnern. Für alle, die nicht wissen, was passiert ist, sei nur kurz erwähnt, dass dieser Mann Anschläge auf das Regierungsviertel verübt hat, bei denen acht Menschen ums Leben kamen. Anschließend hat er in einem Jugendlager auf der genannten Insel ein Blutbad unter den Jugendlichen und ihren Betreuern angerichtet. Seine jüngsten Opfer waren gerade einmal 14 Jahre alt und es kamen 69 zumeist Jugendliche ums Leben. Er nahm also insgesamt 77 Leben und zeigte keine Reue, sondern rechtfertigte die Tat mit seiner ideologischen, radikalisierten Weltsicht. Das vorliegende Werk ist allerdings viel mehr als eine bloße Schilderung der Ereignisse am 22. Juli vor 10 Jahren. Die Autorin beginnt viel früher in Breiviks Geschichte, aber auch in der Geschichte der Opfer. Das Buch startet direkt mit einem Ausschnitt der schrecklichen Tat auf Utøya und erzählt die Flucht mehrerer Jugendlicher, die beschließen, sich totzustellen, dann aber dennoch von Breivik erschossen werden. Einige halten sich in den Armen oder an den Händen. Dabei nimmt die Autorin die Perspektive des Täters, aber auch der Opfer ein. Dadurch wird die Lektüre nicht nur zusehend unangenehmer, sondern ich fragte mich als Leser direkt, ob das die richtige Art ist, so ein Ereignis zu behandeln. Denn woher sollte die Autorin die Gedanken der Personen kennen. Diese Frage wird direkt in der Einleitung und am Ende beantwortet. Denn alles, was im Buch niedergeschrieben ist, basiert auf den Aussagen von Überlebenden, Ermittlern und Breivik selbst. Nach diesem furchtbaren Einstieg geht das Buch in der Geschichte weit zurück und beschäftigt sich zunächst mit den Großeltern und Eltern des Täters. Besonders interessant sind hier die Familienstrukturen aus psychologischer Sicht. Das ganze Leben von Breivik wird in Abschnitten aufgerollt, bis schließlich die Planung und Durchführung der Tat erzählt werden. Auch seine Festnahme und seine Zeit im Gefängnis bekommen Raum in diesem Buch. Zwischen den Kapiteln über den Täter bekommen die Opfer und deren Angehörige viel Raum. Ihre Geschichten werden ähnlich detailliert erzählt wie bei Breivik, so wird die Flucht einer Immigrantenfamilie aus ihrem Heimatland beschrieben und ihre Schwierigkeiten bei der Integration im neuen Zuhause. Ebenfalls wird darauf eingegangen, wie die Familien die schrecklichen Nachrichten von Utøya erlebten und wie sie mit dem Verlust oder dem unverhofften Wiedersehen umgehen mussten. Auch die Aufarbeitung wird erwähnt, die bis heute andauert. Letztlich wird auch die Arbeit der Polizei in Oslo und Umgebung sehr genau beschrieben. Hier wird vor allem auf die Fehler im Notfallplan eingegangen, aber auch auf die Machtlosigkeit der Polizisten, die beispielsweise die Insel mit den Toten bewachen mussten und in der Nacht unzählige Handys aufleuchten sahen, auf denen "Mama" oder "Papa" anriefen. Das Trauma reicht viel weiter, als ich es vorher gedacht hätte. Jeder vierte Norweger kannte ein Opfer dieser Ereignisse. ⚠️ Zu betonen ist hier vor allem, dass die Tat in allen Einzelheiten, auch den brutalen, geschildert wird. Die Aussagen von Breivik, die hier mit einflossen, machen die Lektüre des Tathergangs fast unerträglich und ich musste beim Lesen immer wieder pausieren, weil es einfach nur grausam war. Deshalb möchte ich hier erneut darauf hinweisen, dass die Brutalität dermaßen ausgeprägt beschrieben wird, dass das Buch eigentlich eine Altersbegrenzung ab 18 Jahren benötigen würde und auch darüber hinweg nichts für schwache Nerven ist. Bitte lest das Buch wirklich nur, wenn ihr euch absolut bereit dafür fühlt und lasst die Finger davon, wenn ihr euch unsicher seid, ob ihr es verkraftet! Es ist wirklich sehr harter Tobak. ⚠️ SCHREIBSTIL: Ich war wie schon vorher erwähnt etwas überrascht, dass die Autorin eher erzählend als berichtend in ihrem Schreibstil war. Das erschließt sich allerdings spätestens dann, wenn der Leser erfährt, was für eine unglaubliche Recherche-Arbeit Seierstad hier geleistet hat. Sie hat mit unzähligen Betroffenen gesprochen, Akten gewälzt und Protokolle durchforstet, um ein wirklich detailliertes Bild dieser Ereignisse niederzuschreiben. Teilweise war es sogar so detailliert, dass es mir persönlich zu viel wurde. Einerseits war die Brutalität am Rande des Aushaltbaren, andererseits waren die Gedankengänge des Täters und seine Radikalisierung sehr komplex und abstrus, sodass ich ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr richtig folgen konnte. (Was sicherlich normal ist, weil sich sein Weltbild jedem gesunden Menschenverstand entzieht.) Letztendlich kann ich vor der Autorin wirklich nur den Hut ziehen, da sie eine unglaubliche Leistung erbracht hat. Sie hat es geschafft, niemals respektlos gegenüber den Opfern zu sein, immer angemessen mit diesem schweren Thema umzugehen. Durch ihre Schreibe war sie aber auch - und das vor allem finde ich in solchen Büchern wichtig - niemals wertend, sondern überließ dem Leser zu jeder Zeit die Meinungsbildung. Die Autorin nimmt hier lediglich eine informierende Rolle ein. Das Buch hat in mir wahrscheinlich auch dadurch unzählige Emotionen ausgelöst, von Traurigkeit und Fassungslosigkeit bis hin zu Wut und Unverständnis. Vieles hätte anders laufen können und müssen, aber jetzt bleibt uns Menschen nur die Lösung, aus diesen Ereignissen zu lernen. FAZIT: Insgesamt bleibt zu sagen, dass das Buch sich sehr umfassend dem Täter, aber auch den Opfern widmet. Es ist eine Chronik einer schrecklichen Tat, allerdings auch eine feine psychologische Analyse und eine Mahnung an unsere moderne Gesellschaft, die den Nährboden für Radikalisierungen bietet. Es zeigt, wie zeitig und wie oft diese Tat hätte verhindert werden können - was mich ehrlicherweise oft sehr wütend machte. Das Buch ist aber auch ein einfühlsames Gedenken an die Opfer, für die stellvertretend einige Familien Porträt standen und vor denen der Leser nur den Hut ziehen kann, dass sie sich im Rahmen dieses Buches noch einmal diesem Tag ihrer Biografie stellten. Doch so schrecklich das Buch auch in seiner Lektüre war, konnte zwischen den Zeilen und am Ende etwas Hoffnung vermittelt werden, denn in solchen Situationen zeigt sich besonders stark der Zusammenhalt der Menschen untereinander, die die Gesellschaft dadurch vielleicht sogar ein bisschen verändern und verbessern können. Ein Buch, welches absolut nichts für schwache Nerven ist. Eine feinsinnige, psychologische Analyse des Täters - einfühlsames Gedenken an die Opfer und deren Familien - aber auch ein ungeschöntes Mahnmal der Brutalität des 22. Juli 2011, das gegen das Vergessen standhaft bleiben wird. Ein Weckruf für unsere Gesellschaft, aber auch ein wichtiges Zeitzeugnis für die Nachwelt.

5

Ich kann es nicht wirklich in Worte fassen. Eindrücklich, bedrückend, tragisch, schockierend, unglaublich, traurig, fassungslos, schrecklich, narzisstisch,... so vieles das da hoch kommt. Es ist immer noch unfassbar und nicht nachzuvollziehen wie ein (!!!) Mensch so kalt, blind, kalkulierend, gefühlslos und grausam sein kann.

5

Ein sehr gelungenes Buch über die erschütternden Ereignisse in Norwegen am 22. Juli 2011. Es ist sehr gut geschrieben und hat mich ungeheuer mitgenommen. Ich musste immer wieder Pausen einlegen. Trotzdem bin ich froh, es gelesen zu haben. Gegen das Vergessen!

5

Was genau passierte vor, während und nach dem Massenmord auf Utoya? Asne Seierstad gibt minutiös Auskunft, ohne dabei das richtige Maß an Einfühlungsvermögen und Nüchternheit zu verlieren. Ein tief bewegendes Buch bis zur letzten Seite. Neben dem Bericht des Tathergangs, der letzten Momente der Opfer und dem Schmerz der Hinterbliebenen vermittelt die Autorin auch die Bedeutung von Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Psychologisch meisterhaft erzählt.

5

"Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders" von Åsne Seierstad Dieses Buch war schwer zu lesen und ist noch schwerer zu rezensieren. Es ist die Biografie des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, der 2011 auf der Insel Utøya fast 70 Menschen, überwiegend Jugendliche, erschoss. Neben Breiviks Leben wird auch das Leben von einigen jungen Menschen erzählt, z. B. Bano Rashid, deren Familie aus dem Irak geflohen war. Die kurdische Familie beantragte in Norwegen Asyl. Bereits als Kind begann sich Bano für die Politik zu interessieren und trat als Teenager in die Sozialdemokratische Partei ein. Man liest detailliert über Bano und ihre Parteifreunde und fragt sich die ganze Zeit, ob die drei unter den Opfern auf der Insel sein werden oder nicht. Das geht an die Nieren, denn bereits im Prolog stehen die ersten Morde an Jugendlichen. Waren Bano, Simon und Anders dabei? Man erfährt es erst am Ende. Das Hauptaugenmerk des Buches liegt aber eindeutig auf Anders Breivik. Der Vater ließ sich von Anders' Mutter schon nach wenigen Monaten scheiden, so dass der Junge später nur wenig Kontakt zu ihm hatte. Die Mutter war mit zwei Kindern überfordert, so dass sich das Jugendamt einschalten musste. Anders wollte nach oben, der Beste und der Anführer sein. Aber was er auch anfasste, es hielt nicht. Das Versagen verfolgte ihn an allen Fronten. Erst gehörte er einer Gruppe von Sprayern an, später trat er der rechtspopulistischen Partei bei, gründete eine Firma, dann die nächste, wurde zu den Freimaurern eingeladen - und nichts davon klappte so recht. Die Sprayer mobbten ihn raus, weil er sich nicht an deren Regeln hielt, in der Partei bekam er nicht den gewünschten Posten, die Firmen musste er aus verschiedenen Gründen aufgeben, und die Freimaurer interessierten ihn schon bald nicht mehr. Dafür entdeckte er die Welt der Computerspiele, in die er für Jahre abtauchte. Als er daraus wieder auftauchte, war er zu dem geworden, den die Welt als Massenmörder von Oslo und Utøya kennenlernen sollte. Die Autorin Seierstad hat einen relativ trockenen Schreibstil, aber sie kann gut erklären, Zusammenhänge herstellen und die Hintergründe ans Licht ziehen. Für ihr Buch hat sie sich an allen ihr verfügbaren Quellen bedient. Mir hat ihre Art des Schreibens so gut gefallen, dass ich mir, als ich noch nicht einmal ein Drittel dieses Buches gelesen hatte, schon das nächste bestellte. Die Details, die einem hier geboten werden, können erschlagen. Seierstad seziert die Geschehnisse so, dass ich das Buch mal weglegen wollte und mal nicht schnell genug weiterlesen konnte. Sie schreibt über die Kindheit von Simon genauso detailliert wie über Breiviks Bombenbau (das ist fast schon eine Anleitung, also Vorsicht!). Jede Minute des Anschlags in Oslo wird genau beschrieben. Hier bekommt man als Leser fast den ersten Herzinfarkt, denn die Unfähigkeit der norwegischen Polizei an diesem Punkt ist haarstäubend. Die ist völlig hilflos, dabei hätte sie Breivik schon relativ früh schnappen können, wenn sich die Beamten in dem einen Streifenwagen an ihre Befehle gehalten hätten. Die Morde auf der Insel sind das zweite Herzinfarktrisiko. Ich lese nicht oft Thriller, aber wenn, dann machen mir blutrünstige Szenen nicht viel aus. Aber hier ist es echt. Es ist wirklich passiert. Diese Menschen sind nicht der Phantasie eines Schriftstellers entsprungen. Seierstad beschreibt Breiviks methodisches mörderisches Vorgehen so plastisch, dass einem wirklich schlecht werden kann. Eines der schwersten und verstörendsten Bücher der letzten Jahre. Nicht für jeden.

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Ich weiß nicht, wie man ein solches Buch bewerten soll.

Die Thematik war schwer zu ertragen und einige Passagen haben mich durchaus bewegt. Allerdings erschien mir die Darstellung, die gelegten Schwerpunkte und der Stil des Buches teilweise nicht so gelungen, sodass ich nicht wirklich in die Schilderungen eintauchen konnte und das Geschehen doch gewissermaßen distanziert betrachtet habe (und dadurch viele Emotionen verloren gegangen sind sowie die einzelnen Schicksale relativiert wurden).

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