Der Leser. Das Erzählen

Der Leser. Das Erzählen

Softcover
4.01
RedenErzählenSchaffenLiteraturtheorie

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Description

»Während ich Geschichten erzähle, beschäftige ich mich nicht mit der Wahrheit, sondern mit den Möglichkeiten der Wahrheit. Solange es noch Geschichten gibt, so lange gibt es noch Möglichkeiten. Deshalb basiert die Frage an den Geschichtenerzähler, ob seine Geschichte wahr sei, auf zwei Irrtümern. Der erste Irrtum: es gibt keine Geschichte, die nicht Wahrheit enthalten würde, und es gibt im Prinzip keine Erfindungen. Die menschliche Fantasie ist begrenzt durch all das, was es gibt. In der Technik nennt man das Naturgesetze; für den Geschichtenerzähler mag ich es nicht benennen. Der zweite Irrtum: Sprache kann nie wiedergeben, was eigentlich ist, sie kann Realität nur beschreiben.« Peter Bichsels fünf Vorlesungen aus dem Jahr 1982 sind eigentlich keine Vorlesungen, sondern Geschichten von Vorlesungen. Sie sind wohltuend unprätentiös und stets äußerst subtil – wie seine Geschichten. Gleichzeitig scheinen sie nur aus Abschweifungen zu bestehen, aus kleinen Geschichten, sehr amüsant und zugleich doch ernsthafte Geschichten über Literatur und über Leser. Vor allem über Leser, die Peter Bichsel liebt, egal, was sie lesen.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Softcover
Pages
99
Price
11.40 €

Author Description

Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren und wuchs als Sohn eines Handwerkers ab 1941 in Olten auf. Am Lehrerseminar in Solothurn ließ er sich zum Primarlehrer ausbilden. 1956 heiratete er die Schauspielerin Therese Spörri († 2005). Er ist Vater einer Tochter und eines Sohnes. Bis 1968 (und ein letztes Mal 1973) arbeitete er als Primarlehrer. 1964 wurde er mit seinen Kurzgeschichten in Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen auf einen Schlag bekannt; die Gruppe 47 nahm ihn begeistert auf und verlieh ihm 1965 ihren Literaturpreis. Zwischen 1974 und 1981 war er als persönlicher Berater für Bundesrat Willi Ritschard tätig, mit dem er befreundet war. Mit dem Schriftsteller Max Frisch war er bis zu dessen Tod 1991 eng befreundet. Seit 1985 war er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Bichsel starb am 15. März 2025 in Solothurn.

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Mir ist dieses Buch, das Peter Bichsels Frankfurter Poetik-Vorlesungen umfasst, zufällig in die Hände geraten. Und auch wenn der Verlag im Klappentext schreibt, das sich die Vorlesungen "durch Witz und Einfachheit" auszeichnen, muss ich gestehen, dass ich nicht jeden Gedankengang durchdringen konnte... Dennoch war die Lektüre superinteressant. Bichsel spricht weniger übers Schreiben als übers Lesen, weshalb ich, die ich gern lese, es schade fand, dass nach 100 Seiten alles schon wieder zu Ende ist. Richtig schön fand ich Bichsels Beschreibung seines eigenen Leseerlebnisses: "Ich verspüre beim intensiven Lesen ein leichtes Abheben vom Boden, das sich steigern kann bis zum Gefühl der Schwerelosigkeit; ich komme in einen Rauschzustand, den ich genieße." (S. 33). Außerdem hat mir dieser Gedanke ausnehmend gut gefallen: "Es ist gut möglich, dass einer die Geschichte erfunden hat. Wahr ist sie trotzdem." (S. 15).

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