Die Geheimnisse meiner Mutter

Die Geheimnisse meiner Mutter

Hardback
4.018
FrauenromanGeheimnisvollIdentitätFreundschaft

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Description

Mit vierzehn bringt Rose ihre Mutter um – allerdings nur in den Geschichten, die sie ihren Mitschülern erzählt. Das ist leichter zu ertragen, als zuzugeben, dass ihre Mutter Elise einfach verschwunden ist, als Rose noch ein Baby war, und dass sie keine Ahnung hat, wohin, und vor allem – warum. Als Rose erwachsen ist, erfährt sie, dass die Schriftstellerin Constance Holden, einst eine gefeierte Bestsellerautorin, die dann aber plötzlich mit dem Schreiben aufgehört hat, damals die Letzte war, zu der Roses Mutter vor ihrem Verschwinden Kontakt hatte. Und mehr als das – Elise und Constance waren ein Liebespaar. Rose nimmt Kontakt zu Constance auf, um endlich zu erfahren, was mit ihrer Mutter geschehen ist …


Wie soll man seine Zukunft finden, wenn man seine Vergangenheit nicht kennt? Jessie Burtons fulminanter neuer Roman erzählt von den Geheimnissen und Geschichten, die uns prägen, von Mutterschaft und Freundschaft und davon, sich selbst zu verlieren – und wiederzufinden.

Book Information

Main Genre
Romance
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
585
Price
22.70 €

Author Description

Jessie Burton, 1982 in London geboren, hat Englisch und Spanisch in Oxford sowie Schauspiel an der Central School of Speech and Drama studiert. Ihr erster Roman Die Magie der kleinen Dinge (2014) wurde mehrfach ausgezeichnet, derzeit wird er von BBC One fürs Fernsehen verfilmt. 2016 erschien ihr neuer Roman Das Geheimnis der Muse. Ihre Bücher wurden in 38 Sprachen übersetzt und sind internationale Bestseller. Jessie Burton lebt in London.

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Als ich das Cover von „Die Geheimnisse meiner Mutter“ gesehen habe, war ich sofort schockverliebt und wollte das Buch unbedingt lesen. Schon nach wenigen Seiten merkte ich, dass der Roman genauso herausragend ist, wie sein Titelbild. Jessie Burton spinnt ein wortgewandtes und bildgewaltiges Porträt dreier Frauen. In den 80er Jahren trifft Elise auf die einige Jahre ältere Constance und verliebt sich in sie. Während Conny mit beiden Beinen im Leben steht und als Schriftstellerin erfolgreich ist, ist Elise noch völlig ohne Perspektiven. Zunehmend leidet sie an der Tatsache, dass sie sich nur treiben lässt. 35 Jahre später ist Elises Tochter Rose in einer ähnlichen Situation. Weder ihr berufliches noch ihr privates Leben erfüllen sie. Bis heute hat sie mit dem spurlosen Verschwinden ihrer Mutter zu kämpfen. Als sie von Elises Verbindung zu Constance Holden erfährt, sucht sie unter einem Vorwand Kontakt zu der Schriftstellerin. Die Autorin benötigt kein übertriebenes Drama oder schockierende Details um ihre Geschichte fesselnd zu gestalten. Sie erzählt ein ehrliches Porträt über das Streben nach Erfüllung, Glück und Selbstfindung. Die Handlung wirkt nie konstruiert sondern zu jeder Zeit lebensnah und realistisch. Am Ende können nicht alle Details über Elises Verschwinden geklärt werden aber genauso passt es zu diesem Roman, denn im Leben bekommt man nicht auf jede Frage eine Antwort. Jessie Burton hat ein großes sprachliches Talent, dass mich knapp 600 Seiten lang begeistert hat. Im letzten Absatz wächst sie ein weiteres Mal über sich hinaus und schließt mit fast schon poetischen Worten, die mich tief berührten. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte Jessie Burton applaudiert. „Die Geheimnisse meiner Mutter“ ist für mich ein Buch von herausragender Qualität und hat einen Platz auf meiner Liste der Jahreshighlights sicher.

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Dass ich diesen Roman so gut finden würde, wie ich ihn letztendlich dann doch fand, hätte ich vorher nicht erwartet. Die Story klang für mich elitär, anstrengend, leicht esoterisch: Eine junge Frau sucht ihre Mutter, die sie als Baby weggegeben hat, und findet dadurch sich selbst. Erfreulicherweise ist die Geschichte aber überhaupt nicht dröge oder mit erhobenem Zeigefinger verfasst. Natürlich, es geht um weibliche Selbstbestimmung, um die Suche nach Identität - keine neues Motiv in der Belletristik. Wieder eine Protagonistin (Rose) in der "Rushhour des Lebens" (sie ist 34), die sich entscheiden muss: ist er (Joe) der Richtige, will sie mit ihm sesshaft werden, eine Familie gründen? Oder ist die Suche nach ihrer Mutter (Elise) und damit nach ihren Wurzeln der jungen Frau wichtiger? Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. In der Vergangenheitshandlung lernen wir die Perspektive der Mutter kennen. Die Jahre 1980-83, in denen Elise die 16 Jahre ältere Schriftstellerin Constance (Connie) kennen und lieben lernt und mit ihr für einige Zeit nach Los Angeles geht, wo eines von Constances Büchern für Hollywood verfilmt wird. Im London der Jahre 2017/2018 ist die junge Rose auf der Suche nach Spuren ihrer Mutter. Ihr Vater gibt ihr den Hinweis, dass Elise mit einer Schriftstellerin namens Constance zusammen war. Die Geschehnisse nehmen ihren Lauf. Beide Geschichte sind etwa gleichwertig erzählt - keiner wird gegenüber der anderen den Vorzug gegeben. Der Unterschied ist aber, dass Rose aus der Ich-Pespektive erzählt, während in der Vergangenheit eine personale Erzählinstanz im Spiel ist. Obwohl die Probleme der beiden Protagonistinnen gewissermaßen zeitlos sind, ist der Gegenwartstext am Puls der Zeit. Die aktuellen Möglichkeiten der Selbstverwirklichung - z.B. durch Social Media oder Foodtrucks, werden angesprochen. Trotz der eher ernsten Grundthematik Identitätssuche und schweren Plot-Elementen wie Gewalt, Krankheit, Verlust, etc., liest sich das Buch erstaunlich leicht. Dazu trägt unter anderem der immer wieder aufblitzende Humor in der Erzählstimme bei. Ob der Vergleich der Familie von Roses Freund mit einem hoch emotionalen Theaterstück von Tennessee Williams oder Roses Flunkereien zu ihrer wahren Identität, ihr Schlagabtausch mit Connie bzw. ihre Betrachtungen ganz allgemein, etc., man merkt dass das traditionell britische Erzählen hier im Hintergrund lauert. Ich bin immer entzückt, wenn ich in scheinbar rein ernsten Büchern mit einer gewissen Nonchalance oder sogar mit Witz überrascht werde. Jessie Burton erzählt sehr bildgewaltig, mit vielen Metaphern und Vergleichen, die zur Plastizität des Romans beitragen. Viele Sentenzen, die sie in ihre Prosa einstreut, habe ich mir aufgrund ihrer Allgemeingültigkeit angestrichen und, um sie nicht zu vergessen. Zum Schluss hin aber verliert die Geschichte leider etwas von ihrer Strahlkraft, die vor allem in der Dynamik zwischen Connie und Rose aufscheint. Die Erzählung zerfranst gewissermaßen, die Figuren verlieren an Kontur, einige ihrer Entscheidungen und Handlungen sind nicht mehr wirklich nachvollziehbar. So hat mich das Ende dann auch etwas traurig und unbefriedigt zurückgelassen. Deshalb nur 4 von 5 Sternen.

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