Candy Girls

Candy Girls

Softcover
4.417

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Description

Junge Frauen und ihre Körper – selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy – sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt. In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics – und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat. »Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« Christiane Rösinger

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Softcover
Pages
200
Price
20.60 €

Author Description

Sonja Eismann (*1973) ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie studierte Komparatistik in Wien, Mannheim, Dijon und Santa Cruz (USA) und war Mitgründerin des Magazins nylon und des Missy Magazine, wo sie bis heute Teil der Redaktion ist. Sie war/ist u.a. für Spex, taz, Freitag und Deutschlandfunk Kultur als Autorin und Journalistin tätig und forscht zu Genderdarstellungen im Pop. Von 2016 bis 2022 war Sonja Eismann Mitglied im Musikrat des Goethe-Instituts, 2024 hatte sie die Popdozentur der Universität Paderborn inne. Sie lebt in Berlin.

Posts

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"All diese Erlebnisse [...] zeigen uns, worum es in der Popindustrie zu großen Teilen geht: Um die Ausbeutung meist junger Frauen oder gar minderjähriger Mädchen zur Befriedigung oder Belustigung meist älterer Männer." (S. 94) Was haben die Rolling Stones und 50 Cent gemeinsam? Sie sind heiß auf Candy Girls. Egal ob als brown sugar oder lollipop. Und damit sind die Herrschaften nicht allein. Das Musik Business ist voll von ihnen. Und sie alle haben Anhänger, die genau darauf Bock haben, dabei aber nie hinterfragen, was es mit den doch nur süß gemeinten Texten wirklich auf sich hat. Steckt da am Ende Misogynie hinter? Über Jahrzehnte - ach was, Jahrhunderte gewachsener und etablierter Sexismus, der Frauen im Musikgeschäft marginalisiert, verachtet und demütigt? Genau hier setzt Sonja Eismann mit einer Mischung aus leidenschaftlicher Abrechnung und fundierter Analyse an. Candy Girls: Subtiler wird's nicht. Die Autorin haut uns alles um die Ohren, was Mann so auf Bühnen und Tonträger bringt, beginnend mit dem Missbrauch Minderjähriger unter dem "künstlerischen" Deckmantel der Lolita bis hin zu Songtexten, die nicht erst auf den zweiten Blick hoch problematisch sind. Das lyrische Ich - so praktisch, um Werk und Künstler voneinander zu trennen, oder?! Und die kleinen, dummen Mädchen, Baby-Groupies, checken's doch eh nicht. Weiblichen Fans wird per se nicht nur Intelligenz und musikalischer Sachverstand abgesprochen; sie gelten auch als Frischfleisch für die After Show. Und das - quelle surprise - nicht erst seit der Casa "Row Zero". Warum sonst sollten sie für ihre Idole brennen, wenn nicht der körperlichen Nähe wegen? Ganz anders dagegen die männlichen Pendants, die einfach nur dem Können und Erfolg nacheifern - auf Augenhöhe versteht sich. Männer lesen Männer; Männer hören Männer und für Frauen bleiben dann in (un)logischer Konsequenz Frauenliteratur und Mädchen-Musik. So analysiert die Autorin nicht nur sexistische Songtexte, sondern die gesamte Misogynie, die sich auf und hinter Bühnen, in männerdominierten Festival Line-ups, Plattenlabels und Radiostationen sowie im Musikjournalismus konsequent durchzieht. Eismann zeigt, wie Sexismus und Ageismus strukturell verankert sind, wie sexuelle Übergriffe in der Szene normalisiert werden und wie das male-gaze-Denken von Künstlerinnen selbst verinnerlicht wird. Sie verdeutlicht anhand vieler Beispiele aus den letzten Jahrzehnten, dass der Sexismus im Musikgeschäft nichts an Widerwärtigkeit eingebüßt hat. Das, woran wir uns längst gewöhnt haben, wird meist erst deutlich, wenn wir es in einem Rollentausch betrachten. Absurd! Sexuelle Gewalt wird als "reguläres Rockstarverhalten" geduldet und der Begriff "Begehrensökonomie" bringt die Denke der Unterhaltungsindustrie auf den Punkt. Vieles - nein, eigentlich alles, was Sonja Eismann schreibt, macht mich wütend. Denn es ist wahr und sie deckt zahlreiche Wahrheiten auf, die mir noch nicht bekannt waren. Was meine ohnehin schon bestehende Gewissheit verstärkt: Wenn du es einmal gesehen hast, kannst du es nicht mehr nicht sehen. Es ist noch ein weiter Weg, bis Frauen als Künstlerinnen statt Körper gesehen werden und bis endlich allen klar ist, dass Femizide gestoppt statt besungen werden müssen. Doch Künstlerinnen wie Lola Young, Lorde, Chappell Roan oder Taylor Swift setzen längst Gegenkräfte frei – vielleicht genug, um das System irgendwann zum Einsturz zu bringen. Safe Space statt Toxic Culture! "[D]ie Profiteure des Patriarchats [können] froh sein [...], dass sie nach Jahrtausenden der Unterdrückung keine Rache, sondern nur Gleichberechtigung fordern." (S. 172)

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Sonja Eismann zerlegt Popkultur mit analytischer Schärfe und feministischer Konsequenz. Eine Wucht von einem Sachbuch! Unbedingt lesen!

„Candy Girls sind süß. Sie sind frisch und lecker. […] Sie lassen sich schnell konsumieren oder unauffällig wegwerfen.“ (S. 8) Mit „Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie“ legt Sonja Eismann (Journalistin, Kulturwissenschaftlerin und Mitgründerin des Missy Magazine) ein Buch vor, das nicht erklären will, warum Pop problematisch sein kann, sondern zeigt, warum er es ist. Erschienen im September 2025 im Edition Nautilus Verlag, verbindet dieses Buch kulturwissenschaftliche Analyse, Popgeschichte und feministische Theorie zu einer schmerzhaft klaren Bestandsaufnahme. Meine Meinung Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, worum es Eismann geht: Nicht um Einzelfälle, nicht um „schwarze Schafe“, nicht um moralische Panik, sondern um ein strukturelles Problem: „Wie und wo ist die Musikbranche sexistisch? Kurze Antwort: überall.“ (S. 10) Dieser Satz klingt zunächst provokant und auch etwas oberflächlich, aber im Verlauf des Buches wird er (leider!) erschreckend präzise belegt. Eismann analysiert, wie Frauen und weiblich gelesene Personen im Pop gleichzeitig begehrt, entwertet und austauschbar gemacht werden. Der Begriff der Candy Girls steht dabei sinnbildlich für eine Industrie, die weibliche Körper konsumierbar macht: süß, verfügbar, ersetzbar. Besonders beeindruckt hat mich der intersektionalen Blick, den die Autorin einnimmt, und wie sie unterschiedliche Kontextebenen zusammendenkt: Musikerinnen, Fans, Groupies, Musikjournalismus, Kanonbildung und ökonomische Macht. Eismann zeigt, dass Sexismus nicht nur auf der Bühne passiert, sondern auch in Rezensionen, Line-ups, Backstage-Räumen und Fan-Narrativen. Und immer wieder geht es um Gewalt. Nicht "nur" physisch, sondern auch symbolisch: um das Verharmlosen von Übergriffen, die Romantisierung männlicher Grenzüberschreitungen und die systematische Unsichtbarmachung weiblicher Perspektiven. Besonders betroffen gemacht haben mich Beispiele, bei denen nicht die übergriffigen Männer, sondern die Künstlerinnen gecancelt wurden. Viele der Täter waren mir als Künstler bekannt, jedoch bisher nicht als Täter. Mich hat schockiert, wie viele es sind, welches System dahintersteckt und wie konsequent Täter geschützt werden, während Betroffene gecancelt werden oder verschwinden. Stilistisch ist „Candy Girls“ fordernd. Die Sätze sind teilweise lang, die Argumentation dicht, theoretische Begriffe werden nicht vereinfacht. Aber genau darin liegt auch eine Stärke: Eismann traut ihren Leser:innen zu, mitzudenken. Trotz aller Wut bleibt das Buch nicht im Zynismus stehen. Es öffnet Räume für Kritik, für Verantwortung und für kollektives Umlernen. Nicht als Happy End, sondern als Aufgabe. Denn „Popkultur ist nur ein Bestandteil einer sexistischen Gesellschaft, die wir gemeinsam bekämpfen müssen.“ (S. 171) Fazit „Candy Girls“ ist unbequem, wütend und notwendig. Ein Buch für alle, die Popkultur lieben, aber nicht länger wegsehen wollen. Für Leser:innen feministischer Sachbücher ein absolutes Must-read und vor allem für Menschen, die ihre Idole wie David Bowie, Justin Timberlake und co. bisher nicht hinterfragt haben. Danke an netgalley.de und an Edition Nautilus für das Rezensionsexemplar.

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