Der blinde Lehrer
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Description
Was wäre, wenn das Aussprechen eines Namens ihn zugleich mit Leben füllen würde? Dies ist die Schule, von der Omer Romeo träumt. Fünfundvierzig Jahre alt, wird er als Vertretungslehrer für Naturwissenschaften in eine Klasse in Rom berufen, die vor den Abiturprüfungen steht und in der die hoffnungslosen Fälle der Schule vereint sind. Eine Herausforderung für Omer, der erblindet ist und nicht weiß, ob er zukünftig weiter als Lehrer gebraucht wird. Da er nicht in der Lage ist, die Gesichter der Schüler*innen zu sehen, erfindet er eine neue Art des morgendlichen Aufrufens und lässt die Jugendlichen ihre Geschichten erzählen. Langsam öffnen sie sich ihm: das Mädchen, das eine unaussprechliche Wunde verbirgt, der Rapper, der in einem Kinderheim lebt, der Streber, der nur hinter einem Bildschirm mit anderen in Kontakt tritt, die verlassene Tochter oder der aufstrebender Boxer, der davon träumt, wie Rocky zu sein ... Dem blinden Lehrer gelingt schließlich, die Kinder seiner Klasse von einer bloßen Ansammlung isolierter Stimmen in einen harmonischen Chor zu verwandeln.
Book Information
Author Description
Alessandro D'Avenia, geboren 1977, stammt aus Palermo. Eine Zeit lang unterrichtete er am Gymansium Italienisch und Latein, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Sein erster Roman Weiß wie Milch, rot wie Blut stand in Italien jahrelang auf der Bestsellerliste und wurde in zwanzig Länder verkauft. Mittlerweile hat er mehrere von Presse und Leser*innen hochgelobte Romane veröffentlicht und zählt zu den erfolgreichsten italienischen Autoren.
Posts
Ein Appell, die Mitmenschen wahrhaftig zu sehen. Für Idealisten und alle, die mit (jungen) Menschen zu tun haben.
Das Motiv der zusammengewürfelten Klasse aus "gescheiterten", desillusionierten Jugendlichen und einem Lehrer, der frischen Wind in die jungen Herzen bringt, kennt man so ähnlich auch aus anderen Werken. Was hier besonders ist, ist dass der Lehrer Omero Romeo erblindet ist und deshalb gezwungen ist, die Mitglieder seiner Lerngruppe durch ihre eigenen Geschichten kennenzulernen. Sein Konzept ist einfach: jede/r nennt zum Appell den eigenen Namen und hat kurz Gelegenheit, die eigenen Gedanken und Gefühle zu einem Stichwort zu erzählen. Der Appell wird anfangs noch belächelt, entfaltet dann jedoch schnell seine Wirkung bei den Jugendlichen und entwickelt sich zu einer kleinen persönlichen und systematischen Revolution. Die Kapitel im Buch sind aufgeteilt in Monate und begleiten Romeo durch sein Schuljahr, zwischendurch gibt es immer wieder die Passagen, in denen die Schüler:innen beim Appell zu Wort kommen, kombiniert mit Ausführungen zu Themen der Physik und Naturwissenschaften - schließlich soll Omero das der Klasse ja beibringen - sowie Reflexionen des Lehrers in Tagebuchform zu den einzelnen Jugendlichen. Nach und nach wächst das Bild, das man sich beim Lesen von den Hauptfiguren, insbesondere der Schulklasse zu einem vielschichtigen und tiefgreifenden Geflecht heran. Man fiebert mit, freut sich auf Entwicklungen oder trauert mit ihnen über erlebte Vergangenheit. Stellenweise waren mir die Ausführungen zu den naturwissenschaftlichen Phänomenen zu ausschweifig und auch die "große Revolution" und einhergehende Vorschläge und Entwicklungen fand ich teils überzogen und nicht immer überzeugend. Das Ende, in dem die Klasse sich wie vereinbart nach Jahren noch einmal zu einem letzten Appell trifft, fand ich berührend. Die Bestandsaufnahme einiger ehemaliger Schüler:innen brachte mich zum Schmunzeln und hielt die ein oder andere Überraschung bereit. Insgesamt ein "feel good"- Roman, der dazu anregt, den Menschen um uns herum mit mehr Interesse und Nachsicht zu begegnen.
Definitiv kommen hier "Club der toten Dichter"-Vibes.
"Schönheit ist die unvorhersehbare Synthese aus Harmonie und Chaos. Wie Schneeflocken fallen wir ins Leben, eine anders als die andere, einzigartig, mit einer Unsterblichkeit versehen, deren Regeln sich uns entziehen. Wir jagen dem Leben nach, nähren unsere Sehnsüchte. Inmitten der schwindelerregenden Strömung scheint das Chaos zu regieren, in dem wir uns zu verlieren drohen, aber gerade diese Unbilden bringen eine nie zuvor da gewesene Form hervor. Es braucht Mut, das Chaos auf sich zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass es zu unerwarteter Schönheit führt. Aber ich glaube, es gibt keine andere Schönheit als die, die den täglichen Schmerz in Hoffnung verwandelt." Einen wundervollen Roman, der das Wesen des Lehrens wieder auf den innersten Kern freilegt und die Bedeutung von Schule wieder in den Vordergrund rückt, legt uns der Autor Alessandro D'Avenia in die Hände. Übersetzt aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Der ehemalige Lehrer Omero Romeo liebt die Naturwissenschaften genauso wie die Philosophie. Denn beides ist aus der selben Frage geboren: Wie besiegt man den Tod? Nachdem er wegen seiner Erblindung viele Jahre nicht mehr unterrichtet hat, wird er als Vertretungslehrer der Naturwissenschaften an eine Schule in Rom berufen, um eine Klasse mit nicht ganz so einfachen Schülern aufs Abitur vorzubereiten. Da Omero die Gesichter seiner Schüler nicht sehen kann und daher nicht in der Lage ist ihre Emotionen zu erfassen, beginnt er jede Stunde mit einer besonderen Anwesenheitsliste: Jeder Schüler muss etwas von sich erzählen. Und damit nimmt eine Revolution ihren Lauf, die nicht nur Omeros Job in Gefahr bringt, sondern auch das Abitur der Schüler. Vorab sei gesagt, dass mir das Buch - mit kleinen Abstrichen - sehr gut gefallen hat, da es genau die Punkte und Ansätze aufgreift, die die Grundsteine in meinem Job als Lerntherapeutin betreffen. Aber nicht nur das, sondern auch die Forderung, dass Schule neu gedacht werden muss. D'Avenia erzählt die Geschichte des Lehrers Omero und seinen Schülern in einer sehr poetischen Sprache. Dabei wird es oft auch sehr naturwissenschaftlich und philosophisch, was Omero selbst sehr authentisch macht - das muss man natürlich auch mögen. D'Avenia lässt uns, seine Leser, in die Rolle des Lehrers Omero Romeo schlüpfen und uns so nach und nach die Schüler besser kennenlernen, sie klarer zu sehen, als jemand der sehend ist sie sehen kann. Aber auch Omeros persönliches Leid erfahren wir. Das hadern mit dem, was er verloren hat, als er blind wurde. Der Schmerz durch den er selbst gehen muss. Der Mut, den er selbst wieder finden muss. Und so geben ihm seine Schüler genauso viel, wie er ihnen gibt. Die gedanklichen Verbindungen der Philosophie und Quantenphysik mit dem Leben der Schüler hat mir in der Regel gut gefallen. Ein paar Verbindungen waren mir jedoch dann zu ausschweifend und langatmig. Aber insgesamt ist "Der blinde Lehrer" ein Buch, dass auf vielen Seiten mein Herz berührt hat. Und wenn ihr Spaß an Philosophie und naturwissenschaftlichen Themen habt und ihr zudem Fans vom "Club der toten Dichter" seid, dann kann ich euch Alessandro D'Avenias Roman sehr empfehlen. " Wenn man unseren Geschichten zuhört, ist es, als würden Brücken zwischen scheinbar einsamen, durch ein Meer aus Schmerz getrennten Inseln entstehen, dabei sind wir ein durch ein Meer aus Schmerz vereinter Archipel."

Starker Beginn, aber zunehmend konstruiert
Omer Romeo, ein blinder Lehrer, übernimmt eine Abiturklasse, die als besonders herausfordernd gilt. Durch ein ungewöhnliches Ritual – den „Appell“ – tastet er die Gesichter seiner Schüler:innen und bittet sie, sich mit persönlichen Gedanken vorzustellen. Was entsteht, ist eine stille Rebellion gegen ein Schulsystem, das Leistung über Menschlichkeit stellt. Als Lehrerin fand ich den Ansatz faszinierend – und gleichzeitig oft unrealistisch. Die Jugendlichen sprechen in einer Weise, die für ihr Alter kaum glaubhaft ist: hochreflektiert, tiefphilosophisch, beinahe übermenschlich offen. Auch Omer wird im Verlauf zunehmend unnachgiebig – sein Idealismus schlägt in Dogmatismus um. Trotzdem enthält der Roman starke, nachhallende Sätze wie: „Nach der Angst war es die Scham, die mir das Leben nahm.“ Sprachlich poetisch, inhaltlich ambitioniert – aber oft zu konstruiert und mit Längen, die mich aus der Geschichte herausgerissen haben. Fazit: Ein Roman, der berührt und zum Nachdenken anregt – besonders, wenn man selbst im Schuldienst steht. Aber zwischen Ideal und Realität bleibt vieles auf der Strecke.

Nach all den wunderbaren Büchern, die ich zuletzt lesen durfte, war hiermit leider nochmal ein Flop dabei. Beworben wird das Buch als „die italienische Antwort auf « Der Club der toten Dichter »“. Dementsprechend bin ich mit einer hohen Erwartungshaltung an das Buch heran gegangen, der es leider nicht gerecht wurde. Schon im Prolog wird klar, dass es sich um einen sehr speziellen und anstrengen zu lesenden Schreibstil handelt. Schachtelsatz nach Schachtelsatz, ohne dass sich erkennen ließe, worauf der Ich-Erzähler hinausmöchte. Ähnlich verhält es sich mit den Lehrmethoden des erblindeten Lehrers Omer Romeo. Er sitzt monologisierend vor der Klasse, teilweise erstreckt sich die wörtliche Rede über 1 1/2 Seiten, ohne dass sich in der Klasse was zu regen scheint oder Omer selbst mal kurz innehält. Das waren ganz klar die Lehrkräfte, bei denen ich im Unterricht besonders unaufmerksam war. Auch die Schicksale der Schüler*innen werden als Monologe aufgeführt und sind dabei sprachlich so distanziert, dass ich kaum mitfühlen konnte. Die wenigen Dialoge hingegen wirkten auf mich hölzern und plakativ und dementsprechend unauthentisch. Die Grundidee des Buches mochte ich jedoch sehr - wer mit einem wenig lebhaften Stil gut zurecht kommt, für den ist das Buch eventuell eher was als für mich.
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Was wäre, wenn das Aussprechen eines Namens ihn zugleich mit Leben füllen würde? Dies ist die Schule, von der Omer Romeo träumt. Fünfundvierzig Jahre alt, wird er als Vertretungslehrer für Naturwissenschaften in eine Klasse in Rom berufen, die vor den Abiturprüfungen steht und in der die hoffnungslosen Fälle der Schule vereint sind. Eine Herausforderung für Omer, der erblindet ist und nicht weiß, ob er zukünftig weiter als Lehrer gebraucht wird. Da er nicht in der Lage ist, die Gesichter der Schüler*innen zu sehen, erfindet er eine neue Art des morgendlichen Aufrufens und lässt die Jugendlichen ihre Geschichten erzählen. Langsam öffnen sie sich ihm: das Mädchen, das eine unaussprechliche Wunde verbirgt, der Rapper, der in einem Kinderheim lebt, der Streber, der nur hinter einem Bildschirm mit anderen in Kontakt tritt, die verlassene Tochter oder der aufstrebender Boxer, der davon träumt, wie Rocky zu sein ... Dem blinden Lehrer gelingt schließlich, die Kinder seiner Klasse von einer bloßen Ansammlung isolierter Stimmen in einen harmonischen Chor zu verwandeln.
Book Information
Author Description
Alessandro D'Avenia, geboren 1977, stammt aus Palermo. Eine Zeit lang unterrichtete er am Gymansium Italienisch und Latein, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Sein erster Roman Weiß wie Milch, rot wie Blut stand in Italien jahrelang auf der Bestsellerliste und wurde in zwanzig Länder verkauft. Mittlerweile hat er mehrere von Presse und Leser*innen hochgelobte Romane veröffentlicht und zählt zu den erfolgreichsten italienischen Autoren.
Posts
Ein Appell, die Mitmenschen wahrhaftig zu sehen. Für Idealisten und alle, die mit (jungen) Menschen zu tun haben.
Das Motiv der zusammengewürfelten Klasse aus "gescheiterten", desillusionierten Jugendlichen und einem Lehrer, der frischen Wind in die jungen Herzen bringt, kennt man so ähnlich auch aus anderen Werken. Was hier besonders ist, ist dass der Lehrer Omero Romeo erblindet ist und deshalb gezwungen ist, die Mitglieder seiner Lerngruppe durch ihre eigenen Geschichten kennenzulernen. Sein Konzept ist einfach: jede/r nennt zum Appell den eigenen Namen und hat kurz Gelegenheit, die eigenen Gedanken und Gefühle zu einem Stichwort zu erzählen. Der Appell wird anfangs noch belächelt, entfaltet dann jedoch schnell seine Wirkung bei den Jugendlichen und entwickelt sich zu einer kleinen persönlichen und systematischen Revolution. Die Kapitel im Buch sind aufgeteilt in Monate und begleiten Romeo durch sein Schuljahr, zwischendurch gibt es immer wieder die Passagen, in denen die Schüler:innen beim Appell zu Wort kommen, kombiniert mit Ausführungen zu Themen der Physik und Naturwissenschaften - schließlich soll Omero das der Klasse ja beibringen - sowie Reflexionen des Lehrers in Tagebuchform zu den einzelnen Jugendlichen. Nach und nach wächst das Bild, das man sich beim Lesen von den Hauptfiguren, insbesondere der Schulklasse zu einem vielschichtigen und tiefgreifenden Geflecht heran. Man fiebert mit, freut sich auf Entwicklungen oder trauert mit ihnen über erlebte Vergangenheit. Stellenweise waren mir die Ausführungen zu den naturwissenschaftlichen Phänomenen zu ausschweifig und auch die "große Revolution" und einhergehende Vorschläge und Entwicklungen fand ich teils überzogen und nicht immer überzeugend. Das Ende, in dem die Klasse sich wie vereinbart nach Jahren noch einmal zu einem letzten Appell trifft, fand ich berührend. Die Bestandsaufnahme einiger ehemaliger Schüler:innen brachte mich zum Schmunzeln und hielt die ein oder andere Überraschung bereit. Insgesamt ein "feel good"- Roman, der dazu anregt, den Menschen um uns herum mit mehr Interesse und Nachsicht zu begegnen.
Definitiv kommen hier "Club der toten Dichter"-Vibes.
"Schönheit ist die unvorhersehbare Synthese aus Harmonie und Chaos. Wie Schneeflocken fallen wir ins Leben, eine anders als die andere, einzigartig, mit einer Unsterblichkeit versehen, deren Regeln sich uns entziehen. Wir jagen dem Leben nach, nähren unsere Sehnsüchte. Inmitten der schwindelerregenden Strömung scheint das Chaos zu regieren, in dem wir uns zu verlieren drohen, aber gerade diese Unbilden bringen eine nie zuvor da gewesene Form hervor. Es braucht Mut, das Chaos auf sich zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass es zu unerwarteter Schönheit führt. Aber ich glaube, es gibt keine andere Schönheit als die, die den täglichen Schmerz in Hoffnung verwandelt." Einen wundervollen Roman, der das Wesen des Lehrens wieder auf den innersten Kern freilegt und die Bedeutung von Schule wieder in den Vordergrund rückt, legt uns der Autor Alessandro D'Avenia in die Hände. Übersetzt aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Der ehemalige Lehrer Omero Romeo liebt die Naturwissenschaften genauso wie die Philosophie. Denn beides ist aus der selben Frage geboren: Wie besiegt man den Tod? Nachdem er wegen seiner Erblindung viele Jahre nicht mehr unterrichtet hat, wird er als Vertretungslehrer der Naturwissenschaften an eine Schule in Rom berufen, um eine Klasse mit nicht ganz so einfachen Schülern aufs Abitur vorzubereiten. Da Omero die Gesichter seiner Schüler nicht sehen kann und daher nicht in der Lage ist ihre Emotionen zu erfassen, beginnt er jede Stunde mit einer besonderen Anwesenheitsliste: Jeder Schüler muss etwas von sich erzählen. Und damit nimmt eine Revolution ihren Lauf, die nicht nur Omeros Job in Gefahr bringt, sondern auch das Abitur der Schüler. Vorab sei gesagt, dass mir das Buch - mit kleinen Abstrichen - sehr gut gefallen hat, da es genau die Punkte und Ansätze aufgreift, die die Grundsteine in meinem Job als Lerntherapeutin betreffen. Aber nicht nur das, sondern auch die Forderung, dass Schule neu gedacht werden muss. D'Avenia erzählt die Geschichte des Lehrers Omero und seinen Schülern in einer sehr poetischen Sprache. Dabei wird es oft auch sehr naturwissenschaftlich und philosophisch, was Omero selbst sehr authentisch macht - das muss man natürlich auch mögen. D'Avenia lässt uns, seine Leser, in die Rolle des Lehrers Omero Romeo schlüpfen und uns so nach und nach die Schüler besser kennenlernen, sie klarer zu sehen, als jemand der sehend ist sie sehen kann. Aber auch Omeros persönliches Leid erfahren wir. Das hadern mit dem, was er verloren hat, als er blind wurde. Der Schmerz durch den er selbst gehen muss. Der Mut, den er selbst wieder finden muss. Und so geben ihm seine Schüler genauso viel, wie er ihnen gibt. Die gedanklichen Verbindungen der Philosophie und Quantenphysik mit dem Leben der Schüler hat mir in der Regel gut gefallen. Ein paar Verbindungen waren mir jedoch dann zu ausschweifend und langatmig. Aber insgesamt ist "Der blinde Lehrer" ein Buch, dass auf vielen Seiten mein Herz berührt hat. Und wenn ihr Spaß an Philosophie und naturwissenschaftlichen Themen habt und ihr zudem Fans vom "Club der toten Dichter" seid, dann kann ich euch Alessandro D'Avenias Roman sehr empfehlen. " Wenn man unseren Geschichten zuhört, ist es, als würden Brücken zwischen scheinbar einsamen, durch ein Meer aus Schmerz getrennten Inseln entstehen, dabei sind wir ein durch ein Meer aus Schmerz vereinter Archipel."

Starker Beginn, aber zunehmend konstruiert
Omer Romeo, ein blinder Lehrer, übernimmt eine Abiturklasse, die als besonders herausfordernd gilt. Durch ein ungewöhnliches Ritual – den „Appell“ – tastet er die Gesichter seiner Schüler:innen und bittet sie, sich mit persönlichen Gedanken vorzustellen. Was entsteht, ist eine stille Rebellion gegen ein Schulsystem, das Leistung über Menschlichkeit stellt. Als Lehrerin fand ich den Ansatz faszinierend – und gleichzeitig oft unrealistisch. Die Jugendlichen sprechen in einer Weise, die für ihr Alter kaum glaubhaft ist: hochreflektiert, tiefphilosophisch, beinahe übermenschlich offen. Auch Omer wird im Verlauf zunehmend unnachgiebig – sein Idealismus schlägt in Dogmatismus um. Trotzdem enthält der Roman starke, nachhallende Sätze wie: „Nach der Angst war es die Scham, die mir das Leben nahm.“ Sprachlich poetisch, inhaltlich ambitioniert – aber oft zu konstruiert und mit Längen, die mich aus der Geschichte herausgerissen haben. Fazit: Ein Roman, der berührt und zum Nachdenken anregt – besonders, wenn man selbst im Schuldienst steht. Aber zwischen Ideal und Realität bleibt vieles auf der Strecke.

Nach all den wunderbaren Büchern, die ich zuletzt lesen durfte, war hiermit leider nochmal ein Flop dabei. Beworben wird das Buch als „die italienische Antwort auf « Der Club der toten Dichter »“. Dementsprechend bin ich mit einer hohen Erwartungshaltung an das Buch heran gegangen, der es leider nicht gerecht wurde. Schon im Prolog wird klar, dass es sich um einen sehr speziellen und anstrengen zu lesenden Schreibstil handelt. Schachtelsatz nach Schachtelsatz, ohne dass sich erkennen ließe, worauf der Ich-Erzähler hinausmöchte. Ähnlich verhält es sich mit den Lehrmethoden des erblindeten Lehrers Omer Romeo. Er sitzt monologisierend vor der Klasse, teilweise erstreckt sich die wörtliche Rede über 1 1/2 Seiten, ohne dass sich in der Klasse was zu regen scheint oder Omer selbst mal kurz innehält. Das waren ganz klar die Lehrkräfte, bei denen ich im Unterricht besonders unaufmerksam war. Auch die Schicksale der Schüler*innen werden als Monologe aufgeführt und sind dabei sprachlich so distanziert, dass ich kaum mitfühlen konnte. Die wenigen Dialoge hingegen wirkten auf mich hölzern und plakativ und dementsprechend unauthentisch. Die Grundidee des Buches mochte ich jedoch sehr - wer mit einem wenig lebhaften Stil gut zurecht kommt, für den ist das Buch eventuell eher was als für mich.







