Der Menschensohn
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Description
Nach Jahren der Abwesenheit taucht er plötzlich wieder auf: Der Mann steht am Hauseingang, eine Zigarette im Mundwinkel, und mustert den Sohn. Das harmonische Duo aus Mutter und Kind soll wieder eine vollständige Familie werden, der Vater will beweisen, dass er sich zum Guten verändert hat, und bringt die beiden nach Les Roches, zu jenem abgeschiedenen Haus in den Bergen, in dem er selbst mit einem erbarmungslosen Vater aufgewachsen war. Ein Sommer im Gebirge verspricht, die drei näher zusammenzubringen. Doch eingeschlossen von der weiten, atemberaubenden Natur geraten Mutter und Sohn zunehmend unter die Kontrolle und Macht des Vaters, der, von eigenen Glaubenssätzen gefangen, ihre neue Existenz bestimmt. In Schlaglichtern treten unausgesprochene Zwiste, brodelnde Geheimnisse und verdrängte Gefühle zutage und offenbaren, dass es aus diesem Familienausflug kein Zurück mehr gibt.
In beeindruckenden, bildgewaltigen Sätzen zeichnet Del Amo mit Der Menschensohn die einengenden Prägungen und Verhältnisse, die über Generationen hinweg von den Vätern auf die Söhne übertragen werden und denen sich niemand zu entziehen weiß, sosehr er es auch versucht.
Book Information
Author Description
Jean-Baptiste Del Amo, 1981 in Toulouse, Frankreich, geboren, ist Schrifststeller. Nachdem er für seinen Debütroman Die Erziehung den Prix Goncourt erhielt, wurde er für seinen vierten Roman Tierreich mit dem Prix du livre inter ausgezeichnet.
Posts
"Die Liebe ist eine Krankheit, ein in das Herz der Menschen geimpfter Virus..."
Beeindruckender und tiefgehender Roman. Die Handlung gleicht einem Düsteren Kammerspiel, in dem unausgesprochener Groll, Konflikte und Bitterkeit wie ein Damokles Schwert über den handelnden Personen hängt. Die bedrückende Atmosphäre, die del Amo gnadenlos aufrecht erhält und zum Ende hin nicht locker lässt, lassen den Leser mit einem unguten Gefühl und doch Ungeduldig mehr zu erfahren immer tiefer eintauchen. Besonders das Finale lässt den Leser noch einmal atemlos vor Anspannung von Seite zu Seite springen. Sprachlich beeindruckend und schlicht absolut empfehlenswert. "Und die rasende Wut der Väter wird wieder aufleben bei den Söhnen in jeder Generation." - Seneca, Thyestes -
Waldesruh
Ein Mann, eine Frau und deren neunjähriger Sohn erhoffen sich einen Neuanfang in den tiefen Wäldern, wo das verlassene Elternhaus des Vaters steht. Doch der Schatten der Berge befreit nicht nur innere Dämonen, sondern auch die Angst vor denen, die einem am nächsten sein sollten. Das stetig anschwellende Unbehagen in dieser Familienbeziehung ist eine der größten Stärken des Romans. Del Amo lässt uns subtil und gleichzeitig eindringlich die Perspektiven von Mutter, Vater und Kind einnehmen, die von Angst, Passivität, Besessenheit und Wut sowie zerbrechlicher Unschuld geprägt sind. Aus diesem Soziogramm einer gescheiterten Existenz kann man nicht nur viel Parabolisches, sondern auch Metaphorisches herauslesen - Denn die Kindheit des Vaters schlingt sich wie eine Würgeschlange um die Familie und wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Die teils sehr poetischen aber auch ausschweifenden Naturbeschreibungen zeugten von einer hohen sprachlichen Qualität, verloren aber in ihrer Fülle den stilistischen Kontrast und damit ihre Wirkung. Der Mittelteil erschien mir daher in einigen Teilen zu überladen und damit weniger fesselnd. Ganz im Gegensatz zum Anfang und Ende des Textes, die mir wirklich den Atem geraubt haben. Auch wenn man sich über den erzählerischen Sinn des Einstiegs streiten kann, bildete er aber doch eine Klammer zu den herausragenden letzten 50 Seiten, die mich derart aufgewühlt haben wie lange kein Roman mehr.
„Der Menschensohn“ ist eine klare und zum Glück nicht mainstreamige Leseempfehlung, meinerseits.
„Und es gibt nichts Schlimmeres als einen verletzten Mann.“ (S. 100) Hier sitze ich, eine Woche nachdem ich „Der Menschensohn“ beendet habe und sehe sie noch immer vor mir: Den Vater, die Mutter, das Kind und Les Roches. Die abgelegene Hütte in den Bergen. Namen braucht es nicht, damit der Roman funktioniert. Denn diese Auslassung reduziert, die einem Kammerspiel anmutende Handlung, auf ein Wesentliches. Reduziert sie auf die Ohnmacht, dem Ausgeliefertsein, der schwelenden und gärenden Angst und dem Wissen, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Während dem Lesen und mit dem Betreten der Hütte fragte ich mich oft, was prägt uns? Was geben wir weiter durch Vererbung? Was formt uns durch Erziehung? Oder ist es ein Zusammenspiel beider Komponente? Jean-Baptiste Del Amo ist ein geniales, wie literarisch anspruchsvolles Werk gelungen, welches seine maskuline Präsenz, Tentakeln gleich, nach meinem Herzen greifen ließ. So ungestüm wie die Natur in den Bergen, so ungestüm und einnehmend brüstet sich der Vater. In der Hütte. In der Abgeschiedenheit. Man ahnt es schon. Seine eigene Kindheit war eine sehr raue. Er verbrachte sie ebenfalls auf Les Roches, wo er jetzt, nach neun Jahren Abwesenheit von Frau und Kind, diese Vaterrolle für sich beanspruchen mag. Das dies für ihn alleine, einen ideal gedachten Zustand darstellt, ist klar. Ihm gebührt die Rolle des Familienoberhauptes. Komme was wolle. Das seine Frau andere Pläne für ihr Leben hatte, interessiert ihn nicht.
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Nach Jahren der Abwesenheit taucht er plötzlich wieder auf: Der Mann steht am Hauseingang, eine Zigarette im Mundwinkel, und mustert den Sohn. Das harmonische Duo aus Mutter und Kind soll wieder eine vollständige Familie werden, der Vater will beweisen, dass er sich zum Guten verändert hat, und bringt die beiden nach Les Roches, zu jenem abgeschiedenen Haus in den Bergen, in dem er selbst mit einem erbarmungslosen Vater aufgewachsen war. Ein Sommer im Gebirge verspricht, die drei näher zusammenzubringen. Doch eingeschlossen von der weiten, atemberaubenden Natur geraten Mutter und Sohn zunehmend unter die Kontrolle und Macht des Vaters, der, von eigenen Glaubenssätzen gefangen, ihre neue Existenz bestimmt. In Schlaglichtern treten unausgesprochene Zwiste, brodelnde Geheimnisse und verdrängte Gefühle zutage und offenbaren, dass es aus diesem Familienausflug kein Zurück mehr gibt.
In beeindruckenden, bildgewaltigen Sätzen zeichnet Del Amo mit Der Menschensohn die einengenden Prägungen und Verhältnisse, die über Generationen hinweg von den Vätern auf die Söhne übertragen werden und denen sich niemand zu entziehen weiß, sosehr er es auch versucht.
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Jean-Baptiste Del Amo, 1981 in Toulouse, Frankreich, geboren, ist Schrifststeller. Nachdem er für seinen Debütroman Die Erziehung den Prix Goncourt erhielt, wurde er für seinen vierten Roman Tierreich mit dem Prix du livre inter ausgezeichnet.
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"Die Liebe ist eine Krankheit, ein in das Herz der Menschen geimpfter Virus..."
Beeindruckender und tiefgehender Roman. Die Handlung gleicht einem Düsteren Kammerspiel, in dem unausgesprochener Groll, Konflikte und Bitterkeit wie ein Damokles Schwert über den handelnden Personen hängt. Die bedrückende Atmosphäre, die del Amo gnadenlos aufrecht erhält und zum Ende hin nicht locker lässt, lassen den Leser mit einem unguten Gefühl und doch Ungeduldig mehr zu erfahren immer tiefer eintauchen. Besonders das Finale lässt den Leser noch einmal atemlos vor Anspannung von Seite zu Seite springen. Sprachlich beeindruckend und schlicht absolut empfehlenswert. "Und die rasende Wut der Väter wird wieder aufleben bei den Söhnen in jeder Generation." - Seneca, Thyestes -
Waldesruh
Ein Mann, eine Frau und deren neunjähriger Sohn erhoffen sich einen Neuanfang in den tiefen Wäldern, wo das verlassene Elternhaus des Vaters steht. Doch der Schatten der Berge befreit nicht nur innere Dämonen, sondern auch die Angst vor denen, die einem am nächsten sein sollten. Das stetig anschwellende Unbehagen in dieser Familienbeziehung ist eine der größten Stärken des Romans. Del Amo lässt uns subtil und gleichzeitig eindringlich die Perspektiven von Mutter, Vater und Kind einnehmen, die von Angst, Passivität, Besessenheit und Wut sowie zerbrechlicher Unschuld geprägt sind. Aus diesem Soziogramm einer gescheiterten Existenz kann man nicht nur viel Parabolisches, sondern auch Metaphorisches herauslesen - Denn die Kindheit des Vaters schlingt sich wie eine Würgeschlange um die Familie und wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Die teils sehr poetischen aber auch ausschweifenden Naturbeschreibungen zeugten von einer hohen sprachlichen Qualität, verloren aber in ihrer Fülle den stilistischen Kontrast und damit ihre Wirkung. Der Mittelteil erschien mir daher in einigen Teilen zu überladen und damit weniger fesselnd. Ganz im Gegensatz zum Anfang und Ende des Textes, die mir wirklich den Atem geraubt haben. Auch wenn man sich über den erzählerischen Sinn des Einstiegs streiten kann, bildete er aber doch eine Klammer zu den herausragenden letzten 50 Seiten, die mich derart aufgewühlt haben wie lange kein Roman mehr.
„Der Menschensohn“ ist eine klare und zum Glück nicht mainstreamige Leseempfehlung, meinerseits.
„Und es gibt nichts Schlimmeres als einen verletzten Mann.“ (S. 100) Hier sitze ich, eine Woche nachdem ich „Der Menschensohn“ beendet habe und sehe sie noch immer vor mir: Den Vater, die Mutter, das Kind und Les Roches. Die abgelegene Hütte in den Bergen. Namen braucht es nicht, damit der Roman funktioniert. Denn diese Auslassung reduziert, die einem Kammerspiel anmutende Handlung, auf ein Wesentliches. Reduziert sie auf die Ohnmacht, dem Ausgeliefertsein, der schwelenden und gärenden Angst und dem Wissen, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Während dem Lesen und mit dem Betreten der Hütte fragte ich mich oft, was prägt uns? Was geben wir weiter durch Vererbung? Was formt uns durch Erziehung? Oder ist es ein Zusammenspiel beider Komponente? Jean-Baptiste Del Amo ist ein geniales, wie literarisch anspruchsvolles Werk gelungen, welches seine maskuline Präsenz, Tentakeln gleich, nach meinem Herzen greifen ließ. So ungestüm wie die Natur in den Bergen, so ungestüm und einnehmend brüstet sich der Vater. In der Hütte. In der Abgeschiedenheit. Man ahnt es schon. Seine eigene Kindheit war eine sehr raue. Er verbrachte sie ebenfalls auf Les Roches, wo er jetzt, nach neun Jahren Abwesenheit von Frau und Kind, diese Vaterrolle für sich beanspruchen mag. Das dies für ihn alleine, einen ideal gedachten Zustand darstellt, ist klar. Ihm gebührt die Rolle des Familienoberhauptes. Komme was wolle. Das seine Frau andere Pläne für ihr Leben hatte, interessiert ihn nicht.






