Café Continental

Café Continental

Hardback
4.01

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Description

Bernd-Lutz Lange nimmt uns mit ins Café Continental – und zugleich mit auf eine literarische Reise durch die letzten 60 Jahre, mit leisem Humor, einem Schuss Satire und einem Hauch Melancholie.

Das »Café Continental« ist der große Treffpunkt dieser Stadt. Jung und Alt kommen hier zusammen, Einheimische und Fremde, Eilige und Leute, die den halben Tag am Kaffeehaus-Tisch verbringen. Für Richard Dumont, eben noch Student, tut sich eine ganze Welt auf. Mit den Freunden am Malerstammtisch diskutiert er leidenschaftlich über die wechselnden politischen Großwetterlagen, über geheimste Neuigkeiten und allerprivateste Liebesangelegenheiten. Der Pianist Ferdinand Barnowsky nimmt ihn mit auf eine Reise in die goldenen Jahre des Berliner Kabaretts der zwanziger Jahre, ins Romanische Café und zur Premiere der Dreigroschenoper.

Über die Jahre lernt er immer neue interessante Leute kennen und erfährt ihre staunenswerten Familiengeschichten. Und immer wieder kommen jüdische Schicksale in der Stadt zur Sprache.

Auch an den Nachbartischen erlauscht Richard Dumont allerhand Aufregendes, so Heiteres wie Skurriles, so Tragisches wie Komisches.

Bernd-Lutz Lange hat in diesem Kaffeehaus einen literarischen Ort gefunden, mit dem er in Geschichten eigentlich die Geschichte dieses Landes ab Mitte der sechziger Jahre bis heute erzählt – und nicht zuletzt vielleicht auch die eigene.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
395
Price
22.70 €

Author Description

Bernd-Lutz Lange, geboren 1944 in Ebersbach/Sachsen, wuchs in Zwickau auf. Nach einer Gärtner- und Buchhändlerlehre studierte er an der Fachschule für Buchhändler in Leipzig. 1966 war er Gründungsmitglied des Kabaretts »academixer«, von 1988 bis 2004 trat er im Duo mit Gunter Böhnke auf, bis 2014 mit der Sängerin und Kabarettistin Katrin Weber. Am 9. Oktober 1989 war er Mitverfasser des Aufrufs der »Leipziger Sechs« zur Gewaltlosigkeit und zum Dialog. Von Bernd-Lutz Lange liegen inzwischen zahlreiche Bücher vor. Im Aufbau Verlag sind »Dämmerschoppen«, »Magermilch und lange Strümpfe«, »Mauer, Jeans und Prager Frühling«, »Das Leben ist ein Purzelbaum«, »Davidstern und Weihnachtsbaum«, »Nischd wie hin. Unsere sächsischen Lieblingsorte« (zusammen mit Tom Pauls), »Das gabs früher nicht. Ein Auslaufmodell zieht Bilanz«, »David gegen Goliath. Erinnerungen an die Friedliche Revolution«, das er zusammen mit seinem Sohn Sascha Lange schrieb, und »Freie Spitzen. Politische Witze und Erinnerungen aus den Jahren des Ostblocks« lieferbar.Als Hörbuch bei Aufbau Audio sind „Zeitensprünge. Kreuz und quer durch mein Leben“, „Das Leben ist ein Purzelbaum. Von der Heiterkeit des Seins“, „Teekessel und Othello. Meine sächsischen Lieblingswitze“ und "Sternstunden. Begegnungen mit besonderen Menschen" lieferbar.2014 erhielt Bernd-Lutz Lange das Bundesverdienstkreuz. Seit 2019 ist er Ehrenbürger der Stadt Zwickau.

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Das Buch ist eine geschickte Verknüpfung von fiktiven Geschichten die der Kaffeehausstammgast Richard Dumont im „Continental“ erlebt, respektive von den Mitbesuchern zu Ohren bekommt mit realen Geschehnisse, historischen Fakten und Einschätzungen zu Geschichte und Gesellschaft. Oftmals wird der Leser entführt in die Blütezeit des Kabaretts der 20er und 30er, gefolgt von folgenden dunklen Jahren der Geschichte. Auch die Zeit der DDR und die Wirren der Nachwendezeit werden beleuchtet und in Erzählungen der Kaffeehausbesucher eingearbeitet.

Einige Episoden haben mich besonders beeindruckt. Aber zuerst einmal ein paar Fragestellungen, die mir in den Sinn gekommen sind und die bei der Lektüre beantwortet wurden. Was ist den eigentlich an so einem Kaffeehaus so einzigartig und schön? Der Charme eines Kaffeehauses: „So ein altes Kaffeehaus ist ein besonderer Ort. Hier hat sich die Geschichte des Landes von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart in unzähligen Gesprächen widergespiegelt. Die Patina verweist auf die Gäste der Jahrzehnte davor. Die abgegriffene Stuhllehne. Der kleine Sprung im Marmor. Der Rauch von unzähligen Zigaretten, der sich in der grün-goldenen Stoffbespannung an der Wand festgesetzt hat. An diesem Ort wird man unterhalten, informiert, getröstet und angeregt. Man schätzt die Gemeinschaft, kann aber auch in der Menge das Alleinsein genießen.“ „Die Geselligkeit durch Stammgäste mit dem Erzählen von Schnurren und Anekdoten, das Durchatmen des Touristen nach einem Stadtbummel, die Flirts an den Tischen, das Kennenlernen von Menschen, der Austausch unterschiedlichster Meinungen, auch mal gepflegter Klatsch als Seelenhygiene - und das alles passiert in einem Wohlfühl-Milieu. Nicht in den tristen heutigen Coffeeshops, die so tun, als wären sie ein Kaffeehaus. Dabei sind sie nur ein banaler seelenloser und vor allem genormter Kaffeeausschank.“ Bleibt zu hoffen, das die verbliebenen Oasen vs austauschbarer Institutionen noch so lange wie irgend möglich erhalten bleiben. Gibt es sie eigentlich noch, diese Kaffeehäuser mit Marmortischen? B.L. Lange hat noch welche als Empfehlung parat: „Von den vielen Kaffeehäusern im Osten Deutschlands, die den Krieg in alter Ausstattung und dem Original-Mobiliar überstanden hatten, existieren heute nach meiner Kenntnis ... nur noch sechs! Keine Rangfolge, sondern alphabetisch nach den Städtenamen: Café Rommel in Erfurt, Café Hartmann in Freiberg, Café Grundmann und Café MAÎTRE in Leipzig, das Café Kolditz in Sangerhausen und das Café Wien in Wernigerode.“ Gleich zwei in meiner Geburtsstadt Leipzig, da bin ich erfreut und habe ein neues Vorhaben…. Und nun einige Episoden mit Erwähnungswert als Ansporn zum Lesen im vollen Umfang! Sicher es gab früher nicht nur mehr Kaffeehäuser, sondern auch Kneipen! Und das waren noch Kneipen: Eine Episode blickt zurück auf die „Kneipenlandschaft“ Leipzigs in den 1920/30 Jahren: „Und wo haben Sie sich kennengelernt?« »Im Taubenschlag«, meinten sie wie aus einem Munde. »Im Taubenschlag?«, fragte ich. »Ja«, klärte mich Klara auf, »so hieß eine Kneipe in der Marktgasse. Da war was los! Da ging es zu ...« »... wie in einem Taubenschlag«, ergänzte Kurt. Mit der Erinnerung an jene Zeit taute er zusehends auf. Und sie schwärmten von der urigen holzgetäfelten Kneipe mit dem großen grünen Kachelofen, die immer überfüllt gewesen sei, so dass die Gäste noch draußen auf der Gasse standen und die Biere und Schnäpse durchgereicht wurden.“ Damals waren Kneipen noch soziale Haltepunkte für die Menschen der Stadt. So manche Eckkneipe existierte und war Ziel für das Feierabendbierchen. Ich denke diese Kneipe war nicht fiktiv, ich habe eine Postkarte vom „Taubenschlag“ im Netzt entdecken können. Poesie der Großstadt „Wir setzten uns an eins der geöffneten Fenster. Sie stammten noch aus jenen legendären zwanziger Jahren, über die wir reden wollten. Die untere Hälfte ließ sich nach oben schieben. Die Stra-ßengeräusche drangen bis zu uns, aber auch die Vögel in den Bäumen am Brunnen waren zu hören. Poesie der Großstadt.“ Und tatsächlich, es gibt sie noch diese markanten Kaffeehausfenster. Zum Beispiel im „Café Grundmann“ im Süden Leipzigs. Nun dort zu sitzen und an dieses Buch zu denken erzeugt eine ganz besondere Stimmung. Ein Traum in Ostdeutschland „An jenem Abend träumten wir gemeinsam jenen Traum, den so viele im Osten Deutschlands träumten. Einmal durch Paris flanieren: Montmartre, Café Deux magots, Notre Dame, auf einer Brücke in die Seine schauen, die Bouginisten, im Louvre wortlos vor den Bildern der Impressionisten stehen. Schlafen würde man nicht, denn schlafen könnte man dann wieder in der DDR. Das Land machte einen sowieso müde, und man würde nichts verpassen, wenn man dort ein paar Jahre verschlief. Und die siebziger Jahre waren besonders bleiern.“ Und ja, Paris war tatsächlich das Ziel auch meiner/unserer Träume und ein schier unerreichbares Ziel. Als Jugendlicher zog ich nie gerne kurze Hosen an. Das lag wohl an meinen spargeldünnen Beinen. Diese Ablehnung bekräftigte ich immer meist den Worten „Ich renne erst mit kurzen Hosen auf der Straße rum, wenn es unterm Eifelturm sein kann“. Kurz nach der Wende war dann Paris auch Ziel unserer ersten Mehrtages-Auslandsbusreise. Immer noch in langen Hosen.🙃 Leben in verfallenden Häusern „….das sich die Menschen tatsächlich »aus ihren Wohnungen heraus gegen den Verfall der Häuser gestemmt« haben. Wenn wir Besuch aus dem Westen hatten, dann merkte man, dass sie sich wunderten, wie schön viele Wohnungen hier eingerichtet waren. Ich hatte mitunter den Eindruck, sie dachten, der Verfall ginge darin weiter... Als wir ein amerikanisches Ehepaar zu Besuch hatten, staunten sie über Bilder und Grafiken an den Wänden, über die Mischung von modernen und alten Möbeln, die Bücherwände und die Schallplattensammlung. Sie hatten das alles offensichtlich nicht erwartet. Draußen und drinnen waren zwei verschiedene Welten.“ Lebensweisheit eines Kabarettisten. „…Woldemar Sacks. ….Seinen Leitsatz habe ich noch drauf... Moment ... also: ›Wenn man das Leben wirklich ernst nimmt, fängt man an zu lachen ... nimmt man es humo-ristisch, dann wird einem ernst zu Mute ... Am besten, man lächelt unter Tränen und drückt ein Auge zu ... so lange ... bis einem beide Augen zugedrückt werden.‹« »Heiterkeit mit Melancholie gepaart.« Und nein, hier handelt es sich um keine fiktive Figur, Ernst Woldemar Sacks (1866 - 1929), deutscher Musiker und Schriftsteller gab es wirklich. Eine Mütze mit Symbolkraft. „Er trug jene Kopfbedeckung, die ich in meiner Kindheit und Jugend bei Vertretern von drei Berufen immer wieder gesehen hatte: bei Pfarrern, Lehrern und Künstlern - eine schwarze Baskenmütze.“ Und ja wenn ich so zurückdenke, kann ich diese Wahrnehmung bestätigen. Mein Vater trug jahrelang eine schwarze Baskenmütze auf dem Kopf mit schütterem Haar aber kräftigen Vollbart. Sicherlich wollte er damit sein künstlerische Begabung nicht seine berufliche Tätigkeit als Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte und Kunst zu Ausdruck bringen. Die Mütze als Statussymbol? Zugegeben gibt es auch von mir Fotos eines knabenhaften Mannes mit Fotoapparat und Baskenmütze.🙃Naja künstlerisch unbegabt bin ich nun auch nicht. Ein aufmerksames Auge für ein unechtes Auge. „Herr Löffler, ein Lehrer von mir, besaß ein Glasauge. Sein richtiges hatte er im KRIEG verloren. Rings um sein künstliches Auge sah man Narben. Mich gruselte etwas vor dem Glasauge. Konnte man das herausnehmen? Auf den Tisch legen? Ich ertappte mich dabei, dass ich mehr zu seinem künstlichen Auge sah als zu seinem natürli-chen. Es zog mich magisch an, weil es mich so starr und unverwandt anblickte. All diese bedauernswerten Menschen mit einem körperlichen Handicap nannte man ›Versehrte‹. Das beschreibt nicht die ganze Tragik.« Tatsächlich kann ich diese „magische“ Anziehungskraft bestätigen. Im Haus meiner Oma in der Arndtstrasse wohnte eine Frau Ritter. Als Kind hatte ich bei einer Begegnung mit ihr eine Gefühl aus Neugier und Angst. Trotz eigentlicher Freundlichkeit und Zugänglichkeit war mir ihr gläsernes Auge (zugegeben zu dieser Zeit und vermutlich im Krieg nicht besonders gut gemacht), welches in einer mit einer Narbe gezeichneten Augenhöhle saß unheimlich. Falco nach der Friedlichen Revolution „Aus Falco, dem Besorger, wurde über Nacht ein Nichts. Kein Mensch sprach ihn mehr an: »Falco, ich hätte da eine Bitte... Könntest du für mich ... Ich bräuchte unbedingt....« Er fiel in ein Loch, litt an Stimmungsschwankungen. Keiner brauchte etwas. Alle bekamen überall alles. Er war überflüssig geworden. Die schönste Zeit seines Lebens war dahin. Und er machte die Erfahrung, dass manche Freundschaft lediglich eine Geschäftsbeziehung gewesen war.Vorbei. Einladungen zu Partys blieben aus. Er war ein Wendeverlierer.“ Vom Besorger zum Besorgten, ein Schicksal was wohl viele in der Nachwendezeit erleben mussten. Sicher wurde dies auch mit ein wenig Genugtuung wahrgenommen und das mitleidige Verständnis für die Situation der nunmehr Problembehafteten hielt sich in Grenzen. So, nun aber gut. Die Devise heißt: Selbst lesen, sich in einigen Erzählungen wiederfinden, Erinnerungen starten, eigene Eindrücke und Meinungen bilden. Viel Spaß beim Lesen!

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