Die Kolonie
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Description
»Dieser Roman ist besser als gut. Sein wunderschön umgesetztes Lamento einer verlorenen Sprache und kultureller Nachhaltigkeit ist von universeller Relevanz.« Canberra Times
»Mein Lieblingsbuch des Jahres.« Nicole Seifert
Ein Londoner Künstler und ein französischer Linguist landen im Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der Künstler ist angereist, um die zerklüfteten Klippen im Atlantik zu malen, der Linguist, um den Niedergang der irischen Sprache zu verfolgen. Jeder der Männer will die unberührte Insel und seine Bewohner für sich allein haben: Der eine, um sie in Ruhe zu malen und endlich ein besonderes Kunstwerk zu schaffen, der andere, um eine Sprache zu retten, die gar nicht die seine ist. Die Spannung zwischen den beiden zieht im Laufe des Sommers Kreise über die gesamte Insel.
Vor dem Hintergrund Nordirlandkonflikts, erzählt der Roman vom harten Leben der Inselbewohner und von ihren Träumen – die sie über die harschen Grenzen ihrer abgeschiedenen Realität hinausführen.
Book Information
Author Description
Audrey Magee ist in Irland geboren und lebt in Wicklow. Ihr Debüt »The Undertaker« war für mehrere Literaturpreise nominiert und unter anderem auf der Shortlist des Women's Prize for Fiction. Der Roman wird aktuell verfilmt. Ihr neuer Roman »Die Kolonie« war auf der Longlist des Booker Prize 2022 und erscheint in 10 Sprachen.
Posts
Eine kleine irische Insel, 1979. Hier leben einige letzte Familienmitglieder einer Fischerfamilie - und hier wird noch irisch gesprochen statt Englisch. Deswegen kommt auch seit einigen Jahren jeden Sommer der französische Linguist Masson als Gast auf die Insel um die aussterbende Sprache zu studieren und zu retten. Doch während im Hintergrund der Nordirlandkonflikt auf dem Festland unzählige zivile Opfer fordert, kommt es 1979 auf der Insel zu einer Begegnung zweier Fremder: denn in diesem Sommer ist nicht nur der französische Linguist sondern erstmalig auch ein englischer Maler auf die Insel gekommen. Beides Vertreter ehemaliger Kolonialmächte, die noch so einiges an kolonialem Selbstverständnis mitbringen und jeweils eigene Vorstellungen haben, was sie von dieser Insel mit nach Hause nehmen werden. Ich bin sprachlich von diesem Buch begeistert (toll übersetzt von Nicole Seifert) aber auch von den Charakteren, der Originalität und der Geschichte und den Informationen über den Nordirlandkonflikt und Kolonialismus. Mindestens alle, die Irland kennen und lieben sollten es gelesen haben, aber ich wünsche diesem klugen Buch noch sehr viel mehr Leser*innen.
Audrey Magees Roman spielt auf einer kleinen irischen Insel im Jahr 1979, mitten im Nordirland-, Konflikt. Ein Künstler und ein Linguistiker besuchen die abgelegene kleine Inselgemeinschaft, der eine um Inspiration zu finden, der andere um die Sprache zu erforschen. Was das mit den Menschen vor Ort macht, ist die grundsätzliche Frage, die das Buch stellt. Die Sprache, in der der Text verfasst ist, entwickelt einen starken literarischen Sog, der ganz wunderbar durch die Geschichte trägt. Gleichzeitig gibt es wenig Handlung, es ist teilweise fast meditativ in den Erzählstimmen. Die Figurenentwicklung, insbesondere bei zwei der Inselbewohner, macht einen weiteren wichtigen Reiz der Geschichte aus. Die Inselbesucher wiederum können wenig Entwicklung vorweisen, dafür bekommen wir aber gute Einblicke in deren moralisch fragwürdige Denkweisen. Alle anderen Figuren bleiben in ihrer Darstellung sehr an der Oberfläche, für mein Empfinden. Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn ich mir für einige der Charaktere mehr Aufmerksamkeit gewünscht hätte, hier wäre Potential gewesen, an einigen Stellen noch mehr draus zu machen. Insgesamt eine empfehlenswerte, kluge Lektüre, in leisen Tönen erzählt, die trotzdem nachhallen.
Eine Enttäuschung
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euch etwas Leckeres zu essen kauft, das nicht nur appetitlich aussieht, sondern auch aus scheinbar hochwertigen Zutaten besteht, und dennoch enttäuscht der Geschmack? Tja, genau so ging es mir mit diesem Buch. Beispiele aus dem Buch: 1. Wortfetzen, die untereinander aufgelistet sind – vermutlich, um der Geschichte eine besondere Bedeutung zu verleihen. Für mich erschienen sie jedoch sinnlos und völlig deplatziert. 2. Zwischendurch wird die Erzählung durch Nachrichtenauszüge über Terroranschläge und die Anzahl der Toten in Irland unterbrochen – vermutlich, um Schock und Mitgefühl beim Leser auszulösen. Bei mir bewirkten sie jedoch nichts, störten den Lesefluss und trugen leider nichts zur Geschichte bei. Aber vielleicht bin ich auch ein Stein. 3. Aneinanderreihung von Gedankengängen wie: Selbstporträt I: fallend, Selbstporträt II: ertrinkend, Selbstporträt III: entschwindend – vermutlich, um der Geschichte einen besonderen Sinn zu geben und sich von anderen Erzählungen abzuheben. Bei mir stellte sich nur die Frage: Was soll das? Zusammengefasst war die Geschichte für mich eine Enttäuschung. Ich habe mich von den zahlreichen Lobeshymnen aus dem englischsprachigen Raum dazu verleiten lassen, dieses Buch zu kaufen. Leider konnte es mich überhaupt nicht überzeugen. Die Sprache empfand ich als zu bemüht (siehe Beispiele oben). Die Figuren wirkten klischeehaft und oberflächlich. Und am Ende kam der Kern der Geschichte, der laut Buchrücken eine Parabel auf den Kolonialismus sein soll, für mich nicht genug zur Geltung. Stattdessen schien die Kunst im Vordergrund zu stehen. Schade!
Die Kolonie von Audrey Magee Aus dem Englischen von Nicole Seifert „Die irische Sprache stirbt, aber sie ist noch nicht tot. […] Es ist ein langsamer Tod, er zieht sich über Jahrhunderte, in denen die Sprechenden das Irische zugunsten des Englischen aufgeben.“ Ein mässig erfolgreicher englischer Maler und ein ehrgeiziger französischer Linguist verbringen den Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der eine benutzt die Inselbevölkerung als Modelle für seine Bilder, obwohl die Einheimischen dies nicht möchten. Der andere erhofft sich mit seinen Studien einen Doktortitel und eine Professur und würde die Bewohner am liebsten auf der Insel einsperren und ihnen verbieten, Englisch zu sprechen, um das Irische vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl sich die beiden Männer als Konkurrenten betrachten und einander nicht ausstehen können, ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Insulaner missachten und sie für ihre Zwecke missbrauchen. Die daraus entstehenden Spannungen und die Reaktionen der Inselfamilie, bei der die beiden zu Gast sind, schildert die Autorin sprachlich ganz wunderbar und mit einem feinen Gespür für Zwischenmenschliches. Neben dem Machtgehabe der beiden Männer beschreibt Audrey Magee in diesem atmosphärischen, klugen Buch auch das Leben auf der kargen Insel sehr eindrücklich. Da ist einerseits die junge Witwe Mairéad, die sich vordergründig an die Sitten der Insel hält, jedoch einen eigenen Weg findet, mit den beiden Eindringlingen umzugehen. Ihre Mutter, Bean Uí Néill, die den Fremden misstrauisch gegenübersteht, und deren Mutter, Bean Uí Fhloinn, „die letzte rein irische Muttersprachlerin, die letzte Frau, die so lebt. mit dem Tuch um die Schultern, der Tonpfeife, den gestrickten Socken.“ Und dann James, Mairéads 16-jähriger Sohn, der den Maler umschwärmt wie eine Motte das Licht. Der Englisch sprechen möchte und nicht Fischer werden wie sein Vater, sein Grossvater, sein Onkel. Ein leises, unaufdringliches und doch unglaublich starkes Buch mit einem liebevollen, manchmal auch ironischen Blick auf seine Protagonisten. Über die Arbeit des Linguisten erfährt man viel über die Kolonisierung und Unterdrückung der Iren durch die Engländer und die perfiden Mechanismen, mit denen die katholische, irisch sprechende Bevölkerung drangsaliert und zur Aufgabe ihrer Kultur gedrängt wurde. Die immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel über die Opfer des Nordirlandkonflikts verleihen dem Roman zusätzlich historische Tiefe. Eine traurige, leider universelle Geschichte, wie sie auch in anderen gälisch sprechenden Gebieten der britischen Inseln stattfand und überall auf der Welt, wo kolonisierende Staaten die einheimische Bevölkerung unterwarfen, ausbeuteten oder vertrieben. Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen – einerseits, weil es stilistisch und inhaltlich in meinen Augen ein richtig gutes Buch ist, andererseits weil mich die kleinen irischen und schottischen Inseln geradezu magisch anziehen. „Die Kolonie“ hat mich sehr bereichert und restlos begeistert. Ganz grosse Empfehlung für alle, die ruhige, anspruchsvolle und gehaltvolle Literatur mögen.
Die Kolonie von Audrey Magee Aus dem Englischen von Nicole Seifert „Die irische Sprache stirbt, aber sie ist noch nicht tot. […] Es ist ein langsamer Tod, er zieht sich über Jahrhunderte, in denen die Sprechenden das Irische zugunsten des Englischen aufgeben.“ Ein mässig erfolgreicher englischer Maler und ein ehrgeiziger französischer Linguist verbringen den Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der eine benutzt die Inselbevölkerung als Modelle für seine Bilder, obwohl die Einheimischen dies nicht möchten. Der andere erhofft sich mit seinen Studien einen Doktortitel und eine Professur und würde die Bewohner am liebsten auf der Insel einsperren und ihnen verbieten, Englisch zu sprechen, um das Irische vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl sich die beiden Männer als Konkurrenten betrachten und einander nicht ausstehen können, ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Insulaner missachten und sie für ihre Zwecke missbrauchen. Die daraus entstehenden Spannungen und die Reaktionen der Inselfamilie, bei der die beiden zu Gast sind, schildert die Autorin sprachlich ganz wunderbar und mit einem feinen Gespür für Zwischenmenschliches. Neben dem Machtgehabe der beiden Männer beschreibt Audrey Magee in diesem atmosphärischen, klugen Buch auch das Leben auf der kargen Insel sehr eindrücklich. Da ist einerseits die junge Witwe Mairéad, die sich vordergründig an die Sitten der Insel hält, jedoch einen eigenen Weg findet, mit den beiden Eindringlingen umzugehen. Ihre Mutter, Bean Uí Néill, die den Fremden misstrauisch gegenübersteht, und deren Mutter, Bean Uí Fhloinn, „die letzte rein irische Muttersprachlerin, die letzte Frau, die so lebt. mit dem Tuch um die Schultern, der Tonpfeife, den gestrickten Socken.“ Und dann James, Mairéads 16-jähriger Sohn, der den Maler umschwärmt wie eine Motte das Licht. Der Englisch sprechen möchte und nicht Fischer werden wie sein Vater, sein Grossvater, sein Onkel. Ein leises, unaufdringliches und doch unglaublich starkes Buch mit einem liebevollen, manchmal auch ironischen Blick auf seine Protagonisten. Über die Arbeit des Linguisten erfährt man viel über die Kolonisierung und Unterdrückung der Iren durch die Engländer und die perfiden Mechanismen, mit denen die katholische, irisch sprechende Bevölkerung drangsaliert und zur Aufgabe ihrer Kultur gedrängt wurde. Die immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel über die Opfer des Nordirlandkonflikts verleihen dem Roman zusätzlich historische Tiefe. Eine traurige, leider universelle Geschichte, wie sie auch in anderen gälisch sprechenden Gebieten der britischen Inseln stattfand und überall auf der Welt, wo kolonisierende Staaten die einheimische Bevölkerung unterwarfen, ausbeuteten oder vertrieben. Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen – einerseits, weil es stilistisch und inhaltlich in meinen Augen ein richtig gutes Buch ist, andererseits weil mich die kleinen irischen und schottischen Inseln geradezu magisch anziehen. „Die Kolonie“ hat mich sehr bereichert und restlos begeistert. Ganz grosse Empfehlung für alle, die ruhige, anspruchsvolle und gehaltvolle Literatur mögen.
Die Kolonie von Audrey Magee Aus dem Englischen von Nicole Seifert „Die irische Sprache stirbt, aber sie ist noch nicht tot. […] Es ist ein langsamer Tod, er zieht sich über Jahrhunderte, in denen die Sprechenden das Irische zugunsten des Englischen aufgeben.“ Ein mässig erfolgreicher englischer Maler und ein ehrgeiziger französischer Linguist verbringen den Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der eine benutzt die Inselbevölkerung als Modelle für seine Bilder, obwohl die Einheimischen dies nicht möchten. Der andere erhofft sich mit seinen Studien einen Doktortitel und eine Professur und würde die Bewohner am liebsten auf der Insel einsperren und ihnen verbieten, Englisch zu sprechen, um das Irische vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl sich die beiden Männer als Konkurrenten betrachten und einander nicht ausstehen können, ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Insulaner missachten und sie für ihre Zwecke missbrauchen. Die daraus entstehenden Spannungen und die Reaktionen der Inselfamilie, bei der die beiden zu Gast sind, schildert die Autorin sprachlich ganz wunderbar und mit einem feinen Gespür für Zwischenmenschliches. Neben dem Machtgehabe der beiden Männer beschreibt Audrey Magee in diesem atmosphärischen, klugen Buch auch das Leben auf der kargen Insel sehr eindrücklich. Da ist einerseits die junge Witwe Mairéad, die sich vordergründig an die Sitten der Insel hält, jedoch einen eigenen Weg findet, mit den beiden Eindringlingen umzugehen. Ihre Mutter, Bean Uí Néill, die den Fremden misstrauisch gegenübersteht, und deren Mutter, Bean Uí Fhloinn, „die letzte rein irische Muttersprachlerin, die letzte Frau, die so lebt. mit dem Tuch um die Schultern, der Tonpfeife, den gestrickten Socken.“ Und dann James, Mairéads 16-jähriger Sohn, der den Maler umschwärmt wie eine Motte das Licht. Der Englisch sprechen möchte und nicht Fischer werden wie sein Vater, sein Grossvater, sein Onkel. Ein leises, unaufdringliches und doch unglaublich starkes Buch mit einem liebevollen, manchmal auch ironischen Blick auf seine Protagonisten. Über die Arbeit des Linguisten erfährt man viel über die Kolonisierung und Unterdrückung der Iren durch die Engländer und die perfiden Mechanismen, mit denen die katholische, irisch sprechende Bevölkerung drangsaliert und zur Aufgabe ihrer Kultur gedrängt wurde. Die immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel über die Opfer des Nordirlandkonflikts verleihen dem Roman zusätzlich historische Tiefe. Eine traurige, leider universelle Geschichte, wie sie auch in anderen gälisch sprechenden Gebieten der britischen Inseln stattfand und überall auf der Welt, wo kolonisierende Staaten die einheimische Bevölkerung unterwarfen, ausbeuteten oder vertrieben. Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen – einerseits, weil es stilistisch und inhaltlich in meinen Augen ein richtig gutes Buch ist, andererseits weil mich die kleinen irischen und schottischen Inseln geradezu magisch anziehen. „Die Kolonie“ hat mich sehr bereichert und restlos begeistert. Ganz grosse Empfehlung für alle, die ruhige, anspruchsvolle und gehaltvolle Literatur mögen.
Description
»Dieser Roman ist besser als gut. Sein wunderschön umgesetztes Lamento einer verlorenen Sprache und kultureller Nachhaltigkeit ist von universeller Relevanz.« Canberra Times
»Mein Lieblingsbuch des Jahres.« Nicole Seifert
Ein Londoner Künstler und ein französischer Linguist landen im Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der Künstler ist angereist, um die zerklüfteten Klippen im Atlantik zu malen, der Linguist, um den Niedergang der irischen Sprache zu verfolgen. Jeder der Männer will die unberührte Insel und seine Bewohner für sich allein haben: Der eine, um sie in Ruhe zu malen und endlich ein besonderes Kunstwerk zu schaffen, der andere, um eine Sprache zu retten, die gar nicht die seine ist. Die Spannung zwischen den beiden zieht im Laufe des Sommers Kreise über die gesamte Insel.
Vor dem Hintergrund Nordirlandkonflikts, erzählt der Roman vom harten Leben der Inselbewohner und von ihren Träumen – die sie über die harschen Grenzen ihrer abgeschiedenen Realität hinausführen.
Book Information
Author Description
Audrey Magee ist in Irland geboren und lebt in Wicklow. Ihr Debüt »The Undertaker« war für mehrere Literaturpreise nominiert und unter anderem auf der Shortlist des Women's Prize for Fiction. Der Roman wird aktuell verfilmt. Ihr neuer Roman »Die Kolonie« war auf der Longlist des Booker Prize 2022 und erscheint in 10 Sprachen.
Posts
Eine kleine irische Insel, 1979. Hier leben einige letzte Familienmitglieder einer Fischerfamilie - und hier wird noch irisch gesprochen statt Englisch. Deswegen kommt auch seit einigen Jahren jeden Sommer der französische Linguist Masson als Gast auf die Insel um die aussterbende Sprache zu studieren und zu retten. Doch während im Hintergrund der Nordirlandkonflikt auf dem Festland unzählige zivile Opfer fordert, kommt es 1979 auf der Insel zu einer Begegnung zweier Fremder: denn in diesem Sommer ist nicht nur der französische Linguist sondern erstmalig auch ein englischer Maler auf die Insel gekommen. Beides Vertreter ehemaliger Kolonialmächte, die noch so einiges an kolonialem Selbstverständnis mitbringen und jeweils eigene Vorstellungen haben, was sie von dieser Insel mit nach Hause nehmen werden. Ich bin sprachlich von diesem Buch begeistert (toll übersetzt von Nicole Seifert) aber auch von den Charakteren, der Originalität und der Geschichte und den Informationen über den Nordirlandkonflikt und Kolonialismus. Mindestens alle, die Irland kennen und lieben sollten es gelesen haben, aber ich wünsche diesem klugen Buch noch sehr viel mehr Leser*innen.
Audrey Magees Roman spielt auf einer kleinen irischen Insel im Jahr 1979, mitten im Nordirland-, Konflikt. Ein Künstler und ein Linguistiker besuchen die abgelegene kleine Inselgemeinschaft, der eine um Inspiration zu finden, der andere um die Sprache zu erforschen. Was das mit den Menschen vor Ort macht, ist die grundsätzliche Frage, die das Buch stellt. Die Sprache, in der der Text verfasst ist, entwickelt einen starken literarischen Sog, der ganz wunderbar durch die Geschichte trägt. Gleichzeitig gibt es wenig Handlung, es ist teilweise fast meditativ in den Erzählstimmen. Die Figurenentwicklung, insbesondere bei zwei der Inselbewohner, macht einen weiteren wichtigen Reiz der Geschichte aus. Die Inselbesucher wiederum können wenig Entwicklung vorweisen, dafür bekommen wir aber gute Einblicke in deren moralisch fragwürdige Denkweisen. Alle anderen Figuren bleiben in ihrer Darstellung sehr an der Oberfläche, für mein Empfinden. Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn ich mir für einige der Charaktere mehr Aufmerksamkeit gewünscht hätte, hier wäre Potential gewesen, an einigen Stellen noch mehr draus zu machen. Insgesamt eine empfehlenswerte, kluge Lektüre, in leisen Tönen erzählt, die trotzdem nachhallen.
Eine Enttäuschung
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euch etwas Leckeres zu essen kauft, das nicht nur appetitlich aussieht, sondern auch aus scheinbar hochwertigen Zutaten besteht, und dennoch enttäuscht der Geschmack? Tja, genau so ging es mir mit diesem Buch. Beispiele aus dem Buch: 1. Wortfetzen, die untereinander aufgelistet sind – vermutlich, um der Geschichte eine besondere Bedeutung zu verleihen. Für mich erschienen sie jedoch sinnlos und völlig deplatziert. 2. Zwischendurch wird die Erzählung durch Nachrichtenauszüge über Terroranschläge und die Anzahl der Toten in Irland unterbrochen – vermutlich, um Schock und Mitgefühl beim Leser auszulösen. Bei mir bewirkten sie jedoch nichts, störten den Lesefluss und trugen leider nichts zur Geschichte bei. Aber vielleicht bin ich auch ein Stein. 3. Aneinanderreihung von Gedankengängen wie: Selbstporträt I: fallend, Selbstporträt II: ertrinkend, Selbstporträt III: entschwindend – vermutlich, um der Geschichte einen besonderen Sinn zu geben und sich von anderen Erzählungen abzuheben. Bei mir stellte sich nur die Frage: Was soll das? Zusammengefasst war die Geschichte für mich eine Enttäuschung. Ich habe mich von den zahlreichen Lobeshymnen aus dem englischsprachigen Raum dazu verleiten lassen, dieses Buch zu kaufen. Leider konnte es mich überhaupt nicht überzeugen. Die Sprache empfand ich als zu bemüht (siehe Beispiele oben). Die Figuren wirkten klischeehaft und oberflächlich. Und am Ende kam der Kern der Geschichte, der laut Buchrücken eine Parabel auf den Kolonialismus sein soll, für mich nicht genug zur Geltung. Stattdessen schien die Kunst im Vordergrund zu stehen. Schade!
Die Kolonie von Audrey Magee Aus dem Englischen von Nicole Seifert „Die irische Sprache stirbt, aber sie ist noch nicht tot. […] Es ist ein langsamer Tod, er zieht sich über Jahrhunderte, in denen die Sprechenden das Irische zugunsten des Englischen aufgeben.“ Ein mässig erfolgreicher englischer Maler und ein ehrgeiziger französischer Linguist verbringen den Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der eine benutzt die Inselbevölkerung als Modelle für seine Bilder, obwohl die Einheimischen dies nicht möchten. Der andere erhofft sich mit seinen Studien einen Doktortitel und eine Professur und würde die Bewohner am liebsten auf der Insel einsperren und ihnen verbieten, Englisch zu sprechen, um das Irische vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl sich die beiden Männer als Konkurrenten betrachten und einander nicht ausstehen können, ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Insulaner missachten und sie für ihre Zwecke missbrauchen. Die daraus entstehenden Spannungen und die Reaktionen der Inselfamilie, bei der die beiden zu Gast sind, schildert die Autorin sprachlich ganz wunderbar und mit einem feinen Gespür für Zwischenmenschliches. Neben dem Machtgehabe der beiden Männer beschreibt Audrey Magee in diesem atmosphärischen, klugen Buch auch das Leben auf der kargen Insel sehr eindrücklich. Da ist einerseits die junge Witwe Mairéad, die sich vordergründig an die Sitten der Insel hält, jedoch einen eigenen Weg findet, mit den beiden Eindringlingen umzugehen. Ihre Mutter, Bean Uí Néill, die den Fremden misstrauisch gegenübersteht, und deren Mutter, Bean Uí Fhloinn, „die letzte rein irische Muttersprachlerin, die letzte Frau, die so lebt. mit dem Tuch um die Schultern, der Tonpfeife, den gestrickten Socken.“ Und dann James, Mairéads 16-jähriger Sohn, der den Maler umschwärmt wie eine Motte das Licht. Der Englisch sprechen möchte und nicht Fischer werden wie sein Vater, sein Grossvater, sein Onkel. Ein leises, unaufdringliches und doch unglaublich starkes Buch mit einem liebevollen, manchmal auch ironischen Blick auf seine Protagonisten. Über die Arbeit des Linguisten erfährt man viel über die Kolonisierung und Unterdrückung der Iren durch die Engländer und die perfiden Mechanismen, mit denen die katholische, irisch sprechende Bevölkerung drangsaliert und zur Aufgabe ihrer Kultur gedrängt wurde. Die immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel über die Opfer des Nordirlandkonflikts verleihen dem Roman zusätzlich historische Tiefe. Eine traurige, leider universelle Geschichte, wie sie auch in anderen gälisch sprechenden Gebieten der britischen Inseln stattfand und überall auf der Welt, wo kolonisierende Staaten die einheimische Bevölkerung unterwarfen, ausbeuteten oder vertrieben. Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen – einerseits, weil es stilistisch und inhaltlich in meinen Augen ein richtig gutes Buch ist, andererseits weil mich die kleinen irischen und schottischen Inseln geradezu magisch anziehen. „Die Kolonie“ hat mich sehr bereichert und restlos begeistert. Ganz grosse Empfehlung für alle, die ruhige, anspruchsvolle und gehaltvolle Literatur mögen.
Die Kolonie von Audrey Magee Aus dem Englischen von Nicole Seifert „Die irische Sprache stirbt, aber sie ist noch nicht tot. […] Es ist ein langsamer Tod, er zieht sich über Jahrhunderte, in denen die Sprechenden das Irische zugunsten des Englischen aufgeben.“ Ein mässig erfolgreicher englischer Maler und ein ehrgeiziger französischer Linguist verbringen den Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der eine benutzt die Inselbevölkerung als Modelle für seine Bilder, obwohl die Einheimischen dies nicht möchten. Der andere erhofft sich mit seinen Studien einen Doktortitel und eine Professur und würde die Bewohner am liebsten auf der Insel einsperren und ihnen verbieten, Englisch zu sprechen, um das Irische vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl sich die beiden Männer als Konkurrenten betrachten und einander nicht ausstehen können, ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Insulaner missachten und sie für ihre Zwecke missbrauchen. Die daraus entstehenden Spannungen und die Reaktionen der Inselfamilie, bei der die beiden zu Gast sind, schildert die Autorin sprachlich ganz wunderbar und mit einem feinen Gespür für Zwischenmenschliches. Neben dem Machtgehabe der beiden Männer beschreibt Audrey Magee in diesem atmosphärischen, klugen Buch auch das Leben auf der kargen Insel sehr eindrücklich. Da ist einerseits die junge Witwe Mairéad, die sich vordergründig an die Sitten der Insel hält, jedoch einen eigenen Weg findet, mit den beiden Eindringlingen umzugehen. Ihre Mutter, Bean Uí Néill, die den Fremden misstrauisch gegenübersteht, und deren Mutter, Bean Uí Fhloinn, „die letzte rein irische Muttersprachlerin, die letzte Frau, die so lebt. mit dem Tuch um die Schultern, der Tonpfeife, den gestrickten Socken.“ Und dann James, Mairéads 16-jähriger Sohn, der den Maler umschwärmt wie eine Motte das Licht. Der Englisch sprechen möchte und nicht Fischer werden wie sein Vater, sein Grossvater, sein Onkel. Ein leises, unaufdringliches und doch unglaublich starkes Buch mit einem liebevollen, manchmal auch ironischen Blick auf seine Protagonisten. Über die Arbeit des Linguisten erfährt man viel über die Kolonisierung und Unterdrückung der Iren durch die Engländer und die perfiden Mechanismen, mit denen die katholische, irisch sprechende Bevölkerung drangsaliert und zur Aufgabe ihrer Kultur gedrängt wurde. Die immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel über die Opfer des Nordirlandkonflikts verleihen dem Roman zusätzlich historische Tiefe. Eine traurige, leider universelle Geschichte, wie sie auch in anderen gälisch sprechenden Gebieten der britischen Inseln stattfand und überall auf der Welt, wo kolonisierende Staaten die einheimische Bevölkerung unterwarfen, ausbeuteten oder vertrieben. Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen – einerseits, weil es stilistisch und inhaltlich in meinen Augen ein richtig gutes Buch ist, andererseits weil mich die kleinen irischen und schottischen Inseln geradezu magisch anziehen. „Die Kolonie“ hat mich sehr bereichert und restlos begeistert. Ganz grosse Empfehlung für alle, die ruhige, anspruchsvolle und gehaltvolle Literatur mögen.
Die Kolonie von Audrey Magee Aus dem Englischen von Nicole Seifert „Die irische Sprache stirbt, aber sie ist noch nicht tot. […] Es ist ein langsamer Tod, er zieht sich über Jahrhunderte, in denen die Sprechenden das Irische zugunsten des Englischen aufgeben.“ Ein mässig erfolgreicher englischer Maler und ein ehrgeiziger französischer Linguist verbringen den Sommer 1979 auf einer abgelegenen irischen Insel. Der eine benutzt die Inselbevölkerung als Modelle für seine Bilder, obwohl die Einheimischen dies nicht möchten. Der andere erhofft sich mit seinen Studien einen Doktortitel und eine Professur und würde die Bewohner am liebsten auf der Insel einsperren und ihnen verbieten, Englisch zu sprechen, um das Irische vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl sich die beiden Männer als Konkurrenten betrachten und einander nicht ausstehen können, ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Insulaner missachten und sie für ihre Zwecke missbrauchen. Die daraus entstehenden Spannungen und die Reaktionen der Inselfamilie, bei der die beiden zu Gast sind, schildert die Autorin sprachlich ganz wunderbar und mit einem feinen Gespür für Zwischenmenschliches. Neben dem Machtgehabe der beiden Männer beschreibt Audrey Magee in diesem atmosphärischen, klugen Buch auch das Leben auf der kargen Insel sehr eindrücklich. Da ist einerseits die junge Witwe Mairéad, die sich vordergründig an die Sitten der Insel hält, jedoch einen eigenen Weg findet, mit den beiden Eindringlingen umzugehen. Ihre Mutter, Bean Uí Néill, die den Fremden misstrauisch gegenübersteht, und deren Mutter, Bean Uí Fhloinn, „die letzte rein irische Muttersprachlerin, die letzte Frau, die so lebt. mit dem Tuch um die Schultern, der Tonpfeife, den gestrickten Socken.“ Und dann James, Mairéads 16-jähriger Sohn, der den Maler umschwärmt wie eine Motte das Licht. Der Englisch sprechen möchte und nicht Fischer werden wie sein Vater, sein Grossvater, sein Onkel. Ein leises, unaufdringliches und doch unglaublich starkes Buch mit einem liebevollen, manchmal auch ironischen Blick auf seine Protagonisten. Über die Arbeit des Linguisten erfährt man viel über die Kolonisierung und Unterdrückung der Iren durch die Engländer und die perfiden Mechanismen, mit denen die katholische, irisch sprechende Bevölkerung drangsaliert und zur Aufgabe ihrer Kultur gedrängt wurde. Die immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel über die Opfer des Nordirlandkonflikts verleihen dem Roman zusätzlich historische Tiefe. Eine traurige, leider universelle Geschichte, wie sie auch in anderen gälisch sprechenden Gebieten der britischen Inseln stattfand und überall auf der Welt, wo kolonisierende Staaten die einheimische Bevölkerung unterwarfen, ausbeuteten oder vertrieben. Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen – einerseits, weil es stilistisch und inhaltlich in meinen Augen ein richtig gutes Buch ist, andererseits weil mich die kleinen irischen und schottischen Inseln geradezu magisch anziehen. „Die Kolonie“ hat mich sehr bereichert und restlos begeistert. Ganz grosse Empfehlung für alle, die ruhige, anspruchsvolle und gehaltvolle Literatur mögen.








