Das Lied von Storch und Dromedar
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Description
Eliza May Drayden ist bereits tot, als der Roman 1847 im englischen Yorkshire beginnt. Sie wuchs mit ihren Schwestern in einem einsamen Pfarrhaus in dem kleinen Dorf Bridge Fowling auf, wo sie vor dem wütenden Tod, der nach und nach ihre Familie dahingerafft hat, in eine Fantasiewelt flüchtete. Das Ergebnis: der so verstörende wie faszinierende Roman Haegar Mass – Effekthascherei, urteilen die Zeitgenossen, ein Meisterwerk, schwärmt die Nachwelt. Mit den Jahren wächst ihr Ruhm, ebenso wie das Mysterium der Drayden-Schwestern – zumal sich eines Tages herausstellt, dass der Sarg der großen Schriftstellerin, zu dem jährlich Tausende Literaturliebhaber pilgern, leer ist. Über das Leben Elizas ist wenig bekannt, die Todesumstände sind geheimnisumwittert, und neben ihrem Roman hat sie nur ein Notizbuch mit undurchsichtigen Zeichnungen, Gedichten und Tabellen hinterlassen. Wir lernen Eliza durch die Leben von Menschen kennen, die alle auf die eine oder andere Weise mit ihr zusammenhängen, und in Auszügen aus Biografien und Zeitungsartikeln, die die großen Rätsel zu lösen suchen.
Inspiriert vom Leben und Werk der britischen Schriftstellerin Emily Brontë schafft Anjet Daanje ein kaleidoskopisches Meisterwerk über die ewige Suche des Menschen nach Stabilität und Sinn – und inszeniert dabei ein packendes literarisches Verwirrspiel.
Book Information
Author Description
Anjet Daanje, 1965 in Wijster geboren, studierte Mathematik an der Universität Utrecht. Sie schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher. Die Filme, für die sie das Skript verfasste, wurden mit insgesamt 17 internationalen Filmpreisen ausgezeichnet, darunter ein Goldener Bär. Daanje erhielt zahlreiche Literaturstipendien und -preise. Der erinnerte Soldat stand auf der Longlist des Libris Literatuurprijs und gewann den F. Bordewijk-prijs. Ihr jüngster, hochgelobter und mit vielen Preisen ausgezeichneter Roman Het lied van ooievaar en dromedaris wird ebenfalls in der Friedenauer Presse erscheinen.
Posts
Ein Hommage an das Leben von Emily Brontë , eher im besonderen an das fiktive Nachleben - fantasiereich und meisterhaft erzählt Anhand von 11 novellenartigen Kapiteln beschreibt die Autorin das Leben von Menschen von 1847 bis ins Jahr 2030, das auf verschlungenen Wegen mit dem Leben der Schriftstellerin Eliza May Drayden verbunden ist. Eliza stirbt zu Beginn des Buches und so beginnt das epische Werk mit dem Leben ihrer Leichenwäscherin. So gestaltet sich eine literarische Spurensuche, vielschichtig, abwechslungsreich und komplex. Wie ein Teppich breitet sich dieser Roman aus, Knoten für Knoten, neuer Faden, neues Muster. Ein dichter, atmosphärischer , poetischer Schreibstil mit Hang zum Schauerroman-Flair, denn Daanje wollte nachdem sie „Wuthering Hights“ gelesen hat unbedingt auch so eine Stimmung einfangen. Das gelingt grossartig, in diesem Werk ist der Tod und die Vergänglichkeit gegenwärtig. Ein jeder der Hauptfiguren geht auf seine oder ihre Weise mit diesen Themen um. Ein jedes Leben hinterlässt Spuren, die dann und wann wellenförmig an die Oberfläche dringen. Mich hat diese ganz besondere Mischung völlig in den Bann gezogen, fasziniert bin ich den Spuen gefolgt und habe mich vom Tod nicht abgeschreckt gefühlt , sondern ihn in Ruhe von allen Seiten betrachtet. Lasst euch bitte nicht von der Anzahl der Seiten beeinflussen , es lohnt sich, tief einzutauchen und sich bewundernd in den elf Leben umzusehen , die jeweilige Zeit auf sich wirken zu lassen. Ich möchte jedem diesen preisgekrönten, niederländischen Roman ans Herz legen, eine ganz neue, wertvolle Leseerfahrung ✨
Als der Roman im Jahr 1847 im windgepeitschten Yorkshire seinen Anfang nimmt, ist Eliza May Drayden längst eine Tote und doch wirkt ihre Gegenwart unheimlich fort. Ihre Kindheit verbrachte sie mit ihren Schwestern abgeschieden in einem einsamen Pfarrhaus im Dorf Bridge Fowling, einem Ort, an dem die Welt sich zu verlieren schien. Dort, im Schatten eines unerbittlichen Sterbens, das nach und nach ihre Familie auslöschte, flüchtete Eliza in die grenzenlosen Räume ihrer Imagination. Aus dieser inneren Zuflucht ging Haegar Mass hervor, ein Werk, das gleichermaßen verstört wie fesselt. Die Zeitgenossen taten es als bloße Sensationslust ab, doch spätere Generationen erhoben es in den Rang eines Meisterwerks. Mit den Jahren wuchs nicht nur der Ruhm der Autorin, sondern auch das Geheimnis, das sie umgab. Denn eines Tages offenbarte sich eine verstörende Wahrheit: Der Sarg, zu dem Jahr für Jahr Pilger der Literatur strömten, war leer. Über Elizas Leben ist nur wenig Gewisses überliefert. Ihr Tod liegt im Halbdunkel widersprüchlicher Berichte, und neben ihrem Roman hinterließ sie kaum mehr als ein rätselhaftes Notizbuch, angefüllt mit fremdartigen Zeichnungen, fragmentarischen Gedichten und Tabellen, deren Sinn sich entzieht. So nähert man sich Eliza May Drayden nur indirekt: durch die Stimmen jener, die mit ihr verbunden waren, durch bruchstückhafte Biografien und vergilbte Zeitungsartikel, die alle dasselbe Ziel verfolgen, das Dunkel um ihr Leben zu erhellen, und dabei doch stets neue Schatten werfen. Dieser Roman entfaltet sich als vielstimmiges Geflecht von Perspektiven, getragen von einer Erzählarchitektur, die unverkennbar an Emily Brontës doppeltes Erzählen in „Sturmhöhe“ erinnert. In dieser kunstvollen Spiegelung der Stimmen entsteht ein Text, der sich nicht linear erschließt, sondern wie ein fein gearbeitetes Puzzle nach und nach zusammensetzt. Daanjes Erzählweise verbindet dabei spielerische Postmoderne mit der anmutigen Strenge des englischen Gesellschaftsromans: ein Wechselspiel aus Fragment und Form, aus Irritation und Eleganz, das den Leser zugleich herausfordert und verführt. Das Lied von Storch und Dromedar versammelt eine Vielzahl ungewöhnlicher Liebesgeschichten. Jede auf ihre Weise besonders und berührend. Doch eine von ihnen ragt heraus: von solcher Unwahrscheinlichkeit, solcher Anmut und zugleich von einer erschütternden Dramatik, dass sie sich unauslöschlich ins Gedächtnis einprägt und lange nachhallt. Ein unglaubliches Werk! Ein Lesehighlight!
Großartig übersetzt von Ulrich Faure Deutsch ist teilweise eine echt absurde Sprache. Als Fremdsprache lernen? Ein Albtraum – und mit manchen Wortkonstruktionen so, dass man nur noch den Kopf schütteln möchte. Aber Deutsch ist auch eine wunderschöne Sprache: in der Poesie, in Liedern und natürlich in Büchern. Es gibt deutsche Wörter, die nicht nur ich liebe, sondern um die uns sogar andere Länder ein wenig beneiden – oder zumindest die Lesemenschen dort. „Schmökern“ bedeutet, lange Zeit gemütlich in etwas Geschriebenes zu lesen, darin zu versinken und sich ganz in dieses wohlige Gefühl fallen zu lassen. Ob in Buchhandlungen oder zu Hause im Lieblingssessel oder unter der Bettdecke – ich liebe dieses Wort und natürlich seine Bedeutung. Und sollte es ein Buch geben, das im Wörterbuch neben dem Wort „schmökern“ abgebildet wird, dann müsste es „Das Lied von Storch und Dromedar“ von Anjet Daanje sein. Hört mich irgendwer da draußen? Ja, ich sehe euch schon ein bisschen im Geiste die Augen verdrehen. Jetzt kommt sie wieder, die mit den vielen Büchern und einer neuen Lieblingsgeschichte. Aber es ist so. Ich kann nichts dafür. „Das Lied von Storch und Dromedar“ wanderte eigentlich schon nach drei Sätzen auf meinen ewigen Stapel Lieblingsbücher. Denn das ist eine Geschichte, in der ihr euch fallen lassen könnt – in dieses großartige Versprechen von langen Lesetagen und -nächten, in denen man das Buch nicht weglegen kann und es auch gar nicht will. „Das Lied von Storch und Dromedar“ ist ein literarisches Großereignis: so unglaublich, intensiv und perfekt erzählt, dass man will, dass es nie endet – und gleichzeitig an den Seiten festklebt. Es ist eigentlich ein Buch mit unzähligen Geschichten, die sich immer wieder aufeinander beziehen. Es ist eine Familiengeschichte, ein Gesellschaftsroman, eine Spukgeschichte – und Liebe, jede Menge Liebe gibt es dort auch. Liebe, die manchmal in Besessenheit umschlägt und die manchmal selbst der Tod nicht besiegen kann. Angelehnt an das Leben der Brontë-Schwestern wird hier, aus der Sicht verschiedener Zeitzeugen, die Geschichte der Drayden-Schwestern in all ihren literarischen Facetten aufgefächert. Immer weiter entlang der Zeitlinie folgen wir verschiedenen Personen, die am Ende nur noch entfernt mit den Schwestern zu tun haben – und doch unwiderruflich mit ihnen verbunden sind. Und was macht das Mysterium der Drayden-Schwestern aus? Natürlich zwei Romane, die zwei Schwestern während ihres zurückgezogenen Lebens geschrieben haben, unter einem Pseudonym veröffentlicht und die erst nach ihrem Tod berühmt wurden. Ganz besonders Eliza Draydens Roman und ihr unglaublich mysteriöses Leben stechen dabei hervor. Während man also gleichzeitig in dieses Meisterstück eines Romans und in ein Kaninchenloch fällt, in dem man jeden einzelnen Winkel des Lebens der Brontës ausleuchtet, muss man auch mit den zahlreichen Emotionen zurechtkommen, die diese vielen Geschichten in einer Geschichte auslösen. Ich gebe zu: Allein wegen der unglaublich intensiven Atmosphäre der englischen Moorlandschaft habe ich das Gefühl, dass dieses Buch nur für mich geschrieben wurde. Aber ich kann euch versichern: Wer Bücher liebt, dem ist es eigentlich unmöglich, „Das Lied von Storch und Dromedar“ nicht zu lieben. Denn für solche Geschichten wurde das Erzählen erfunden. "Sie liest bis spät in die Nacht, und je mehr Bücher sie heimlich verschlingt, desto mehr findet sie wieder zu sich selbst zurück. Sie hatte vergessen, wie es ist, sich größer zu fühlen, als man ist, sich so weit in andere hineinzuversetzen, als würde ihr Kopf auch den der anderen umfassen." S.106

🤯
Wunderschöne Sprache. Tolle Stimmung. Wäre da nicht mein Kopf. Ich wollte das Buch verstehen und bin gescheitert. Ich weiß nicht, was dieses Buch mir sagen wollte - über das letzte Kapitel zerbreche ich mir den Kopf. Wie passt das in die Geschichte?! Im Grunde sind die „drei Sterne“ Ausdruck meines eingeschränkten Verstandes - dass dieses Buch ein Meisterwerk ist steht außer Frage. Vielleicht lese ich die Geschichte nochmal und verstehe dann besser…
Wow. Etwas anderes fällt mir nicht ein. Ich habe vielleicht soeben das beste Buch beendet, das ich in diesem Jahrzehnt bisher gelesen habe. Ein Buch, dessen Konzeption so sensationell, so unkonventionell, so außergewöhnlich ist, dass ich von der ersten bis zur letzten der fast tausend Seiten durchweg gefesselt, fasziniert, manchmal auch verstört, aber immer beeindruckt war. Die eigentliche Hauptfigur, die Schriftstellerin Eliza May Drayden, ist von Anfang an tot. Der 12.12.1847 ist ihr Todestag und der erste Tag dieses Romans. In elf umfangreichen Kapitel, die die Namen und Lebensdaten der fiktiven Personen tragen, aus deren Sicht jeweils erzählt wird, und die sich über knapp 200 Jahre bis in die Gegenwart erstrecken, setzt sich das Bild der bereits zu Beginn verstorbenen Hauptfigur zusammen, quasi wie Puzzleteile. In der ersten Hälfte des Buches noch relativ direkt, da in der Zeitspanne die Erzähler*innen die Verstorbene zum Teil noch selbst kannten. Später werden die Verbindungen zum Ausgangspunkt loser, aber nicht weniger interessant. Es sind im Grunde elf eigene Geschichten, die erzählt werden und die gleichzeitig ein großes Kaleidoskop rund um Eliza May Drayden sind. Wie das hier literarisch konstruiert ist, ist nicht weniger als spektakulär. Zudem wird mit Einschüben durch fiktive Artikel, fiktive Sekundärliteratur und fiktive Forschung zur verstorbenen Schriftstellerin eine fiktive Historie äußerst glaubwürdig hergestellt. Alles an diesem Roman ist fiktiv (außer, dass es lose vom Leben der Brönte-Schwestern inspiriert ist) und doch glaubt man, man lese einen historischen Tatsachenroman. Dabei entsteht ein wahnsinnige Sog. Jedes der elf Kapitel fesselt ungemein, sodass ich die fast 1000 Seiten in wenigen Tage durchgelesen habe. Schön ist auch, dass lange nicht alle Rätsel um Eliza May Drayden gelöst werden. Es ist auch ein gigantischer Roman über die Zeit und all die Dinge, die wir nicht wissen. Da ist es nur folgerichtig, dass wir auch nach tausend Seiten nicht alles über Eliza May Drayden wissen. Ich würde diesem Buch gerne 10/5 Sternen geben. Es ist konzeptionell, sprachlich, formal, literarisch und inhaltlich - ich sage es nochmal - spektakulär! Ein überragender, überragender Text. Und wohl mein größtes Lesehighlight der bisherigen 2020er Jahre. Ein Wahnsinns-Text! Unbedingt lesen!!!
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Eliza May Drayden ist bereits tot, als der Roman 1847 im englischen Yorkshire beginnt. Sie wuchs mit ihren Schwestern in einem einsamen Pfarrhaus in dem kleinen Dorf Bridge Fowling auf, wo sie vor dem wütenden Tod, der nach und nach ihre Familie dahingerafft hat, in eine Fantasiewelt flüchtete. Das Ergebnis: der so verstörende wie faszinierende Roman Haegar Mass – Effekthascherei, urteilen die Zeitgenossen, ein Meisterwerk, schwärmt die Nachwelt. Mit den Jahren wächst ihr Ruhm, ebenso wie das Mysterium der Drayden-Schwestern – zumal sich eines Tages herausstellt, dass der Sarg der großen Schriftstellerin, zu dem jährlich Tausende Literaturliebhaber pilgern, leer ist. Über das Leben Elizas ist wenig bekannt, die Todesumstände sind geheimnisumwittert, und neben ihrem Roman hat sie nur ein Notizbuch mit undurchsichtigen Zeichnungen, Gedichten und Tabellen hinterlassen. Wir lernen Eliza durch die Leben von Menschen kennen, die alle auf die eine oder andere Weise mit ihr zusammenhängen, und in Auszügen aus Biografien und Zeitungsartikeln, die die großen Rätsel zu lösen suchen.
Inspiriert vom Leben und Werk der britischen Schriftstellerin Emily Brontë schafft Anjet Daanje ein kaleidoskopisches Meisterwerk über die ewige Suche des Menschen nach Stabilität und Sinn – und inszeniert dabei ein packendes literarisches Verwirrspiel.
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Author Description
Anjet Daanje, 1965 in Wijster geboren, studierte Mathematik an der Universität Utrecht. Sie schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher. Die Filme, für die sie das Skript verfasste, wurden mit insgesamt 17 internationalen Filmpreisen ausgezeichnet, darunter ein Goldener Bär. Daanje erhielt zahlreiche Literaturstipendien und -preise. Der erinnerte Soldat stand auf der Longlist des Libris Literatuurprijs und gewann den F. Bordewijk-prijs. Ihr jüngster, hochgelobter und mit vielen Preisen ausgezeichneter Roman Het lied van ooievaar en dromedaris wird ebenfalls in der Friedenauer Presse erscheinen.
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Ein Hommage an das Leben von Emily Brontë , eher im besonderen an das fiktive Nachleben - fantasiereich und meisterhaft erzählt Anhand von 11 novellenartigen Kapiteln beschreibt die Autorin das Leben von Menschen von 1847 bis ins Jahr 2030, das auf verschlungenen Wegen mit dem Leben der Schriftstellerin Eliza May Drayden verbunden ist. Eliza stirbt zu Beginn des Buches und so beginnt das epische Werk mit dem Leben ihrer Leichenwäscherin. So gestaltet sich eine literarische Spurensuche, vielschichtig, abwechslungsreich und komplex. Wie ein Teppich breitet sich dieser Roman aus, Knoten für Knoten, neuer Faden, neues Muster. Ein dichter, atmosphärischer , poetischer Schreibstil mit Hang zum Schauerroman-Flair, denn Daanje wollte nachdem sie „Wuthering Hights“ gelesen hat unbedingt auch so eine Stimmung einfangen. Das gelingt grossartig, in diesem Werk ist der Tod und die Vergänglichkeit gegenwärtig. Ein jeder der Hauptfiguren geht auf seine oder ihre Weise mit diesen Themen um. Ein jedes Leben hinterlässt Spuren, die dann und wann wellenförmig an die Oberfläche dringen. Mich hat diese ganz besondere Mischung völlig in den Bann gezogen, fasziniert bin ich den Spuen gefolgt und habe mich vom Tod nicht abgeschreckt gefühlt , sondern ihn in Ruhe von allen Seiten betrachtet. Lasst euch bitte nicht von der Anzahl der Seiten beeinflussen , es lohnt sich, tief einzutauchen und sich bewundernd in den elf Leben umzusehen , die jeweilige Zeit auf sich wirken zu lassen. Ich möchte jedem diesen preisgekrönten, niederländischen Roman ans Herz legen, eine ganz neue, wertvolle Leseerfahrung ✨
Als der Roman im Jahr 1847 im windgepeitschten Yorkshire seinen Anfang nimmt, ist Eliza May Drayden längst eine Tote und doch wirkt ihre Gegenwart unheimlich fort. Ihre Kindheit verbrachte sie mit ihren Schwestern abgeschieden in einem einsamen Pfarrhaus im Dorf Bridge Fowling, einem Ort, an dem die Welt sich zu verlieren schien. Dort, im Schatten eines unerbittlichen Sterbens, das nach und nach ihre Familie auslöschte, flüchtete Eliza in die grenzenlosen Räume ihrer Imagination. Aus dieser inneren Zuflucht ging Haegar Mass hervor, ein Werk, das gleichermaßen verstört wie fesselt. Die Zeitgenossen taten es als bloße Sensationslust ab, doch spätere Generationen erhoben es in den Rang eines Meisterwerks. Mit den Jahren wuchs nicht nur der Ruhm der Autorin, sondern auch das Geheimnis, das sie umgab. Denn eines Tages offenbarte sich eine verstörende Wahrheit: Der Sarg, zu dem Jahr für Jahr Pilger der Literatur strömten, war leer. Über Elizas Leben ist nur wenig Gewisses überliefert. Ihr Tod liegt im Halbdunkel widersprüchlicher Berichte, und neben ihrem Roman hinterließ sie kaum mehr als ein rätselhaftes Notizbuch, angefüllt mit fremdartigen Zeichnungen, fragmentarischen Gedichten und Tabellen, deren Sinn sich entzieht. So nähert man sich Eliza May Drayden nur indirekt: durch die Stimmen jener, die mit ihr verbunden waren, durch bruchstückhafte Biografien und vergilbte Zeitungsartikel, die alle dasselbe Ziel verfolgen, das Dunkel um ihr Leben zu erhellen, und dabei doch stets neue Schatten werfen. Dieser Roman entfaltet sich als vielstimmiges Geflecht von Perspektiven, getragen von einer Erzählarchitektur, die unverkennbar an Emily Brontës doppeltes Erzählen in „Sturmhöhe“ erinnert. In dieser kunstvollen Spiegelung der Stimmen entsteht ein Text, der sich nicht linear erschließt, sondern wie ein fein gearbeitetes Puzzle nach und nach zusammensetzt. Daanjes Erzählweise verbindet dabei spielerische Postmoderne mit der anmutigen Strenge des englischen Gesellschaftsromans: ein Wechselspiel aus Fragment und Form, aus Irritation und Eleganz, das den Leser zugleich herausfordert und verführt. Das Lied von Storch und Dromedar versammelt eine Vielzahl ungewöhnlicher Liebesgeschichten. Jede auf ihre Weise besonders und berührend. Doch eine von ihnen ragt heraus: von solcher Unwahrscheinlichkeit, solcher Anmut und zugleich von einer erschütternden Dramatik, dass sie sich unauslöschlich ins Gedächtnis einprägt und lange nachhallt. Ein unglaubliches Werk! Ein Lesehighlight!
Großartig übersetzt von Ulrich Faure Deutsch ist teilweise eine echt absurde Sprache. Als Fremdsprache lernen? Ein Albtraum – und mit manchen Wortkonstruktionen so, dass man nur noch den Kopf schütteln möchte. Aber Deutsch ist auch eine wunderschöne Sprache: in der Poesie, in Liedern und natürlich in Büchern. Es gibt deutsche Wörter, die nicht nur ich liebe, sondern um die uns sogar andere Länder ein wenig beneiden – oder zumindest die Lesemenschen dort. „Schmökern“ bedeutet, lange Zeit gemütlich in etwas Geschriebenes zu lesen, darin zu versinken und sich ganz in dieses wohlige Gefühl fallen zu lassen. Ob in Buchhandlungen oder zu Hause im Lieblingssessel oder unter der Bettdecke – ich liebe dieses Wort und natürlich seine Bedeutung. Und sollte es ein Buch geben, das im Wörterbuch neben dem Wort „schmökern“ abgebildet wird, dann müsste es „Das Lied von Storch und Dromedar“ von Anjet Daanje sein. Hört mich irgendwer da draußen? Ja, ich sehe euch schon ein bisschen im Geiste die Augen verdrehen. Jetzt kommt sie wieder, die mit den vielen Büchern und einer neuen Lieblingsgeschichte. Aber es ist so. Ich kann nichts dafür. „Das Lied von Storch und Dromedar“ wanderte eigentlich schon nach drei Sätzen auf meinen ewigen Stapel Lieblingsbücher. Denn das ist eine Geschichte, in der ihr euch fallen lassen könnt – in dieses großartige Versprechen von langen Lesetagen und -nächten, in denen man das Buch nicht weglegen kann und es auch gar nicht will. „Das Lied von Storch und Dromedar“ ist ein literarisches Großereignis: so unglaublich, intensiv und perfekt erzählt, dass man will, dass es nie endet – und gleichzeitig an den Seiten festklebt. Es ist eigentlich ein Buch mit unzähligen Geschichten, die sich immer wieder aufeinander beziehen. Es ist eine Familiengeschichte, ein Gesellschaftsroman, eine Spukgeschichte – und Liebe, jede Menge Liebe gibt es dort auch. Liebe, die manchmal in Besessenheit umschlägt und die manchmal selbst der Tod nicht besiegen kann. Angelehnt an das Leben der Brontë-Schwestern wird hier, aus der Sicht verschiedener Zeitzeugen, die Geschichte der Drayden-Schwestern in all ihren literarischen Facetten aufgefächert. Immer weiter entlang der Zeitlinie folgen wir verschiedenen Personen, die am Ende nur noch entfernt mit den Schwestern zu tun haben – und doch unwiderruflich mit ihnen verbunden sind. Und was macht das Mysterium der Drayden-Schwestern aus? Natürlich zwei Romane, die zwei Schwestern während ihres zurückgezogenen Lebens geschrieben haben, unter einem Pseudonym veröffentlicht und die erst nach ihrem Tod berühmt wurden. Ganz besonders Eliza Draydens Roman und ihr unglaublich mysteriöses Leben stechen dabei hervor. Während man also gleichzeitig in dieses Meisterstück eines Romans und in ein Kaninchenloch fällt, in dem man jeden einzelnen Winkel des Lebens der Brontës ausleuchtet, muss man auch mit den zahlreichen Emotionen zurechtkommen, die diese vielen Geschichten in einer Geschichte auslösen. Ich gebe zu: Allein wegen der unglaublich intensiven Atmosphäre der englischen Moorlandschaft habe ich das Gefühl, dass dieses Buch nur für mich geschrieben wurde. Aber ich kann euch versichern: Wer Bücher liebt, dem ist es eigentlich unmöglich, „Das Lied von Storch und Dromedar“ nicht zu lieben. Denn für solche Geschichten wurde das Erzählen erfunden. "Sie liest bis spät in die Nacht, und je mehr Bücher sie heimlich verschlingt, desto mehr findet sie wieder zu sich selbst zurück. Sie hatte vergessen, wie es ist, sich größer zu fühlen, als man ist, sich so weit in andere hineinzuversetzen, als würde ihr Kopf auch den der anderen umfassen." S.106

🤯
Wunderschöne Sprache. Tolle Stimmung. Wäre da nicht mein Kopf. Ich wollte das Buch verstehen und bin gescheitert. Ich weiß nicht, was dieses Buch mir sagen wollte - über das letzte Kapitel zerbreche ich mir den Kopf. Wie passt das in die Geschichte?! Im Grunde sind die „drei Sterne“ Ausdruck meines eingeschränkten Verstandes - dass dieses Buch ein Meisterwerk ist steht außer Frage. Vielleicht lese ich die Geschichte nochmal und verstehe dann besser…
Wow. Etwas anderes fällt mir nicht ein. Ich habe vielleicht soeben das beste Buch beendet, das ich in diesem Jahrzehnt bisher gelesen habe. Ein Buch, dessen Konzeption so sensationell, so unkonventionell, so außergewöhnlich ist, dass ich von der ersten bis zur letzten der fast tausend Seiten durchweg gefesselt, fasziniert, manchmal auch verstört, aber immer beeindruckt war. Die eigentliche Hauptfigur, die Schriftstellerin Eliza May Drayden, ist von Anfang an tot. Der 12.12.1847 ist ihr Todestag und der erste Tag dieses Romans. In elf umfangreichen Kapitel, die die Namen und Lebensdaten der fiktiven Personen tragen, aus deren Sicht jeweils erzählt wird, und die sich über knapp 200 Jahre bis in die Gegenwart erstrecken, setzt sich das Bild der bereits zu Beginn verstorbenen Hauptfigur zusammen, quasi wie Puzzleteile. In der ersten Hälfte des Buches noch relativ direkt, da in der Zeitspanne die Erzähler*innen die Verstorbene zum Teil noch selbst kannten. Später werden die Verbindungen zum Ausgangspunkt loser, aber nicht weniger interessant. Es sind im Grunde elf eigene Geschichten, die erzählt werden und die gleichzeitig ein großes Kaleidoskop rund um Eliza May Drayden sind. Wie das hier literarisch konstruiert ist, ist nicht weniger als spektakulär. Zudem wird mit Einschüben durch fiktive Artikel, fiktive Sekundärliteratur und fiktive Forschung zur verstorbenen Schriftstellerin eine fiktive Historie äußerst glaubwürdig hergestellt. Alles an diesem Roman ist fiktiv (außer, dass es lose vom Leben der Brönte-Schwestern inspiriert ist) und doch glaubt man, man lese einen historischen Tatsachenroman. Dabei entsteht ein wahnsinnige Sog. Jedes der elf Kapitel fesselt ungemein, sodass ich die fast 1000 Seiten in wenigen Tage durchgelesen habe. Schön ist auch, dass lange nicht alle Rätsel um Eliza May Drayden gelöst werden. Es ist auch ein gigantischer Roman über die Zeit und all die Dinge, die wir nicht wissen. Da ist es nur folgerichtig, dass wir auch nach tausend Seiten nicht alles über Eliza May Drayden wissen. Ich würde diesem Buch gerne 10/5 Sternen geben. Es ist konzeptionell, sprachlich, formal, literarisch und inhaltlich - ich sage es nochmal - spektakulär! Ein überragender, überragender Text. Und wohl mein größtes Lesehighlight der bisherigen 2020er Jahre. Ein Wahnsinns-Text! Unbedingt lesen!!!









