Ehern

Ehern

Hardback
4.015

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Ida möchte sich um keinen Preis binden. Als sie auf Antoine trifft, stellt sie sich den Fragen nach ihrer Herkunft. Ida lässt niemanden so leicht an sich heran. Eher hangelt sie sich von einem Mann zum anderen, lose Bekanntschaften sind ihr wichtiger als tiefgehende Beziehungen, sich an jemanden zu binden, scheint ihr unmöglich. Plötzlich aber wird sie durch ihre Begegnung mit Antoine und seinen beiden Töchtern Agnes und Leïla mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Ausgehend von der Beziehung zu ihnen beginnt sie, sich auf die Suche nach ihrer Herkunft zu machen. Schnell ist sie fasziniert von der Geschichte ihrer lange verstorbenen Großmutter Magdalena, die bislang ein blinder Fleck für sie war. Ida umkreist die Lebensgeschichte ihrer Großmutter wie ein Satellit, verknüpft deren Leben mit ihrem eigenen, ihre Erinnerungen mit Fremderinnerungen. Hat Magdalena die eigene Schwester Anna denunziert, weil sie 1941 ein Verhältnis mit einem französischen Kriegsgefangenen eingegangen ist? Während Idas Nachforschungen tauchen 300 Seiten Briefmaterial auf – alles Liebesbriefe von einem gewissen Raphaël, adressiert an Magdalena … Die Denunziantin hatte offenbar selbst ein Verhältnis zu einem Kriegsgefangenen. Zwischen Suchen und Finden, Traum und Wirklichkeit, Erzählen und Erinnern umkreist Luise Maier Fragen nach der eigenen Herkunft, nach den Zusammenhängen von Vergangenheit und Gegenwart.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Generational Novels
Format
Hardback
Pages
166
Price
24.70 €

Author Description

Luise Maier geb. 1991 in Schardenberg (Österreich), aufgewachsen in Vilshofen a. d. Donau. Von 2012 bis 2015 studierte sie am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und seit 2020 am Institut Kunst in Basel. Ihr Debütroman »Dass wir uns haben« (Wallstein 2017) erhielt den Berner Literaturpreis. Luise Maier lebt in Biel (Schweiz).

Posts

4
All

Luise Maier entfaltet in „Ehern“ eine vielschichtige und packende Familiengeschichte, die einen in die Tiefen transgenerationaler Traumata und familiärer Verstrickungen führt. Im Zentrum steht Ida, eine Frau, die sich von tieferen Beziehungen fernhält und durch die Begegnung mit Antoine und seinen Töchtern gezwungen wird, sich ihrer eigenen Geschichte zu stellen. Der Roman dreht sich um die Aufarbeitung der Vergangenheit, die Suche nach Identität und die Erkenntnis, wie stark uns die Fehler und Wunden früherer Generationen prägen. Maier erzählt Idas Geschichte auf eine besondere Weise: in Fragmenten, die sich wie ein Puzzle nach und nach zusammensetzen. Diese nicht-lineare Erzählstruktur erfordert Aufmerksamkeit, belohnt die Leser jedoch mit einem tiefen Einblick in die komplexen Beziehungen und unausgesprochenen Schmerzen, die über Generationen hinweg weitergegeben werden. Ida entdeckt durch ihre Nachforschungen das Leben ihrer Großmutter Magdalena, die in einer von Härte und Gewalt geprägten Nachkriegswelt lebte. Die Verflechtung von Idas gegenwärtigem Leben mit der düsteren Vergangenheit ihrer Familie bildet den emotionalen Kern des Romans. Ein zentrales Thema des Buches ist die Übertragung von Traumata durch Generationen hindurch. Die Prägung durch Magdalena, die unter den strengen Erziehungsrichtlinien ihrer Zeit ihre Kinder ohne Liebe und mit harter Hand großzog, zeigt, wie tiefgreifend familiäre Muster wirken können. Idas eigene emotionale Unruhe und ihre Unfähigkeit, Nähe zuzulassen, spiegeln diese unaufgearbeiteten Wunden wider. Der Schreibstil von Maier ist dabei poetisch und oft sprunghaft, was den Eindruck verstärkt, dass Erinnerungen und Erzählungen bruchstückhaft zusammengetragen werden. Dieser Stil mag herausfordernd sein, trägt jedoch zur Authentizität der Geschichte bei. Besonders berührend sind die Passagen, in denen Maier das emotionale Erbe beschreibt, das sich wie ein unsichtbares Netz durch die Generationen zieht und die Figuren in ihrem Verhalten und ihren Entscheidungen beeinflusst. „Ehern“ ist ein anspruchsvoller, aber lohnenswerter Roman, der tief in die Frage eintaucht, wie sehr uns die Vergangenheit formt. Luise Maier erzählt auf ergreifende Weise von Schuld, Prägung und der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Eine klare Empfehlung für alle, die sich für komplexe Familiengeschichten und psychologische Tiefe interessieren.

Post image
4.5

Rasant geschriebene Familiengeschichte Über Unaufgearbeitete Verfehlungen einer Familie aus. Bayern. 

Transgenerationales Trauma ist das zentrale Thema dieses Romans. Ida lebt ein emotional unstetes Leben. Sie kann sich an keinem Partner binden und macht ein Spiel daraus, mit möglichst vielen Männern zu knutschen oder noch intimer zu werden. Als sie Antoine begegnet stellen er und seine Kinder Fragen nach der Vergangenheit ihrer Familie. Ida beginnt, sich damit zu beschäftigen und besonders Anna, die im dritten Reich inhaftiert war, weil sie ein Verhältnis zu einem französischen Zwangsarbeiter hatte, löst bei ihr starke Gefühle aus. Wir tauchen ein in die Geschichte einer Familie mit einer nationalsozialistischen Vergangenheit. Landwirte, die keine höheren Positionen hatten, aber der Ideologie nahe standen. Magdalena, Idas Oma, die 8 Kinder nach den brutalen, pädagogischen Richtlinien der Johanna Harrer erzog, mutiert nach und nach zur zentralen Figur, und am Ende wird deutlich, dass sie eine eigene Geschichte hat Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Dabei wechselt die Erzählperspektive von der ICH Figur Ida, zum allwissenden Erzähler, und wieder zurück zu Ida. Besonders im ersten Teil wird sehr zwischen den Ereignissen hin und her gesprungen, und es ist mir teilweise schwer gefallen, die Verknüpfung zu erkennen. Ab dem zweiten Teil fiel mir das deutlich leichter, und die Geschichte konnte mich sehr für sich einnehmen. Obwohl der Erzählstil weiterhin sehr sprunghaft bleibt, bekam ich einen tiefen Einblick in die harte Kindheit vor allem der Töchter Magdalenas, die ohne Liebe aufwuchsen. Dieser Roman ist sehr temporeich erzählt, so dass die Brutalität oft plötzlich und unerwartet kommt und mich nachhaltig geschockt hat. So schnell werde ich manche Bilder nicht vergessen. Der Zusammenhalt der Schwestern ist sehr bewegend. Eine rasant erzählte Familiengeschichte, die uns mal wieder aufzeigt, wie wichtig es ist, die eigene Historie zu kennen und aufzuarbeiten damit, damit sich dunkle Zeiten nicht auf weitere Generation übertragen.

4

Ich schwanke noch zwischen vier und fünf Sternen. Für eine abschließende Bewertung muss ich „Ehern“ noch ein zweites Mal lesen. Über den Inhalt möchte ich heute nicht mehr erzählen, als dass es unter anderem um Transgenerationalität geht, ein Thema, das mich schon geraume Zeit beschäftigt.

4

In ihrer selbst diagnostizierten Unfähigkeit für romantische Beziehungen sieht sich Ida damit konfrontiert, ihrer eigenen Familiengeschichte auf den Grund gehen zu müssen. Nach jenen Mustern zu suchen, die sie zwar stets wie einen Schleier umgeben, die sie als solche jedoch nie wirklich greifen konnte. „Ehern“ ist die Suche nach Herkunft, das (Wieder-)Entdecken von Erinnerungen, das Zusammensetzen augenscheinlich zusammenhangsloser Fetzen. In alldem birgt „Ehern“ auch eine sehr düstere Seite in sich, die erst in Idas Aufarbeitung ihrer eigenen Herkunft, der Familiengeschichte rundum ihre Großmutter Magdalena zu ihrer vollen Entfaltung findet. Ist es wohl auch das Gesicht von Magdalena, das das Cover des Buches ziert? Idas Familiengeschichte ist nicht meine eigene, Parallelen gibt es sogar eher wenige. Und dennoch fand ich irgendwo in den kleinen Momenten Anknüpfungspunkte, die es mir leicht machten, mich der Geschichte nahe zu fühlen. Irgendwo im Wust ihrer Spurensuche wurde mir deutlich gespiegelt, wie prägend meine eigene familiäre Herkunft eigentlich ist. Klar, irgendwie. Und doch habe ich das Thema der transgenerationalen Traumatisierung bislang erfolgreich von mir weggeschoben, als etwas wahrgenommen, das irgendwie immer nur andere betrifft. Als Kind von Eltern, die wiederum Kinder von Kriegskindern sind, begreife ich Generationen nun langsam nicht mehr als abgeschlossene Einheiten. Bücher wie dieses helfen mir dabei, eine ernsthafte Verbindung zu meiner eigenen Vorvergangenheit aufzubauen. „Ich bin ich. Ich bin meine Mutter, ich bin Magdalena, ich bin Eva. Ich male wie meine Mutter, ich träume von Anton, ich bekomme jedes Jahr zu Weihnachten eine Bronchitis, als wäre mein Gehirn, mein Körper mit den Gehirnen, den Körpern all der Mütter verknüpft, als wäre ich eine Matrjoschka, die in sich alle Mütter meiner Linie vereint, und wenn ich einmal eine Tochter haben werde, wird sie mich in sich tragen, nachdem ich sie in mir getragen habe.“ (S. 61) Ein Buch, das mich berührt hat. Ein herzlicher Dank geht an den @wallsteinverlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Post image
Create Post