Eigenständigkeit und Konzernintegration
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Description
Ende des 18. Jahrhunderts eröffnete Löb Cassel, der sich später Leopold Cassella nannte, gemeinsam mit seinem Schwager im Haus Lindwurm in der Frankfurter Judengasse einen Spezereihandel. Als sich 1820 die geschäftlichen Wege der beiden trennten, übernahm Cassella das Geschäft auf alleinige Rechnung und spezialisierte sich zunehmend auf den Handel mit den Naturfarbstoffen Indigo und Cochenille, der ihm und seinen Nachfolgern Ludwig Aaron Gans und Bernhard Weinberg bedeutende Gewinne bescherten.
Seit 1860 verdrängten allerdings die synthetischen Anilinfarben die Naturfarben allmählich vom Markt. Ludwig Aaron Gans erkannte die Zeichen der Zeit. Er unterstützte seinen jüngsten Sohn Leo Gans, der Chemie studiert hatte, beim Aufbau einer zunächst noch bescheidenen Anilinfarbenfabrik im damals noch selbständigen Fechenheim. Gemeinsam mit dem erfahrenen Chemieingenieur August Leonhardt und später mit dem Chemiker Dr. Arthur Weinberg gelang es ihm, die Firma Leopold Cassella & Co. in die Spitzengruppe der deutschen Farbenindustrie zu führen.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb das Unternehmen ein reiner Familienbetrieb. Das Fehlen einer eigenen Schwefelsäurefabrik aber zwang die Gesellschafter, eine Kooperation mit den Farbwerken Hoechst einzugehen. Zu den dabei getroffenen Absprachen gehörte auch gegenseitige Beteiligung, was ein Einstieg von Hoechst bei Cassella bedeutete. Der nunmehrigen Cassella GmbH gelang es dennoch weitgehend, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Selbst nach der Gründung der I.G. Farbenindustrie AG wurde sie nicht auf die neue Gesellschaft fusioniert, sondern bis 1937 als GmbH innerhalb der I.G. Farben weitergeführt.
Die jüdischen Gesellschafter und Geschäftsführer aus der Familie Gans-Weinberg wurden bis 1937 aus dem Unternehmen gedrängt. Die Tatsache, dass sie sich als Stifter und Wohltäter einen Namen gemacht hatten, schützte sie nicht vor Verfolgung. Arthur von Weinberg starb im Konzentrationslager Theresienstadt, sein Bruder Carl im italienischen Exil.
Nach der Zerschlagung der I.G.-Farbenindustrie AG entstand mit der Cassella Farbwerke Mainkur AG ein eigenständiges, jedoch von den drei Großen der deutschen Chemieindustrie abhängiges Unternehmen, dass in den Boomjahren bis 1970 zwar gute Umsätze und Erlöse erzielte, aber relativ weiter hinter BASF, Bayer und Hoechst zurückfiel. Im Zuge der „2. IG-Entflechtung“ 1969 kam die Cassella AG an Hoechst, die sie 1994 als Werk Cassella in den Konzern eingliederten.
Die Dissertation von Hansjörg W. Vollmann untersucht, wie sich die Cassella zwischen Selbstständigkeit und den Interessen der großen Chemieunternehmen so viele Jahrzehnte behauptete. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Autor die Absichten und Strategien der Eigentümer und leitenden Angestellten, jenen Personen also, die das Unternehmen prägten.
Book Information
Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
History & Archaeology
Format
Book
Pages
380
Price
41.10 €
Description
Ende des 18. Jahrhunderts eröffnete Löb Cassel, der sich später Leopold Cassella nannte, gemeinsam mit seinem Schwager im Haus Lindwurm in der Frankfurter Judengasse einen Spezereihandel. Als sich 1820 die geschäftlichen Wege der beiden trennten, übernahm Cassella das Geschäft auf alleinige Rechnung und spezialisierte sich zunehmend auf den Handel mit den Naturfarbstoffen Indigo und Cochenille, der ihm und seinen Nachfolgern Ludwig Aaron Gans und Bernhard Weinberg bedeutende Gewinne bescherten.
Seit 1860 verdrängten allerdings die synthetischen Anilinfarben die Naturfarben allmählich vom Markt. Ludwig Aaron Gans erkannte die Zeichen der Zeit. Er unterstützte seinen jüngsten Sohn Leo Gans, der Chemie studiert hatte, beim Aufbau einer zunächst noch bescheidenen Anilinfarbenfabrik im damals noch selbständigen Fechenheim. Gemeinsam mit dem erfahrenen Chemieingenieur August Leonhardt und später mit dem Chemiker Dr. Arthur Weinberg gelang es ihm, die Firma Leopold Cassella & Co. in die Spitzengruppe der deutschen Farbenindustrie zu führen.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb das Unternehmen ein reiner Familienbetrieb. Das Fehlen einer eigenen Schwefelsäurefabrik aber zwang die Gesellschafter, eine Kooperation mit den Farbwerken Hoechst einzugehen. Zu den dabei getroffenen Absprachen gehörte auch gegenseitige Beteiligung, was ein Einstieg von Hoechst bei Cassella bedeutete. Der nunmehrigen Cassella GmbH gelang es dennoch weitgehend, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Selbst nach der Gründung der I.G. Farbenindustrie AG wurde sie nicht auf die neue Gesellschaft fusioniert, sondern bis 1937 als GmbH innerhalb der I.G. Farben weitergeführt.
Die jüdischen Gesellschafter und Geschäftsführer aus der Familie Gans-Weinberg wurden bis 1937 aus dem Unternehmen gedrängt. Die Tatsache, dass sie sich als Stifter und Wohltäter einen Namen gemacht hatten, schützte sie nicht vor Verfolgung. Arthur von Weinberg starb im Konzentrationslager Theresienstadt, sein Bruder Carl im italienischen Exil.
Nach der Zerschlagung der I.G.-Farbenindustrie AG entstand mit der Cassella Farbwerke Mainkur AG ein eigenständiges, jedoch von den drei Großen der deutschen Chemieindustrie abhängiges Unternehmen, dass in den Boomjahren bis 1970 zwar gute Umsätze und Erlöse erzielte, aber relativ weiter hinter BASF, Bayer und Hoechst zurückfiel. Im Zuge der „2. IG-Entflechtung“ 1969 kam die Cassella AG an Hoechst, die sie 1994 als Werk Cassella in den Konzern eingliederten.
Die Dissertation von Hansjörg W. Vollmann untersucht, wie sich die Cassella zwischen Selbstständigkeit und den Interessen der großen Chemieunternehmen so viele Jahrzehnte behauptete. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Autor die Absichten und Strategien der Eigentümer und leitenden Angestellten, jenen Personen also, die das Unternehmen prägten.
Book Information
Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
History & Archaeology
Format
Book
Pages
380
Price
41.10 €



