Das Tränenhaus. Roman

Das Tränenhaus. Roman

Hardback
4.39

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Description

Ein Plädoyer für weibliche Solidarität

Abseits der Blicke der Außenwelt, draußen in der schwäbischen Provinz, führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Das Tränenhaus wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.

»Dieses Grundbuch der frühen Frauenbewegung von 1896 kann man ohne Weiteres neben Fontane stellen.«
Tilman Krause über Aus guter Familie

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
204
Price
22.70 €

Author Description

Gabriele Reuter (1859–1941) war bekannt für ihre realistischen und sozialkritischen Romane. Mit Aus guter Familie wurde sie über Nacht berühmt. Als Wegbereiterin der Frauenliteratur im 19. und frühen 20. Jahrhundert bot sie wertvolle Einblicke in die Lebensumstände ihrer Zeit und prägte die Diskussion über Geschlechterrollen und soziale Gerechtigkeit.

Posts

7
All
5

Ich bin ein großer Fan der Reclam-Reihe „Klassikerinnen“ und freue mich sehr, dass auch Gabriele Reuter dort ihren Platz gefunden hat. Ihr Buch Aus guter Familie war bereits eine beeindruckende Geschichte, und Das Tränenhaus knüpft nahtlos daran an. Die behandelten Themen sind erneut vielfältig, wobei der Fokus wieder auf dem Leben von Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts liegt. Es überrascht mich daher nicht, dass dieses Buch bei seinem Erscheinen auf viel Unmut gestoßen ist. Für die damalige Zeit stelle ich es mir durchaus gewagt vor, eine solche Geschichte zu veröffentlichen. Nichtsdestotrotz eröffnet Das Tränenhaus eine äußerst interessante Perspektive auf die Epoche und zeigt eindrucksvoll, wie mit Frauen umgegangen wurde. Was mich besonders angesprochen hat, war die Dynamik zwischen den verschiedenen Frauenfiguren, die liebevollen Details wie der schwäbische Dialekt sowie das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Charaktere aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Das hat mich stellenweise zum Schmunzeln gebracht. Für mich könnte dieses Buch schon jetzt das Highlight des Jahres sein.

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5

Ein eindrückliches Zeitdokument

In ihrem Roman "Das Tränenhaus" verarbeitet Gabriele Reuter ihre Erfahrungen bei der Geburt ihrer Tochter in einem Gebärhaus für Ledige. Der Roman ist 1908 erstmalig erschienen und sorgte für einen Skandal. Eine von ihr überarbeitete Version wurde 1926 veröffentlicht. In der schwäbischen Provinz führt eine Hebamme (die Uffenbacherin) eine Einrichtung, in der ledige Mütter diskret ihr Kind zu Welt bringen können. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich in die Einrichtung zurück, erlebt dort eine sehr resolute Hebamme, die immer bereit für Schikanen aller Art ist. Von wem sie sich Vorteile erhofft, wird bevorzugt behandelt. Gabriele Reuter legt hier einen Roman vor, der die Zeit vor über 100 Jahren sehr detailliert beschreibt und uns heute näher bringt. Ledige Mütter wurden mit Verachtung gestraft. Manche durften nach der heimlichen Geburt ihres Kindes in ihre Familien zurückkehren, natürlich ohne ihr Kind. Ich fand es beeindruckend, die Geschichte einer ledigen Mutter Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren eigenen Worten lesen zu können und nicht eigebettet in eine fiktive Handlung. Reuter vermittelt in ihrem Roman sehr gut die innere Zerrissenheit von Cornelie, aber auch den wachsenden Zusammenhalt der Frauen untereinander. Dazu die Uffenbacherin, die nur auf ihr eigenes Wohl bedacht ist und nicht auf das der ihr anvertrauten Frauen oder Neugeborenen. Um selbst schlafen zu können, verabreicht sie den Säuglingen zu Nacht sog. Mohnsaft (Opium) Die Sprache entspricht natürlich der damaligen Zeit. Ich finde es gut, dass diese Sprache im Werk erhalten bleibt und dadurch das Gesamtwerk auch viel authentischer ist. Ich empfehle allen Lesenden dieses Romans ausdrücklich, auch das sehr umfangreiche Nachwort zu lesen, Im Anschluss daran finden wir außerdem eine Zeittafel über das Leben von Gabriele Reuter. Ein feministischer Roman aus einer längst vergangenen Zeit, den ich absolut weiterempfehlen möchte. Er regt zum Nachdenken an über die Situation von Frauen damals und heute. Von Herzen 5 Sterne für diese Neuauflage aus der Sicht einer Betroffenen!

5

Sternebewertung fiktiv

Manchmal frage ich mich wirklich, warum manche Bücher nach über hundert Jahren noch immer aktueller wirken als vieles, was heute erscheint. „Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter war genau so ein Roman für mich. Ich greife unglaublich gerne zu Wiederentdeckungen aus früheren Jahrzehnten, weil mich oft genau diese Ehrlichkeit fasziniert . Und hier hat mich zusätzlich sofort beeindruckt, wie nah die Geschichte offenbar an der Autorin selbst liegt. Deshalb mein Tipp inzwischen bei solchen Büchern. Erst das Nachwort lesen. Es verändert den Blick auf die ganze Geschichte. Wir lernen Cornelia Reimann, Schriftstellerin kennen. Eine junge Frau aus gutem Hause, gebildet, privilegiert und vor allem ungewöhnlich selbstbestimmt für ihre Zeit. Sie entscheidet sich bewusst für körperliche Nähe, bewusst für ihre Beziehung und später auch bewusst für ihr Kind. Genau darin unterscheidet sie sich von vielen anderen Frauen im sogenannten Tränenhaus. Denn dieses Geburtshaus, geführt von der Hebamme Uffenbacher irgendwo in schwäbischer Provinz, ist ein Ort für Frauen, die gesellschaftlich eigentlich keinen Platz mehr haben. Frauen, die schwanger geworden sind und deren Leben plötzlich nicht mehr ihnen selbst gehört. Viele von ihnen stammen aus einfachen Verhältnissen, wurden abhängig gemacht, ausgenutzt oder sind Opfer von Gewalt geworden. Manche wurden einfach naiv geliebt und dafür bestraft. Die Intensität der Geschichte wird durch die vielen Dialoge in schwäbischer Mundart nochmal verstärkt. Wir erleben das Zusammenleben der Frauen unter diesen Umständen. Zu Beginn sitzt Cornelia zwar mit ihnen im selben Haus, aber nicht aus denselben Gründen. Sie hat eine Wahl gehabt. Die anderen meist nicht. Ich fand diese Dynamik unglaublich stark erzählt. Anfangs bleibt Cornelia eher für sich. Sie beobachtet. Liest. Denkt nach. Sie wirkt fast losgelöst von den anderen Frauen. Doch langsam entstehen Gespräche, Vertrauen und irgendwann etwas, das in dieser Zeit wahrscheinlich überlebenswichtig war: Solidarität. Man spürt die Enge des Hauses, die Scham, die gesellschaftliche Härte jener Zeit, aber eben auch die kleinen Momente von Nähe zwischen den Frauen. Man merkt, wie sehr Frauen damals in festgelegten Rollen gefangen waren. Ihr Wert hing davon ab, ob sie sich gesellschaftlich „richtig“ verhielten. Und obwohl wir heute glücklicherweise nicht mehr in solchen Verhältnissen leben, hatte ich beim Lesen trotzdem oft den Gedanken, wie viele Diskussionen über weibliche Selbstbestimmung noch immer geführt werden müssen. Noch immer entscheiden Frauen nicht alleine, wenn es um den Abbruch geht. „Das Tränenhaus“ist ein sehr kluger, sehr menschlicher und gesellschaftlich unglaublich spannender Roman im Bezug auf Frauenleben, Mutterschaft, Scham, Freiheit und Solidarität. Für mich eine echte Wiederentdeckung. Triggerwarnung! Schwangerschaft, gesellschaftliche Ausgrenzung, sexualisierte Gewalt, Missbrauch

Sternebewertung fiktiv
5

»Dachten die Menschen wirklich so wenig über sich selbst und ihre Beziehungen zueinander nach, dass schon die einfachen, zutage liegenden Beobachtungen, die Cornelie hier zusammengestellt hatte, hinreichten, sie in Erstaunen und Erschütterung zu versetzen?« Die Schriftstellerin Cornelia Reimann ist schwanger und ledig. Ein harter Schicksalsschlag für Frauen zur damaligen Zeit, doch keineswegs für Männer. Sie macht sich auf, fort von daheim und begibt sich in die Pension der nicht eben sympathischen Frau Uffenbacher, wo sie mehrere Frauen trifft, denen es gleich geht. Von Männern verführt – mal in beiderseitigem Einverständnis und manchmal eben auch nicht. Dass diese Pension viel mehr eine Bruchbude ist, offenbart sich ihr schon bald, gleichfalls des wahren Wesens der Pensionswirtin. Man braucht etwas, um in den Roman zu finden, der nicht eben fesselnd geschrieben ist. Doch was zählt, sind viel mehr die geschilderten Zustände – das Leid der Frauen und die Gleichgültigkeit der Männer –, die bleiben. Wie so oft bei Neuauflagen von Klassikern, bin ich dankbar für das Nachwort von Annette Seemann, das nicht nur dieses Werk in den Kontext der damaligen Zeit einordnet und in Reuters Gesamtwerk verortet, sondern außerdem deutlich macht, dass die Geschichte der Cornelie Reimann – zwar als exemplarische Schicksal, aber keineswegs Fiktion – gar nicht so weit von Gabriele Reuters Vita entfernt ist. Von der Entstehung und Veröffentlichung des Buchs bis heute, hat sich zwar vieles verändert, aber leider noch lange nicht genug, um diesen Roman nicht mehr als aktuell und relevant anzusehen.

4

„Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter sorgte im Erscheinungsjahr 1908 für jede Menge Aufruhr. Es beleuchtet das Leben lediger, schwangerer Frauen und ihre Zeit bis zur Geburt. Im Haus der Uffenbacherin finden sie eine vorübergehende Bleibe. Im Mittelpunkt steht vor allem Cornelie, die anfangs noch recht verhalten und eigenbrötlerisch wirkt, dann aber immer mehr eins wird mit den anderen Frauen. Sie verlässt z. B. das Haus ohne Bescheid zu sagen. Es dauert eben, bis sich alle miteinander arrangiert haben. Jede Frau trägt ihr Schicksal bei sich. Sie reden, sind offen, reflektieren ihr vorheriges Leben. Das Zusammenleben mit der Heimleiterin gestaltet sich nicht immer nach den Wünschen der Frauen. Da die Heimleiterin oft genug über die Köpfe hinweg Entscheidungen trifft und ohne das Wissen der Bewohnerinnen Briefe an deren Familien verschickt. Der Zugang zum Buch fiel mir leicht trotz des damaligen Sprachstils, erfordert aber Konzentration. Die Autorin hat alles ganz wunderbar beschrieben, sodass sich sofort Bilder und Gefühle zusammensetzten. Das literarische Spiel zwischen Witz und der Ernsthaftigkeit des Lebens gefiel mir ausgesprochen gut, sowie das Ankommen von Cornelie in ihrer neuen Umgebung. Ein wichtiges Buch über Frauensolidarität und weibliche Selbstbestimmung!

5

Beeindruckend

„Gott erhalte dir deinen harten Schädel, und einen harten Willen geb‘ er dir dazu, denn beides kann ein Weib gebrauchen.“ Seite 181 Die Beschreibung zum Buch sprach mich sehr an. Mit den historischen Gegebenheiten der Zeit war ich nicht so gut vertraut. Es brauchte Zeit mit der Sprache Gabriele Reuters warm zu werden. Ich verstand nicht alles exakt, bemerkte aber, dass es mir zusehends schlechter gelang, das Buch aus der Hand zu legen. Mir gefiel das Nachwort, da es mir sehr half, eine bessere Vorstellung vom historischen Kontext und der Person Gabriele Reuter zu erhalten. Ich beabsichtige, mehr von ihr zu lesen.

Beeindruckend
4

𝒲𝑒𝓇𝒷𝓊𝓃𝑔[Rezensionsexemplar] >>...Gott erhalte dir deinen harten Schädel, und einen harten Willen geb' er dir dazu, denn beides kann ein Weib gebrauchen.<< „Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter ist eine Geschichte, in der wir die junge schwangere Schriftstellerin Corneline begleiten, die sich in die schwäbische Provinz begibt, um abgeschieden von der Gesellschaft und den „Normen“ in einer Art Frauenheim/Anstalt ihr Kind zu gebären. Man taucht tief ein in Cornelines Gedanken, Gefühle und betritt mit ihr einen Ort, der nach außen Sicherheit und Schutz verheißt, doch die Fassade bröckelt mehr und mehr und für Corneline und auch die anderen Frauen in dieser Anstalt beginnt eine Zeit, in der sie einen hohen Preis dafür zahlen, nicht nach den Normen und Regeln der guten Gesellschaft gehandelt zu haben. Das Buch hat mich auf eine stille, aber eindringliche Weise sehr beeindruckt. Obwohl es sich um einen Klassiker handelt, ist die Sprache überraschend zugänglich, wie ich finde und angenehm zu lesen. Vielleicht nicht besonders anspruchsvoll im literarischen Sinne, aber gerade dadurch sehr direkt in der Wirkung. Besonders spannend fand ich den autobiografischen Bezug, der durch das Nachwort von Annette Seemann doch sehr deutlich wird. Zu wissen, dass viele Elemente der Geschichte auf eigenen Erfahrungen der Autorin beruhen, verleiht dem Roman eine zusätzliche emotionale Tiefe, die mir gerade am Ende noch einmal mehr bewusst wurde. Gleichzeitig wird klar, wie mutig es gewesen sein muss, ein solches Thema zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffentlich zu machen. Die gesellschaftliche Problematik, die Gabriele Reuter anspricht, die Ausgrenzung unverheirateter schwangerer Frauen und alleinstehender Mütter, wirkt erschreckend aktuell. Auch wenn sich seit 1908 sicher vieles verändert hat, ist die grundlegende Stigmatisierung in Teilen noch immer vorhanden. Gerade deshalb finde ich, trifft das Buch auch heute noch einen Nerv. Besonders berührt hat mich hier auch die Entwicklung der Protagonistin Corneline. Ihre anfängliche Isolation wandelt sich nach und nach in ein Gefühl von Gemeinschaft, als sie sich mit den anderen Frauen der Anstalt anfreundet und beginnt sich für sie einzusetzen. Diese leise, aber kraftvolle Entwicklung gibt der Geschichte Hoffnung und Menschlichkeit, zeigt Solidarität ohne die schwierigen Umstände zu beschönigen. Insgesamt ist „Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter für mich ein bewegendes Zeitdokument, das nicht durch sprachliche Komplexität überzeugt, sondern vielmehr durch Ehrlichkeit, Mut und seine anhaltende gesellschaftliche Relevanz. #reclamverlag #reclam #lovelybooks #klassiker

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