Die Stadt der Anderen

Die Stadt der Anderen

Hardback
4.111

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Description

Glitzernde Pools, kunstvolle Skulpturen und imposante Tore: Sehnsüchtig blickt Chilves auf die luxuriösen Wohnanlagen von São Paulo. Sein eigenes Leben könnte nicht weiter davon entfernt sein: Er findet Unterschlupf auf der Praça da Matriz, ein Ort, wo jene zusammenkommen, die keinen Ort mehr haben.

Da ist Jéssica, seine Jéssica, die große Pläne hegt für ihre gemeinsame Zukunft. Da ist der kleine Dido mit seinem Hundewelpen, der Schriftsteller Iraquitan, der sich an der Schönheit seltsamer Worte festhält, oder Farol Baixo, der Lügner. Zwischen behelfsmäßigen Verschlägen und Öltonnen, in einer Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist, entsteht eine unerwartete Gemeinschaft.

Patrícia Melo reißt uns mit in eine schmutzig schillernde Metropole und fragt, was uns als Menschen ausmacht.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
400
Price
26.80 €

Author Description

Patrícia Melo (*1962 in São Paulo) zählt zu den wichtigsten Stimmen der brasilianischen Gegenwartsliteratur. Nach ihrem Studium in São Paulo arbeitete sie beim Fernsehen. In ihrem sozialkritischen Werk, bestehend aus Kriminalromanen, Hörspielen, Theaterstücken und Drehbüchern, beschäftigt sie sich mit der Gewalt und Kriminalität in Brasiliens Großstädten. Melo wurde u. a. mit dem Deutschen Krimipreis und dem LiBeraturpreis ausgezeichnet, die Times kürte sie zur »führenden Schriftstellerin des Millenniums« in Lateinamerika. Sie lebt in Lissabon.

Posts

2
All
4.5

Das war keine einfache Lektüre, was so gar nichts mit der großartigen Erzählweise von Melo zu tun hat, sondern einzig und allein dem Thema geschuldet ist. Melo verwebt die Schicksale mehrerer Personen, die in São Paulo auf der Straße oder in einem besetzten Haus leben, (drohen) Ihr Zuhause zu verlieren und/oder sich als einige Wenige versuchen für diese einzusetzen. Sehr berührend und damit bisweilen auch unbequem wird einem vor Augen geführt, wie schnell man alles verlieren kann, was man als selbstverständlich voraussetzt. Und wie einfach man es sich macht, wenn man einfach weg guckt.

5

Brasilien in Zeiten von Bolsonaro und Covid-19. In der Megacity São Paulo ist die Armut allgegenwärtig. "Die Stadt der Anderen" erzählt kaleidoskopartig von unterschiedlichen Menschen, die auf oder um den zentralen Platz , der Praça de Matriz, leben. Da ist zum Beispiel Dido, kaum jugendlich, der sein erbetteltes Essen mit einem Straßenhund teilt. Glenda, die trans Frau, die sich um die minderjährige, schwangere Jéssica kümmert. Iraquitan, der Schriftsteller, der vor laufenden Kameras für ein Reality-TV-Format gedemütigt wird. Zélia, die auf einem Friedhof schläft und um ihren von der Polizei ermordeten Sohn trauert. Chilves, der davon träumt eine verlassene Luxuswohnanlage zu besetzen. Seno, der Venezolaner, der seine Arbeit verliert und kein Geld hat, um seinen Leistenbruch zu operieren. Patrícia Melo flicht ein Netz aus Geschichten dieser Menschen, die uns beim Lesen besser nicht zu sehr ans Herz wachsen sollten, es sei denn, wir sind bereit es uns brechen zu lassen. Die zentralen Themen des Romans - Armut, Wohnungspolitik, Rassismus und Polizeigewalt - treten drastisch hervor, ohne dass Melo sie aktiv benennen muss. Sie bilden den Rahmen, den Stoff, sind in jede Figur und jedes Schicksal eingewoben. Doch da ist auch Hoffnung, kleine Gesten der (Mit-)Menschlichkeit, die Patrícia Melo uns wie Strohhälme reicht, um beim Lesen nicht in Wut und Verzweiflung zu ertrinken. Tula, die aus einem besetzten Haus ein Zuhause macht und es gegen die Räumung durch die Militärpolizei zu verteidigen versucht, Rita, die Journalistin, die an der Seite der Armen gegen Korruption und Polizeigewalt kämpft, oder Douglas, der die "Religion der kleinen Güte" lebt. "Ein brasilianisches Les Misérables" sagt der Literaturblog "Digestivo Cultural", und aus Berliner Perspektive auch ein bisschen Blick in die Zukunft einer Stadt, in der das Wohnen immer teurer, die Verdrängung immer offensiver und die soziale Kälte immer eisiger werden.

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