Ein Haufen Dollarscheine

Ein Haufen Dollarscheine

Hardback
3.73

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Description

Die Frau mit dem blumengemusterten Kleid erhebt sich endlich aus ihrem Bett. In der Hitze des Zimmers bleibt ihre Vergangenheit wie in Schwaden stehen: die Vergangenheit eines versteckten jüdischen Kindes. »Immer wieder taucht jemand auf und soll zu uns gehören«, murmelt ihre Schwester. Der Thanksgiving-Truthahn in Chicago verschluckt das Schwarze Amen ihres Mannes, der für die Kinder Palästinas um Frieden betet, während am anderen Ende des Tisches mit einem weißen Amen eine Danksagung an den amerikanischen Präsidenten gesprochen wird. Der nunmehr jüdisch-orthodox bekennende Sohn nennt seine Mutter Closet-Jew. Gojische Partner*innen der zweitverheirateten Überlebenden eignen sich deren »Wiedergutmachung« an, und schließlich weigert sich auch der russische Rabbiner, das Vorkriegsgrab von Berlin-Weißensee zurückzugeben.\n\nTraurig, empörend, unerhört und, wenn die Tante sich die klebrigen Kekse aus der Flug­hafenlounge in die Tasche stopft, auch komisch, wie Filmschnitte aus einem nicht geplanten Drehbuch. »Ein Haufen Dollarscheine« ist ein v­er­rück­tes Familien­szenario zwischen Berlin, ­Chicago, ­Heppenheim, Rom und wieder zurück.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
312
Price
24.70 €

Author Description

Esther Dischereit lebt in Berlin. Mit »Joëmis Tisch. Eine jüdische Geschichte«, 1988, und »Übungen jüdisch zu sein«, 1996, wurde sie eine der wichtigsten Stimmen der zweiten Generation nach der Shoah in Deutschland. Veröffentlichungen (u. a.): 2014: »Blumen für Otello. Über die Verbrechen aus Jena«, 2020: »Sometimes a Single Leaf«, Gedichte; »Mama darf ich das Deutschlandlied singen«, Essays. 2009 erhielt sie den Erich Fried-Preis. Als Professorin für Sprachkunst lehrte sie an der Angewandten in Wien, 2019 als DAAD Chair in Contemporary Poetics an der New York University.

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Ein Haufen Dollarscheine von Esther Dischereit ist eine Auseinandersetzung mit dem Leben als Nachfahr:in Holocaust-Überlebender auf ganz verschiedenen Ebenen. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven (Tante/Neffe) erzählt. „Meine Brustzog sich zusammen und der Atem schien sich festzusetzen, drückte nach oben und setzte sich unter dem Kehlkopf fest. Im Kopf begann sich ein feiner Schmerz anzukündigen. »Closet-Kid … Closet-Jew«, sagte mein Neffe, als wir in der Lounge saßen.“ (167) Zum Einen geht es für die Protagonist:innen um das Erarbeiten der eigenen jüdischen Identität in verschiedenen Generationen und um die Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte. Diese ist komplex und vielschichtig. Es geht um Trennungen, neue Partnerschaften, Stief- und Adoptivkinder, aber auch um unbekannte, fremde Menschen, die Kontakt aufnehmen und deren Verwandtschaft erstmal fraglich erscheint und bezweifelt wird. Ich musste mir für den Überblick erstmal einen Stammbaum aufzeichnen und daneben legen. Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, in welcher Beziehung die lebenden Familienmitglieder zueinander stehen. Es macht den Eindruck der Entfremdung auf vielen Ebenen. Zum Anderen geht es um die Beantragung und die Verteilung von Wiedergutmachungsleistungen der deutschen Regierung, die schon fast einem kafkaesken Verwaltungsakt gleichen. Ein bürokratischer Urwald mit unmöglich zu erfüllenden Anforderungen. Total zermürbend. Auch darüber hinaus gibt es viele Themen, die Dischereit in ihrem dichten Werk verarbeitet, die ich gar nicht alle aufgreifen kann. Es geht um die Illegalität, in der sich die jüdischen Familienmitglieder in Berlin während des Zweiten Weltkriegs aufgehalten haben. Es geht um die Flucht und die Einwanderung nach Amerika. Es geht um die Klassenunterschiede in der jüdischen Community. Es geht um Erbstreitigkeiten. Es geht um Heimat, Liebe und familiären Zusammenhalt. Für diesen Roman musste ich als Leser arbeiten, recherchieren und mitnotieren, um den Anschein eines Überblicks zu behalten. An der ein oder anderen Stelle gab es auch Wiederholungen, die ich nicht nachvollziehen konnte, die aber vielleicht diese Schwierigkeit verdeutlichen, den Überblick zu behalten. Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich die Auseinandersetzung total wichtig fand und viel gelernt habe.

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