Der prüfende Blick
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Liest man den rückseitigen kurzen Klappentext, so ist der zukünftige Leser geneigt zu glauben, dass sich ihm ein biografischer Roman über die berühmte Malerin des 18. Jahrhunderts entfalten wird. Doch dem ist nur indirekt so, erzählt die Autorin von der in der Schweiz geborenen und später in London als "Miss Angel" gefeierten sowie wiederum in Rom als "Zehnte Muse" verklärten Angelika Kauffmann aus der Sicht von Zeitgenossen, genauer berühmter Männer, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet ist. Die ambitionierte Künstlerin verbleibt somit während des gesamten Romans auf einer gewissen Distanz, tritt sie sozusagen kein einziges Mal selbst kein einziges Mal die Bühne, sondern wird durch die verschiedenen Blickpunkte auf sie ein immer neues Bild entworfen. Es ist insgesamt jedoch eine Reflexion der Künstlerin durch die Augen von bedeutenden Zeit- und Weggenossen, sei es der Hofmaler Franz Joseph Kauffmann, der unaufdringliche Protagonist und Verwandter Angelikas, ein amerikanischer Arzt, der Landesgenosse und ebenfalls Künstler VN Füssli, Johann Wolfgang von Goethe, Winckelmann oder ihr Schwager und zeitgleich erster Biograf u.v.m. Es ist die künstlerische und Intellektuelle Elite des ausgehenden Rokoko und beginnenden Klassizismus, die sich in Gabrielle Alioths Roman direkt oder durch Erwähnungen indirekt die Ehre gibt, sodass ein breites Meinungsspektrum zur sich selbst inszenierenden und später von den Zeitgenossen verklärten Angelika Kauffmann ergibt. Dabei spaltet sich ebenjenes Spektrum in zwei kontrastierende Lager - die schwärmerische Glorifizierung und ihr gegenüber die von verschiedensten Motiven bedingte Verachtung, ja sogar manchmal Diffamierung! Die Autorin hat hierbei ein lebendiges, informationsgeladenes und Intellektuelles Portrait der gefeierten Malerin gezeichnet, welches auch durch die sprachlich bruchlose Einbindung von Primärquellen (Briefe, Memoiren etc.) ein authentisches, den Leser ins 18. Jahrhundert zurückversetzendes Zeitgefühl erzeugt. Neben der unikaten Idee durch die Augen Anderer über die Künstlerin zu erzählen, empfand ich die leise eingeschriebene Interpretation Gabrielle Alioths zur Person Angelika Kauffmann, ist diese zwar abwegend kritisch, aber auch empathisch, wenn zum Schluss greifbar wird unter welchem womöglichen anerzogenen Druck Angelika Kauffmann ihre Portraits, Allegorien oder mythologischen Szenen schuf. Wenngleich unaufdringlich als Hypothese eingebracht, scheint das häufig im Werk anzutreffende, in ästhetisch-gefällige Formen und Farben übersetzte und idealisierte Thema der Trauer die Charakterisierung der Autorin eines Lebens für und im Schatten der Kunst, zu stützen. Die Autorin überzeugt hier also durchaus selber mit einen "prüfende[n] Blick" auf diese faszinierende Frauengestalt! Fazit: Ein gelungener, höchst zeitauthentisch fundierter und intellektuell vielschichtiger, wenn auch ein wenig distanzierter biografischer Blick auf eine der berühmtesten Malerinnen der Alten Zeit!
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Liest man den rückseitigen kurzen Klappentext, so ist der zukünftige Leser geneigt zu glauben, dass sich ihm ein biografischer Roman über die berühmte Malerin des 18. Jahrhunderts entfalten wird. Doch dem ist nur indirekt so, erzählt die Autorin von der in der Schweiz geborenen und später in London als "Miss Angel" gefeierten sowie wiederum in Rom als "Zehnte Muse" verklärten Angelika Kauffmann aus der Sicht von Zeitgenossen, genauer berühmter Männer, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet ist. Die ambitionierte Künstlerin verbleibt somit während des gesamten Romans auf einer gewissen Distanz, tritt sie sozusagen kein einziges Mal selbst kein einziges Mal die Bühne, sondern wird durch die verschiedenen Blickpunkte auf sie ein immer neues Bild entworfen. Es ist insgesamt jedoch eine Reflexion der Künstlerin durch die Augen von bedeutenden Zeit- und Weggenossen, sei es der Hofmaler Franz Joseph Kauffmann, der unaufdringliche Protagonist und Verwandter Angelikas, ein amerikanischer Arzt, der Landesgenosse und ebenfalls Künstler VN Füssli, Johann Wolfgang von Goethe, Winckelmann oder ihr Schwager und zeitgleich erster Biograf u.v.m. Es ist die künstlerische und Intellektuelle Elite des ausgehenden Rokoko und beginnenden Klassizismus, die sich in Gabrielle Alioths Roman direkt oder durch Erwähnungen indirekt die Ehre gibt, sodass ein breites Meinungsspektrum zur sich selbst inszenierenden und später von den Zeitgenossen verklärten Angelika Kauffmann ergibt. Dabei spaltet sich ebenjenes Spektrum in zwei kontrastierende Lager - die schwärmerische Glorifizierung und ihr gegenüber die von verschiedensten Motiven bedingte Verachtung, ja sogar manchmal Diffamierung! Die Autorin hat hierbei ein lebendiges, informationsgeladenes und Intellektuelles Portrait der gefeierten Malerin gezeichnet, welches auch durch die sprachlich bruchlose Einbindung von Primärquellen (Briefe, Memoiren etc.) ein authentisches, den Leser ins 18. Jahrhundert zurückversetzendes Zeitgefühl erzeugt. Neben der unikaten Idee durch die Augen Anderer über die Künstlerin zu erzählen, empfand ich die leise eingeschriebene Interpretation Gabrielle Alioths zur Person Angelika Kauffmann, ist diese zwar abwegend kritisch, aber auch empathisch, wenn zum Schluss greifbar wird unter welchem womöglichen anerzogenen Druck Angelika Kauffmann ihre Portraits, Allegorien oder mythologischen Szenen schuf. Wenngleich unaufdringlich als Hypothese eingebracht, scheint das häufig im Werk anzutreffende, in ästhetisch-gefällige Formen und Farben übersetzte und idealisierte Thema der Trauer die Charakterisierung der Autorin eines Lebens für und im Schatten der Kunst, zu stützen. Die Autorin überzeugt hier also durchaus selber mit einen "prüfende[n] Blick" auf diese faszinierende Frauengestalt! Fazit: Ein gelungener, höchst zeitauthentisch fundierter und intellektuell vielschichtiger, wenn auch ein wenig distanzierter biografischer Blick auf eine der berühmtesten Malerinnen der Alten Zeit!




