Das Ende vom Lied
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Fremde Welt Westberlin – und die Sehnsucht nach der Liebe und dem Leben
»Ich glaube, es wird hohe Zeit, dass wir Michael Wildenhain als Chronisten dieser Stadt so nennen, wie wir E.L. Doctorow oder DonDelillo als Chronisten von New York nennen. Das ist für mich wirklich eine literarische Offenbarung.« Denis Scheck
Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Von dieser Zerrissenheit erzählt Michael Wildenhain in seinem Roman so virtuos und episch, wie es nur einer kann, der dabei war.
Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben. »Das Ende vom Lied« erzählt von einem Westberlin jenseits der 68er Ereignisse, einer Stadt, wie es sie nie wieder geben wird, vom unstillbaren Durst nach der ungezähmten Realität und vom Licht, in dem wir träumen.
Book Information
Author Description
Michael Wildenhain ist 1958 in Berlin geboren, wo er auch heute lebt. Nach einem Philosophie- und Informatikstudium engagierte er sich in der Hausbesetzerszene – Stoff u. a. für seine ersten literarischen Veröffentlichungen: »zum beispiel k.«, »Prinzenbad« und »Die kalte Haut der Stadt«. Für sein literarisches Schaffen wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Alfred-Döblin-Preis, dem Ernst-Willner-Preis, dem Stipendium der Villa Massimo sowie dem London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Michael Wildenhain veröffentlichte mehrere Romane. »Das Lächeln der Alligatoren« war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Brandenburger Kunstpreis ausgezeichnet. »Das Singen der Sirenen« erschien 2017 und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2026 erscheint sein neuer Roman »Das Ende vom Lied«.
Posts
Westberlin in den 60er Jahren. Zwischen Mauern, Nachkriegtraumata, Jungenbanden
Das Ende vom Lied, ein Roman von Michael Wildenhaim erzählt von einem 13-jährigen Jungen und dessen Leben in Berlin der 1968er Jahre. Die Stadt ist geteilt, die Menschen sind noch nicht ganz über den Krieg hinweg und werden es wohl auch noch eine Weile nicht sein. Kriegsbeschädigte in Körper uns Seele sind nicht zu übersehen. Wildenhaim lässt seinen Jungen eine Geschichte erzählen, die einem eiskalt den Rücken runter kullert. Michael Wildenhaim hat einen wunderbaren und tiefgründigen Roman geschrieben, der ein besonderes Bild von einer Stadt und seinen Menschen zeichnet. Sein Ich-Erzähler ist ein schlauer Kopf, will aufs Gymnasium gehen. Er zieht mit seiner Familie aus Charlottenburg nach Schöneberg, muss sich dort erst wieder einleben, sich mit den Straßenjungen der Gegend auseinandersetzen und seinen Platz dort finden. Er hat Eltern, die mit Traumata aus dem letzten Krieg zu kämpfen haben, die aber versuchen ihren Kindern eine heile Welt vorzuleben. Dazu kommt das Erwachsenwerden und die erste Liebe zu einem Mädchen das allerdings mit dem stärksten Boxer der Gegend zusammen zu sein scheint. Wieder einmal bin ich an einen Roman geraten, der sich am Anfang schwer anging. Aber wenn man das Muster des Romans verstanden hat und die Sätze nicht verschlingen mag, dann eröffnet sich eine spannende und vielschichtige Welt der Schreiberei. Der Autor liebt Bandwurmsätze mit vielen Kommata und Bindestrichen und manchmal "verrutscht" der Leser in der Zeit und muss sich neu orientieren. Wenn man dann aber zwischen den Seiten angekommen ist, kann es passieren, dass man die 416 Seiten verschlingt. Es ist eher ein Roman, der sich an die älteren Leser wendet, oder solchen, die sich mit der Zeit der Revolution in Berlin der 60/70 Jahre auszukennen wissen. Manchmal verheddern sich die Erzählstränge und man versteht im ersten Augenblick nicht was man da gelesen haben mag. Manchmal habe ich über diese verwirrenden Sätze einfach hinweggelesen und fand einige Seiten später die Erklärungen. Das Buch ist keine leichte Kost. Schwierig zu lesen und doch unterhaltsam. Vor allem, da ich in diesem Teil von Berlin aufgewachsen bin und ziemlich viele Schnittpunkte fand. Der Erzähler steckt zwischen den Fronten, wird gerade Erwachsen und findet heraus, wer er wirklich ist. Dazwischen die Protestaktionen der Studenten und die Machtkämpfe der Jungen von der Straße, die sich auch ein ums andere Mal bemüßigt finden, sich an den Protesten zu beteiligen. Die Aufklärung der eigenen Geschichte des Erzählers, die mit Betrug und Kriegstraumata einhergehen macht den Roman nicht leichter, da der Autor seine Sätze immer wieder gerne in verwirrende Stellungen bringt. "Alle leiden darunter." - "Die Mauer tut einem nix. Die ist nur da." "Es werden Leute erschossen." "Nur welche aus dem Osten." Erschrockenes hüsteln, ungläubiger Blick ... Das meint der Junge nicht ernst. "Was redest du da?" "In Schöneberg gibt's keine Mauer. In Charlottenburg auch nicht." "Darüber macht man keine Witze!" Seite 167 Mir hat der Roman aber doch sehr gefallen. Vielleicht gerade, weil ich dort groß geworden bin und die Nähe zu dem Protagonisten sozusagen gespürt habe. Mir war die Mauer und die Fragen darum von der westdeutschen Verwandtschaft immer lästig, genau wie dem Erzähler des Romans. Rubi fand den Roman dagegen schwer Kost und fand nicht immer die Zusammenhänge. Sie ist jünger und weiß nicht, wie es sich zwischen den Mauern Berlins angefühlt haben mag.

ungewöhnliches Buch über eine Jugend in Berlin
"Das Ende vom Lied" ist ein sehr besonderer Roman, wie ich ihn so noch nie gelesen habe! Es ist das Ende der 60er Jahre. Berlin ist eine Insel inmitten der DDR und durch die Mauer zweigeteilt. Inmitten politischer Unruhen begleitet der Leser den 13jährigen Jungen, dessen Namen man nicht eindeutig erfährt. Genauso wird vieles in diesem Roman nur angedeutet und nur in einigen Bereichen zum Schluss hin teilweise aufgeklärt. Der Junge ist aufgrund seines Familienkonstrukts viel sich selbst überlassen. Der Vater, ein Kriegsinvalide, ist oft außer Haus. Die Mutter ist im Krieg auf der Flucht stark traumatisiert worden, so dass sie für den Jungen emotional nicht verfügbar ist. Der Bruder ist auf einem Internat. So muss sich der Ich-Erzähler, auf sich alleine gestellt, in den Straßen Berlins selbst behaupten. Hier bekämpfen sich Straßengangs und es herrscht ein rauher Ton. Sowohl die Nachwirkung des dritten Reiches in den Köpfen der vorherigen Generation als auch der kalte Krieg schaffen ein Klima, in dem sich die linke Szene zu etablieren beginnt, und in die auch der Junge teilweise gerät. Sexueller Missbrauch, Prostitution, Alkoholmissbrauch, Spionage und Gewalt sind Themen, die keine leichte Kost sind und das Lesen manchmal wirklich schwer gemacht haben. Dazu kommen verwirrende Erzählstränge, Zeitsprünge und wechselndes lyrisches Prosa mit Gossensprache, die den Lesefluss sperrig und hölzern gemacht haben. Der Junge ist ein genauer Beobachter, zum Schluss auch Handelnder. Er lernt das Boxen und gibt der Geschichte damit eine besondere Dynamik, in der er sich selbst erhöht. Dies hat der Autor durch Verse und Gedichte verschärft, in denen der Junge wie sein Held Perry Rhodan kämpft. Besonders faszinierend war für mich, wie der Autor das Trauma der Mutter darstellt, die nicht nur missbraucht, sondern selbst Missbrauchende wird. Ihr Trauma wird zunächst nur angedeutet, bricht dann aber atemlos in einem dreiseitigen Monolog und in einem nicht enden wollenden Satz aus ihr hervor. Generell ist es schwer zu ertragen, welche Last jeder der Protagonisten zu tragen hat, oft ihne Worte dafür zu finden. Jedem dieser Protagonisten gibt der Autor die Möglichkeit, sich zu äußern, auf unterschiedlichste Weise: durch Lyrik, Faustkämpfe, Schweigen, Singen, Mundart, gelesene Bücher, gehörter Musik oder auch durch Sprengen. Dieser Roman war sehr herausfordernd zu lesen. Ich bin froh, dass ich dran geblieben bin, denn Michael Wildenhain hat hier ein sehr provokantes, abstossendes, aufrüttelndes, abwechslungsreiches und intelligentes Werk geschaffen, was bei dem Leser alles andere als Gleichgültigkeit hervorruft. In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Autor selbst der linksradikalen Häuserbesetzungsszene zuordnet, liest sich die Geschichte nochmal unter einem ganz anderen Gesichtspunkt. Gezeigt wird ein verwundetes, zerissenes Deutschland, in dem noch altes Nazidenken herrscht und das korrupt und fremdbesetzt ist. Ohne das Ende der Geschichte verraten zu wollen könnte man dies als den Wunsch des Autors deuten, dieses Konstrukt auflösen und in die Luft sprengen zu wollen, um Platz für Neues zu schaffen. Dem Roman soll noch eine Fortsetzung, die ich lesen werde.

Meinung: Mein erstes Buch aus dem Klett-Cotta Verlag und wahrscheinlich wird es auch mein letztes sein. Das Cover und der Klappentext haben mich sofort angesprochen. Ein Coming-of-Age-Roman im Westberlin der späten sechziger Jahre klang interessant und vielversprechend. Der Roman erzählt die Geschichte eines dreizehnjährigen Jungen, der mit seiner Familie nach Westberlin zieht. Dort muss er sich in einer rauen Umgebung zurechtfinden, die von Gewalt, Straßenbanden und Boxkämpfen geprägt ist. Gleichzeitig erlebt er seine erste Liebe und kämpft mit den Problemen innerhalb seiner Familie. Leider konnte mich die Umsetzung überhaupt nicht überzeugen. Am meisten Schwierigkeiten hatte ich mit dem Schreibstil. Für mich war er sehr schwer zugänglich und ich kam einfach nicht richtig in die Geschichte hinein. Viele Passagen wirkten auf mich sprunghaft und teilweise auch verwirrend. Dadurch entstand für mich kein richtiger Lesefluss und ich musste mich beim Lesen immer wieder neu orientieren. Oft hatte ich das Gefühl, aus der Geschichte herausgerissen zu werden. Auch einige Beschreibungen waren für meinen Geschmack zu ausführlich. Manche Szenen hätten meiner Meinung nach deutlich kürzer sein können, ohne dass der Geschichte etwas verloren gegangen wäre. Ein weiterer Punkt, der mir das Lesen erschwert hat, waren die Figuren. Leider konnte ich zu keiner der Personen eine wirkliche Verbindung aufbauen. Der Ich-Erzähler blieb für mich emotional sehr distanziert, und auch die anderen Charaktere konnten mich nicht wirklich erreichen. Insgesamt hat mich das Buch daher leider enttäuscht. Die Grundidee klang wirklich spannend, aber die Umsetzung konnte mich persönlich nicht abholen. Eine Sternebewertung möchte ich hier bewusst nicht vergeben, weil das Buch einfach überhaupt nicht meinen Geschmack getroffen hat. Am Ende gilt wie immer: Lest es selbst und bildet euch eure eigene Meinung.

Ich habe mich wirklich durch dieses Buch kämpfen müssen. Schon der Einstieg in „Das Ende vom Lied“ von Michael Wildenhain fiel mir unglaublich schwer – und leider wurde es im Verlauf der Geschichte nicht besser. Der Roman spielt im Westberlin der späten 1960er-Jahre und begleitet einen 13-jährigen Jungen, der zwischen familiären Konflikten, den Nachwirkungen des Krieges und der rauen Realität der Straße seinen Platz sucht. Dabei gerät er unter anderem in den Einfluss einer Jugendbande rund um den charismatischen Boxer Körschi und erlebt seine erste große Verliebtheit. Das Thema und die Grundidee kann ich durchaus nachvollziehen. Gerade die Dramatik der Familiengeschichte und das Bild eines harten, derben Westberlins kurz nach den 68ern haben durchaus Potenzial. Auch muss man dem Autor lassen, dass er mit verschiedenen Sprachstilen arbeitet und diese handwerklich eigentlich gut einsetzt. Trotzdem hat mich der Roman komplett verloren. Mein größtes Problem war der extrem unübersichtliche Schreibstil und das permanente Hin- und Herspringen zwischen Themen, Figuren und Gedanken. Ständig wird ein neues Fass aufgemacht, während das vorherige noch gar nicht richtig erzählt ist. Für mich entstand dadurch nie ein klarer roter Faden. Ich habe wirklich bis zum Ende darauf gewartet, dass sich die Geschichte irgendwie bündelt oder zusammenführt – aber dieser Moment kam für mich schlicht nicht. Dazu kommt, dass die Darstellung der Zeit zwar sicherlich bewusst rau und derb gehalten ist, um das Milieu der 60er-Jahre einzufangen, für mich aber stellenweise einfach überzogen wirkte. Natürlich waren diese Jahre hart und widersprüchlich – aber hier fühlte es sich manchmal so an, als würde die Brutalität noch einmal extra hochgedreht werden. Am Ende bleiben für mich außerdem einige Fragen offen. Offenbar sind weitere Bücher geplant, die vielleicht noch Dinge erklären oder weiterführen sollen. Für mich persönlich reicht dieser Band allerdings völlig aus – und zwar im Sinne von: Ich bin raus. Leider nur 1 Stern.
Description
Fremde Welt Westberlin – und die Sehnsucht nach der Liebe und dem Leben
»Ich glaube, es wird hohe Zeit, dass wir Michael Wildenhain als Chronisten dieser Stadt so nennen, wie wir E.L. Doctorow oder DonDelillo als Chronisten von New York nennen. Das ist für mich wirklich eine literarische Offenbarung.« Denis Scheck
Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Von dieser Zerrissenheit erzählt Michael Wildenhain in seinem Roman so virtuos und episch, wie es nur einer kann, der dabei war.
Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben. »Das Ende vom Lied« erzählt von einem Westberlin jenseits der 68er Ereignisse, einer Stadt, wie es sie nie wieder geben wird, vom unstillbaren Durst nach der ungezähmten Realität und vom Licht, in dem wir träumen.
Book Information
Author Description
Michael Wildenhain ist 1958 in Berlin geboren, wo er auch heute lebt. Nach einem Philosophie- und Informatikstudium engagierte er sich in der Hausbesetzerszene – Stoff u. a. für seine ersten literarischen Veröffentlichungen: »zum beispiel k.«, »Prinzenbad« und »Die kalte Haut der Stadt«. Für sein literarisches Schaffen wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Alfred-Döblin-Preis, dem Ernst-Willner-Preis, dem Stipendium der Villa Massimo sowie dem London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Michael Wildenhain veröffentlichte mehrere Romane. »Das Lächeln der Alligatoren« war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Brandenburger Kunstpreis ausgezeichnet. »Das Singen der Sirenen« erschien 2017 und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2026 erscheint sein neuer Roman »Das Ende vom Lied«.
Posts
Westberlin in den 60er Jahren. Zwischen Mauern, Nachkriegtraumata, Jungenbanden
Das Ende vom Lied, ein Roman von Michael Wildenhaim erzählt von einem 13-jährigen Jungen und dessen Leben in Berlin der 1968er Jahre. Die Stadt ist geteilt, die Menschen sind noch nicht ganz über den Krieg hinweg und werden es wohl auch noch eine Weile nicht sein. Kriegsbeschädigte in Körper uns Seele sind nicht zu übersehen. Wildenhaim lässt seinen Jungen eine Geschichte erzählen, die einem eiskalt den Rücken runter kullert. Michael Wildenhaim hat einen wunderbaren und tiefgründigen Roman geschrieben, der ein besonderes Bild von einer Stadt und seinen Menschen zeichnet. Sein Ich-Erzähler ist ein schlauer Kopf, will aufs Gymnasium gehen. Er zieht mit seiner Familie aus Charlottenburg nach Schöneberg, muss sich dort erst wieder einleben, sich mit den Straßenjungen der Gegend auseinandersetzen und seinen Platz dort finden. Er hat Eltern, die mit Traumata aus dem letzten Krieg zu kämpfen haben, die aber versuchen ihren Kindern eine heile Welt vorzuleben. Dazu kommt das Erwachsenwerden und die erste Liebe zu einem Mädchen das allerdings mit dem stärksten Boxer der Gegend zusammen zu sein scheint. Wieder einmal bin ich an einen Roman geraten, der sich am Anfang schwer anging. Aber wenn man das Muster des Romans verstanden hat und die Sätze nicht verschlingen mag, dann eröffnet sich eine spannende und vielschichtige Welt der Schreiberei. Der Autor liebt Bandwurmsätze mit vielen Kommata und Bindestrichen und manchmal "verrutscht" der Leser in der Zeit und muss sich neu orientieren. Wenn man dann aber zwischen den Seiten angekommen ist, kann es passieren, dass man die 416 Seiten verschlingt. Es ist eher ein Roman, der sich an die älteren Leser wendet, oder solchen, die sich mit der Zeit der Revolution in Berlin der 60/70 Jahre auszukennen wissen. Manchmal verheddern sich die Erzählstränge und man versteht im ersten Augenblick nicht was man da gelesen haben mag. Manchmal habe ich über diese verwirrenden Sätze einfach hinweggelesen und fand einige Seiten später die Erklärungen. Das Buch ist keine leichte Kost. Schwierig zu lesen und doch unterhaltsam. Vor allem, da ich in diesem Teil von Berlin aufgewachsen bin und ziemlich viele Schnittpunkte fand. Der Erzähler steckt zwischen den Fronten, wird gerade Erwachsen und findet heraus, wer er wirklich ist. Dazwischen die Protestaktionen der Studenten und die Machtkämpfe der Jungen von der Straße, die sich auch ein ums andere Mal bemüßigt finden, sich an den Protesten zu beteiligen. Die Aufklärung der eigenen Geschichte des Erzählers, die mit Betrug und Kriegstraumata einhergehen macht den Roman nicht leichter, da der Autor seine Sätze immer wieder gerne in verwirrende Stellungen bringt. "Alle leiden darunter." - "Die Mauer tut einem nix. Die ist nur da." "Es werden Leute erschossen." "Nur welche aus dem Osten." Erschrockenes hüsteln, ungläubiger Blick ... Das meint der Junge nicht ernst. "Was redest du da?" "In Schöneberg gibt's keine Mauer. In Charlottenburg auch nicht." "Darüber macht man keine Witze!" Seite 167 Mir hat der Roman aber doch sehr gefallen. Vielleicht gerade, weil ich dort groß geworden bin und die Nähe zu dem Protagonisten sozusagen gespürt habe. Mir war die Mauer und die Fragen darum von der westdeutschen Verwandtschaft immer lästig, genau wie dem Erzähler des Romans. Rubi fand den Roman dagegen schwer Kost und fand nicht immer die Zusammenhänge. Sie ist jünger und weiß nicht, wie es sich zwischen den Mauern Berlins angefühlt haben mag.

ungewöhnliches Buch über eine Jugend in Berlin
"Das Ende vom Lied" ist ein sehr besonderer Roman, wie ich ihn so noch nie gelesen habe! Es ist das Ende der 60er Jahre. Berlin ist eine Insel inmitten der DDR und durch die Mauer zweigeteilt. Inmitten politischer Unruhen begleitet der Leser den 13jährigen Jungen, dessen Namen man nicht eindeutig erfährt. Genauso wird vieles in diesem Roman nur angedeutet und nur in einigen Bereichen zum Schluss hin teilweise aufgeklärt. Der Junge ist aufgrund seines Familienkonstrukts viel sich selbst überlassen. Der Vater, ein Kriegsinvalide, ist oft außer Haus. Die Mutter ist im Krieg auf der Flucht stark traumatisiert worden, so dass sie für den Jungen emotional nicht verfügbar ist. Der Bruder ist auf einem Internat. So muss sich der Ich-Erzähler, auf sich alleine gestellt, in den Straßen Berlins selbst behaupten. Hier bekämpfen sich Straßengangs und es herrscht ein rauher Ton. Sowohl die Nachwirkung des dritten Reiches in den Köpfen der vorherigen Generation als auch der kalte Krieg schaffen ein Klima, in dem sich die linke Szene zu etablieren beginnt, und in die auch der Junge teilweise gerät. Sexueller Missbrauch, Prostitution, Alkoholmissbrauch, Spionage und Gewalt sind Themen, die keine leichte Kost sind und das Lesen manchmal wirklich schwer gemacht haben. Dazu kommen verwirrende Erzählstränge, Zeitsprünge und wechselndes lyrisches Prosa mit Gossensprache, die den Lesefluss sperrig und hölzern gemacht haben. Der Junge ist ein genauer Beobachter, zum Schluss auch Handelnder. Er lernt das Boxen und gibt der Geschichte damit eine besondere Dynamik, in der er sich selbst erhöht. Dies hat der Autor durch Verse und Gedichte verschärft, in denen der Junge wie sein Held Perry Rhodan kämpft. Besonders faszinierend war für mich, wie der Autor das Trauma der Mutter darstellt, die nicht nur missbraucht, sondern selbst Missbrauchende wird. Ihr Trauma wird zunächst nur angedeutet, bricht dann aber atemlos in einem dreiseitigen Monolog und in einem nicht enden wollenden Satz aus ihr hervor. Generell ist es schwer zu ertragen, welche Last jeder der Protagonisten zu tragen hat, oft ihne Worte dafür zu finden. Jedem dieser Protagonisten gibt der Autor die Möglichkeit, sich zu äußern, auf unterschiedlichste Weise: durch Lyrik, Faustkämpfe, Schweigen, Singen, Mundart, gelesene Bücher, gehörter Musik oder auch durch Sprengen. Dieser Roman war sehr herausfordernd zu lesen. Ich bin froh, dass ich dran geblieben bin, denn Michael Wildenhain hat hier ein sehr provokantes, abstossendes, aufrüttelndes, abwechslungsreiches und intelligentes Werk geschaffen, was bei dem Leser alles andere als Gleichgültigkeit hervorruft. In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Autor selbst der linksradikalen Häuserbesetzungsszene zuordnet, liest sich die Geschichte nochmal unter einem ganz anderen Gesichtspunkt. Gezeigt wird ein verwundetes, zerissenes Deutschland, in dem noch altes Nazidenken herrscht und das korrupt und fremdbesetzt ist. Ohne das Ende der Geschichte verraten zu wollen könnte man dies als den Wunsch des Autors deuten, dieses Konstrukt auflösen und in die Luft sprengen zu wollen, um Platz für Neues zu schaffen. Dem Roman soll noch eine Fortsetzung, die ich lesen werde.

Meinung: Mein erstes Buch aus dem Klett-Cotta Verlag und wahrscheinlich wird es auch mein letztes sein. Das Cover und der Klappentext haben mich sofort angesprochen. Ein Coming-of-Age-Roman im Westberlin der späten sechziger Jahre klang interessant und vielversprechend. Der Roman erzählt die Geschichte eines dreizehnjährigen Jungen, der mit seiner Familie nach Westberlin zieht. Dort muss er sich in einer rauen Umgebung zurechtfinden, die von Gewalt, Straßenbanden und Boxkämpfen geprägt ist. Gleichzeitig erlebt er seine erste Liebe und kämpft mit den Problemen innerhalb seiner Familie. Leider konnte mich die Umsetzung überhaupt nicht überzeugen. Am meisten Schwierigkeiten hatte ich mit dem Schreibstil. Für mich war er sehr schwer zugänglich und ich kam einfach nicht richtig in die Geschichte hinein. Viele Passagen wirkten auf mich sprunghaft und teilweise auch verwirrend. Dadurch entstand für mich kein richtiger Lesefluss und ich musste mich beim Lesen immer wieder neu orientieren. Oft hatte ich das Gefühl, aus der Geschichte herausgerissen zu werden. Auch einige Beschreibungen waren für meinen Geschmack zu ausführlich. Manche Szenen hätten meiner Meinung nach deutlich kürzer sein können, ohne dass der Geschichte etwas verloren gegangen wäre. Ein weiterer Punkt, der mir das Lesen erschwert hat, waren die Figuren. Leider konnte ich zu keiner der Personen eine wirkliche Verbindung aufbauen. Der Ich-Erzähler blieb für mich emotional sehr distanziert, und auch die anderen Charaktere konnten mich nicht wirklich erreichen. Insgesamt hat mich das Buch daher leider enttäuscht. Die Grundidee klang wirklich spannend, aber die Umsetzung konnte mich persönlich nicht abholen. Eine Sternebewertung möchte ich hier bewusst nicht vergeben, weil das Buch einfach überhaupt nicht meinen Geschmack getroffen hat. Am Ende gilt wie immer: Lest es selbst und bildet euch eure eigene Meinung.

Ich habe mich wirklich durch dieses Buch kämpfen müssen. Schon der Einstieg in „Das Ende vom Lied“ von Michael Wildenhain fiel mir unglaublich schwer – und leider wurde es im Verlauf der Geschichte nicht besser. Der Roman spielt im Westberlin der späten 1960er-Jahre und begleitet einen 13-jährigen Jungen, der zwischen familiären Konflikten, den Nachwirkungen des Krieges und der rauen Realität der Straße seinen Platz sucht. Dabei gerät er unter anderem in den Einfluss einer Jugendbande rund um den charismatischen Boxer Körschi und erlebt seine erste große Verliebtheit. Das Thema und die Grundidee kann ich durchaus nachvollziehen. Gerade die Dramatik der Familiengeschichte und das Bild eines harten, derben Westberlins kurz nach den 68ern haben durchaus Potenzial. Auch muss man dem Autor lassen, dass er mit verschiedenen Sprachstilen arbeitet und diese handwerklich eigentlich gut einsetzt. Trotzdem hat mich der Roman komplett verloren. Mein größtes Problem war der extrem unübersichtliche Schreibstil und das permanente Hin- und Herspringen zwischen Themen, Figuren und Gedanken. Ständig wird ein neues Fass aufgemacht, während das vorherige noch gar nicht richtig erzählt ist. Für mich entstand dadurch nie ein klarer roter Faden. Ich habe wirklich bis zum Ende darauf gewartet, dass sich die Geschichte irgendwie bündelt oder zusammenführt – aber dieser Moment kam für mich schlicht nicht. Dazu kommt, dass die Darstellung der Zeit zwar sicherlich bewusst rau und derb gehalten ist, um das Milieu der 60er-Jahre einzufangen, für mich aber stellenweise einfach überzogen wirkte. Natürlich waren diese Jahre hart und widersprüchlich – aber hier fühlte es sich manchmal so an, als würde die Brutalität noch einmal extra hochgedreht werden. Am Ende bleiben für mich außerdem einige Fragen offen. Offenbar sind weitere Bücher geplant, die vielleicht noch Dinge erklären oder weiterführen sollen. Für mich persönlich reicht dieser Band allerdings völlig aus – und zwar im Sinne von: Ich bin raus. Leider nur 1 Stern.







