Das Mädchen auf der Himmelsbrücke
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Book Information
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Eeva-Liisa Manner (1921–1995) wurde in Helsinki geboren. Ihre Mutter starb am Tag nach der Geburt, deshalb wuchs sie bei den Großeltern in Viipuri an der karelischen Ostseeküste auf. Im sogenannten Winterkrieg wurde Viipuri 1939 von der Sowjetunion eingenommen, Manner war gezwungen, nach Helsinki zurückzukehren. Sie debütierte 1944 mit einem Gedichtband, 1951 veröffentlichte sie »Das Mädchen auf der Himmelsbrücke« und verließ Helsinki, um sich in ein abgelegenes Dorf in Südfinnland zurückzuziehen. Die großstädtische Intellektualität genügte ihr nicht, Manner suchte nach konzentrierter Einfachheit. Der Durchbruch gelang ihr 1956 mit »Diese Reise«, der als erster modernistischer Gedichtband Finnlands gilt und auch auf breite Resonanz beim Publikum stieß. 1957 siedelte sie nach Tampere um. Manner, die vielfach ausgezeichnet wurde – allein sieben Mal mit dem finnischen Staatspreis –, lebte bis zu ihrem Tod 1995 zurückgezogen, scheute öffentliche Auftritte und Interviews. Ab den 1960er Jahren hielt sie sich mehrere Monate des Jahres in Andalusien auf, wo sie bei Málaga ein Haus besaß, und bereiste Nordafrika, Griechenland, Polen und Japan. Eeva-Liisa Manner schuf neben ihrer Lyrik, Theaterstücken und Kurzprosa auch ein bedeutendes Übersetzungswerk, brachte u. a. Hesse, Kafka, Büchner, Shakespeare und Lewis Carroll ins Finnische.
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"In dieser Straße endete die Welt, diese Straße war eine Himmelsbrücke, und Leena war sich sicher, dass man hier an dunklen Herbstabenden Sterne vom Ufer pflücken konnte." "Sieh dir diese Veilchen - sie sind sehr schön, jede ist wie ein kleines Gedicht, das aus der Erde sprießt." "Egal wohin sie geht, sie geht in die falsche Richtung, immer nur falsch. Überall stößt sie auf das Falsche, überall ist das Falsche hingestellt worden, einen richtigen Weg gibt es gar nicht. Es gibt überhaupt nichts Richtiges." Eine Erzählung über ein besonderes kleines Mädchen, das alleine und immer traurig ist. Die Hoffnungslosigkeit und das Unverständnis ihrer Umwelt lassen sie flüchten in eine Traumwelt, in der Regentropfen Musik machen und Tapetenvögel singen. Beim Lesen muss man sich fallen lassen in die Geschichte und sich der Schönheit der poetischen Sprache hingeben. Ein intensiver Lesegenuss...mich haben Leena und das Buch begeistert
Ein überraschend modern erzählte Geschichte. Ein Kind, dass nicht so richtig hinein passt, das verkannt wird, sich in Licht, Farben, Töne und Elemente verliert. Der Beweis, dass Neurodivergenz keine Trend ist, sondern einfach existiert. Zumindest ist das meine ganz eigene Sichtweise auf diese Erzählung. Schade, dass die Welt die Autorin nicht so richtig würdigt.
Die finnische Alice Nein, die 9-jährige Leena läuft keinem weißen Kaninchen mit Taschenuhr hinterher und landet auch nicht im Wunderland. Trotzdem dürfte „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ der finnischen Lyrikerin und Autorin Eeva-Liisa Manner (1921-1995), herausgegeben 2022 vom Berliner Guggolz-Verlag und lyrisch-feinfühlig übersetzt von Maximilian Murmann einen Stammplatz in meiner Bibliothek bekommen. Dabei war es noch nicht mal „Liebe auf den ersten Blick“, die mich schlussendlich dazu führt, am Ende dieser Rezension 5 märchenhaft-lyrische Sterne zu zücken und eine absolute Leseempfehlung auszusprechen. Nein, es war ein hartes Stück Arbeit, die aber durch eine fast schon überirdisch stark besetzte Leserunde, diskussionsfreudige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie weiteren erleichtert wurde. Das Buch beginnt wie ein Märchen: „Es war einmal…“. Und tatsächlich gibt es im Laufe der gut 130-seitigen Erzählung immer wieder märchenhafte Passagen, in denen man sich als Leser regelrecht verliert – sofern man die Augen offenhält und eben jene Sätze, Abschnitte entdeckt. Ja, sie verstecken sich nämlich zwischen der Realität, in welcher Leena von ihrer Lehrerin von oben herab zurechtgestutzt wird, traumhaft-lyrischen Gedanken, in denen sich Leena (aber auch die geneigte Leserschaft) verliert und fast schon kafkaesken, surrealistischen Passagen, wo nichts mehr ist wie es scheint. Da ich mir nach dem ersten Komplett-Durchgang nicht sicher war, wie ich das Buch bewerten soll, habe ich mir nach der Lektüre des Nachwortes von Antje Rávik Strubel und dem daraus resultierendem neuen Hintergrundwissen, dass Eeva-Liisa Manner neben ihrer Tätigkeit als Autorin auch Übersetzerin war (so hat sie u. a. Kafka, Lewis Carroll und Hermann Hesse ins finnische übersetzt) einige Passagen noch einmal gelesen und bin dadurch immer tiefer in den Sog dieser Erzählung hineingezogen worden. Letztlich bringt es nichts, den Text ob seiner Realität oder Nicht-Realität hin „abzuklopfen“, denn dann scheitert man grandios und kann dem Ganzen wenig bis nichts abgewinnen. Das hat die Erzählung jedoch nicht verdient. Das soll jedoch nicht heißen, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und keine andere Meinung zulasse. Jeder liest anders, setzt andere Prioritäten, hat andere Vorlieben etc. Ich sag´s ja nur :-). Ich war nach der Erstlektüre etwas enttäuscht, dass der Schlüsselmoment (Leena hört eine Fuge von Johann Sebastian Bach und ihr „Weltbild“ wird dadurch in ihren Grundfesten erschüttert) so wenig Raum einnimmt. Doch das stimmt nicht ganz (habe ich dann festgestellt): das ganze Buch erklingt, steckt voller Musik (nicht nur von Bach) und lässt mich als musikbegeisterter Leser nicht mehr los. Im Gegenteil: ich glaube ich werde diese wunderbar lyrische-musikalische Erzählung öfter in die Hand nehmen und mich dem Klang der Regentropfen, der zwitschernden Tapetenvögel etc. hingeben und würde zu gerne wissen, wie dieses Märchen als Hörbuch klingt. Ich habe hier ganz klar eines meiner diesjährigen Highlights gelesen. Mein Dank geht an dieser Stelle an den Guggolz-Verlag, der mit der Herausgabe von (fast) vergessener Literatur aus Nord- und Osteuropa der deutschen Literaturlandschaft eine besonders feine Note verleiht! Wie oben gesagt: 5 märchenhaft-lyrische Sterne und eine absolute Leseempfehlung! ©kingofmusic
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Eeva-Liisa Manner (1921–1995) wurde in Helsinki geboren. Ihre Mutter starb am Tag nach der Geburt, deshalb wuchs sie bei den Großeltern in Viipuri an der karelischen Ostseeküste auf. Im sogenannten Winterkrieg wurde Viipuri 1939 von der Sowjetunion eingenommen, Manner war gezwungen, nach Helsinki zurückzukehren. Sie debütierte 1944 mit einem Gedichtband, 1951 veröffentlichte sie »Das Mädchen auf der Himmelsbrücke« und verließ Helsinki, um sich in ein abgelegenes Dorf in Südfinnland zurückzuziehen. Die großstädtische Intellektualität genügte ihr nicht, Manner suchte nach konzentrierter Einfachheit. Der Durchbruch gelang ihr 1956 mit »Diese Reise«, der als erster modernistischer Gedichtband Finnlands gilt und auch auf breite Resonanz beim Publikum stieß. 1957 siedelte sie nach Tampere um. Manner, die vielfach ausgezeichnet wurde – allein sieben Mal mit dem finnischen Staatspreis –, lebte bis zu ihrem Tod 1995 zurückgezogen, scheute öffentliche Auftritte und Interviews. Ab den 1960er Jahren hielt sie sich mehrere Monate des Jahres in Andalusien auf, wo sie bei Málaga ein Haus besaß, und bereiste Nordafrika, Griechenland, Polen und Japan. Eeva-Liisa Manner schuf neben ihrer Lyrik, Theaterstücken und Kurzprosa auch ein bedeutendes Übersetzungswerk, brachte u. a. Hesse, Kafka, Büchner, Shakespeare und Lewis Carroll ins Finnische.
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"In dieser Straße endete die Welt, diese Straße war eine Himmelsbrücke, und Leena war sich sicher, dass man hier an dunklen Herbstabenden Sterne vom Ufer pflücken konnte." "Sieh dir diese Veilchen - sie sind sehr schön, jede ist wie ein kleines Gedicht, das aus der Erde sprießt." "Egal wohin sie geht, sie geht in die falsche Richtung, immer nur falsch. Überall stößt sie auf das Falsche, überall ist das Falsche hingestellt worden, einen richtigen Weg gibt es gar nicht. Es gibt überhaupt nichts Richtiges." Eine Erzählung über ein besonderes kleines Mädchen, das alleine und immer traurig ist. Die Hoffnungslosigkeit und das Unverständnis ihrer Umwelt lassen sie flüchten in eine Traumwelt, in der Regentropfen Musik machen und Tapetenvögel singen. Beim Lesen muss man sich fallen lassen in die Geschichte und sich der Schönheit der poetischen Sprache hingeben. Ein intensiver Lesegenuss...mich haben Leena und das Buch begeistert
Ein überraschend modern erzählte Geschichte. Ein Kind, dass nicht so richtig hinein passt, das verkannt wird, sich in Licht, Farben, Töne und Elemente verliert. Der Beweis, dass Neurodivergenz keine Trend ist, sondern einfach existiert. Zumindest ist das meine ganz eigene Sichtweise auf diese Erzählung. Schade, dass die Welt die Autorin nicht so richtig würdigt.
Die finnische Alice Nein, die 9-jährige Leena läuft keinem weißen Kaninchen mit Taschenuhr hinterher und landet auch nicht im Wunderland. Trotzdem dürfte „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ der finnischen Lyrikerin und Autorin Eeva-Liisa Manner (1921-1995), herausgegeben 2022 vom Berliner Guggolz-Verlag und lyrisch-feinfühlig übersetzt von Maximilian Murmann einen Stammplatz in meiner Bibliothek bekommen. Dabei war es noch nicht mal „Liebe auf den ersten Blick“, die mich schlussendlich dazu führt, am Ende dieser Rezension 5 märchenhaft-lyrische Sterne zu zücken und eine absolute Leseempfehlung auszusprechen. Nein, es war ein hartes Stück Arbeit, die aber durch eine fast schon überirdisch stark besetzte Leserunde, diskussionsfreudige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie weiteren erleichtert wurde. Das Buch beginnt wie ein Märchen: „Es war einmal…“. Und tatsächlich gibt es im Laufe der gut 130-seitigen Erzählung immer wieder märchenhafte Passagen, in denen man sich als Leser regelrecht verliert – sofern man die Augen offenhält und eben jene Sätze, Abschnitte entdeckt. Ja, sie verstecken sich nämlich zwischen der Realität, in welcher Leena von ihrer Lehrerin von oben herab zurechtgestutzt wird, traumhaft-lyrischen Gedanken, in denen sich Leena (aber auch die geneigte Leserschaft) verliert und fast schon kafkaesken, surrealistischen Passagen, wo nichts mehr ist wie es scheint. Da ich mir nach dem ersten Komplett-Durchgang nicht sicher war, wie ich das Buch bewerten soll, habe ich mir nach der Lektüre des Nachwortes von Antje Rávik Strubel und dem daraus resultierendem neuen Hintergrundwissen, dass Eeva-Liisa Manner neben ihrer Tätigkeit als Autorin auch Übersetzerin war (so hat sie u. a. Kafka, Lewis Carroll und Hermann Hesse ins finnische übersetzt) einige Passagen noch einmal gelesen und bin dadurch immer tiefer in den Sog dieser Erzählung hineingezogen worden. Letztlich bringt es nichts, den Text ob seiner Realität oder Nicht-Realität hin „abzuklopfen“, denn dann scheitert man grandios und kann dem Ganzen wenig bis nichts abgewinnen. Das hat die Erzählung jedoch nicht verdient. Das soll jedoch nicht heißen, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und keine andere Meinung zulasse. Jeder liest anders, setzt andere Prioritäten, hat andere Vorlieben etc. Ich sag´s ja nur :-). Ich war nach der Erstlektüre etwas enttäuscht, dass der Schlüsselmoment (Leena hört eine Fuge von Johann Sebastian Bach und ihr „Weltbild“ wird dadurch in ihren Grundfesten erschüttert) so wenig Raum einnimmt. Doch das stimmt nicht ganz (habe ich dann festgestellt): das ganze Buch erklingt, steckt voller Musik (nicht nur von Bach) und lässt mich als musikbegeisterter Leser nicht mehr los. Im Gegenteil: ich glaube ich werde diese wunderbar lyrische-musikalische Erzählung öfter in die Hand nehmen und mich dem Klang der Regentropfen, der zwitschernden Tapetenvögel etc. hingeben und würde zu gerne wissen, wie dieses Märchen als Hörbuch klingt. Ich habe hier ganz klar eines meiner diesjährigen Highlights gelesen. Mein Dank geht an dieser Stelle an den Guggolz-Verlag, der mit der Herausgabe von (fast) vergessener Literatur aus Nord- und Osteuropa der deutschen Literaturlandschaft eine besonders feine Note verleiht! Wie oben gesagt: 5 märchenhaft-lyrische Sterne und eine absolute Leseempfehlung! ©kingofmusic







