Das Paradies der Damen

Das Paradies der Damen

Softcover
4.65
Octave MouretDenise BaudauBankrottKrimi

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Der 11. Band der Rougon-Macquart in neuer Rechtschreibung.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Softcover
Pages
292
Price
27.70 €

Posts

2
All
5

Mit "Das Paradies der Damen" hat Emile Zola einen Klassiker geschrieben, der von gesellschaftlichen Umbrüchen im 19 Jahrhundert erzählt und trotzdem noch aktuell ist. Wolfgang M. Schmitt und Ole (Wohlstand für Alle) bezeichnen es in ihrer Literaturbesprechung als Jeff Bezos Bibel. Während ich das Buch las, hatte ich außerdem die ganze Zeit Primark und TK Maxx vor Augen. Deren Verkaufskonzept wird hier detailgetreu geschildert, Ware unbedingt billig zu verkaufen, Verluste in Kauf zu nehmen und diese über schiere Masse wieder einzunehmen. Bevor man auf der Ware sitzen bleibt, muss sie zu noch günstigeren Schleuderpreisen verkauft werden, alles um das Kapital möglichst schnell wieder in Umlauf zu bringen. Wenn ab und zu sehr hochwertige Produkte zu günstigen Preisen hergegeben werden, kann minderwertige Ware zum gleichen Preis und damit viel teurer verkauft werden, da die Kundinnen immer überzeugt sein werden ein Schnäppchen gemacht zu haben. All diese als so neuartig bezeichneten Verkaufskonzepte sind eigentlich schon über 100 Jahre alt. Auch die "moderne" Mitarbeiterbindung an das Unternehmen durch Angebote wie Sport, Ausflüge etc. ist nur kalter Kaffee. Die Geschichte selbst erzählt den gesellschaftlichen Aufstieg einer armen, verwaisten jungen Frau. Jedoch nur auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin, handelt das Buch vom Siegeszug des Kapitalismus und dem damit einhergehenden Niedergang der traditionellen Ordnung. Es gibt viele Charaktere die einzelne Aspekte der beiden Gesellschaftsstrukturen widerspiegeln, im Fokus liegen jedoch drei Parteien. Mouret, der Kaufhausbesitzer als Verkörperung des Kapitalismus und des charismatischen Geschäftsmannes. Die alte Kaufmannszunft welche durch die Eröffnung des Shoppingcenters "Das Paradies der Damen" alle Kunden verliert, sich jedoch weigert mit der Zeit mitzugehen was bedeutet den Familienbetrieb aufzugeben und sich eine Anstellung im Paradies der Damen zu suchen. Als erfolgreicher Mitarbeiter würden sie dort freilich weitaus mehr verdienen als mit ihrem selbstständigen Betrieb, allerdings halten sie verbissen an ihrer konservativen Haltung fest und gehen schließlich durch ihre Weigerung sich den Änderungen anzupassen zu Grunde. Denise steht dabei zwischen den Stühlen, da ihre Familie sowie Menschen die ihr lieb und teuer sind von Mouret verdrängt werden, während sie selbst im Kaufhaus immer weiter die Karriereleiter hinauf klettert und sich nicht dem Lauf der Zeit verschließt. Zola stellt hier einen sehr starken Frauencharakter dar. Denise besitzt einen klugen Verstand und betrachtet trotz der schlechten Arbeitsbedingungen und harten Konkurrenz nüchtern die Vorteile dieses Systems. Sie zeichnet sich durch eine entschlossene und unbeugsame Sanftmut aus, die nicht gebrochen werden kann. Dem gegenüber steht der charismatische, draufgängerische Mouret der alles bekommt was er will. Er hat ein Händchen für Frauen, weiß wie er sie umschmeicheln muss um seinen Gewinn aus ihnen zu ziehen. Darin offenbart sich schließlich seine zutiefst frauenverachtende Meinung, die nicht weniger grausam ist als die von seinem Geschäftspartner der Frauen offen verabscheut und sie verprügelt. Denise schafft es mit ihrer einfachen, sanften Art das Geschäfskonzept des Kaufhauses nachhaltig zu verbessern. Schließlich gibt sich selbst ihr Antagonist, der Geschäftspartner Mourets, geschlagen. Natürlich kommt es wie es kommen muss, Mouret verliebt sich in Denise wodurch sie unfreiwillig zur passiven Rächerin aller von ihm ausgenutzten Frauen wird. Es bleibt die, vielleicht romantische Hoffnung, dass es ein Letztes gibt was der Kapitalismus nicht besitzen kann: wahre Liebe. Für Emile Zola ein ungewohnt glückliches Ende welches einen Hoffnungsschimmer in der lieblosen Welt des großen Kapitals hinterlässt.

4

Frankreich im 19. Jahrhundert. Die junge Denise kommt mit ihren beiden jüngeren Brüdern in Paris an, nachdem die Eltern verstorben sind, um bei ihrem Onkel zu leben. Doch der Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts lehnt dies ab. Was nun? Gegenüber befindet sich etwas ganz Neues: Ein großes Kaufhaus! Dieses wird von allen Einzehändlern leidenschaftlich gehasst, da es das Überleben der kleinen Geschäfte bedroht. Doch für Denise ist das “Paradies der Damen” eine Chance und sie bewirbt sich um eine Stelle als Verkäuferin. Wird die schüchterne junge Frau sich in dem großen Betrieb durchsetzen können? Auf dieses Buch bin ich durch die BBC-Serie “The Paradise” gekommen, die auf dem Buch basiert, den Schauplatz aber nach England verlegt. Auch inhaltlich wurde einiges im Vergleich zu der Vorlage geändert – aber an dieser Stelle soll es ja um das Buch gehen. Die zentrale Figur des Romans, Denise, ist eine äußerst liebenswürdige Person, die jeden Leser sofort für sich gewinnen wird. Ein bisschen naiv und wenig durchsetzungsfähig ist sie zunächst, und der Leser durchleidet mit ihr so einiges. Während des Buches macht sie dann eine Entwicklung durch, die man zunächst kaum für möglich hält, bleibt dabei aber immer sie selbst. Die zweite Hauptfigur, der Kaufhausbesitzer Mouret, ist ein bisschen zwielichtig: ein Frauenheld, ein Dandy, für den seine Affären eine Selbstverständlichkeit sind, aber auch ein geborener Geschäftsmann mit vielen positiven Seiten ist. Unabhängig von den Charakteren bietet das Buch einen schillernden Einblick in den Beginn einer neuen Ära des Geschäftswesens: Mode von der Stange, Preiskampf und Wettbewerb statt kleiner, spezialisierter Einzelhändler. Sehr interessant ist Denises Einstellung dem gegenüber: Dass sie realisiert, dass es sich hierbei um einen unausweichlichen Prozess handelt, der für die Kunden auch positive Aspekte hat, zeigt, dass sie keineswegs ein unwissendes junges Dummchen ist sondern im Gegenteil ein sehr großes Auffassungsvermögen hat. Herrlich beschrieben auch die obere Gesellschaftsschicht, die Scheinheiligkeit der reichen oder auch nicht mehr reichen Damen. Das Buch bietet also nicht nur einen spannenden Einblick in die Entstehung der Kaufhäuser, sondern ist auch ein Gesellschaftsroman. Und nicht zuletzt: Das Buch ist herrlich romantisch. Ja, ihr habt richtig gelesen, herrlich romantisch! Bei einer Liebesgeschichte wie in diesem Buch werde auch ich durchaus mal schwach ;-) Geholfen hat natürlich, dass ich auch die Serie so schön fand (die DVD ist eben angekommen…). Auf Wikipedia habe ich erfahren, dass das Buch zu einer ganzen Reihe von Émile Zola gehört, nämlich zum Zyklus der Rougon-Macquart. Nachdem mir dieses Buch so gut gefallen hat, werde ich sicher noch mehr davon lesen. Ein Klassiker, den ich wärmstens empfehlen kann.

Create Post