Das Archiv der Gefühle

Das Archiv der Gefühle

Hardback
3.429
Sieben JahreGefühleErste Große LiebeBücher Über Liebe

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Description

Peter Stamms Roman »Das Archiv der Gefühle« fragt, ob wir im Leben unsere Chancen erkennen?

Die Sängerin Fabienne heißt eigentlich Franziska, und es ist vierzig Jahre her, dass sie eng befreundet waren und er ihr seine Liebe gestand. Fast ein ganzes Leben. Seitdem hat er alles getan, um Unruhe und Unzufriedenheit von sich fernzuhalten. Er hat sich immer mehr zurückgezogen und nur noch in der Phantasie gelebt. Er hat sein Leben versäumt. Aber jetzt taucht Franziska wieder auf. Gefährdet das seine geschützte Existenz, oder nimmt er diese zweite Chance wahr?

Book Information

Main Genre
Romance
Sub Genre
Time Travel
Format
Hardback
Pages
192
Price
22.70 €

Author Description

Peter Stamm, geboren 1963, studierte einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie und übte verschiedene Berufe aus, u.a. in Paris und New York. Er lebt in der Schweiz. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor. Er schrieb mehr als ein Dutzend Hörspiele. Seit seinem Romandebüt »Agnes« 1998 erschienen sechs weitere Romane, fünf Erzählungssammlungen und ein Band mit Theaterstücken, zuletzt die Romane »Weit über das Land«, »Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt«, »Das Archiv der Gefühle« und zuletzt »In einer dunkelblauen Stunde« sowie die Erzählung »Marcia aus Vermont«. Unter dem Titel »Die Vertreibung aus dem Paradies« erschienen 2014 seine Bamberger Poetikvorlesungen sowie 2024 die Züricher Poetikvorlesungen »Eine Fantasie der Zeit«. »Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt« wurde mit dem Schweizer Buchpreis 2018 ausgezeichnet.Literaturpreise:Rheingau Literatur Preis 2000Bodensee-Literaturpreis 2012Friedrich-Hölderlin-Preis 2014Cotta Literaturpreis 2017ZKB-Schillerpreis 2017Solothurner Literaturpreis 2018Schweizer Buchpreis 2018

Posts

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All
5

Berührende Schlichtheit

Nach Orhan Pamuk, Richard Powers und Jonathan Franzen kann man den Schweizer Autor Peter Stamm mit Fug und Recht als echtes Kontrastprogramm bezeichnen. Nach Büchern mit einer blumigen bis schwülstigen Sprache, bunten und detaillierten Bildern, feinsinnig gerankten bis langatmigen Familiengeschichten und teilweise aufwühlenden Emotionen ist die Umstellung zu „Das Archiv der Gefühle“, wie wenn man Pieter Bruegel den Älteren neben Mondrian hängt. Aber - im einen wie im anderen Fall - absolut wohltuend und bereichernd. Stamms straffer und zielorientierter (manche sagen „spröder“) Schreibstil ist dabei absolut passend zur Thematik. Ein wortkarger, introvertierter Einzelgänger zieht sich nicht nur aus seinem Beruf, sondern auch aus seinem gesamten sozialem Leben zurück. Nein, nicht ganz, er nimmt seinen Job als Archivar einer großen Zeitung mit nach Hause, lässt den gesamten, in den modernen digitalen Zeiten nicht mehr benötigten Aktenbestand im Keller seines Elternhauses installieren, in dem er seit dem Tod der Mutter alleine lebt. Hier fährt er fort, alles zu kategorisieren, zu protokollieren und zu katalogisieren. Nur für sich und weil er in der Struktur dieser Arbeitstage und dieser Abläufe seinen rein funktionalen Lebenssinn findet. Zeitungsausschnitt für Zeitungsausschnitt, Akte für Akte, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Nur eines reisst ihn bisweilen aus der Monotonie und Lethargie - die Erinnerung an seine Jugendfreundin Franziska, die er als die große Liebe seines Lebens empfindet und zu der sich im Laufe des Buches wieder vorsichtige und zarte Bande aufzubauen scheinen. Stamms Buch ist viel komplexer als es dieser kurze Abriss und die manchmal minimalistische Schlichtheit seiner Sprache erahnen lässt. Mit wenigen Adjektiven und Attributen gelingt es Stamm, Stimmungen zu gestalten, eine differenzierte Persönlichkeit zu entwickeln, zu fesseln, zu verunsichern. So fragt man sich früher oder später: Ist das alles noch Realität oder ist man dem Protagonisten vielleicht bereits in die paranoide Welt einer Psychose gefolgt und sitzt mit ihm gemeinsam schizoiden Visionen auf? So ganz nebenbei zwingt Peter Stamm einen auch, sich lebensphilosophischen Grundsatzthemen zu stellen: Ist es besser einen Traum zu konservieren, weil der Traum immer schöner ist als jede Realisierung oder kann aus einem Traum eine neue Realität erwachsen? Zu welchen Wandlungen ist ein Mensch im Leben fähig? Kann auch aus einer Kellerassel eine sich öffnende, ins Leben zurückkehrende Kreatur werden und vice versa? Und natürlich die Menschheitsfrage: Was ist die Definition von Liebe? Ist diese Emotion nicht im Grunde ein ganz subjektives Ich-Gefühl und völlig (oder fast) unabhängig und losgelöst vom Objekt? Ist man bisweilen vor allem in das Gefühl verliebt? Ein schönes, anregendes, abwechslungsreiches, ruhiges, nachdenkliches, überraschendes, besonderes Buch.

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„Und indem etwas eingeordnet wird in die Hierarchie der Themen, wird es verstehbar und beherrschbar. Wenn alles wie im Internet gleichwertig ist, hat nichts mehr einen Wert.“ Die Jugendliebe ein Star, der Erzähler Archivar. Die Begeisterung ist irgendwie zwischen den Regalen hängengeblieben.

3

Kauziger Archivar sinniert über sein Leben und die große Liebe zu einer Frau, die nach 30 Jahren wieder real in sein Leben tritt. Gedankenkarusell, in dem Wirklichkeit und Fiktion oft nicht zu unterscheiden sind. Spannungsbogen eher mittelmäßig, daher nur bedingt zu empfehlen.

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„Geräusche, Gerüche, Lichtphänomene, Farben, so vieles fehlt noch in meinem Archiv, so viel Unbeschriebenes, Unerfasstes, Unerfassbares.“ Das Buch hat einige wunderschöne Aspekte und Thematiken aufgeschrieben. Der Schreibstil war an einigen Stellen unsagbar poetisch und packend. Auf den anderen Seiten jedoch total kühl und runtergebrochen, sodass ich mich leider nicht mit den Charakteren identifizieren konnte. Ich hätte mir etwas mehr Nähe zu den Charakteren gewünscht, da sie doch so unnahbar wirkten. Auch wenn das Buch nicht wirklich lang ist, hat es sich auf vielen Seiten gezogen. Dennoch verbirgt es einige bedeutsame Messages.

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