Der überlistete Odysseus
Softcover
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Description
Téchne, die griechische Wurzel unseres Wortes "Technik", umfaßt zwei Bedeutungen: Geschick und Kunstfertigkeit einerseits, Schlauheit und List andererseits - jene beiden Dimensionen, die in der Figur des Odysseus historisch zum ersten Mal ihre perfekt kombinierte Verkörperung erfahren. Hat die Menschheit, so fragt Brödner in diesem Buch, seit der Antike ihr handwerkliches Vermögen und ihren listigen Intellekt soweit entwickelt, daß sie Gefangene des selbst geschaffenen Systems geworden ist? Hat sie sich buchstäblich selbst überlistet, indem der unerschütterliche Glaube an die universelle Potenz menschengemachter Produkte einer paradoxen Selbstunterwerfung der Menschen unter die Technik gleichkommt? Am Beispiel der Informationstechnik führt Brödner zahlreiche Belege dafür an, daß man diese Fragen mit Ja beantworten muß. Die aktuelle Computereuphorie, die durch Multimedia, Internet usw. gerade einem neuen Höhepunkt zusteuert, verdeckt die bei nüchterner Betrachtung unbestreitbare Tatsache, daß die Schere zwischen Hersteller-Versprechen und Anwender-Wirklichkeit immer weiter auseinanderklafft. Sinkende Hardware-Kosten täuschen über geringe Anwenderfreundlichkeit, mangelnde Produktivität und unzulängliche Nutzungskonzepte hinweg. Was als Breitband-Pharmakon zur Lösung diverser betrieblicher und gesellschaftlicher Probleme angepriesen wird, ist in Wirklichkeit selbst Faktor der Problemverursachung. Die Crux liegt dabei, wie der Autor zeigt, nicht in einer einstweiligen, das heißt überwindbaren Unperfektheit der Technik, sondern in einem fundamentalen Mißverständnis über das Verhältnis von Menschen und Maschinen. Die rationalistische Denktradition verführt dazu, menschliches Handeln mechanistisch zu deuten und demzufolge menschliche Fertigkeiten durch mechanische Automaten zu ersetzen. In der Forschung über 'Künstliche Intelligenz' (KI) erfährt dieser Ansatz seine zynische Krönung, indem menschliches Denken so weit auf technisch modellierbare Operationen reduziert wird, bis seine Ersetzbarkeit durch 'intelligente' Computer behauptet werden kann. Anhand der Sackgassen, in denen KI- und Automatisierungsansätze unentrinnbar stecken, demonstriert Brödner, daß der Ausweg nur im umgekehrten Herangehen gefunden werden kann: Eine handlungsorientierte Theorie der Technik, die von den Spezifika humaner Eigenschaften und menschlicher Lebenspraxis ausgeht, eröffnet die Perspektive auf eine Entwicklung, die technische Innovationen, organisatorischen Wandel und individuelle Entfaltung gleichermaßen umgreift und in einer verbesserten, vielfach produktiveren Praxis technisch-organisatorischer Gestaltung mündet. - Brödners überaus anschauliche und verständliche Argumentation verbindet fundierte ingenieurwissenschaftliche Kenntnisse mit der praktischen Anschauung konkreter technischer Lösungen. Dabei macht der Autor deutlich, daß taugliche Zukunftskonzepte nicht technik-immanent zu entwickeln sind; notwendig ist ein interdisziplinäres Denken, das Erkenntnisse der Soziologie und Psychologie, der Anthropologie und Philosophie auf breiter Basis einbezieht. "Der überlistete Odysseus" demonstriert eindrucksvoll, wie aufschlußreich und spannend der Blick über Disziplingrenzen hinaus sein kann. *** "Das Buch ist ein bemerkenswerter Beitrag, die Probleme und Möglichkeiten beim Übergang von der taylorisierten Arbeit zu einem neuen Produktionsparadigma aufzuarbeiten. Es überzeugt auch durch die pädagogisch geschickte Darstellung. So wird den Lesern aus den verschiedenen betroffenen Gruppen eine sehr komplexe Problematik zugänglich dargeboten und für die eigene Tätigkeit aufgeschlossen." (Das Argument 229 [1999])
Book Information
Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Softcover
Pages
358
Price
23.60 €
Description
Téchne, die griechische Wurzel unseres Wortes "Technik", umfaßt zwei Bedeutungen: Geschick und Kunstfertigkeit einerseits, Schlauheit und List andererseits - jene beiden Dimensionen, die in der Figur des Odysseus historisch zum ersten Mal ihre perfekt kombinierte Verkörperung erfahren. Hat die Menschheit, so fragt Brödner in diesem Buch, seit der Antike ihr handwerkliches Vermögen und ihren listigen Intellekt soweit entwickelt, daß sie Gefangene des selbst geschaffenen Systems geworden ist? Hat sie sich buchstäblich selbst überlistet, indem der unerschütterliche Glaube an die universelle Potenz menschengemachter Produkte einer paradoxen Selbstunterwerfung der Menschen unter die Technik gleichkommt? Am Beispiel der Informationstechnik führt Brödner zahlreiche Belege dafür an, daß man diese Fragen mit Ja beantworten muß. Die aktuelle Computereuphorie, die durch Multimedia, Internet usw. gerade einem neuen Höhepunkt zusteuert, verdeckt die bei nüchterner Betrachtung unbestreitbare Tatsache, daß die Schere zwischen Hersteller-Versprechen und Anwender-Wirklichkeit immer weiter auseinanderklafft. Sinkende Hardware-Kosten täuschen über geringe Anwenderfreundlichkeit, mangelnde Produktivität und unzulängliche Nutzungskonzepte hinweg. Was als Breitband-Pharmakon zur Lösung diverser betrieblicher und gesellschaftlicher Probleme angepriesen wird, ist in Wirklichkeit selbst Faktor der Problemverursachung. Die Crux liegt dabei, wie der Autor zeigt, nicht in einer einstweiligen, das heißt überwindbaren Unperfektheit der Technik, sondern in einem fundamentalen Mißverständnis über das Verhältnis von Menschen und Maschinen. Die rationalistische Denktradition verführt dazu, menschliches Handeln mechanistisch zu deuten und demzufolge menschliche Fertigkeiten durch mechanische Automaten zu ersetzen. In der Forschung über 'Künstliche Intelligenz' (KI) erfährt dieser Ansatz seine zynische Krönung, indem menschliches Denken so weit auf technisch modellierbare Operationen reduziert wird, bis seine Ersetzbarkeit durch 'intelligente' Computer behauptet werden kann. Anhand der Sackgassen, in denen KI- und Automatisierungsansätze unentrinnbar stecken, demonstriert Brödner, daß der Ausweg nur im umgekehrten Herangehen gefunden werden kann: Eine handlungsorientierte Theorie der Technik, die von den Spezifika humaner Eigenschaften und menschlicher Lebenspraxis ausgeht, eröffnet die Perspektive auf eine Entwicklung, die technische Innovationen, organisatorischen Wandel und individuelle Entfaltung gleichermaßen umgreift und in einer verbesserten, vielfach produktiveren Praxis technisch-organisatorischer Gestaltung mündet. - Brödners überaus anschauliche und verständliche Argumentation verbindet fundierte ingenieurwissenschaftliche Kenntnisse mit der praktischen Anschauung konkreter technischer Lösungen. Dabei macht der Autor deutlich, daß taugliche Zukunftskonzepte nicht technik-immanent zu entwickeln sind; notwendig ist ein interdisziplinäres Denken, das Erkenntnisse der Soziologie und Psychologie, der Anthropologie und Philosophie auf breiter Basis einbezieht. "Der überlistete Odysseus" demonstriert eindrucksvoll, wie aufschlußreich und spannend der Blick über Disziplingrenzen hinaus sein kann. *** "Das Buch ist ein bemerkenswerter Beitrag, die Probleme und Möglichkeiten beim Übergang von der taylorisierten Arbeit zu einem neuen Produktionsparadigma aufzuarbeiten. Es überzeugt auch durch die pädagogisch geschickte Darstellung. So wird den Lesern aus den verschiedenen betroffenen Gruppen eine sehr komplexe Problematik zugänglich dargeboten und für die eigene Tätigkeit aufgeschlossen." (Das Argument 229 [1999])
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Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
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Softcover
Pages
358
Price
23.60 €



