Das Unterkind

Das Unterkind

Book
4.33

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Description

Käthes Vater ist ein aufstrebender Architekt in Bielefeld und ihre Mutter die Tochter des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde der Stadt. Was als normales Leben einer bürgerlichen Familie mit drei Töchtern beginnt, wird schließlich mehr und mehr überschattet von den Auswirkungen der ­politischen Entwicklung ab 1933. Sprachlich klar und auf zurückhaltende Weise intensiv beschreibt Karen Gershon das Verhältnis zu ihren Eltern, deren Verhältnis zueinander, die Charaktere der drei sehr verschiedenen Schwestern und deren Wechselwirkungen untereinander, aber auch das Leben im Jüdischen Landschulheim Herrlingen, ihre ­literarischen Anfänge, erste irritierende ­Liebesgefühle und bittere Selbsterkenntnisse. Das alles geschieht vor dem Hintergrund des erzwungenen Abstiegs der Familie und der sich immer weiter steigernden Diskriminierung. Die ­extrem bedrohliche Situation und die Auswirkungen des November­pogroms in ihrer Stadt sind dann der Endpunkt des Lebens der drei Mädchen in Deutschland. Karen Gershons Kunst ist es, all dies auf sehr nahekommende Weise in Worte zu fassen und ein Kinderschicksal des 20.  Jahrhunderts sehr lebensecht in Erinnerung zu bringen.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Memoirs
Format
Book
Pages
312
Price
24.70 €

Posts

3
All
4

4 ⭐️⭐️⭐️⭐️

DAS UNTERKIND, eine mit den illusionslosen und doch wehmütigen Blick einer Erwachsenen erzählte Autobiografie. Karen Gershons Buch entwirft das Porträt eines empfindsamen Mädchens, dessen Seele für immer verletzt ist, ein Kind unseres Jahrhunderts, ein Kind Europas - und ein Opfer ihres eigenen Landes, Deutschland.

5

Das Unterkind von Karen Gershon

Käthe wächst in den 1930er Jahren in Bielefeld als Jüdin auf. Mit berührenden Worten berichtet sie von ihrer Kindheit und Jugend, von ihren Eltern und das Verhältnis zur eigenen Identität und der Schuld überlebt zu haben. Sozial ausgegrenzt und aller Perspektiven beraubt, versucht die Familie so gut es geht zu überleben und ihre Töchter auf eine mögliche Emigration vorzubereiten. Beim Titel des Buches musste ich erst schlucken, denn die Autorin bezeichnet sich selbst mehrfach in diesem Buch so. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass sie Jüdin ist und ihre Familie soziale und politische Ausgrenzung erleben muss, sondern auch an dem Verhältnis zu ihren beiden älteren Schwestern. Die Familienbande sind innig und doch von Konflikten geprägt. Anne, die Älteste, wird von Käthe glühend bewundert, während sie Lise, das mittlere Kind, emotional vereinnahmt und sie braucht. Die Sprache des Autobiografischen Romans ist klar und doch schwingen Selbstkritik und Liebe durch die Zeilen. Liebe zum Vater, der nicht immer anwesend war, Liebe zur Mutter, die alles für die Töchter gegeben hat. Käthe selbst ist kein einfaches Kind und keine einfache Jugendliche. Sie grenzt sich selbst oft aus, ist auf der Suche nach ihrer Identität, was sie auch wütend macht, was in Anbetracht der Umstände, dass der Judenhass so öffentlich gelebt wurde, kein Wunder ist. Wie kann man gerne das sein, was andere zu vernichten suchen? Ihre Reaktion ist daher verständlich ambivalent. Sie möchte gerne nicht jüdisch sein, liebt aber auch ihre Religion. Das hat das Buch für mich sehr ergreifend gemacht und ich kann es nur klar jedem empfehlen, der sich mit dem jüdischen Leben in den Jahren des dritten Reichs auseinandersetzen möchte.

4

Eine vor allem für BielefelderInnen interessante Geschichte, über ein jüdisches Mädchen vor und während des zweiten Weltkrieges. Die Autorin schreibt in dritter Person über sich und ist dabei schonungslos ehrlich, was ihre Gefühle und ihr (nicht immer einwandfreies) Verhalten als Kind anbelangt. Ein interessantes Buch, aber kein Lieblingsbuch.

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