Die Merowinger oder Die totale Familie

Die Merowinger oder Die totale Familie

Softcover
2.52
Totalität Der FamilieChilderichHeiratspolitikGroteske

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Description

»La famille c'est moi.«

Childerich von Bartenbruch, der schmächtige, doch zu unglaublichen Wutausbrüchen neigende Majoratsherr in Mittelfranken, hält sich - nicht ganz zu Unrecht - für einen Nachfahren der Merowinger. Gleichzeitig verfolgt er hartnäckig die Realisierung seiner Idee von der totalen Familie. Durch eine ungewöhnliche Heirats- und Adoptionspolitik gelingt es ihm, sein eigener Vater, Großvater, Schwiegervater und Schwiegersohn zu werden...

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
312
Price
15.50 €

Author Description

Als Heimito von Doderer am 5. September 1896 in Weidlingau bei Wien als Sproß einer wohlhabenden Architekten- und Ingenieursfamilie geboren wird, ist noch alles in Ordnung. Der doppelköpfige Adler hat noch viel Platz, seine Schwingen auszubreiten und der alte Kaiser Franz ist Herr über 46 Millionen Untertanen. Als der Fähnrich Ritter von Doderer 1920 jedoch aus sibirischer Gefangenschaft zurückkommt, ist die k.u.k. Herrlichkeit dahin, die Familie hat einen großen Teil ihres Vermögens eingebüßt. Entgegen den Wünschen des Vaters beschließt der Vierundzwanzigjährige Schriftsteller zu werden, nimmt jedoch in Wien ein Geschichts- und Psychologiestudium auf, das er mit der Promotion abschließt. 1938 erscheint der erste Roman: ›Ein Mord den jeder begeht‹. Die Anerkennung als Schriftsteller bleibt ihm versagt – bis 1951, dem Erscheinungsjahr der ›Strudlhofstiege‹. Um sich dem Mammutwerk zu nähern, empfahl Helmut Qualtinger einst folgenden Weg: den »spannenden Krimi« ›Ein Mord den jeder begeht‹(1938) zu Anfang, dann die ›Kurz- und Kürzestgeschichten‹, des weiteren die ›Dämonen‹ und schließlich die ›Strudlhofstiege‹. In der Tat ist die Lebensgeschichte des Conrad Castiletz eine aufregende Erzählung, die in manchem auf das spätere Werk vorausweist: skurriles Personal, geschliffene Sprache, Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten, die mit einer solchen Selbstverständlichkeit erzählt werden, daß selbst das Ungeheuerlichste plausibel erscheint. Auch wenn Doderer erst mit den nach 1951 erschienenen Büchern bekannt wurde, ist das Vorkriegswerk nicht weniger bedeutend. Unter anderem entstanden bis zum zweiten Weltkrieg die beiden Romane ›Ein Umweg‹ (veröffentlicht 1940) und ›Die erleuchteten Fenster oder Die Menschwerdung des Amtsrates Julius Zihal‹. Der Roman ›Die Strudlhofstiege‹, das bedeutendste Werk Doderers, ist für den mittlerweile 55-jährigen der schriftstellerische (und somit finanzielle) Durchbruch, dem offizielle Ehrungen folgen. Die Jugendstiltreppe im IX. Bezirk ist geographischer Mittelpunkt einer Beschreibung der Wiener Gesellschaft zwischen 1910 und 1925. Der souverän gearbeitete Erzählteppich faßt die unterschiedlichsten Lebensstränge in pralle Bilder und köstliche Geschichten zusammen. Mit zum Teil denselben Figuren schrieb Doderer diese österreichische „chronique scandaleuse“ in den fast 1400 Seiten umfassenden ‘Dämonen’ (1956) weiter. Dostojewskij frech herbeizitierend ist der in den späten zwanziger Jahren spielende Roman auch eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Ideologie. In beide Romane sind all die Turbulenzen eingegangen, die Doderer in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat: seine seelischen, sexuellen und politischen. Zu ihnen zählt die spannungsreiche Beziehung zu Gusti Hasterlik, der Kampf gegen den cholerischen Vater, der »barbarische Irrtum«, wie er später sagte, in der NSDAP einen gesellschaftlichen und politischen Ort finden zu können, den er 1940 mit der Konversion zum Katholizismus wettzumachen versucht. All dem wohnt der Wunsch inne, »ein Mensch zu werden«, sich von den inneren und äußeren Fesseln zu befreien, seinem literarischen Generalthema. »Mein Leben: eine Schachtel, in die ich verpackt war, aus der ich mich herausgenommen habe.« So schrieb auch: »Mein eigentliches Werk besteht, allen Ernstes, nicht aus Prosa oder Vers: sondern in der Erkenntnis meiner Dummheit.« Die Heirat 1952 mit Maria Thoma war Ausdruck des nächsten Schritts: sich selbst Form und Ordnung zu geben. Bei ihr im niederbayerischen Landshut lebte er jedoch nur in Abständen, um zu arbeiten, ansonsten blieb er in Wien, der Stadt, die ihm literarischer Rahmen geworden war. Grotesker Familienroman und Totalitarismuskritik in einem ist sein komischstes Werk: ‘Die Merowinger’ von 1962. Krönender Abschluß des Lebenswerks sollte der vierteilige ‘Roman No. 7’ sein. Zu Lebzeiten erschienen ist nur der erste Teil: die Vater-Sohn-Geschichte ‘Die Wasserfälle von Slunj’ (1963), die dem Literarischen Quartett im Doderer-Gedächtnisjahr 1996 eine Empfehlung wert war. Am 23. Dezember 1966 starb er in einem Wiener Krankenhaus an Darmkrebs, Folge

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Schwere Kost aber satirisch wertvoll

Die totale Familie ist ein satirischer Roman von Heimito von Doderer – oder, wie man nach der Lektüre sagen könnte: ein sprachliches Labyrinth, das einem einiges abverlangt. Der Autor entwirft ein absurd-verzweigtes Gesellschaftspanorama rund um die uralte, adlige Familie der Merowinger, die in der Wiener Nachkriegszeit eine Art groteskes Spiegelbild der österreichischen Gesellschaft darstellt. Was sofort auffällt – und was viele Leser vermutlich abschrecken wird – ist der stilistisch sehr eigene Tonfall. Doderers Sprache ist verschachtelt, ironisch, überladen, und man muss beim Lesen wirklich sehr, sehr aufmerksam bleiben. Wer auf der Suche nach einer klaren Handlung ist, wird sich schwer tun – denn hier geht es eher um die Figuren, ihre absurden Verbindungen, und die beißende Satire auf Macht, Stand und Gesellschaft. Trotz (oder gerade wegen) dieser Sprachgewalt hat der Roman seinen Reiz: Er ist ungewöhnlich, fordernd und bitterböse witzig – aber ganz sicher nichts für zwischendurch. Man muss sich einlassen, mitdenken und durchhalten. Wer das tut, wird mit einem einzigartigen Einblick in die österreichische Seele und einem Feuerwerk an literarischer Exzentrik belohnt. Fazit: Ein wirklich gewöhnungsbedürftiger, aber ebenso faszinierender Roman. Sprachlich exzentrisch, inhaltlich satirisch – und definitiv ein Buch, das zum Nachdenken (und Nachschlagen) zwingen.

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