Christentum als Intellektuellen-Religion

Christentum als Intellektuellen-Religion

Book
4.01

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Description

Das antike Christentum war keine auf die unteren Schichten der Gesellschaft beschränkte Religion. Der Autor zeigt, dass besonders in der Großstadt Alexandria alle namentlich bekannten Christen des 2. und beginnenden 3. Jahrhunderts Intellektuelle waren, die ihre religiöse Überzeugung mit den Mitteln der Vernunft explizierten.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Religion & Belief
Format
Book
Pages
128
Price
36.00 €

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Der Begriff "Intellektuellen-Religion" geht sachlich wohl auf Max Weber zurück und wurde von Kippenberger anscheinend bereits verwendet. Die These fühlt sich sozialgeschichtlicher Geschichtsschreibung verpflichtet. Eine Sozialgeschichtsschreibung, die sich mit der Spätantike beschäftigt, besteht aus penibelster Quellenkritik (und das bedeutet konkret manchmal: irgendwelche Papyrusfetzen oder, am anderen Ende der Skala, mehrere hundert Jahre Forschungsgeschichte verschiedenster Positionen zu verschiedenen Textstellen in Eusebs Kirchengeschichte, die sich chronistisch leicht widersprechen). Dies macht das Buch teilweise anstrengend zu lesen, es ist aber dennoch erfrischen kurz. Die These: In Alexandria (die wohl zweitwichtigste und -größte Stadt des römischen Kaiserreichs nach Rom) gab es eine intellektuelle, philologische und philosophische Tradition, die sich einem generell kulturellen Interesse in der und dem Reichtum von der Stadt verdankte. Es wurden z.B. Homertexte philosophisch-platonisch ausgelegt. Es gab viele jüdische Menschen, die aber teilweise harten Repressalien ausgesetzt waren (vor allem zu Beginn des 2. Jahrhunderts). Im 1. Jahrhundert vor Chr. gab es Philo, der wie die Homerausleger die jüdische Bibel philosophisch-platonisch auslegte. Christen gab es im 1. und am Anfang des 2. Jahrhunderts noch nicht in Alexandrien. Das Christentum hat sich zwar schnell im römischen Reich verbreitet, aber nicht nach Karthago und Alexandria. Man geht davon aus, dass diese erste Verbreitung vom Christentum woanders sozialgeschichtlich gesprochen (auch der christlichen Lehre entsprechend) eher untere Schichten ansprach. Regional war die Entwicklung nun mal unterschiedlich, und das ist geschichtlich schwierig zu rekonstruieren, weil man meistens irgendwelche Verlaufsformen voraussetzt. In Alexandria setzte sich gemäß der Kultur der Stadt erstmal nur eine ganz besondere Form des Christentums durch: Parallel zu anderen gab es im 2. Jahrhundert dann christliche Philosophenschulen. Philosophenschulen gab es von unterschiedlichsten philosophischen Richtung. Es gab eine Lehrerfigur und eine Abfolge von Lehrern. Die Schüler waren junge, reiche und privilegierte Männer. Sie lebten und diskutierten gemeinsam, und zwar sexuell enthaltsam. Clemens und Origenes schienen sich auch als Lehrer von solchen Philosophenschulen zu verstehen, und zwar eben einer christlichen, weil die christliche Philosophie ihrer Meinung nach die richtige war, nicht die stoisch, epikureische, pythagoreische oder peripatetische, um andere zu nennen. Deswegen wurden von ihnen auch intellektuelle Texte überliefert, die später, im 4. und 5. Jahrhundert umstrittener waren, da es da bereits ein institutionalisiertes Christentum gab, dass sich von diesem philosophischen Christentum, der "Intellektuellen-Religion" strukturell unterschied. Ein Gemeinde-Christentum gab es nach Fürsts spannender These also erst aber der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts.

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