Der ferne Spiegel
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Description
Bestsellerautorin Barbara Tuchman schuf mit »Der ferne Spiegel« einen modernen Klassiker der Geschichtsschreibung. Mit sicherem und kundigem Blick für die »große« politische Geschichte und feinem Gespür für die Alltags- und Mentalitätsgeschichte gelingt es ihr, das pralle Leben im dramatischen 14. Jahrhundert und damit im Herbst des Mittelalters einzufangen.
Im Mittelpunkt von Barbara Tuchmans faszinierender Schilderung des 14. Jahrhunderts steht die Lebensgeschichte des französischen Adeligen Enguerrand de Coucy VII. Im zarten Alter von 15 Jahren zieht Coucy das erste Mal als Ritter in die Schlacht, erlebt den Hundertjährigen Krieg hautnah mit und wird schließlich vom englischen König als Geisel genommen. Coucy wird im Laufe seines Lebens Zeuge dramatischer, ja scheinbar apokalyptischer Ereignisse: Die Pest sucht Europa heim, religiöse Fanatiker hetzen die Menschen auf, Papst und Gegenpapst bekriegen sich, auf Frankreichs Thron sitzt ein Wahnsinniger, und im Osten rücken die Osmanen vor.
Gleichzeitig kannten die Kreativität und das Kunstschaffen der Menschen nun, gleichsam auf der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit, keine Grenzen. Boccaccio schuf sein epochemachendes Werk Decamerone, Giotto bereitete in Italien den Weg für die Renaissance und in ganz Europa entstanden Kathedralen von ungekannter Größe und Pracht.
Ausstattung: mit Abbildungen
Book Information
Author Description
Barbara Tuchman (1912-1989) war eine amerikanische Historikerin und Bestsellerautorin. Für ihr Buch »August 1914« wurde sie 1963 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. 1972 gewann sie den Pulitzer Preis ein zweites Mal für »Sand gegen den Wind: General Stilwell und die amerikanische Politik in China 1911-1945«. Ihr Buch »Der ferne Spiegel«, 1978 erstmals veröffentlicht, ist inzwischen ein moderner Klassiker.
Posts
Barbara Tuchmans Der ferne Spiegel zeichnet das 14. Jahrhundert als eine Epoche voller Gewalt, Pest, religiöser Spannungen und politischer Machtkämpfe. Am Beispiel von Enguerrand de Coucy und seinem Umfeld schildert sie, wie Menschen zwischen Glauben, Krieg und alltäglichem Überleben zerrieben wurden. Das Buch zeigt nicht nur die großen Katastrophen wie den Schwarzen Tod oder die Hundertjährigen Kriege, sondern auch soziale Themen wie Kindererziehung, Geschlechterrollen und die psychologische Dimension von Macht. Tuchman gelingt es, ein lebendiges Panorama einer Zeit zu erschaffen, die uns trotz aller Fremdheit erstaunlich nahekommt.
. . Barbara Tuchmans Der ferne Spiegel ist weit mehr als ein klassisches Geschichtsbuch. Es ist eine lebendige Erzählung, die das 14. Jahrhundert als Epoche voller Katastrophen, Machtspiele und kultureller Blüte schildert und zugleich als Spiegel unserer eigenen Zeit deutet. Tuchman verknüpft die Biografie des französischen Edelmannes Enguerrand de Coucy mit den großen Ereignissen: dem Hundertjährigen Krieg, dem päpstlichen Schisma, den Bauernaufständen und vor allem dem Schwarzen Tod. Diese Katastrophen bilden die Kulisse für eine Gesellschaft, die zwischen religiöser Hingabe und hemmungsloser Gewalt schwankte. Die besondere Stärke des Buches liegt in seiner Vielschichtigkeit. Tuchman konzentriert sich nicht nur auf die „große Geschichte“, sondern auch auf das Alltagsleben: Architektur, Rituale, Kleidung, Aberglaube, Kindererziehung. So wird deutlich, dass das Mittelalter nicht nur von Königen und Rittern geprägt war, sondern auch von den psychologischen Strukturen einer ganzen Gesellschaft. Besonders eindrucksvoll ist ihre Darstellung der Kindheit: Kinder wurden selten als eigenständige Wesen betrachtet, Zuneigung war knapp, was mit hoher Sterblichkeit und ständig neuen Schwangerschaften zusammenhing. Diese Beobachtung ist nicht nur kulturhistorisch spannend, sondern auch ein Hinweis darauf, wie äußere Umstände menschliche Bindungen formen. Ein Höhepunkt des Buches ist die Beschreibung der Pest. Tuchman zitiert drastische Quellen über Symptome, Massengräber, Angst und Panik. Sie zeigt, wie Menschen Schuldige suchten – Juden, Fremde, vermeintliche Brunnenvergifter – und wie religiöse Bewegungen wie die Flagellanten mit fanatischem Eifer versuchten, das Unheil zu bannen. Psychologisch interessant ist, wie sich Reaktionen wiederholen: Einige flohen ins Vergnügen, andere verfielen in Hysterie, manche suchten Halt in Gewalt oder Glauben. In dieser Hinsicht wirkt das Mittelalter wie ein Spiegel für unsere eigenen Krisenerfahrungen. Auch die Machtstrukturen beschreibt Tuchman scharf. Adlige verstanden sich über ihr Schwert, ihr Pferd und das Recht, über Leben und Tod zu urteilen. Macht war dabei nicht nur politisches Instrument, sondern Ausdruck psychologischer Selbstvergewisserung. Die Kirche hingegen war einerseits spirituelle Autorität, andererseits weltlicher Machtapparat – ein Widerspruch, der moralische Krisen heraufbeschwor und schließlich im Schisma offenbrach. Tuchman macht klar, dass Macht immer auch mit Unsicherheit, Misstrauen und psychologischer Selbstinszenierung verbunden war. Frauen tauchen im Werk oft als Heiratsobjekte oder Opfer auf, zugleich aber auch als Intrigantinnen, Mäzeninnen oder in seltenen Fällen als handelnde Figuren. Diese Ambivalenz verweist auf ihre strukturelle Ohnmacht, die Tuchman mit feinem kritischen Blick sichtbar macht. Auch hierin wird deutlich, dass Geschichte nicht nur aus Herrschern und Kriegen besteht, sondern aus sozialen und psychologischen Dynamiken. Die Sprache des Buches ist eindringlich und beinahe literarisch. Tuchman erzählt nicht trocken, sondern in Bildern, die das Grauen, aber auch die Kreativität der Zeit lebendig machen. Kathedralen und Universitäten erscheinen als kulturelle Höhepunkte, während Gewalt, Hunger und Aberglaube den Alltag bestimmten. Diese Gegenüberstellung macht das Buch fesselnd und zeigt, dass selbst in „dunklen Zeiten“ Fortschritt und Schönheit möglich waren. Was Der ferne Spiegel so wertvoll macht, ist die psychologische Tiefe. Tuchman zeigt, wie Macht, Angst, Schuld und Hoffnung das Handeln bestimmten. Der Schwarze Tod erschütterte das Vertrauen in die Kirche, öffnete aber auch den Weg zu einem kritischeren Denken. Hier sieht Tuchman den Keim des modernen Menschen, der sich seiner Individualität bewusst wird. Damit wird das Mittelalter nicht nur historische Kulisse, sondern eine Zeit, die uns in ihrer Menschlichkeit sehr nahekommt. Fazit: Der ferne Spiegel ist ein herausragendes Werk, das Geschichte mit erzählerischer Kraft vermittelt, ohne sie zu romantisieren. Es zeigt die Grausamkeit, das Leiden und die Irrationalität des 14. Jahrhunderts, aber auch seine kulturellen und geistigen Leistungen. Besonders stark sind die Passagen, die psychologische und gesellschaftliche Aspekte betonen – etwa Kindererziehung, Machtmissbrauch oder die Rolle von Angst und Schuld. Dadurch entsteht ein Buch, das nicht nur informiert, sondern zum Nachdenken über unsere eigene Zeit anregt. Für mich war es ein sehr, sehr gutes Leseerlebnis: fesselnd, eindringlich und voller Anregungen, wie wir Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Beziehung setzen können.

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Bestsellerautorin Barbara Tuchman schuf mit »Der ferne Spiegel« einen modernen Klassiker der Geschichtsschreibung. Mit sicherem und kundigem Blick für die »große« politische Geschichte und feinem Gespür für die Alltags- und Mentalitätsgeschichte gelingt es ihr, das pralle Leben im dramatischen 14. Jahrhundert und damit im Herbst des Mittelalters einzufangen.
Im Mittelpunkt von Barbara Tuchmans faszinierender Schilderung des 14. Jahrhunderts steht die Lebensgeschichte des französischen Adeligen Enguerrand de Coucy VII. Im zarten Alter von 15 Jahren zieht Coucy das erste Mal als Ritter in die Schlacht, erlebt den Hundertjährigen Krieg hautnah mit und wird schließlich vom englischen König als Geisel genommen. Coucy wird im Laufe seines Lebens Zeuge dramatischer, ja scheinbar apokalyptischer Ereignisse: Die Pest sucht Europa heim, religiöse Fanatiker hetzen die Menschen auf, Papst und Gegenpapst bekriegen sich, auf Frankreichs Thron sitzt ein Wahnsinniger, und im Osten rücken die Osmanen vor.
Gleichzeitig kannten die Kreativität und das Kunstschaffen der Menschen nun, gleichsam auf der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit, keine Grenzen. Boccaccio schuf sein epochemachendes Werk Decamerone, Giotto bereitete in Italien den Weg für die Renaissance und in ganz Europa entstanden Kathedralen von ungekannter Größe und Pracht.
Ausstattung: mit Abbildungen
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Barbara Tuchman (1912-1989) war eine amerikanische Historikerin und Bestsellerautorin. Für ihr Buch »August 1914« wurde sie 1963 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. 1972 gewann sie den Pulitzer Preis ein zweites Mal für »Sand gegen den Wind: General Stilwell und die amerikanische Politik in China 1911-1945«. Ihr Buch »Der ferne Spiegel«, 1978 erstmals veröffentlicht, ist inzwischen ein moderner Klassiker.
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Barbara Tuchmans Der ferne Spiegel zeichnet das 14. Jahrhundert als eine Epoche voller Gewalt, Pest, religiöser Spannungen und politischer Machtkämpfe. Am Beispiel von Enguerrand de Coucy und seinem Umfeld schildert sie, wie Menschen zwischen Glauben, Krieg und alltäglichem Überleben zerrieben wurden. Das Buch zeigt nicht nur die großen Katastrophen wie den Schwarzen Tod oder die Hundertjährigen Kriege, sondern auch soziale Themen wie Kindererziehung, Geschlechterrollen und die psychologische Dimension von Macht. Tuchman gelingt es, ein lebendiges Panorama einer Zeit zu erschaffen, die uns trotz aller Fremdheit erstaunlich nahekommt.
. . Barbara Tuchmans Der ferne Spiegel ist weit mehr als ein klassisches Geschichtsbuch. Es ist eine lebendige Erzählung, die das 14. Jahrhundert als Epoche voller Katastrophen, Machtspiele und kultureller Blüte schildert und zugleich als Spiegel unserer eigenen Zeit deutet. Tuchman verknüpft die Biografie des französischen Edelmannes Enguerrand de Coucy mit den großen Ereignissen: dem Hundertjährigen Krieg, dem päpstlichen Schisma, den Bauernaufständen und vor allem dem Schwarzen Tod. Diese Katastrophen bilden die Kulisse für eine Gesellschaft, die zwischen religiöser Hingabe und hemmungsloser Gewalt schwankte. Die besondere Stärke des Buches liegt in seiner Vielschichtigkeit. Tuchman konzentriert sich nicht nur auf die „große Geschichte“, sondern auch auf das Alltagsleben: Architektur, Rituale, Kleidung, Aberglaube, Kindererziehung. So wird deutlich, dass das Mittelalter nicht nur von Königen und Rittern geprägt war, sondern auch von den psychologischen Strukturen einer ganzen Gesellschaft. Besonders eindrucksvoll ist ihre Darstellung der Kindheit: Kinder wurden selten als eigenständige Wesen betrachtet, Zuneigung war knapp, was mit hoher Sterblichkeit und ständig neuen Schwangerschaften zusammenhing. Diese Beobachtung ist nicht nur kulturhistorisch spannend, sondern auch ein Hinweis darauf, wie äußere Umstände menschliche Bindungen formen. Ein Höhepunkt des Buches ist die Beschreibung der Pest. Tuchman zitiert drastische Quellen über Symptome, Massengräber, Angst und Panik. Sie zeigt, wie Menschen Schuldige suchten – Juden, Fremde, vermeintliche Brunnenvergifter – und wie religiöse Bewegungen wie die Flagellanten mit fanatischem Eifer versuchten, das Unheil zu bannen. Psychologisch interessant ist, wie sich Reaktionen wiederholen: Einige flohen ins Vergnügen, andere verfielen in Hysterie, manche suchten Halt in Gewalt oder Glauben. In dieser Hinsicht wirkt das Mittelalter wie ein Spiegel für unsere eigenen Krisenerfahrungen. Auch die Machtstrukturen beschreibt Tuchman scharf. Adlige verstanden sich über ihr Schwert, ihr Pferd und das Recht, über Leben und Tod zu urteilen. Macht war dabei nicht nur politisches Instrument, sondern Ausdruck psychologischer Selbstvergewisserung. Die Kirche hingegen war einerseits spirituelle Autorität, andererseits weltlicher Machtapparat – ein Widerspruch, der moralische Krisen heraufbeschwor und schließlich im Schisma offenbrach. Tuchman macht klar, dass Macht immer auch mit Unsicherheit, Misstrauen und psychologischer Selbstinszenierung verbunden war. Frauen tauchen im Werk oft als Heiratsobjekte oder Opfer auf, zugleich aber auch als Intrigantinnen, Mäzeninnen oder in seltenen Fällen als handelnde Figuren. Diese Ambivalenz verweist auf ihre strukturelle Ohnmacht, die Tuchman mit feinem kritischen Blick sichtbar macht. Auch hierin wird deutlich, dass Geschichte nicht nur aus Herrschern und Kriegen besteht, sondern aus sozialen und psychologischen Dynamiken. Die Sprache des Buches ist eindringlich und beinahe literarisch. Tuchman erzählt nicht trocken, sondern in Bildern, die das Grauen, aber auch die Kreativität der Zeit lebendig machen. Kathedralen und Universitäten erscheinen als kulturelle Höhepunkte, während Gewalt, Hunger und Aberglaube den Alltag bestimmten. Diese Gegenüberstellung macht das Buch fesselnd und zeigt, dass selbst in „dunklen Zeiten“ Fortschritt und Schönheit möglich waren. Was Der ferne Spiegel so wertvoll macht, ist die psychologische Tiefe. Tuchman zeigt, wie Macht, Angst, Schuld und Hoffnung das Handeln bestimmten. Der Schwarze Tod erschütterte das Vertrauen in die Kirche, öffnete aber auch den Weg zu einem kritischeren Denken. Hier sieht Tuchman den Keim des modernen Menschen, der sich seiner Individualität bewusst wird. Damit wird das Mittelalter nicht nur historische Kulisse, sondern eine Zeit, die uns in ihrer Menschlichkeit sehr nahekommt. Fazit: Der ferne Spiegel ist ein herausragendes Werk, das Geschichte mit erzählerischer Kraft vermittelt, ohne sie zu romantisieren. Es zeigt die Grausamkeit, das Leiden und die Irrationalität des 14. Jahrhunderts, aber auch seine kulturellen und geistigen Leistungen. Besonders stark sind die Passagen, die psychologische und gesellschaftliche Aspekte betonen – etwa Kindererziehung, Machtmissbrauch oder die Rolle von Angst und Schuld. Dadurch entsteht ein Buch, das nicht nur informiert, sondern zum Nachdenken über unsere eigene Zeit anregt. Für mich war es ein sehr, sehr gutes Leseerlebnis: fesselnd, eindringlich und voller Anregungen, wie wir Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Beziehung setzen können.





