Dora Bruder
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Description
»Das schönste Stück Literatur, das Frankreich im Augenblick zu bieten hat.« Frankfurter Rundschau
Wer war Dora Bruder?
Modiano stieß in einer alten Zeitung, dem ›Paris Soir‹ vom 31. Dezember 1941, auf folgende Anzeige: »Gesucht wird ein junges Mädchen, Dora Bruder, 15 Jahre alt, ovales Gesicht, graubraune Augen ...« Seit diesem Tag ließ ihn das Schicksal des jüdischen Mädchens im Paris unter der deutschen Besatzung nicht mehr los, und er begann ihre Geschichte zu rekonstruieren. Fast zehn Jahre lang hat Modiano Ämter, Polizeipräfekturen, Archive und Antiquariate durchforscht und ist dabei auch einem Teil seiner eigenen Identität nähergekommen.
• Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur 2012
Book Information
Author Description
Patrick Modiano, 1945 geboren, ist einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller der Gegenwart. Er erhielt zahlreiche Auszeichungen, darunter den großen Romanpreis der Académie française und den Prix Goncourt. 2012 wurde ihm der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen und 2014 der Nobelpreis für Literatur.
Posts
Was einem auf den ersten Seiten als scheinbar dröger Bericht vorkommen mag, entwickelt sich zu einem traurig-schönen Erinnerungsfragment eines Schriftstellers, den das Schicksal eines jungen jüdischen Mädchens in der 40er Jahren nicht losließ... Ein feiner, tastender Schreibstil. Die Lücken von Dora Bruders Leben hätten nicht zwingend mit metaphorisch aufgeladenen Mutmaßungen des Erzählers ausgefüllt werden müssen. Trotz allem ein erhellendes Leseerlebnis über die deutsche Besatzungszeit und das vielfältige Schicksal nach Frankreich geflüchteter Juden. Mein 1. Modiano, bin gespannt auf mehr vom letzten Literaturnobelpreisträger.
In einer Zeitungsausgabe aus dem 2. Weltkrieg stößt der Literat Patrick Modiano auf eine Suchanzeige, die von einem jüdischen Ehepaar in Paris geschaltet wurde. Sie suchten ihre fünfzehnjährige Tochter Dora. Dora Bruder. Wer war Dora Bruder und was ist aus ihr geworden? Modiano, den die Besatzungszeit auch im Zusammenhang mit den Erlebnissen seines eigenen, jüdischen Vaters umtreibt, begibt sich auf die Suche. Als während der Frankfurter Buchmesse 2014 der Literaturnobelpreis an den französischen Schriftsteller Patrick Modiano vergeben wurde, schaute ich mir am dtv-Stand gleich einmal an, was es so von ihm gibt. Meine Wahl fiel letzten Endes auf dieses Buch, das sich für mich besonders interessant anhörte. Entgangen war mir dabei, dass es sich gar nicht um eine Umsetzung des Themas in Romanform handelt, sondern vielmehr um die Schilderung seiner Spurensuche. Das störte mich jedoch auch nicht, es erschwert höchstens ein wenig die Einordnung des Werkes in eine bestimmte Kategorie. Schon auf den ersten Seiten fiel mir ein Aspekt auf, der mich etwas verwirrte: Modiano wechselt scheinbar beliebig zwischen verschiedenen Zeitformen, verwendet in einem Satz das Präteritum, wechselt dann plötzlich in das Präsens, dann in das Perfekt. Während der weiteren Lektüre konnte ich mir eine Theorie aufstellen, was Modiano damit bezweckt, denn sein großes Thema ist die Erinnerung. Ich interpretiere den Wechsel zwischen den Zeiten so, dass Modiano aufzeigen möchte, dass die Vergangenheit in der Gegenwart fortbesteht. So unternimmt er beispielsweise viele Spaziergänge in dem Viertel, in dem Dora Bruder wohnte, und erzählt dabei nicht nur, was er über sie herausgefunden hat, sondern auch, wie er selbst das Viertel in Erinnerung hat, welche Erfahrungen seine Familie in dem Viertel gemacht hat und wie er das Viertel heute wahrnimmt. Modiano bestreitet einen Kampf, den Kampf gegen das Vergessen, jedoch in einer so wunderbaren Sprache, dass das Wort “Kampf” fehl am Platze scheint: “Ich habe den Eindruck, der einzige zu sein, der die Verbindung herstellt zwischen dem damaligen Paris und dem heutigen, der einzige, der sich an all diese Einzelheiten erinnert. Mitunter wird dieses Band schwächer und läuft Gefahr abzureißen, an anderen Abenden erscheint mir hinter der Stadt von heute in flüchtigen Spiegelbildern jene von gestern.” (Seite 52) Und gleich auf der nächsten Seite: “Dieses Gefühl des Unheimlichen gleicht dem, das einen überfällt, wenn man im Traum durch ein unbekanntes Stadtviertel streift. Beim Erwachen wird einem allmählich bewußt, daß die Straßen dieses Viertels von jenen abgepaust waren, die einem im Tageslicht vertraut sind.” Gegen das Vergessen ankämpfen, die Erinnerung aufrechterhalten, das erscheint mir heute wichtiger denn je. Insofern reicht mir dieses eine Buch, um zu begreifen, warum Modiano mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. (Trotzdem werde ich natürlich weitere Bücher von ihm lesen.) In “Dora Bruder” bietet er ein besonderes, ungewöhnliches Leseerlebnis, das mir sehr gefallen hat.
Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, was den Autor dazu bewogen hat, dieses Buch zu schreiben - bei SO wenig Informationen, die er über Dora hatte. Im Grunde nur, dass sie vermisst gemeldet war und dass sie weggelaufen ist. Bis auf die letzten Seiten, in denen es greifbarer ist, ist der Rest Spekulation. Was nicht negativ sein muss. Aber ich persönlich habe das ganze Buch hindurch leider nie das Gefühl bekommen, der Person Dora und ihrer Geschichte nahezukommen. Spekulationen darüber, durch welche Straße sie gelaufen sein könnte und wie das Wetter gewesen sein könnte und ob sie eventuell Person XY getroffen hat - da hat mich als Leserin eher gestört, dass dies alles ja nur Vorstellungen sind und noch dazu welche, die mich der Geschichte nicht näher bringen. Wirklich schade, da habe ich mir mehr erhofft. Lediglich die letzten 10-20 Seiten sind mit mehr Informationen gefüllt.
The story based only on a missing persons report. But it brings the horror of a time that should not be forgotten. Rarely a book has touched me so deeply. I would necessarily recommend this book. Just for this little masterpiece, Patrick Modiano has really deserved the Nobel Prize for Literature 2014.
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»Das schönste Stück Literatur, das Frankreich im Augenblick zu bieten hat.« Frankfurter Rundschau
Wer war Dora Bruder?
Modiano stieß in einer alten Zeitung, dem ›Paris Soir‹ vom 31. Dezember 1941, auf folgende Anzeige: »Gesucht wird ein junges Mädchen, Dora Bruder, 15 Jahre alt, ovales Gesicht, graubraune Augen ...« Seit diesem Tag ließ ihn das Schicksal des jüdischen Mädchens im Paris unter der deutschen Besatzung nicht mehr los, und er begann ihre Geschichte zu rekonstruieren. Fast zehn Jahre lang hat Modiano Ämter, Polizeipräfekturen, Archive und Antiquariate durchforscht und ist dabei auch einem Teil seiner eigenen Identität nähergekommen.
• Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur 2012
Book Information
Author Description
Patrick Modiano, 1945 geboren, ist einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller der Gegenwart. Er erhielt zahlreiche Auszeichungen, darunter den großen Romanpreis der Académie française und den Prix Goncourt. 2012 wurde ihm der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen und 2014 der Nobelpreis für Literatur.
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Was einem auf den ersten Seiten als scheinbar dröger Bericht vorkommen mag, entwickelt sich zu einem traurig-schönen Erinnerungsfragment eines Schriftstellers, den das Schicksal eines jungen jüdischen Mädchens in der 40er Jahren nicht losließ... Ein feiner, tastender Schreibstil. Die Lücken von Dora Bruders Leben hätten nicht zwingend mit metaphorisch aufgeladenen Mutmaßungen des Erzählers ausgefüllt werden müssen. Trotz allem ein erhellendes Leseerlebnis über die deutsche Besatzungszeit und das vielfältige Schicksal nach Frankreich geflüchteter Juden. Mein 1. Modiano, bin gespannt auf mehr vom letzten Literaturnobelpreisträger.
In einer Zeitungsausgabe aus dem 2. Weltkrieg stößt der Literat Patrick Modiano auf eine Suchanzeige, die von einem jüdischen Ehepaar in Paris geschaltet wurde. Sie suchten ihre fünfzehnjährige Tochter Dora. Dora Bruder. Wer war Dora Bruder und was ist aus ihr geworden? Modiano, den die Besatzungszeit auch im Zusammenhang mit den Erlebnissen seines eigenen, jüdischen Vaters umtreibt, begibt sich auf die Suche. Als während der Frankfurter Buchmesse 2014 der Literaturnobelpreis an den französischen Schriftsteller Patrick Modiano vergeben wurde, schaute ich mir am dtv-Stand gleich einmal an, was es so von ihm gibt. Meine Wahl fiel letzten Endes auf dieses Buch, das sich für mich besonders interessant anhörte. Entgangen war mir dabei, dass es sich gar nicht um eine Umsetzung des Themas in Romanform handelt, sondern vielmehr um die Schilderung seiner Spurensuche. Das störte mich jedoch auch nicht, es erschwert höchstens ein wenig die Einordnung des Werkes in eine bestimmte Kategorie. Schon auf den ersten Seiten fiel mir ein Aspekt auf, der mich etwas verwirrte: Modiano wechselt scheinbar beliebig zwischen verschiedenen Zeitformen, verwendet in einem Satz das Präteritum, wechselt dann plötzlich in das Präsens, dann in das Perfekt. Während der weiteren Lektüre konnte ich mir eine Theorie aufstellen, was Modiano damit bezweckt, denn sein großes Thema ist die Erinnerung. Ich interpretiere den Wechsel zwischen den Zeiten so, dass Modiano aufzeigen möchte, dass die Vergangenheit in der Gegenwart fortbesteht. So unternimmt er beispielsweise viele Spaziergänge in dem Viertel, in dem Dora Bruder wohnte, und erzählt dabei nicht nur, was er über sie herausgefunden hat, sondern auch, wie er selbst das Viertel in Erinnerung hat, welche Erfahrungen seine Familie in dem Viertel gemacht hat und wie er das Viertel heute wahrnimmt. Modiano bestreitet einen Kampf, den Kampf gegen das Vergessen, jedoch in einer so wunderbaren Sprache, dass das Wort “Kampf” fehl am Platze scheint: “Ich habe den Eindruck, der einzige zu sein, der die Verbindung herstellt zwischen dem damaligen Paris und dem heutigen, der einzige, der sich an all diese Einzelheiten erinnert. Mitunter wird dieses Band schwächer und läuft Gefahr abzureißen, an anderen Abenden erscheint mir hinter der Stadt von heute in flüchtigen Spiegelbildern jene von gestern.” (Seite 52) Und gleich auf der nächsten Seite: “Dieses Gefühl des Unheimlichen gleicht dem, das einen überfällt, wenn man im Traum durch ein unbekanntes Stadtviertel streift. Beim Erwachen wird einem allmählich bewußt, daß die Straßen dieses Viertels von jenen abgepaust waren, die einem im Tageslicht vertraut sind.” Gegen das Vergessen ankämpfen, die Erinnerung aufrechterhalten, das erscheint mir heute wichtiger denn je. Insofern reicht mir dieses eine Buch, um zu begreifen, warum Modiano mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. (Trotzdem werde ich natürlich weitere Bücher von ihm lesen.) In “Dora Bruder” bietet er ein besonderes, ungewöhnliches Leseerlebnis, das mir sehr gefallen hat.
Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, was den Autor dazu bewogen hat, dieses Buch zu schreiben - bei SO wenig Informationen, die er über Dora hatte. Im Grunde nur, dass sie vermisst gemeldet war und dass sie weggelaufen ist. Bis auf die letzten Seiten, in denen es greifbarer ist, ist der Rest Spekulation. Was nicht negativ sein muss. Aber ich persönlich habe das ganze Buch hindurch leider nie das Gefühl bekommen, der Person Dora und ihrer Geschichte nahezukommen. Spekulationen darüber, durch welche Straße sie gelaufen sein könnte und wie das Wetter gewesen sein könnte und ob sie eventuell Person XY getroffen hat - da hat mich als Leserin eher gestört, dass dies alles ja nur Vorstellungen sind und noch dazu welche, die mich der Geschichte nicht näher bringen. Wirklich schade, da habe ich mir mehr erhofft. Lediglich die letzten 10-20 Seiten sind mit mehr Informationen gefüllt.
The story based only on a missing persons report. But it brings the horror of a time that should not be forgotten. Rarely a book has touched me so deeply. I would necessarily recommend this book. Just for this little masterpiece, Patrick Modiano has really deserved the Nobel Prize for Literature 2014.







