Die Fremde
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Description
Book Information
Author Description
Claudia Durastanti, 1984 in Brooklyn geboren, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie gehört zu den Gründer:innen des Italian Festival of Literature in London, schreibt für »La Repubblica« und lebt in Rom. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. »Die Fremde« (Zsolnay 2021) war auf der Shortlist für den Premio Strega und wurde in viele Sprachen übersetzt.
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Entfernung von daheim
Es gibt kein Zurück. Die Nachfahren bleiben in der Ferne, suchen dort ihren Platz. Claudia Durastanti ist in Brooklyn geboren, dort und in der Basilicata aufgewachsen und lebt in London. Von ihren gehörlosen Eltern konnte sie Italienisch nicht lernen und doch ist es die Sprache, die sie gewählt hat, um «la straniera (die Fremde)» zu schreiben. Ihre eigene Geschichte, die Geschichte eines Menschen, der überall fremd ist, sogar in der Welt ihrer eigenen Eltern. Es gibt Textpassagen, die wie einen Schlag in die Magengegend wirken: «Wir sterben und vielleicht wird auf unserem Grabstein der Name des Menschen stehen, den wir geliebt haben, der Beruf, den wir hatten, ein Satz aus einem Buch, das wir viele Mal gelesen haben. Was nicht auf unseren Grabsteinen stehen wird, ist unsere Entfernung von daheim.»
Dafür bin ich nicht schlau genug. Ich habe unglaublich lange gebraucht, um in das Buch reinzukommen. Weiß aber bis zum Schluss nicht, ob mir das überhaupt gelungen ist… Sehr literarische Sprache. Ich brauchte viel Konzentration, um folgen zu können. Am besten hat mir der mittlere Teil gefallen, in dem sie mehr von der Taubheit im Verhältnis zu Gesellschaft geschrieben hat. Trotz meiner Schwierigkeiten dem Buch zu folgen, konnte ich es nicht abbrechen. Irgendwie hatten ich immer das Gefühl, dass noch etwas passiert, dass mich in den Bann des Buches ziehen würde. Ist leider nicht passiert.
Die Fremde ist begeisternd, verwirrend, enttäuschend und merkwürdig. Claudia Durastanti begibt sich in ihrem Roman auf der Suche nach sich selbst oder auch nach einer Idee von sich oder einem selbst. Sie vermischt Erlebnisse mit Fiktion und Passagen, die journalistischen Charakter haben, und erschafft so einen größtenteils gelungenen essayistischen Roman. Mit diesen Einblicken und einem bereichernden Lesegefühl wird allerdings nur belohnt, wer es über den ersten Teil des Romans, „Familie“ hinausschafft. Zwar ist schon der Auftakt stilistisch und sprachlich auffällig gut gelungen, aber an den fragmentarischen, sprunghaften Stil muss man sich zunächst ebenso gewöhnen, wie an die durch das Geschehen streifenden Personen, die zu diesem Zeitpunkt noch wenig ausformuliert werden, aber vom Leser in eine sinnvolle Zuordnung gebracht werden müssen. Dies wird dadurch erschwert, dass über weite Strecken der Eindruck entsteht, dass die Erzählinstanz sich immer wieder ablenken lässt: es kommt ihr etwas in den Kopf und statt den ursprünglichen Gedanken weiterzuverfolgen, wird einfach mal ganz flott etwas völlig anderes vertieft. Dazu wird der erste Teil von einer fast schon unterkühlten Grundhaltung der Erzählinstanz getragen, der in starkem Widerspruch zu einem verbindenden Titel wie „Familie“ steht. Zum Glück wendet sich das Blatt im Mittelteil. Dies mag zum einen daran liegen, dass man den essayistischen Charakter des Romans durchschaut oder auch sich nur daran gewöhnt, zum anderen erscheinen Erzählfluss, Syntax und Wortwahl sehr viel natürlicher und weniger gekünstelt. Thematisch ist es sicherlich auch spannender, der Erzählinstanz durch ihre Orte und ihre Welt zu folgen, als durch ihre Familienzweige. Dabei gerät das Beschreiben ausgesprochen authentisch. Gefühle wie mangelndes Zugehörigkeitsgefühl, konstante Selbstreflexion und Unsicherheit werden schonungslos und hinterfragend aufgegriffen und untersucht. Angereichert wird diese Selbstdarstellung und -sektion von zahlreichen literarischen und popkulturellen Verweisen, die, wenn die literaturwissenschaftliche Begeisterung überhandnimmt, bei Bedarf noch weitere Interpretationsebenen erschließen und das Leseerlebnis so veredeln. Ebenso bereichernd sind die vielen Themen, die die Erzählinstanz in ihr Erzählen einflicht. Wenn man sich darauf einlässt, dann wird man immer wieder dazu eingeladen, auf größere gesellschaftliche, kulturwissenschaftliche oder politische Fragestellungen umzusteigen. Zu diesen äußert sich die Erzählerin ebenfalls, durchaus auch auf unbequeme Art und Weise, aber immer so, dass man selbst zum Nachdenken angeregt wird. Dies ist beste Unterhaltung im wahrsten Sinne des Wortes, denn zeitweise fühlt sich die Lektüre an, als ob man ein langes Gespräch mit jemandem führt, der etwas zu sagen hat, und den man gerade erst kennenlernt, durchaus auch anspruchsvoll, dann wieder emotional, aber niemals langweilig. Leider hält das Buch aber dieses Niveau nicht bis zum Ende durch. Die letzten Teile nehmen die Schwierigkeiten des Anfangs wieder auf: zu wenig Fluss, zu wenig Begeisterung, zu wenig Identifikationspotenzial. Arbeit wird zu Liebe und Liebe zu einem Convenience-Produkt, was dazu führt, dass der Text am Ende seltsam fade an der Oberfläche dümpelt und einen etwas enttäuscht zurücklässt. Es handelt sich hier also um einen im Mittelteil furiosen Roman, der eklatant am Anfang und am Ende schwächelt – aber leider geht es nicht ohne Anfang und Schluss…weder das Schreiben noch das Lesen.
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Claudia Durastanti, 1984 in Brooklyn geboren, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie gehört zu den Gründer:innen des Italian Festival of Literature in London, schreibt für »La Repubblica« und lebt in Rom. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. »Die Fremde« (Zsolnay 2021) war auf der Shortlist für den Premio Strega und wurde in viele Sprachen übersetzt.
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Entfernung von daheim
Es gibt kein Zurück. Die Nachfahren bleiben in der Ferne, suchen dort ihren Platz. Claudia Durastanti ist in Brooklyn geboren, dort und in der Basilicata aufgewachsen und lebt in London. Von ihren gehörlosen Eltern konnte sie Italienisch nicht lernen und doch ist es die Sprache, die sie gewählt hat, um «la straniera (die Fremde)» zu schreiben. Ihre eigene Geschichte, die Geschichte eines Menschen, der überall fremd ist, sogar in der Welt ihrer eigenen Eltern. Es gibt Textpassagen, die wie einen Schlag in die Magengegend wirken: «Wir sterben und vielleicht wird auf unserem Grabstein der Name des Menschen stehen, den wir geliebt haben, der Beruf, den wir hatten, ein Satz aus einem Buch, das wir viele Mal gelesen haben. Was nicht auf unseren Grabsteinen stehen wird, ist unsere Entfernung von daheim.»
Dafür bin ich nicht schlau genug. Ich habe unglaublich lange gebraucht, um in das Buch reinzukommen. Weiß aber bis zum Schluss nicht, ob mir das überhaupt gelungen ist… Sehr literarische Sprache. Ich brauchte viel Konzentration, um folgen zu können. Am besten hat mir der mittlere Teil gefallen, in dem sie mehr von der Taubheit im Verhältnis zu Gesellschaft geschrieben hat. Trotz meiner Schwierigkeiten dem Buch zu folgen, konnte ich es nicht abbrechen. Irgendwie hatten ich immer das Gefühl, dass noch etwas passiert, dass mich in den Bann des Buches ziehen würde. Ist leider nicht passiert.
Die Fremde ist begeisternd, verwirrend, enttäuschend und merkwürdig. Claudia Durastanti begibt sich in ihrem Roman auf der Suche nach sich selbst oder auch nach einer Idee von sich oder einem selbst. Sie vermischt Erlebnisse mit Fiktion und Passagen, die journalistischen Charakter haben, und erschafft so einen größtenteils gelungenen essayistischen Roman. Mit diesen Einblicken und einem bereichernden Lesegefühl wird allerdings nur belohnt, wer es über den ersten Teil des Romans, „Familie“ hinausschafft. Zwar ist schon der Auftakt stilistisch und sprachlich auffällig gut gelungen, aber an den fragmentarischen, sprunghaften Stil muss man sich zunächst ebenso gewöhnen, wie an die durch das Geschehen streifenden Personen, die zu diesem Zeitpunkt noch wenig ausformuliert werden, aber vom Leser in eine sinnvolle Zuordnung gebracht werden müssen. Dies wird dadurch erschwert, dass über weite Strecken der Eindruck entsteht, dass die Erzählinstanz sich immer wieder ablenken lässt: es kommt ihr etwas in den Kopf und statt den ursprünglichen Gedanken weiterzuverfolgen, wird einfach mal ganz flott etwas völlig anderes vertieft. Dazu wird der erste Teil von einer fast schon unterkühlten Grundhaltung der Erzählinstanz getragen, der in starkem Widerspruch zu einem verbindenden Titel wie „Familie“ steht. Zum Glück wendet sich das Blatt im Mittelteil. Dies mag zum einen daran liegen, dass man den essayistischen Charakter des Romans durchschaut oder auch sich nur daran gewöhnt, zum anderen erscheinen Erzählfluss, Syntax und Wortwahl sehr viel natürlicher und weniger gekünstelt. Thematisch ist es sicherlich auch spannender, der Erzählinstanz durch ihre Orte und ihre Welt zu folgen, als durch ihre Familienzweige. Dabei gerät das Beschreiben ausgesprochen authentisch. Gefühle wie mangelndes Zugehörigkeitsgefühl, konstante Selbstreflexion und Unsicherheit werden schonungslos und hinterfragend aufgegriffen und untersucht. Angereichert wird diese Selbstdarstellung und -sektion von zahlreichen literarischen und popkulturellen Verweisen, die, wenn die literaturwissenschaftliche Begeisterung überhandnimmt, bei Bedarf noch weitere Interpretationsebenen erschließen und das Leseerlebnis so veredeln. Ebenso bereichernd sind die vielen Themen, die die Erzählinstanz in ihr Erzählen einflicht. Wenn man sich darauf einlässt, dann wird man immer wieder dazu eingeladen, auf größere gesellschaftliche, kulturwissenschaftliche oder politische Fragestellungen umzusteigen. Zu diesen äußert sich die Erzählerin ebenfalls, durchaus auch auf unbequeme Art und Weise, aber immer so, dass man selbst zum Nachdenken angeregt wird. Dies ist beste Unterhaltung im wahrsten Sinne des Wortes, denn zeitweise fühlt sich die Lektüre an, als ob man ein langes Gespräch mit jemandem führt, der etwas zu sagen hat, und den man gerade erst kennenlernt, durchaus auch anspruchsvoll, dann wieder emotional, aber niemals langweilig. Leider hält das Buch aber dieses Niveau nicht bis zum Ende durch. Die letzten Teile nehmen die Schwierigkeiten des Anfangs wieder auf: zu wenig Fluss, zu wenig Begeisterung, zu wenig Identifikationspotenzial. Arbeit wird zu Liebe und Liebe zu einem Convenience-Produkt, was dazu führt, dass der Text am Ende seltsam fade an der Oberfläche dümpelt und einen etwas enttäuscht zurücklässt. Es handelt sich hier also um einen im Mittelteil furiosen Roman, der eklatant am Anfang und am Ende schwächelt – aber leider geht es nicht ohne Anfang und Schluss…weder das Schreiben noch das Lesen.






