Diebstahl

Diebstahl

Hardback
3.719

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Description

Was kann sich entwickeln, wenn drei junge Menschen aus unterschiedlichem Elternhaus ihr Leben in die eigenen Hände nehmen? Klug, mit Wärme und Humor erzählt Gurnah aus dem heutigen Leben junger tansanischer Weltbürger

Tansania, heute. Drei junge Menschen wachsen hier auf: Karim, der nach seinem Studium mit Ehrgeiz und großen Ideen in seine verschlafene Heimatstadt Daressalam zurückkehrt. Fauzia, die in Karim nicht nur ihren geliebten Partner, sondern auch die Chance sieht, einer allzu behüteten Kindheit zu entkommen. Badar, ein mittelloser Junge, der in Fauzia und Karim Freunde findet und von ihnen Hilfe erfährt, obwohl nicht klar ist, was und ob die Zukunft überhaupt etwas für ihn vorgesehen hat. Als Fortschritt und Tourismus in ihrem abgelegenen Winkel der Welt Einzug halten, nimmt jeder der drei das Schicksal in die eigenen Hände. Auf der Suche nach Erfolg, Glück und Bedeutung kämpft insbesondere Badar mit den langen Schatten eines Diebstahls.

»Absolut fesselnd . . . In diesem ruhigen, reifen Roman gibt es keine einfachen Wahrheiten, was ihn als Ganzes so wahrhaftig macht.« Wall Street Journal

»Gurnahs Sätze fließen wie der Lauf eines alten Flusses, selbst wenn er komplizierte moderne Leben beschreibt.« Washington Post

»Ein straff konstruiertes Familiendrama mit überraschenden Wendungen.« Kirkus Review

»Wenn die Geschichte zu Ende ist – wenn auf der letzten Seite endlich alle Fäden zusammenlaufen –, kann der Leser nicht anders, als Gurnahs Können zu bewundern.« Financial Times

»Eine wichtige Bereicherung für Gurnahs bemerkenswertes Werk; ein Roman, durchdrungen von Schmerz und Verlust, doch nicht von Verzweiflung.« The Guardian

«Kulturell spezifisch und zugleich emotional universell . . . Gurnah in Höchstform.« Publishers Weekly

»Eine leise kraftvolle Demonstration erzählerischer Meisterschaft, zugleich Coming-of-Age-Kammerstück und breit angelegtes postkoloniales Panorama.« Observer

»Der neue Roman des Nobelpreisträgers ist ein Knüller.« The London Standard

»Nichts am menschlichen Verhalten überrascht Gurnah, und durch das Lesen seines weisen neuen Romans mit dem sanften und schönen Ende sind wir Leser etwas weniger vorschnell mit Urteilen und eher bereit zu verstehen, was es bedeutet, zu kämpfen, zu wagen, zu lieben – was es bedeutet, Mensch zu sein.« Elif Shafak, New Statesman

»Eine meisterhaft inszenierte Auseinandersetzung mit Freundschaft und Verrat.« The Economist

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
336
Price
26.80 €

Author Description

Abdulrazak Gurnah (geb. 1948 im Sultanat Sansibar) wurde 2021 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er hat bislang elf Romane veröffentlicht, darunter »Paradise« (1994; dt. »Das verlorene Paradies«; nominiert für den Booker Prize), »By the Sea« (2001; »Ferne Gestade«; nominiert für den Booker Prize und den Los Angeles Times Book Award), »Desertion« (2006; dt. »Die Abtrünnigen«; nominiert für den Commonwealth Writers' Prize) und »Afterlives« (2020; dt. »Nachleben«; nominiert für den Walter Scott Prize und den Orwell Prize for Fiction). Gurnah ist Professor emeritus für englische und postkoloniale Literatur an der University of Kent. Er lebt in Canterbury. Seine Werke erscheinen auf Deutsch im Penguin Verlag. »Diebstahl« ist sein erster neuer Roman seit Verleihung des Literaturnobelpreises.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
26%
N/A
N/A
30%
26%
28%
62%
90%
39%
77%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
77%
76%
100%
100%

Pace

Fast0%
Slow100%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple100%
Complex0%
Moderate0%
Bildhaft (100%)

Posts

3
All
4.5

“Diebstahl” von Abdulrazak Gurnah (ins Deutsche übersetzt von Eva Bonné) folgt den Lebenswegen von Karim, Fauzia und Badar, deren Leben auf verschiedenste Weise miteinander verknüpft sind. So entsteht ein Gesellschaftsporträt junger Menschen im heutigen Tansania, das viel über das Land, aber noch mehr über Träume, Ängste und Chancen verrät. Gurnah gelingt es, auf knapp 340 Seiten ein fesselndes Familienepos zu erzählen. Durch seine prägnante Sprache und meisterhafte Erzählweise findet man sich mitten in der Handlung wieder, ohne sich auch nur einen Moment zu langweilen. Die Hörbuchfassung wird von Richard Barenberg gelesen, der für seine Interpretation des Textes zu Recht für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert war. Seine reife, ruhige Stimme transportiert perfekt die Atmosphäre des Werkes, sodass man sich beim Hören warm und geborgen fühlt, während man in die Geschichte eintaucht. Großartig! *Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.

4

Über das Ringen mit Vergangenheit und Moderne im postkolonialen Tansania (World-Challenge 12|194, neu 🇹🇿)

Ist ein liebloses Elternhaus für immer prägend? Wie bricht man aus Familienstrukturen aus? Welche Chancen bieten westliche Einflüsse im postkolonialen Afrika? Der Roman „Diebstahl“ setzt sich mit diesen Fragen auseinander, indem wir Karim, Fauzia und Badar in verschiedenen Lebensabschnitten kennenlernen. Wer hier eine klassische Geschichte mit klarem Handlungsbogen und Dramaturgie erwartet, dürfte enttäuscht werden. Vielmehr entwirft Abdulrazak Gurnah detailreich, aber auch mit emotionaler Distanz verschiedene Lebensmodelle der Protagonist:innen: Wie sie ihre Position innerhalb der Familie zu finden versuchen, um Anerkennung und gleichzeitig Abgrenzung ringen und sich mit den Anforderungen der Moderne arrangieren. Gurnah hat einen sehr unaufgeregten Schreibstil. Eine Szene wird mit Hintergrundbeschreibungen und Erklärungen voll ausgestaltet, was auf den ersten Blick irritierend wirkt. Zunehmend entsteht aber eine Sogwirkung, weil wir das Gefühl bekommen, die Charaktere in allen Einzelheiten kennenzulernen. Auch wenn die Protagonist:innen viele Charakterschwächen aufweisen, so wertet Gurnah nicht. Er zeigt Verständnis für die Situationen und präsentiert lieber Handlungen statt Emotionen. Die Deutung des Verhaltens liegt bei uns. (Ab hier: Spoiler) Doch worin besteht der titelgebende „Diebstahl“? Einerseits wird Badar tatsächlich ein Betrug vorgeworfen, der seine Lebenssituation enorm ändert. Doch im Buch klingen zwei weitere Diebstähle an. Da ist einerseits die geraubte Kindheit der Protagonist:innen, denn besonders die Väter sind aufgrund traumatischer Erfahrungen in den Unruhen Tansanias nicht in der Lage, Liebe zu geben. Doch das ist nicht deterministisch: Während Karim darunter leidet und später seiner Frau und seinem Kind die gleiche Lieblosigkeit entgegenbringt, setzt sich Badar darüber hinweg und nimmt sein Leben selbst in die Hand („Ich habe gelernt, das Leben zu ertragen“, S. 323). Der dritte Diebstahl ist der Tourismus, der Tansania zwar neuen wirtschaftlichen Aufschwung gibt, aber gleichzeitig den Kolonialismus fortsetzt: Die Europäer:innen zeigen sich überheblich oder gönnerisch interessiert – besonders deutlich wird das am Verhalten von Geraldine, die in Karim einen spannenden Flirt sieht, obwohl er gerade erst Vater geworden ist. Das fehlende Verständnis für die Lebenssituation zeichnet die Tourist:innen aus, die nur auf exotische Abenteuer aus sind, aber den „westlichen Komfort“ weiter einfordern. Somit ist Diebstahl zwar ein Roman, der wenig Spannungselemente aufweist, aber sehr eindrücklich Ausschnitte aus dem Leben in Tansania zeigt. Man gerät in einen Lesefluss und wundert sich nach über 300 Seiten, dass das Buch schon vorbei ist – gerne hätte ich vor allem Badar und Fauzia noch weiter begleitet.

Über das Ringen mit Vergangenheit und Moderne im postkolonialen Tansania
(World-Challenge 12|194, neu 🇹🇿)

Gurnah erzählt in seiner ruhigen selbstverständlichen Art das Leben von drei jungen Leuten auf Sansibar und in Daressalam. Lesenswert und interessant.

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