Dr. Siri und seine Toten
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Description
Eigentlich hatte es Dr. Siri bisher nur mit lebenden Patienten zu tun. Doch nun wird er mit seinen 72 Jahren zum einzigen Leichenbeschauer von ganz Laos ernannt. Schon bald hat er es mit zwei mysteriösen Fällen zu tun: Die Frau eines Parteibonzen stirbt bei einem Festessen, und drei tote Männer werden in einem See gefunden. Mit veralteten Lehrbüchern, mangelhafter Ausrüstung, aber viel Witz und Intuition macht sich Dr. Siri daran, die Morde aufzuklären.
Book Information
Author Description
Colin Cotterill, in London geboren, begab sich nach einer Ausbildung zum Englischlehrer auf eine lange Weltreise. Mittlerweile lebt er in Chumphon, Thailand. Seine in Laos angesiedelte Krimireihe um Dr. Siri wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.
Posts
Ein Pathologe zwischen Geistern und Bürokratie – charmant, aber nur bedingt mein Fall
Als ich Dr..Siri und seine Toten aufschlug, hatte ich das Gefühl, in einen stickigen, leicht flirrenden Obduktionsraum zu treten, alte Ventilatoren an der Decke, stumpfe Instrumente, draußen die Hitze von Laos und mittendrin ein 72-jähriger Leichenbeschauer, der eigentlich viel lieber seine Ruhe hätte. Die Bühne ist klein, der Vorhang dünn, aber der Blick dahinter lohnt sich. Politik, Armut, Aberglaube und trockener Humor liegen hier so nah beieinander wie Skalpell und Notizblock. Beim Lesen habe ich vor allem das Setting genossen. Der kommunistische Kleinstaat Laos in den 1970ern ist als Schauplatz erfrischend anders, und die Mischung aus politischen Umbrüchen, Mangelwirtschaft und ideologischer Starrheit erzeugt eine eigene, leicht absurde Grundspannung. Gleichzeitig merkte ich aber, wie meine Begeisterung zwischendurch abkühlte. Die Ermittlerfigur mit „besonderen Fähigkeiten“ fühlte sich für mich inzwischen eher nach Genre-Standard als nach Überraschung an. Ich war neugierig, interessiert, manchmal amüsiert, aber selten wirklich gepackt. Zu den Stärken gehört für mich ganz klar das Land selbst als Bühne: Laos wirkt ungewöhnlich, eigen und trotzdem greifbar. Der Humor ist angenehm trocken, nie krachend laut, sondern eher ein feines Dauerschmunzeln, das sich durch die Dialoge zieht. Auch die Grundidee, ein alter, widerwillig berufener Pathologe, der sich mit veralteten französischen Lehrbüchern und einem kleinen, schrägen Team durchbeißt, hat Charme. Die Kriminalfälle sind ordentlich konstruiert, und der Kontrast zwischen politischer Realität, bürokratischer Absurdität und Siris Eigensinn sorgt für einige wirklich gelungene Momente. Gleichzeitig hatte ich mit ein paar Punkten zu kämpfen. Zum einen hat mich das inzwischen sehr verbreitete Muster gestört, dass Ermittler kaum noch „normal“ sein dürfen: besondere Gabe, besondere Brüche, besondere Andersartigkeit, hier eben Träume mit den Toten. Das wirkte auf mich eher wie ein vertrauter Kniff als wie eine mutige Entscheidung. Zum anderen sind es viele Namen, Orte und Bezüge, die für westliche Leser ungewohnt klingen. Das macht das Buch zwar authentisch, aber auch streckenweise anstrengend. Gerade am Anfang hätte ich mir einen klareren „Crashkurs“ in die politische und gesellschaftliche Lage von Laos gewünscht, um mich besser orientieren zu können. Und eine mystisch-befremdliche Episode im Buch hat für mich den Fluss eher gestört, weil sie nicht ganz zum ansonsten bodenständigen Ton passen wollte. Unterm Strich fühlte sich Dr. Siri und seine Toten für mich an wie ein ungewöhnlich dekorierter Raum. Die Tapete (Setting, Humor, Grundidee) ist wirklich schön und anders, aber das Mobiliar (Figurenklischees, besondere Fähigkeiten, Einstieg ins Weltgefüge) ist mir zu vertraut und teilweise etwas wacklig. Das Buch lebt von seiner Atmosphäre und seinem schrägen Charme, aber es hat mich nicht so sehr mitgerissen, wie es die Prämisse versprochen hätte.
1976 in Laos. Das Land ist frisch unabhängig und kommunistisch. Eigentlich hatte sich der Arzt Dr. Siri Praboun auf den Ruhestand gefreut, wird nun aber im Alter von 72 Jahren zum einzigen Leichenbeschauer des Landes ernannt, da er ja noch arbeitsfähig ist und im Kommunismus alle mit anpacken müssen. Also macht er sich an die Arbeit, ohne ausgebildetes Personal oder das entsprechende Equipment, und bekommt gleich einen pikanten Fall auf den Tisch. Die Frau eines hochrangigen Beamten ist ums Leben gekommen und Dr. Siri soll den Fall einfach nur formell abhaken, aber in ihm erwacht der Detektiv und so macht er sich auf Spurensuche und stellt die ein oder andere unangenehme Frage, die es für ihn irgendwann ziemlich brenzlig werden lässt. Dennoch lässt er sich nicht unterkriegen und löst mit seiner hartnäckigen, eigenwilligen, humorvollen und kreativen Art und den richtigen Verbündeten den Fall. Das Buch ist skurril-witzig, Dr. Siri und die Menschen in seinem Umfeld sind alle irgendwie schrullig-sympathisch. Geschrieben wurde es von einem Briten im Stil englischer Krimis, und beschreibt dennoch sehr gut das Laos der 1970er, als das Land befreit war von der jahrzehntelangen Besetzung der Franzosen und den amerikanischen Bomben, und direkt überging in einen - von Mangel geprägten - korrupten Überwachungsstaat, in dem die Macht hat, wer im Politbüro ganz oben sitzt, und alle, die nicht mitziehen, fürchten müssen, in Umziehungslager gesteckt zu werden. Ich habe das Buch in Vorbereitung auf den Laos-Urlaub gelesen, kann es aber jedem empfehlen, der gerne Krimireihen mit sympathisch-skurrilen Charakteren liest. Dies ist der erste Band einer aktuell 13-teiligen Serie.
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Eigentlich hatte es Dr. Siri bisher nur mit lebenden Patienten zu tun. Doch nun wird er mit seinen 72 Jahren zum einzigen Leichenbeschauer von ganz Laos ernannt. Schon bald hat er es mit zwei mysteriösen Fällen zu tun: Die Frau eines Parteibonzen stirbt bei einem Festessen, und drei tote Männer werden in einem See gefunden. Mit veralteten Lehrbüchern, mangelhafter Ausrüstung, aber viel Witz und Intuition macht sich Dr. Siri daran, die Morde aufzuklären.
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Colin Cotterill, in London geboren, begab sich nach einer Ausbildung zum Englischlehrer auf eine lange Weltreise. Mittlerweile lebt er in Chumphon, Thailand. Seine in Laos angesiedelte Krimireihe um Dr. Siri wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.
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Ein Pathologe zwischen Geistern und Bürokratie – charmant, aber nur bedingt mein Fall
Als ich Dr..Siri und seine Toten aufschlug, hatte ich das Gefühl, in einen stickigen, leicht flirrenden Obduktionsraum zu treten, alte Ventilatoren an der Decke, stumpfe Instrumente, draußen die Hitze von Laos und mittendrin ein 72-jähriger Leichenbeschauer, der eigentlich viel lieber seine Ruhe hätte. Die Bühne ist klein, der Vorhang dünn, aber der Blick dahinter lohnt sich. Politik, Armut, Aberglaube und trockener Humor liegen hier so nah beieinander wie Skalpell und Notizblock. Beim Lesen habe ich vor allem das Setting genossen. Der kommunistische Kleinstaat Laos in den 1970ern ist als Schauplatz erfrischend anders, und die Mischung aus politischen Umbrüchen, Mangelwirtschaft und ideologischer Starrheit erzeugt eine eigene, leicht absurde Grundspannung. Gleichzeitig merkte ich aber, wie meine Begeisterung zwischendurch abkühlte. Die Ermittlerfigur mit „besonderen Fähigkeiten“ fühlte sich für mich inzwischen eher nach Genre-Standard als nach Überraschung an. Ich war neugierig, interessiert, manchmal amüsiert, aber selten wirklich gepackt. Zu den Stärken gehört für mich ganz klar das Land selbst als Bühne: Laos wirkt ungewöhnlich, eigen und trotzdem greifbar. Der Humor ist angenehm trocken, nie krachend laut, sondern eher ein feines Dauerschmunzeln, das sich durch die Dialoge zieht. Auch die Grundidee, ein alter, widerwillig berufener Pathologe, der sich mit veralteten französischen Lehrbüchern und einem kleinen, schrägen Team durchbeißt, hat Charme. Die Kriminalfälle sind ordentlich konstruiert, und der Kontrast zwischen politischer Realität, bürokratischer Absurdität und Siris Eigensinn sorgt für einige wirklich gelungene Momente. Gleichzeitig hatte ich mit ein paar Punkten zu kämpfen. Zum einen hat mich das inzwischen sehr verbreitete Muster gestört, dass Ermittler kaum noch „normal“ sein dürfen: besondere Gabe, besondere Brüche, besondere Andersartigkeit, hier eben Träume mit den Toten. Das wirkte auf mich eher wie ein vertrauter Kniff als wie eine mutige Entscheidung. Zum anderen sind es viele Namen, Orte und Bezüge, die für westliche Leser ungewohnt klingen. Das macht das Buch zwar authentisch, aber auch streckenweise anstrengend. Gerade am Anfang hätte ich mir einen klareren „Crashkurs“ in die politische und gesellschaftliche Lage von Laos gewünscht, um mich besser orientieren zu können. Und eine mystisch-befremdliche Episode im Buch hat für mich den Fluss eher gestört, weil sie nicht ganz zum ansonsten bodenständigen Ton passen wollte. Unterm Strich fühlte sich Dr. Siri und seine Toten für mich an wie ein ungewöhnlich dekorierter Raum. Die Tapete (Setting, Humor, Grundidee) ist wirklich schön und anders, aber das Mobiliar (Figurenklischees, besondere Fähigkeiten, Einstieg ins Weltgefüge) ist mir zu vertraut und teilweise etwas wacklig. Das Buch lebt von seiner Atmosphäre und seinem schrägen Charme, aber es hat mich nicht so sehr mitgerissen, wie es die Prämisse versprochen hätte.
1976 in Laos. Das Land ist frisch unabhängig und kommunistisch. Eigentlich hatte sich der Arzt Dr. Siri Praboun auf den Ruhestand gefreut, wird nun aber im Alter von 72 Jahren zum einzigen Leichenbeschauer des Landes ernannt, da er ja noch arbeitsfähig ist und im Kommunismus alle mit anpacken müssen. Also macht er sich an die Arbeit, ohne ausgebildetes Personal oder das entsprechende Equipment, und bekommt gleich einen pikanten Fall auf den Tisch. Die Frau eines hochrangigen Beamten ist ums Leben gekommen und Dr. Siri soll den Fall einfach nur formell abhaken, aber in ihm erwacht der Detektiv und so macht er sich auf Spurensuche und stellt die ein oder andere unangenehme Frage, die es für ihn irgendwann ziemlich brenzlig werden lässt. Dennoch lässt er sich nicht unterkriegen und löst mit seiner hartnäckigen, eigenwilligen, humorvollen und kreativen Art und den richtigen Verbündeten den Fall. Das Buch ist skurril-witzig, Dr. Siri und die Menschen in seinem Umfeld sind alle irgendwie schrullig-sympathisch. Geschrieben wurde es von einem Briten im Stil englischer Krimis, und beschreibt dennoch sehr gut das Laos der 1970er, als das Land befreit war von der jahrzehntelangen Besetzung der Franzosen und den amerikanischen Bomben, und direkt überging in einen - von Mangel geprägten - korrupten Überwachungsstaat, in dem die Macht hat, wer im Politbüro ganz oben sitzt, und alle, die nicht mitziehen, fürchten müssen, in Umziehungslager gesteckt zu werden. Ich habe das Buch in Vorbereitung auf den Laos-Urlaub gelesen, kann es aber jedem empfehlen, der gerne Krimireihen mit sympathisch-skurrilen Charakteren liest. Dies ist der erste Band einer aktuell 13-teiligen Serie.










