Ein Mensch fällt aus Deutschland

Ein Mensch fällt aus Deutschland

Hardback
5.02

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Description

An Weihnachten 1933 sitzt ein junger Student in einem Gasthaus irgendwo in Pommern. Er hat auf seiner Flucht kurz Rast gemacht und schreibt an seine Freundin Ilse: »Gestern früh sind wir aus Berlin gekippt. Ungewaschen, ungekämmt. Wie ausgespuckt.« Kurze Zeit später muss er sich in den Niederlanden durchschlagen, heimlich unter dem Pensionsbett von Freunden übernachten. Die Niederländer versteht er nicht, sie blicken ihm nicht in die Augen, sehen in ihm nur »den Migranten« oder »den Flüchtling«. Er sehnt sich nach Deutschland zurück, auch wenn weder Ilse noch seine Mutter verstehen können, warum er das Land überhaupt verlassen hat. 1934 sieht Deutschland noch nicht für jeden so düster aus wie wenige Jahre später. Aus Tagebucheinträgen und Briefen entsteht im Roman das Bild eines Mannes, der aus Deutschland »herausgefallen« ist, oder deutlicher: der fliehen musste. 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido erschienen, gilt er als erster Exilroman Deutschlands und beschreibt melancholisch und mit bitterem Humor eine düstere Zeit, in der sich alles, was folgen wird, schon vorahnen lässt.


Mit einem Nachwort von Klaus Mann

»Ein unverzichtbarer und beispielhafter Roman.« Herta Müller

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
208
Price
16.50 €

Author Description

Konrad Merz (eigentlich Kurt Lehmann) wurde 1908 in Berlin geboren. Nach dem Tode seines Vaters (1914) verbrachte er einen Teil seiner Kindheit im Waisenhaus. Später Gelegenheitsarbeiten, mehrere Jahre Statist an der Oper. Nebenbei Abendgymnasium, nach dem Abitur Jurastudium.Wegen seiner jüdischen Herkunft mußte er 1933 die Universität verlassen. Er emigrierte 1934 in die Niederlande und tauchte dort während der deutschen Besatzung mehrere Jahre unter. 1936 erschien im Amsterdamer Querido Verlag sein berühmt gewordenes Buch »Ein Mensch fällt aus Deutschland«, das zu den wichtigsten dichterischen Zeitdokumenten der Exilliteratur gehört. Nach 1945 erlernte Konrad Merz einen neuen Beruf: medizinischer Masseur. Neben dieser Tätigkeit begann er in den siebziger Jahren wieder zu schreiben. Konrad Merz starb 1999 in Purmerend (Niederlande).

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»Ganz gleich, wie es nun werden möge - so wie es kommt, so wird es mein Schicksal sein, und so will ich es nehmen, stumm und bereit, ich habe es nicht anders gekonnt, ich habe es auch nicht anders gewollt.«

Konrad Merz, eigentlich Kurt Lehmann, überlässt in seinem wohl bekanntesten und nun glücklicherweise neu aufgelegten Roman seinem Protagonisten, dem jungen Winter, das Wort. Durch Briefe und Tagebucheinträge erlebt man die Erlebnisse ab Ende 1933 bis Dezember 1934 hautnah aus seiner Sicht: Sein bester Freund Heini wird von der Geheimen Staatspolizei gesucht und Winter hilft ihm. Nachdem sich dieser jedoch erschossen hat, fällt das Schicksal auf den Protagonisten und ihm bleibt nichts anderes als die Flucht. Er entscheidet sich für Holland. Dort angekommen, schlägt er sich – so gut er kann – durch, hungert, trauert, vermisst und sucht nach Arbeit. Seiner in Berlin zurückgebliebene Ilse schenkt er jeglichen Gedanken und wünscht sich nichts mehr, als dass sie bei ihm wäre. So vergehen die Tage und nichts ist mehr, wie es zuvor war, selbst als Ilse ihn besuchen kommt… Der Anfang dieses Buchs ist nicht ganz einfach. Der Einstieg folgt abrupt mitten ins Geschehen und man muss sich erstmal in der Szenerie und sogleich mit der besonderen Form zurechtfinden. Gibt man aber diesem Roman der Exilliteratur, der leider völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, eine Chance – und das sollte man(!) –, wird man es nicht bereuen. So nah wie dieser Text – durch Tagebucheinträge und Briefe –, die Lesenden am Alltag Winters teilhaben lässt, dadurch Sehnsüchte, Wünsche und das Leid schildernd, ist einzigartig. Somit ist das bereits 1936 im Amsterdamer Querido Verlag erschiene Buch für mich persönlich ein großartiger Roman und noch viel mehr – ein beachtenswertes Zeitdokument, besonders im Hinblick auf die darauffolgenden Jahre. Zwischen all dem Leid und der Tragik, finden sich auch ironische und humorvolle Anspielungen. Je mehr man von diesem Buch liest, desto mehr wird auch Merz‘ rhetorisches Können deutlich.

»Ganz gleich, wie es nun werden möge - so wie es kommt, so wird es mein Schicksal sein, und so will ich es nehmen, stumm und bereit, ich habe es nicht anders gekonnt, ich habe es auch nicht anders gewollt.«
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