Berchtesgaden
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Carolin Otto studierte an der HFF München und promovierte an der Bauhaus-Universität Weimar. Sie schrieb Drehbücher für zahlreiche Fernsehproduktionen, unter anderem für POLIZEIRUF 110 und TATORT. Außerdem ist sie Autorin und Regisseurin mehrerer Kinofilme, darunter auch DER WEISSE RABE, das filmische Porträt des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer. Seit 2019 ist sie Präsidentin der FSE (Federation of Screenwriters in Europe). BERCHTESGADEN ist ihr erster Roman.
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Kriegsende 1945, Berchtesgaden. Die USA und die Französische Armee liefern sich einen Wettlauf, wer es schafft den Obersalzberg, Hitlers Berghof einzunehmen. Sophie (19jahre) wohnt mit ihrer Familie und ihrer Freundin Magda in Berchtesgaden. Einer ihrer Brüder Max ist / war bei der SS, der andere ist an der Front, irgendwo. Die Zeiten sind ungewiss und Sophie ist froh, dass der Krieg endlich vorbei ist und will nach vorne blicken - sie fängt an vieles zu hinterfragen.
Mit der amerikanischen Armee kommt der GI Frank Rosenzweig, der in Berchtesgaden die Verhöre durchführt . Ebenfalls in Berchtesgaden ist die Schauspielerin und Geliebte eines adligen Nazigenerals, Ali Gral. Es gibt noch ein paar weitere interessante Personen im Debütroman von Carolin Otto. Viele Themen werden angesprochen, unter anderem: Judenverfolgung, Konzentrationslager, Zwangsarbeiter, Endnazifizierung, Rassismus in der amerikanischen Armee…. Carolin Otto ist Drehbuchautorin und das merkt man dem Roman an. Es ist gut recherchiert und man hat das Gefühl, dass es genau so gewesen sein könnte. Der Roman war im Gespräch für eine Verfilmung- darüber würde ich mich sehr freuen. Besonders, weil ich oftmals Gefühl hatte, jetzt eine Großaufnahme von dem Gesicht, von der Person….
Ein Lesehighlight! Sehr empfehlenswert!
Eine Stadt und ihre Bewohner zwischen grausamer Vergangenheit und ungewisser Zukunft Berchtesgaden, 1945: Der Zweite Weltkrieg ist so gut wie verloren, der Führer hat sich bereits umgebracht, viele seiner direkten Untergebenen ebenfalls oder aber sie sind geflohen, denn die Amerikaner nahen. Mitten in den Wirren der letzten Kriegstagen befindet sich Sophie Gruber, die gemeinsam mit ihrer Freundin Magda auch bei Plünderungen der Häuser von Nazi-Größen mitmacht. Doch immer wieder stimmt der Reichtum dieser mächtigen Menschen sie nachdenklich, denn mit ihren neunzehn Jahren ist sie zwar mitten im Nationalsozialismus aufgewachsen, hat so manches nicht weiter hinterfragt, aber nicht jede der Ideologien und des Gedankenguts entsprachen auch ihrer persönlichen Meinung. Nun, nachdem der Krieg zu Ende ist, übernehmen die Amerikaner die Regierung Bayerns und versuchen, wieder weitgehend für Ordnung zu sorgen. Deshalb suchen sie nach Angestellten, die ihren ausführlichen Fragebögen zufolge keine politische Vergangenheit hatten. Sophie gehört zu einer von ihnen und arbeitet ab jetzt als Sekretärin und assistiert bei Befragungen von Nazigrößen. Doch nicht nur diese Schilderungen erschüttern sie immer wieder zutiefst, sondern auch die Denkweise der Menschen, die nicht mehr an das Vergangene erinnert werden möchten und versuchen so, die schrecklichen Taten der vergangenen Jahre einfach totzuschweigen und schließlich zu vergessen. Aber gerade mit ihrem Bruder Max, der bei der SS war, ist das schwierig und Sophie steckt in einem Zwiespalt, denn auf dem Fragebogen hat sie ihn nicht erwähnt... Carolin Otto erzählt die Ereignisse des Jahres 1945 in Berchtesgaden auf eine sehr fesselnde, aber auch berührende und persönliche Weise. Dafür hat sie unzählige Personen in den Fokus gestellt, die ihre Sichtweise abwechselnd schildern und so ein großes und umfassendes Bild der damaligen Geschehnisse vermitteln. Diese Erzählweise führt dazu, dass unzählige Handlungsstränge parallel verlaufen und trotzdem am Ende ein großes Ganzes ergeben. Dieser historische Roman hat mich von der ersten Seite an gepackt. Denn das Jahr 1945 das nicht nur das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutet, sondern auch für einen politischen Umbruch steht, ist sehr interessant. Gerade Sophie ist mir immer mehr ans Herz gewachsen, denn sie wirkt anfangs noch sehr unbedarft und hat vieles, was geschehen ist, nicht mitbekommen, entwickelt sich aber immer mehr zu einer jungen Frau mit eigenen Meinungen. Auch Frank Rosenzweig war mir sofort sympathisch. Wohingegen vorallem Max Gruber mit seiner immer etwas arroganten und selbstsicheren Art, ebenso wie Magda mit ihrer übertriebenen Verehrung für Max, die sich zudem sogar von ihm zu seinen Zwecken instrumentalisieren lässt, wenig Verständnis für ihr Handeln von mir erhalten haben. Dieser Roman ist deshalb viel mehr als nur ein spannendes und fesselndes Buch, sondern vielmehr eine Erinnerung daran, wie schwer es war, das rechte Gedankengut aus der Gesellschaft zu vertreiben und dass Geschichte niemals vergessen werden sollte!

Berchtesgaden von Carolin Otto ist ein großartiger Roman über das Leben der Deutschen und der Alliierten nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Mai 1945. Im Mittelpunkt steht Sophie Gruber, 19, und ihre Familie. Ihr Bruder Max war bei der SS und versteckt sich in den Bergen vor den Amerikanern. Frank Rosenzweig gehört dem Military Government an. Er ist in den 1930er Jahren nach Amerika ausgewandert. Er leitet die Verhöre von hochrangigen Nazis und Mittätern. Sophie ergattert einen Job als Dolmetscherin und Sekretärin beim Military Government und freundet sich mit ihrem Vorgesetzten Rosenzweig an. Er empfiehlt ihr das Buch „Erfolg“ von Lion Feuchtwanger, in dem dieser bereits 1930 Hitlers Aufstieg vorhergesehen hatte. Während der Verhöre und nach Sichtung der Fotos von der Befreiung der Konzentrationslager wird Sophie das Ausmaß der Verbrechen der Deutschen bewusst. Als sie Max in seinem Versteckt besucht, stellt sie ihn zur Rede. Er weist alle Verantwortung von sich: „Wir mussten es tun. Es war ein Befehl. Nach den ersten zehn ist es nicht mehr so schlimm. Man gewöhnt sich daran. Es ist eine Arbeit, die zu erledigen ist.“ (S. 493) Sophie verliebt sich in den schwarzen GI Sam. Ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, Fraternisierung ist verboten ist. Sam gefällt es in Deutschland, als Angehöriger der Siegermacht wird er mit Respekt behandelt im Gegensatz zu seinem Leben als Schwarzer in Amerika. Meg ist Kriegsreporterin und Franks Geliebte. Sie besucht ein Waisenhaus und sieht sich selbst überlassene ungewollte Babys, die nach Vergewaltigungen gezeugt wurden oder deren Mütter sie nicht ernähren können. Sie werden im Vier-Stunden-Takt gefüttert und mit Bier ruhiggestellt. Diese Szene hat mich sehr berührt. Dr. Rudolf Kriss wurde von einem Bekannten denunziert und verbrachte die letzten Kriegsmonate im Zuchthaus Er wird von den Amerikanern zum neuen Bürgermeister von Berchtesgaden ernannt. In seinem Haus werden Vertriebene untergebracht, auch die KZ-Überlebende Pina Thanner, die ebenfalls für das Military Government arbeitet. Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Obwohl er viele Themen behandelt und es viele Charaktere gibt, fiel es mir nicht schwer, den Überblick zu behalten. Handlung und Personen sind fiktiv, jedoch an historische Persönlichkeiten und Ereignisse angelehnt. Die Autorin hat mein Interesse an der Stadt Berchtesgaden, dem Obersalzberg und der Umgebung geweckt. Das Ende ist offen, wir erfahren nicht, wie es mit Sophie und Sam weitergeht, ich würde mich sehr über einen Fortsetzungsband freuen. Allen, die sich für die Nachkriegszeit interessieren, empfehle ich auch das Buch Die Dolmetscherin von Titus Müller, in dem es um die Nürnberger Prozesse geht. Nach Nürnberg wird Frank Rosenzweig abgeordnet, nachdem seine Arbeit in Berchtesgaden beendet ist. Von mir eine große Leseempfehlung und fünf Sterne.
1945, Berchtesgaden, die Lieblingsstadt von diversen Nazi-Größen. Sie bewohnten große Villen, dementsprechend vollgestellt mit Kunstgegenständen, Silberbesteck, wertvolle Tischtücher mit Stickereien, Gemälde ... Nach dem Kriegsende, Hitler ist tot, Nazis verstecken sich, Kinder und Erwachsene verstehen die Welt nicht mehr. US Army rückt immer näher, Häuser werden konfisziert, irgendwo müssen sie ja nächtigen. Auch Sophies Familie wird aus ihrem Haus vertrieben, sie dürfen aber im Gartenhäuschen bleiben. Ihr Bruder, eine Nazi Größe, versteckt sich, will sich nicht stellen. Sophie erkennt die Zeichen der Zeit und versucht mithilfe ihrer bereits erworbenen Englischkenntnisse eine Stelle beim Military Gonverment zu ergattern. Doch dafür muss sie in dem Fragebogen lügen. Ist es das wert? Kann sie diese Lüge für sich behalten? Die Einblicke, die sie in ihrem neuen Job bekommt, sind furchtbar und verändern ihren Blickwinkel. Ein Roman, der diesmal die Zivilbevölkerung näher beleuchtet. Denn die waren zu Hause, nicht an der Front, und haben nichts gegen diesen Wahnsinn unternommen. Ein aufrüttelndes Buch, über eine junge Frau, die zwischen Loyalität und Gewissen zerrissen wird. Diese Geschichte erzählt nicht nur das Ende einer Zeit, sie hält uns auch den Spiegel der Zeit vor.
Berchtesgaden 1945. Dieser gut recherchierte Roman hat mich von der ersten Seite an mitgenommen. Ein Roman der aufklärt, mahnt und erinnert. Da ich letztes Jahr in Berchtesgaden war, hatte ich ein Teil der Schauplätze und das Panorama vor Augen. Ganz bewusst habe ich langsam gelesen, denn man liest dieses Buch nicht einfach nur so! Eine ernsthafte und gleichzeitig unterhaltsame Geschichte in Geschichte. Für mich war es ein Lesehighlight.
Das war mega!!
Berchtesgaden war anscheinend der letzte Zipfel Deutschlands, der 1945 von den Amis besetzt wurde. Sie übernehmen die Regierung. Die 19-jährige Sophie arbeitet für sie als Übersetzerin und Stenographin. Sie ist die Protagonistin dieses 530 Seiten dicken Buchs. Aber es gibt auch die Perspektiven von Frank Rosenzweig, ein Jude, der in den 30ern in die USA emigriert ist und jetzt mit den GIs zurückkehrt. Es gibt die Kriegsreporterin Meg. Es gibt den einst zum Tode verurteilten Rudolph Kriss, der von den Amis als Bürgermeister eingesetzt wird. Die Mätresse einer Nazigröße. Außerdem gibt es Sophies Familie, Flüchtlinge und Betroffene, Täter und einen schwarzen GI, in den Sophie sich verliebt. Keinen Perspektivwechsel fand ich langweilig oder störend. Der Kunstraub der Nazis wird thematisiert, ein berühmtes Massaker 1941 an über 33.000 Juden in Kiew wird erwähnt, Plünderungen von Nazi-Häusern, Hitlers Bibliothek, die Besetzung der Wohnhäuser der normalen Bevölkerung durch amerikanische Soldaten und welche Souvenirs die sich mitgenommen haben, zB Kunsthandwerk und Hitlers Toilettensitz. Das Buch wurde meisterhaft recherchiert und manche Personen gab es wirklich. Im Grunde hätte die Story genau so passiert sein können. Ich bin absolut begeistert, hätte auch noch mehr Seiten gelesen und habe an mehreren Stellen die schönen Formulierungen genossen. Das Buch ist nicht krass spannend, es hat eher einen sanften Spannungsbogen, der sich aus der Entwicklung der Figuren bildet.
Die letzten Kriegstage und die unmittelbare Nachkriegszeit in Berchtesgaden eine Stadt, die eng mit dem nationalsozialistischen Regime verbunden war. Der Roman beleuchtet die Auswirkungen des Kriegsendes auf die Menschen vor Ort – zwischen Anpassung, Schuld und Neubeginn. Carolin Otto schreibt in einem klaren, gut verständlichen Stil, der die Zeit und Atmosphäre glaubhaft transportiert. Die Handlung entfaltet sich langsam, nimmt aber mit den zunehmenden moralischen Dilemmata an Fahrt auf. „Berchtesgaden“ ist ein sorgfältig recherchierter Roman, der sich mit Schuld, Verdrängung und Aufarbeitung beschäftigt. Er bietet einen interessanten Blick auf die unmittelbare Nachkriegszeit aus einer individuellen Perspektive. Besonders lesenswert für geschichtsinteressierte Leser, die sich mit der Nachkriegszeit und ihren moralischen Fragestellungen auseinandersetzen möchten.
Darum geht es: Mai 1945: Berchtesgaden, die Lieblingsstadt des Führers, kapituliert, die US-Amerikaner übernehmen die Regierung. Sie ziehen als Befreier in die Stadt ein und versuchen in den Wirren etwas Prägnanz und Ordnung herzustellen. Die 19-jährige Sophie tritt eine Stelle bei Military Government an. Dort wird sie zum ersten Mal mit der grausamen Wahrheit über die deutschen Verbrechen konfrontiert. Die junge Frau trifft Menschen, die den Blick auf ihre eigene Familie verändern. Da ist ihr Vorgesetzter, der jüdische Emigrant Frank Rosenzweig, der auf Nachricht überlebender Verwandter bangt und hofft, seine Freundin, die Kriegsreporterin Meg. Den einst zum Tode verurteilten Bürgermeister Rudolf Kriss. Und der schwarze Gl Sam, in den Sophie sich verliebt. Auf dem Obersalzberg kreuzen sich die Wege ganz unterschiedlicher Charaktere auf schicksalhafte Weise. Mein Leseeindruck: Der Roman „Berchtesgaden" ist ein sehr informatives, sachliches Debüt einer symbolträchtigen Zeit. Carolin Otto hat eine sehr umfangreiche und intensive Recherche zur Nachkriegszeit in Berchtesgaden betrieben. Geschickt verbindet die Autorin die geschichtlichen Fakten mit einer fiktiven Handlung. Der Schreibstil von Carolin Otto gefällt mir sehr gut. Für mich kommt die Handlung nicht so recht in Fahrt und plätschert vor sich hin. Der Roman hat weder Höhen noch Tiefen. Trotz der wichtigen und bewegenden Thematik fühlte ich mich beim Lesen häufig distanziert von den Protagonisten. Das Leben nach dem Krieg, ein Land zwischen Verdrängen und Erwachen, ist wiederum gut dargestellt. Die Ideen der Handlung sind super gewesen und auch die Zusammenhänge vom Aufbau haben mir gefallen. Carolin Otto verdeutlicht, dass es ins Unglück führt, wenn man dem Falschen glaubt. Fazit: 3/5?⭐️ Ich hätte mir mehr Tiefgang und Emotionen gewünscht. Trotzdem ist es eine sehr informative Geschichte einer symbolträchtigen Zeit.

Zu viel Themen auf einmal, aber von keinem Thema viel
Ein Roman der gerade passender nicht sein könnte. Knapp 80 Jahre nach Kriegsende spielt die Geschichte des Buches genau dort. Caroline Otto hat sich die Gegend rund um den Obersalzberg als Hauptschauplatz vorgenommen. Die Amerikaner und die Franzosen ringen darum, wer den berüchtigtewn Ort zuerst erreicht. Am Ende machen die Amerikaner das Rennen und bleiben. Interessant der Blick auf die Franzosen als besiegte Sieger und ihrem Anteil an Kriegsverbrechen. Überhaupt bietet das Buch einige wissenswerte Aspekte, die mir mir so noch nicht bekannt oder bewusst waren, die Franzosen waren nur eins der Beispiele. Aber es handelt sich um einen Roman und nicht um ein Sachbuch. Sehr viele Themen der Zeit, wie Judenverfolgung, Frauenlager Ravensbrück, politisch Verfolgte, Homosexualität, Audarbeitung von Kriegsververbrechen, Entnazifizierung, Rassismus werden angeschnitten, aber bei keinem geht es wirklich in die Tiefe. Insgesamt blieben mir die Personen distanziert und auch etwas oberflächlich. Schade. Auf so vielen Seiten wurde viel erzählt aber kaum etwas intensiv. Die Liebe zwischen Sophie und Sam erinnerte mich an 'Stay away from Gretchen, aber hier fehlte das Knistern, die Spannung, die echten Gefühle. Es ist ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman, aber bei dem Thema hätte ich mir mehr Gehalt und Intensität und vielleicht den Fokus auf ein Teilgebiet gewünscht.
Das Cover ist passend und ansprechend. Auch der Schreibstil ist, trotz sensibler Themen, sehr angenehm und flüssig zu lesen. Das Setting in Bertchtesgaden (Hitlers Urlaubsort) kurz nach dem zweiten Weltkrieg ist unglaubich gut gewählt und bringt eine Perspektive, die man so nicht so oft antrifft. Das ganze Buch ist sehr gut recherchiert. Es gibt unheimlich viele (für mich auch neue) Blickwinkel in das kürzlich besiegte Deutschland. Amerikaner, Franzosen und Deutsche treffen aufeinander. Interessenskonflikte enstehen und man versucht eine Ordnung herzustellen. Die Handlung wird von historischen Fakten dominiert. Eine Spannungskurve gibt es kaum. Die Geschichte um Sophie und Sam plätschert als schmaler roter Faden daneben her. Ich persönlich habe das nicht als störend empfunden, weil ich einfach die Historie in diesem Fall sehr spannend und gut in einer stimmigen Handlung umgesetzt empfunden habe und somit immer wieder gerne zum Buch gegriffen habe. Wer allerdings eine fiktionale Geschichte mit Spannungsbogen im Vordergrund erwartet, könnte hier etwas enttäuscht werden. Für mich ein gutes Buch, das ich gerne weiterempfehlen werde.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ HIGHLIGHT! Facettenreicher Roman, der zum Nachdenken anregt. So geht gute Unterhaltung!
Hinter einem Cover, das leider etwas nach Heimatfilm-Romantik aussieht und dem unscheinbaren Titel #Berchtesgaden versteckt sich eine Geschichte, die man - besonders jetzt, kurz vor der Bundestagswahl, eigentlich jedem in die Hand drücken müsste. Wir erleben die "Stunde Null" am Obersalzberg im Mai 1945. Die Nazi-Größen haben ihre Häuser im "Führersperrgebiet" fluchtartig verlassen, die französische und amerikanische Armee liefern sich einen Kampf um die Vormachtstellung an der prestigeträchtigen ehemaligen Schaltzentrale der Macht. Und die Bewohner Berchtesgadens und der umliegenden Orte werden von einem System ins nächste gespült, ohne aufgearbeitet zu haben, was 12 Jahre lang ihre Realität war. Es stellen sich viele Fragen. Wo beginnt Schuld - und wo endet sie? Wann beginnt man bewusst wegzusehen und wie schwierig ist Zivilcourage wirklich? Die Autorin hat hier einen facettenreichen Roman geschrieben, der - mit sympathischen aber trotzdem kantigen Figuren - bestens unterhält, aber andererseits auch viele Fakten verarbeitet, lehrreich ist und wichtige Fragen ins Bewusstsein rückt. So geht Unterhaltung heute!

Wie lebte es sich kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Berchtesgaden? Wie gingen Familien mit dieser Schild um? Wie konnten Täter mit ihrem Gewissen leben? Welche Tazen wurden auch an den deutschen Überlebenden begangen und wie wurden diese bestraft? Unzählige Themen werden in diesem Buch aufgegriffen, vielleicht sogar ein paar zu viele aber die Geschichte deckt viele Dinge ab und lässt einem sehr nachdenklich zurück.
Kriegsende 1945 in Berchtesgaden - Leseempfehlung!
Im Frühjahr 1945 kapituliert das deutsche Alpenstädtchen Berchtesgaden – die US-Armee übernimmt die Kontrolle. Die 19-jährige Sophie tritt eine Stelle beim „Military Government“ an – und wird dort erstmals mit der ganzen Wahrheit über deutsche Verbrechen und die Nachkriegsrealität konfrontiert. Sie begegnet mehreren Menschen, die stellvertretend für verschiedene Schicksale dieser Zeit stehen. Das Buch ist gut recherchiert und vermittelt viele interessante historische Details, die mir teilweise neu waren. Allerdings hätte ich mir bei der Hauptfigur Sophie etwas mehr emotionale Tiefe gewünscht. Trotzdem ist es eine sehr lesenswerte Geschichte!

BERCHTESGADEN
Ein Thema, welches aktueller nicht sein könnte, ob die Veröffentlichung so bewusst platziert wurde? Nun denn, ich wollte mich mit diesem Buch einmal mehr an ein anderes Genre wagen. Zwar ist das Buch vom Stil her nicht das was ich erwartet habe, aber es war eine sehr berührende Geschichte über Freunde, Liebe, Familie und die schmerzhafte Tragödie im zweiten Weltkrieg. Jedoch fehlte mir an einigen Stellen etwas Tiefgang, denn auch wenn es tragischer nicht sein konnte, fehlte mir ein gewissen Gefühl. Ich kann es gar nicht genau beschreiben. Worum geht es im Buch: Berchtesgaden im Mai 1945. Die Lieblingsstadt des Führers kapituliert, die US-Amerikaner übernehmen die Regierung. Trotz ihres bescheidenen Englischs tritt die 19-jährige Sophie eine Stelle beim Military Government an, wo sie zum ersten Mal mit der ganzen Wahrheit über die deutschen Verbrechen konfrontiert wird. Sie trifft dort Menschen, die den Blick auf ihre eigene Familie verändern. Fazit: Ich war sehr angetan vom Schreibstil der Autorin, ich hatte direkt das Gefühl mitten in Berchtesgaden zu sein. Die Szenen wurden teils Drehbuchartig verfasst, so das man immer mitten im Gefühl der Protagonist:innen und auch der erschütterten Stadt war. Eine Geschichte die man so noch nicht gelesen hat, für mich aber leider nicht tief genug.

Die Autorin von Berchtesgaden Carolin Otto ist auch Drehbuchautorin und das Buch war eigentlich mal als TV-Serie geplant. Dann hatte sie sich überlegt, dass sich diese Geschichte perfekt als Buch machen würde und hat somit ihren Debütroman geschrieben. Schauplatz und Namensgeber für das Buch ist Berchtesgaden. Lieblingsort von Adolf Hitler. Das Buch beginnt Anfang Mai 1945, nach dem Suizid eben jenes und somit während Nazideutschland den Krieg verliert. Wir blicken durch die 19-jährige Sophie Gruber, wie es sich so oder so ähnlich während der Befreiung von den Nazis an eben diesem Lieblingsort gelebt hat. Wie es war, als die Amerikaner nach Berchtesgaden kamen, und die Nazis gingen. Ich finde diesen Roman höchst erstaunlich und interessant. Vordergründig handelt es sich um einen Roman, der Geschichte von fiktiven, aber auch in Teilen real existierenden Personen, oder von fiktiven Personen mit realem Bezug, der einen stark dokumentarischen Einschlag hat. Immer wieder, mittendrin in der Geschichte, erfahren die Lesenden viele historische Informationen, die zum einen sehr interessant und lehrreich sind, und zum anderen schockierend. Die Autorin hat es wunderbar geschafft, Roman und Dokumentation zu einer Einheit zu verbinden. Anfangs hatte ich noch leichte Probleme, wo die einzelnen Personen auf den ersten 100 Seiten nach und nach vorgestellt werden, inklusive ihrer Hintergrundgeschichten. Aber danach war der Lesefluss aufgrund des Schreibstils super. Die Autorin hat auch toll mit der Sprache gespielt. Hauptsächlich wurde auf Hochdeutsch geredet, jedoch gab es hin und wieder bairischen Dialekt, der einen daran erinnert, wo wir uns eigentlich befinden. Auch kam es immer wieder vor, dass englisch gesprochen wurde. Dadurch wurde eine tolle Atmosphäre geschaffen und ich habe mir die Unterhaltungen an diesem schönen Ort in den Bergen bildlich vorstellen können. Ich hoffe daher sehr, dass die Idee einer TV-Serie nicht gänzlich vom Tisch ist. 4,5 von 5 / 9 von 10 ⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️

Befreiung Das Ende des 2. Weltkrieges ist besiegelt und Berchtesgaden wird von den Alliierten befreit. Für die Bevölkerung Berchtesgadens, allen voran Sofie und Magda, stehen einige Änderungen bevor. So müssen Familien ihre Häuser räumen und werden mit den Siegeszügen der Truppen konfrontiert. Für all jene, mit einer Vergangenheit im Regime beginnt eine Zeit der Verurteilungen. Aber auch für die US-Soldaten ist das, was sie erfahren nicht leicht zu verdauen. „Berchtesgaden“ von Carolin Otto beschreibt in fiktiver Weise mit einigen realistischen Verknüpfungen das Leben nach der Befreiung des Markts Berchtesgaden. Es sind die Gefühle, das Leben nach der Politprominenz auf dem Obersalzberg, das Leben nachdem die kleine bayerische Stadt als zweiter Regierungssitz fungierte, die die Autorin hier beschreibt. Es sind aber nicht nur die Gefühle, sondern es ist auch die Vergangenheit mit der viele Familien nun konfrontiert werden. Es geht um Verantwortung, um Schuld und in gewisser Hinsicht auch um Verzeihen. Ich kenne Berchtesgaden, den Obersalzberg und vieles über seine Vergangenheit sehr gut. Somit konnte ich den Handlungsorten der Geschichte wunderbar folgen und wusste immer, wo sich die Protagonisten gerade befinden. Die Beziehung der beiden jungen Frauen, Magda und Sofie, die hier zwei der Protagonistinnen darstellen, sorgte bei mir manchmal für Verwirrung. Einerseits war diese sehr intensiv, andererseits konnten sie unterschiedlicher nicht sein und Magda war, für mein Empfinden, oftmals sehr unverschämt zu Sofie. Sofies innerer Konflikt sorgte für Spannung im Buch. Das gepaart mit der Geschichte von Captain Rosenzweig regte sehr zum Nachdenken an. Gerade letzteren fand ich sehr bewundernd, da er Dinge von allen Seiten beleuchtete, sich aber nicht von Emotionen lenken ließ. Insgesamt fand ich, dass es vielleicht ein oder zwei Charaktere weniger hätten sein können, denn gerade am Anfang erschlug mich die Anzahl der Hauptcharaktere. Fazit: Ein mitreißender Roman, der das Leben nach der schwärzesten Zeit der deutschen Geschichte beschreibt. Eine interessante Aufarbeitung mittels fiktiver Anlässe, die sich aber relativ nah an der Realität bewegt. Für all jene, die historische Romane mögen, aber auch für all jene, die sich für die Geschichte des Obersalzbergs interessieren, ist dieses Buch eine Empfehlung! Meinerseits gibt es 4,5 Sterne.
Wichtige Message, gut umgesetzt
Ich lese sehr gerne historische Romane, vor allem welche, die mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun haben. Dieser Roman spielt sich im titelgebenden Städtchen Berchtesgaden ab, wo die Bürger noch nicht ganz wahr haben wollen, welche Verbrechen Nazi-Deutschland begangen hat. Sophie ist eine angenehme Protagonistin, durch eigene Recherche, aber auch durch ihren Job bei den Amerikanern anfängt, den Krieg für sich selbst aufzuarbeiten. Sie lernt, unangenehme Fragen zu stellen und sich selbst der grauenhaften Wahrheit und den Taten ihres eigenen Bruders, einem SS-Mann, zu stellen. Auch der krasse Gegensatz zu denjenigen, die sich nicht damit befassen und am liebsten direkt alles vergessen wollen, ist hier verstörend gut dargestellt. Der Einblick in die ersten Tage der amerikanischen Übergangsregierung, in der versucht wird, Ordnung zu schaffen, ist sehr interessant. Die Verhöre mit Nazis wie Julius Streicher sind wie ein Schlag ins Gesicht, sowohl für Sophie als auch für den Leser. Auch Aspekte wie das Auswahlverfahren für neue Lehrkräfte oder die trennung nach Hautfarbe bei den amerikanischen Truppen fand ich sehr interessant. Das Buch hat mich berührt, obwohl es über weite Strecken relativ nüchtern geschrieben ist. Das Buch zeigt, wie wichtig es ist, die Geschichte aufzuarbeiten, um weitermachen zu können. Dabei bekommen wir als Leser aber keinen erhobenen Zeigefinger vor die Nase gehalten, sondern werden durch die ehrliche Erzählweise mitgerissen.

Interessant stellenweise, aber
Inhaltlich stellenweise interessant, einige Dinge der Nachkriegszeit waren mir noch nicht geläufig, mich hat aber die naive Sophie getriggert, die „nicht wusste was alles geschehen ist“ und das ganze Buch hat mir an Emotion und Tiefe gefehlt, teilweise wurden viele Themen nur angeschnitten und abgehandelt.
Ein Buch welches aus gegebenen Anlass ja nicht aktueller sein könnte… verschiedene Protagonisten verweben ihre Geschichte miteinander auf dem Obersalzberg kurz nach der Kapitulation Deutschlands 1945. Sehr informativ, sehr viele Informationen und Gedanken, die man während des Lesens sacken lassen musste. Zwischendurch habe ich das Buch auch mal 2 Tage weggelegt… das ist kein feel good Roman und obwohl meine Generation nicht für die Abscheulichkeiten des zweiten Weltkrieges verantwortlich ist… unsere Pflicht ist es , dass es keine Wiederholung gibt!
Informativ und bewegend
**** Worum geht es? & Mein Eindruck **** Mit diesem Buch hat Carolin Otto dem 80-jährigen Jubiläum des Endes des Zweiten Weltkriegs alle Ehre gemacht. Inhalt und Ton sind authentisch und überzeugend gewählt. Wir befinden uns kurz vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Berchtesgadener Region, und alles fühlt sich hautnah an. Die Beschreibungen der Autorin nehmen Raum und Seiten ein – ich konnte mir alles genau vorstellen und fühlte mich als Teil des Geschehens. So real hat sich die Zeit für mich in noch keinem Roman angefühlt. Angefüllt mit gut recherchierten Inhalten verfolge ich verschiedene Figuren und ihre individuellen Schicksale, die mich immer wieder emotional berührten. Die Charaktere wuchsen mir richtig ans Herz. Die Autorin scheut sich nicht, schwierige Szenen in aller Deutlichkeit darzustellen – eine Erinnerung daran, dass Wegsehen nie eine Lösung war. Ich habe das Lesen dieser Lektüre als bereichernd empfunden und konnte dem leichten, flüssigen Schreibstil folgen, sodass auch der Unterhaltungswert nicht zu kurz kam. **** Empfehlung **** Fans von historischen Romanen kann ich dieses Buch absolut empfehlen. Auch Leser*innen, die dem Genre normalerweise abgeneigt sind, aber mehr über diese Zeit erfahren möchten, könnten hier abseits des Mainstreams gut unterhalten werden.
Schwer hab ich mich getan. Und eine gefühlte Ewigkeit bin ich ehrlicherweise kaum voran gekommen mit dem Lesen. Das lag nicht am Thema, denn ich fand das Carolin Otto das wirklich gut umgesetzt hat. Es waren einfach so viele Figuren und ihre Geschichten. Das wirkte an einigen Stellen einfach überfrachtet und ich fand, das sich die Autorin mit dem Anspruch, viele verschiedene Blickwinkel und Erlebnisse - etwa auch jüdische und andere unter dem NS-Regime Verfolgte mit ein zu beziehen, aber auch Deutsche und ihre Anteile an Schuld und beginnender Schweigekultur - zu erzählen, übernommen hat. Ich musste daher an manchen Stellen inne halten, um allen Erzählsträngen auch gerecht zu werden. Dennoch... die Schwäch des Romans ist eigentlich auch seine Stärke. Ich werfe so manchen Autor:innen von Romanen über die Diktatur und den Holocaust vor, alles zu beschönigen. Einen Art NS-Kitsch entwickelt zu haben und ihre Hauptfiguren als ach so gut Deutsche in Szene zu setzen. Dieser Erzählung ist die Autorin zum Glück nicht aufgesessen. Im Gegenteil, sie versucht zu zeigen, wie die Lage in diesen ersten Monaten nach Ende des Krieges war. Das nichts vergessen, aber alles verdrängt wurde. Das Täter:innen sich ganz schnell und in Windeseile zum Armen Volk umfunktionierte, das ja von alle dem so gaaaar nichts gewusst habe. Das ja nur irgendwie den Krieg überleben wollte. Es ist ihr meiner Meinung nach sehr gut gelungen die Figuren realistisch zu zeichnen. Alle mit ihren verschiedenen Gefühlen, Erlebnissen und der Frage, wie sie nun mit all dem Umgehen werden, welche Wahrheiten sie in die Zukunft tragen werden und welche sie Verdrängen. In diesen Tagen werden auch durch den Umgang der Besatzer - vor allem durch den Umgang mit den sogenannten Entnazifizierungen und den nötigen Papieren dafür, Grundsteine dafür gelegt, wie sich die BRD bis heute entwickelt hat. Und genau diese Schweigekultur, die alles verdrängt, Täter:innen unbehelligt lies, hat eine Menge mit unserem hier und jetzt zu tun. Es hat Gründe, weshalb viele Autor:Innen sich Scheuen die Wahrheit aufs Korn zu nehmen. Die Wahrheit ist unbequem und hat nicht viel mit einem Land zu tun, das sich so viel auf seine sogenannte "Erinnerungskultur" einbildet. Carolin Otto scheut sich nicht, offen zu legen, wie dieses Schweigen und Wegschauen funktionieren konnte. Und warum alle so bereitwillig mit gemacht haben. Gleichzeitig, schafft sie es, das nicht alles schwarz und weiß bleibt. Menschen haben viele Fassetten. Motive sind oft vielschichtig, nicht alle davon böswillig, andere davon aber durchaus berechnend. Ein sehr vielschichtiger Roman, bei dem ich tatsächlich erst jetzt im Nachhinein wirklich merke, wie gut ich ihn eigentlich fand. Wer auf der Suche nach der Frage ist, wie Menschen weiter machen konnten, nach allem was im Holocaust passiert ist. Nach allem, was wir als Deutsche zugelassen haben. Akzeptiert haben, hingenommen haben weil wir davon profitiert haben - Teilweise ja noch bis in die heutige Zeit hinein, wenn man sich das Vermögen einiger großer bekannter deutscher Firmen ansieht... Wen diese Fragen umtreiben, der kann hier einige Denkanstöße finden. Außerdem hat die Autorin auch ein kleines Literaturverzeichnis beigefügt, das einen bei weiterer Recherche unterstützen kann. Kein Bequemes, gefälliges Buch mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Dafür ein umso wichtigeres, das zum Nachdenken anregt - auch über die eigene Familienvergangenheit. Was vielleicht nicht jedem passen mag.
"Berchtesgaden" - Carolin Otto (18in2025) "Wir sind keine Nazis. Wir sind nie welche gewesen." Obersalzberg April 1945, es ist eine gewisse Ruhe eingetreten. Die britischen Bomber sind durch und haben nur noch eine Ruine hinterlassen. Die Berchtesgader*innen werden mutig und fangen an sich ins Sperrgebiet zu wagen und sich zu nehmen was ihnen gefällt. Die Amerikaner*innen und Franzosen*innen stehen vor der Toren und jede Nation will die Erste sein, welche Hitlers zweiten Regierungssitz erobern will. Am Ende sind sie fast gleichzeitig da, aber die Amerikaner*innen werden die sein, die bleiben. Nach der ersten Freude der Deutschen über die Befreiung tritt schnell die Realität ein, keiner will ein Nazi gewesen sein, jeder hat einen oder mehr Leute verloren, keiner kennt die genau Geschichte, alle wollen nur leben und alles vergessen. Auch Sophie Gruber - sie fängt bei den Amerikanern als Stenografin und Übersetzerin an und erfährt relativ schnell was wirklich war, nicht nur von der Siegermacht, sondern auch von ihrem Bruder... Die grausame Wahrheit. Was soll ich sagen, außer ein riesiges und großes Dankeschön an @carolinotto.autorin für dieses wunderbare interessante, ehrliche, grausame, aufrüttelnde Buch. Diesmal hab ich mir bewusst Zeit gelassen, das Buch zu lesen. Ich war währenddessen auch in Berchtesgaden und auf dem Obersalzberg und hab versucht mir ein Einblick zu verschaffen. Auf alle Fälle eine Empfehlung. Es ist nun schon ganze 85 Jahre her, und immer noch dürfen wird es nicht vergessen, oder genervt sein von diesem Teil der deutschen Geschichte. Auch wenn es noch so schrecklich war, aber die Erinnerungen müssen am Leben gehalten werden.

Rezension in einem Satz: Ein Roman, der in den ersten Tagen nach dem zweiten Weltkrieg spielt und die Zeit sehr gut einfängt, unweigerlich Parallelen zur heutigen Situation in Deutschland (und der Welt 🌍) aufzeigt und dabei auch die persönlichen Schicksale der Bevölkerung, sowie der Alliierten, beschreibt und darstellt. Empfehlung? Klares Ja! 👍 Die Autorin schrieb auch schon Drehbücher für Polizeiruf 110 und Tatort. Ich möchte gerne mehr Romane von ihr lesen, weil ihr Stil angenehm zurückhaltend und dabei doch eindringlich ist. Sie hat auch eine eigene Homepage www.carolinotto.de
Absolut empfehlenswertes Buch, das die Frage nach den Tätern, Mitläufern und Opfern in der Nachkriegszeit beleuchtet.
⚡️Was passiert, wenn der Krieg vorbei ist – aber die Wahrheit gerade erst ans Licht kommt? ⚡️ 📚 Handlung Frühjahr 1945 in Berchtesgaden: Der Krieg ist vorbei und amerikanische Truppen übernehmen die Verwaltung der einstigen Lieblingsstadt Hitlers. Die 19-jährige Sophie beginnt als Schreibkraft beim Military Government zu arbeiten. Dort wird sie erstmals mit den Verbrechen des NS-Regimes konfrontiert. Gleichzeitig beginnt sie, ihre eigene Familie und deren Vergangenheit zu hinterfragen. Begegnungen mit verschiedenen Menschen – darunter ein jüdischer Jurist, eine Kriegsreporterin und der schwarze GI Sam – verändern ihren Blick auf die Welt grundlegend. 👥 Themen & Figuren Der Roman zeigt ein breites Panorama der unmittelbaren Nachkriegszeit. Täter, Mitläufer, Flüchtlinge, Heimkehrer und Überlebende treffen in Berchtesgaden aufeinander. Themen wie Entnazifizierung, Rassismus, Judenverfolgung und persönliche Verantwortung werden miteinander verwoben. Besonders gelungen sind die vielschichtigen Figuren, die unterschiedliche Perspektiven dieser Zeit repräsentieren. 📖 Eindruck & Fazit Carolin Otto schildert Landschaft, Orte und Situationen sehr bildhaft, sodass ein starkes Kopfkino entsteht. Der Kontrast zwischen idyllischer Alpenkulisse und der belasteten Vergangenheit macht den Roman besonders eindrucksvoll. Einige Themen bleiben zwar eher angerissen und der Stil wirkt stellenweise etwas klassisch, dennoch bietet das Buch einen spannenden und nachdenklichen Blick auf die Nachkriegszeit. 2. Auflage 2025 im @bastei_luebbe Verlag
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Carolin Otto studierte an der HFF München und promovierte an der Bauhaus-Universität Weimar. Sie schrieb Drehbücher für zahlreiche Fernsehproduktionen, unter anderem für POLIZEIRUF 110 und TATORT. Außerdem ist sie Autorin und Regisseurin mehrerer Kinofilme, darunter auch DER WEISSE RABE, das filmische Porträt des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer. Seit 2019 ist sie Präsidentin der FSE (Federation of Screenwriters in Europe). BERCHTESGADEN ist ihr erster Roman.
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Kriegsende 1945, Berchtesgaden. Die USA und die Französische Armee liefern sich einen Wettlauf, wer es schafft den Obersalzberg, Hitlers Berghof einzunehmen. Sophie (19jahre) wohnt mit ihrer Familie und ihrer Freundin Magda in Berchtesgaden. Einer ihrer Brüder Max ist / war bei der SS, der andere ist an der Front, irgendwo. Die Zeiten sind ungewiss und Sophie ist froh, dass der Krieg endlich vorbei ist und will nach vorne blicken - sie fängt an vieles zu hinterfragen.
Mit der amerikanischen Armee kommt der GI Frank Rosenzweig, der in Berchtesgaden die Verhöre durchführt . Ebenfalls in Berchtesgaden ist die Schauspielerin und Geliebte eines adligen Nazigenerals, Ali Gral. Es gibt noch ein paar weitere interessante Personen im Debütroman von Carolin Otto. Viele Themen werden angesprochen, unter anderem: Judenverfolgung, Konzentrationslager, Zwangsarbeiter, Endnazifizierung, Rassismus in der amerikanischen Armee…. Carolin Otto ist Drehbuchautorin und das merkt man dem Roman an. Es ist gut recherchiert und man hat das Gefühl, dass es genau so gewesen sein könnte. Der Roman war im Gespräch für eine Verfilmung- darüber würde ich mich sehr freuen. Besonders, weil ich oftmals Gefühl hatte, jetzt eine Großaufnahme von dem Gesicht, von der Person….
Ein Lesehighlight! Sehr empfehlenswert!
Eine Stadt und ihre Bewohner zwischen grausamer Vergangenheit und ungewisser Zukunft Berchtesgaden, 1945: Der Zweite Weltkrieg ist so gut wie verloren, der Führer hat sich bereits umgebracht, viele seiner direkten Untergebenen ebenfalls oder aber sie sind geflohen, denn die Amerikaner nahen. Mitten in den Wirren der letzten Kriegstagen befindet sich Sophie Gruber, die gemeinsam mit ihrer Freundin Magda auch bei Plünderungen der Häuser von Nazi-Größen mitmacht. Doch immer wieder stimmt der Reichtum dieser mächtigen Menschen sie nachdenklich, denn mit ihren neunzehn Jahren ist sie zwar mitten im Nationalsozialismus aufgewachsen, hat so manches nicht weiter hinterfragt, aber nicht jede der Ideologien und des Gedankenguts entsprachen auch ihrer persönlichen Meinung. Nun, nachdem der Krieg zu Ende ist, übernehmen die Amerikaner die Regierung Bayerns und versuchen, wieder weitgehend für Ordnung zu sorgen. Deshalb suchen sie nach Angestellten, die ihren ausführlichen Fragebögen zufolge keine politische Vergangenheit hatten. Sophie gehört zu einer von ihnen und arbeitet ab jetzt als Sekretärin und assistiert bei Befragungen von Nazigrößen. Doch nicht nur diese Schilderungen erschüttern sie immer wieder zutiefst, sondern auch die Denkweise der Menschen, die nicht mehr an das Vergangene erinnert werden möchten und versuchen so, die schrecklichen Taten der vergangenen Jahre einfach totzuschweigen und schließlich zu vergessen. Aber gerade mit ihrem Bruder Max, der bei der SS war, ist das schwierig und Sophie steckt in einem Zwiespalt, denn auf dem Fragebogen hat sie ihn nicht erwähnt... Carolin Otto erzählt die Ereignisse des Jahres 1945 in Berchtesgaden auf eine sehr fesselnde, aber auch berührende und persönliche Weise. Dafür hat sie unzählige Personen in den Fokus gestellt, die ihre Sichtweise abwechselnd schildern und so ein großes und umfassendes Bild der damaligen Geschehnisse vermitteln. Diese Erzählweise führt dazu, dass unzählige Handlungsstränge parallel verlaufen und trotzdem am Ende ein großes Ganzes ergeben. Dieser historische Roman hat mich von der ersten Seite an gepackt. Denn das Jahr 1945 das nicht nur das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutet, sondern auch für einen politischen Umbruch steht, ist sehr interessant. Gerade Sophie ist mir immer mehr ans Herz gewachsen, denn sie wirkt anfangs noch sehr unbedarft und hat vieles, was geschehen ist, nicht mitbekommen, entwickelt sich aber immer mehr zu einer jungen Frau mit eigenen Meinungen. Auch Frank Rosenzweig war mir sofort sympathisch. Wohingegen vorallem Max Gruber mit seiner immer etwas arroganten und selbstsicheren Art, ebenso wie Magda mit ihrer übertriebenen Verehrung für Max, die sich zudem sogar von ihm zu seinen Zwecken instrumentalisieren lässt, wenig Verständnis für ihr Handeln von mir erhalten haben. Dieser Roman ist deshalb viel mehr als nur ein spannendes und fesselndes Buch, sondern vielmehr eine Erinnerung daran, wie schwer es war, das rechte Gedankengut aus der Gesellschaft zu vertreiben und dass Geschichte niemals vergessen werden sollte!

Berchtesgaden von Carolin Otto ist ein großartiger Roman über das Leben der Deutschen und der Alliierten nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Mai 1945. Im Mittelpunkt steht Sophie Gruber, 19, und ihre Familie. Ihr Bruder Max war bei der SS und versteckt sich in den Bergen vor den Amerikanern. Frank Rosenzweig gehört dem Military Government an. Er ist in den 1930er Jahren nach Amerika ausgewandert. Er leitet die Verhöre von hochrangigen Nazis und Mittätern. Sophie ergattert einen Job als Dolmetscherin und Sekretärin beim Military Government und freundet sich mit ihrem Vorgesetzten Rosenzweig an. Er empfiehlt ihr das Buch „Erfolg“ von Lion Feuchtwanger, in dem dieser bereits 1930 Hitlers Aufstieg vorhergesehen hatte. Während der Verhöre und nach Sichtung der Fotos von der Befreiung der Konzentrationslager wird Sophie das Ausmaß der Verbrechen der Deutschen bewusst. Als sie Max in seinem Versteckt besucht, stellt sie ihn zur Rede. Er weist alle Verantwortung von sich: „Wir mussten es tun. Es war ein Befehl. Nach den ersten zehn ist es nicht mehr so schlimm. Man gewöhnt sich daran. Es ist eine Arbeit, die zu erledigen ist.“ (S. 493) Sophie verliebt sich in den schwarzen GI Sam. Ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, Fraternisierung ist verboten ist. Sam gefällt es in Deutschland, als Angehöriger der Siegermacht wird er mit Respekt behandelt im Gegensatz zu seinem Leben als Schwarzer in Amerika. Meg ist Kriegsreporterin und Franks Geliebte. Sie besucht ein Waisenhaus und sieht sich selbst überlassene ungewollte Babys, die nach Vergewaltigungen gezeugt wurden oder deren Mütter sie nicht ernähren können. Sie werden im Vier-Stunden-Takt gefüttert und mit Bier ruhiggestellt. Diese Szene hat mich sehr berührt. Dr. Rudolf Kriss wurde von einem Bekannten denunziert und verbrachte die letzten Kriegsmonate im Zuchthaus Er wird von den Amerikanern zum neuen Bürgermeister von Berchtesgaden ernannt. In seinem Haus werden Vertriebene untergebracht, auch die KZ-Überlebende Pina Thanner, die ebenfalls für das Military Government arbeitet. Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Obwohl er viele Themen behandelt und es viele Charaktere gibt, fiel es mir nicht schwer, den Überblick zu behalten. Handlung und Personen sind fiktiv, jedoch an historische Persönlichkeiten und Ereignisse angelehnt. Die Autorin hat mein Interesse an der Stadt Berchtesgaden, dem Obersalzberg und der Umgebung geweckt. Das Ende ist offen, wir erfahren nicht, wie es mit Sophie und Sam weitergeht, ich würde mich sehr über einen Fortsetzungsband freuen. Allen, die sich für die Nachkriegszeit interessieren, empfehle ich auch das Buch Die Dolmetscherin von Titus Müller, in dem es um die Nürnberger Prozesse geht. Nach Nürnberg wird Frank Rosenzweig abgeordnet, nachdem seine Arbeit in Berchtesgaden beendet ist. Von mir eine große Leseempfehlung und fünf Sterne.
1945, Berchtesgaden, die Lieblingsstadt von diversen Nazi-Größen. Sie bewohnten große Villen, dementsprechend vollgestellt mit Kunstgegenständen, Silberbesteck, wertvolle Tischtücher mit Stickereien, Gemälde ... Nach dem Kriegsende, Hitler ist tot, Nazis verstecken sich, Kinder und Erwachsene verstehen die Welt nicht mehr. US Army rückt immer näher, Häuser werden konfisziert, irgendwo müssen sie ja nächtigen. Auch Sophies Familie wird aus ihrem Haus vertrieben, sie dürfen aber im Gartenhäuschen bleiben. Ihr Bruder, eine Nazi Größe, versteckt sich, will sich nicht stellen. Sophie erkennt die Zeichen der Zeit und versucht mithilfe ihrer bereits erworbenen Englischkenntnisse eine Stelle beim Military Gonverment zu ergattern. Doch dafür muss sie in dem Fragebogen lügen. Ist es das wert? Kann sie diese Lüge für sich behalten? Die Einblicke, die sie in ihrem neuen Job bekommt, sind furchtbar und verändern ihren Blickwinkel. Ein Roman, der diesmal die Zivilbevölkerung näher beleuchtet. Denn die waren zu Hause, nicht an der Front, und haben nichts gegen diesen Wahnsinn unternommen. Ein aufrüttelndes Buch, über eine junge Frau, die zwischen Loyalität und Gewissen zerrissen wird. Diese Geschichte erzählt nicht nur das Ende einer Zeit, sie hält uns auch den Spiegel der Zeit vor.
Berchtesgaden 1945. Dieser gut recherchierte Roman hat mich von der ersten Seite an mitgenommen. Ein Roman der aufklärt, mahnt und erinnert. Da ich letztes Jahr in Berchtesgaden war, hatte ich ein Teil der Schauplätze und das Panorama vor Augen. Ganz bewusst habe ich langsam gelesen, denn man liest dieses Buch nicht einfach nur so! Eine ernsthafte und gleichzeitig unterhaltsame Geschichte in Geschichte. Für mich war es ein Lesehighlight.
Das war mega!!
Berchtesgaden war anscheinend der letzte Zipfel Deutschlands, der 1945 von den Amis besetzt wurde. Sie übernehmen die Regierung. Die 19-jährige Sophie arbeitet für sie als Übersetzerin und Stenographin. Sie ist die Protagonistin dieses 530 Seiten dicken Buchs. Aber es gibt auch die Perspektiven von Frank Rosenzweig, ein Jude, der in den 30ern in die USA emigriert ist und jetzt mit den GIs zurückkehrt. Es gibt die Kriegsreporterin Meg. Es gibt den einst zum Tode verurteilten Rudolph Kriss, der von den Amis als Bürgermeister eingesetzt wird. Die Mätresse einer Nazigröße. Außerdem gibt es Sophies Familie, Flüchtlinge und Betroffene, Täter und einen schwarzen GI, in den Sophie sich verliebt. Keinen Perspektivwechsel fand ich langweilig oder störend. Der Kunstraub der Nazis wird thematisiert, ein berühmtes Massaker 1941 an über 33.000 Juden in Kiew wird erwähnt, Plünderungen von Nazi-Häusern, Hitlers Bibliothek, die Besetzung der Wohnhäuser der normalen Bevölkerung durch amerikanische Soldaten und welche Souvenirs die sich mitgenommen haben, zB Kunsthandwerk und Hitlers Toilettensitz. Das Buch wurde meisterhaft recherchiert und manche Personen gab es wirklich. Im Grunde hätte die Story genau so passiert sein können. Ich bin absolut begeistert, hätte auch noch mehr Seiten gelesen und habe an mehreren Stellen die schönen Formulierungen genossen. Das Buch ist nicht krass spannend, es hat eher einen sanften Spannungsbogen, der sich aus der Entwicklung der Figuren bildet.
Die letzten Kriegstage und die unmittelbare Nachkriegszeit in Berchtesgaden eine Stadt, die eng mit dem nationalsozialistischen Regime verbunden war. Der Roman beleuchtet die Auswirkungen des Kriegsendes auf die Menschen vor Ort – zwischen Anpassung, Schuld und Neubeginn. Carolin Otto schreibt in einem klaren, gut verständlichen Stil, der die Zeit und Atmosphäre glaubhaft transportiert. Die Handlung entfaltet sich langsam, nimmt aber mit den zunehmenden moralischen Dilemmata an Fahrt auf. „Berchtesgaden“ ist ein sorgfältig recherchierter Roman, der sich mit Schuld, Verdrängung und Aufarbeitung beschäftigt. Er bietet einen interessanten Blick auf die unmittelbare Nachkriegszeit aus einer individuellen Perspektive. Besonders lesenswert für geschichtsinteressierte Leser, die sich mit der Nachkriegszeit und ihren moralischen Fragestellungen auseinandersetzen möchten.
Darum geht es: Mai 1945: Berchtesgaden, die Lieblingsstadt des Führers, kapituliert, die US-Amerikaner übernehmen die Regierung. Sie ziehen als Befreier in die Stadt ein und versuchen in den Wirren etwas Prägnanz und Ordnung herzustellen. Die 19-jährige Sophie tritt eine Stelle bei Military Government an. Dort wird sie zum ersten Mal mit der grausamen Wahrheit über die deutschen Verbrechen konfrontiert. Die junge Frau trifft Menschen, die den Blick auf ihre eigene Familie verändern. Da ist ihr Vorgesetzter, der jüdische Emigrant Frank Rosenzweig, der auf Nachricht überlebender Verwandter bangt und hofft, seine Freundin, die Kriegsreporterin Meg. Den einst zum Tode verurteilten Bürgermeister Rudolf Kriss. Und der schwarze Gl Sam, in den Sophie sich verliebt. Auf dem Obersalzberg kreuzen sich die Wege ganz unterschiedlicher Charaktere auf schicksalhafte Weise. Mein Leseeindruck: Der Roman „Berchtesgaden" ist ein sehr informatives, sachliches Debüt einer symbolträchtigen Zeit. Carolin Otto hat eine sehr umfangreiche und intensive Recherche zur Nachkriegszeit in Berchtesgaden betrieben. Geschickt verbindet die Autorin die geschichtlichen Fakten mit einer fiktiven Handlung. Der Schreibstil von Carolin Otto gefällt mir sehr gut. Für mich kommt die Handlung nicht so recht in Fahrt und plätschert vor sich hin. Der Roman hat weder Höhen noch Tiefen. Trotz der wichtigen und bewegenden Thematik fühlte ich mich beim Lesen häufig distanziert von den Protagonisten. Das Leben nach dem Krieg, ein Land zwischen Verdrängen und Erwachen, ist wiederum gut dargestellt. Die Ideen der Handlung sind super gewesen und auch die Zusammenhänge vom Aufbau haben mir gefallen. Carolin Otto verdeutlicht, dass es ins Unglück führt, wenn man dem Falschen glaubt. Fazit: 3/5?⭐️ Ich hätte mir mehr Tiefgang und Emotionen gewünscht. Trotzdem ist es eine sehr informative Geschichte einer symbolträchtigen Zeit.

Zu viel Themen auf einmal, aber von keinem Thema viel
Ein Roman der gerade passender nicht sein könnte. Knapp 80 Jahre nach Kriegsende spielt die Geschichte des Buches genau dort. Caroline Otto hat sich die Gegend rund um den Obersalzberg als Hauptschauplatz vorgenommen. Die Amerikaner und die Franzosen ringen darum, wer den berüchtigtewn Ort zuerst erreicht. Am Ende machen die Amerikaner das Rennen und bleiben. Interessant der Blick auf die Franzosen als besiegte Sieger und ihrem Anteil an Kriegsverbrechen. Überhaupt bietet das Buch einige wissenswerte Aspekte, die mir mir so noch nicht bekannt oder bewusst waren, die Franzosen waren nur eins der Beispiele. Aber es handelt sich um einen Roman und nicht um ein Sachbuch. Sehr viele Themen der Zeit, wie Judenverfolgung, Frauenlager Ravensbrück, politisch Verfolgte, Homosexualität, Audarbeitung von Kriegsververbrechen, Entnazifizierung, Rassismus werden angeschnitten, aber bei keinem geht es wirklich in die Tiefe. Insgesamt blieben mir die Personen distanziert und auch etwas oberflächlich. Schade. Auf so vielen Seiten wurde viel erzählt aber kaum etwas intensiv. Die Liebe zwischen Sophie und Sam erinnerte mich an 'Stay away from Gretchen, aber hier fehlte das Knistern, die Spannung, die echten Gefühle. Es ist ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman, aber bei dem Thema hätte ich mir mehr Gehalt und Intensität und vielleicht den Fokus auf ein Teilgebiet gewünscht.
Das Cover ist passend und ansprechend. Auch der Schreibstil ist, trotz sensibler Themen, sehr angenehm und flüssig zu lesen. Das Setting in Bertchtesgaden (Hitlers Urlaubsort) kurz nach dem zweiten Weltkrieg ist unglaubich gut gewählt und bringt eine Perspektive, die man so nicht so oft antrifft. Das ganze Buch ist sehr gut recherchiert. Es gibt unheimlich viele (für mich auch neue) Blickwinkel in das kürzlich besiegte Deutschland. Amerikaner, Franzosen und Deutsche treffen aufeinander. Interessenskonflikte enstehen und man versucht eine Ordnung herzustellen. Die Handlung wird von historischen Fakten dominiert. Eine Spannungskurve gibt es kaum. Die Geschichte um Sophie und Sam plätschert als schmaler roter Faden daneben her. Ich persönlich habe das nicht als störend empfunden, weil ich einfach die Historie in diesem Fall sehr spannend und gut in einer stimmigen Handlung umgesetzt empfunden habe und somit immer wieder gerne zum Buch gegriffen habe. Wer allerdings eine fiktionale Geschichte mit Spannungsbogen im Vordergrund erwartet, könnte hier etwas enttäuscht werden. Für mich ein gutes Buch, das ich gerne weiterempfehlen werde.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ HIGHLIGHT! Facettenreicher Roman, der zum Nachdenken anregt. So geht gute Unterhaltung!
Hinter einem Cover, das leider etwas nach Heimatfilm-Romantik aussieht und dem unscheinbaren Titel #Berchtesgaden versteckt sich eine Geschichte, die man - besonders jetzt, kurz vor der Bundestagswahl, eigentlich jedem in die Hand drücken müsste. Wir erleben die "Stunde Null" am Obersalzberg im Mai 1945. Die Nazi-Größen haben ihre Häuser im "Führersperrgebiet" fluchtartig verlassen, die französische und amerikanische Armee liefern sich einen Kampf um die Vormachtstellung an der prestigeträchtigen ehemaligen Schaltzentrale der Macht. Und die Bewohner Berchtesgadens und der umliegenden Orte werden von einem System ins nächste gespült, ohne aufgearbeitet zu haben, was 12 Jahre lang ihre Realität war. Es stellen sich viele Fragen. Wo beginnt Schuld - und wo endet sie? Wann beginnt man bewusst wegzusehen und wie schwierig ist Zivilcourage wirklich? Die Autorin hat hier einen facettenreichen Roman geschrieben, der - mit sympathischen aber trotzdem kantigen Figuren - bestens unterhält, aber andererseits auch viele Fakten verarbeitet, lehrreich ist und wichtige Fragen ins Bewusstsein rückt. So geht Unterhaltung heute!

Wie lebte es sich kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Berchtesgaden? Wie gingen Familien mit dieser Schild um? Wie konnten Täter mit ihrem Gewissen leben? Welche Tazen wurden auch an den deutschen Überlebenden begangen und wie wurden diese bestraft? Unzählige Themen werden in diesem Buch aufgegriffen, vielleicht sogar ein paar zu viele aber die Geschichte deckt viele Dinge ab und lässt einem sehr nachdenklich zurück.
Kriegsende 1945 in Berchtesgaden - Leseempfehlung!
Im Frühjahr 1945 kapituliert das deutsche Alpenstädtchen Berchtesgaden – die US-Armee übernimmt die Kontrolle. Die 19-jährige Sophie tritt eine Stelle beim „Military Government“ an – und wird dort erstmals mit der ganzen Wahrheit über deutsche Verbrechen und die Nachkriegsrealität konfrontiert. Sie begegnet mehreren Menschen, die stellvertretend für verschiedene Schicksale dieser Zeit stehen. Das Buch ist gut recherchiert und vermittelt viele interessante historische Details, die mir teilweise neu waren. Allerdings hätte ich mir bei der Hauptfigur Sophie etwas mehr emotionale Tiefe gewünscht. Trotzdem ist es eine sehr lesenswerte Geschichte!

BERCHTESGADEN
Ein Thema, welches aktueller nicht sein könnte, ob die Veröffentlichung so bewusst platziert wurde? Nun denn, ich wollte mich mit diesem Buch einmal mehr an ein anderes Genre wagen. Zwar ist das Buch vom Stil her nicht das was ich erwartet habe, aber es war eine sehr berührende Geschichte über Freunde, Liebe, Familie und die schmerzhafte Tragödie im zweiten Weltkrieg. Jedoch fehlte mir an einigen Stellen etwas Tiefgang, denn auch wenn es tragischer nicht sein konnte, fehlte mir ein gewissen Gefühl. Ich kann es gar nicht genau beschreiben. Worum geht es im Buch: Berchtesgaden im Mai 1945. Die Lieblingsstadt des Führers kapituliert, die US-Amerikaner übernehmen die Regierung. Trotz ihres bescheidenen Englischs tritt die 19-jährige Sophie eine Stelle beim Military Government an, wo sie zum ersten Mal mit der ganzen Wahrheit über die deutschen Verbrechen konfrontiert wird. Sie trifft dort Menschen, die den Blick auf ihre eigene Familie verändern. Fazit: Ich war sehr angetan vom Schreibstil der Autorin, ich hatte direkt das Gefühl mitten in Berchtesgaden zu sein. Die Szenen wurden teils Drehbuchartig verfasst, so das man immer mitten im Gefühl der Protagonist:innen und auch der erschütterten Stadt war. Eine Geschichte die man so noch nicht gelesen hat, für mich aber leider nicht tief genug.

Die Autorin von Berchtesgaden Carolin Otto ist auch Drehbuchautorin und das Buch war eigentlich mal als TV-Serie geplant. Dann hatte sie sich überlegt, dass sich diese Geschichte perfekt als Buch machen würde und hat somit ihren Debütroman geschrieben. Schauplatz und Namensgeber für das Buch ist Berchtesgaden. Lieblingsort von Adolf Hitler. Das Buch beginnt Anfang Mai 1945, nach dem Suizid eben jenes und somit während Nazideutschland den Krieg verliert. Wir blicken durch die 19-jährige Sophie Gruber, wie es sich so oder so ähnlich während der Befreiung von den Nazis an eben diesem Lieblingsort gelebt hat. Wie es war, als die Amerikaner nach Berchtesgaden kamen, und die Nazis gingen. Ich finde diesen Roman höchst erstaunlich und interessant. Vordergründig handelt es sich um einen Roman, der Geschichte von fiktiven, aber auch in Teilen real existierenden Personen, oder von fiktiven Personen mit realem Bezug, der einen stark dokumentarischen Einschlag hat. Immer wieder, mittendrin in der Geschichte, erfahren die Lesenden viele historische Informationen, die zum einen sehr interessant und lehrreich sind, und zum anderen schockierend. Die Autorin hat es wunderbar geschafft, Roman und Dokumentation zu einer Einheit zu verbinden. Anfangs hatte ich noch leichte Probleme, wo die einzelnen Personen auf den ersten 100 Seiten nach und nach vorgestellt werden, inklusive ihrer Hintergrundgeschichten. Aber danach war der Lesefluss aufgrund des Schreibstils super. Die Autorin hat auch toll mit der Sprache gespielt. Hauptsächlich wurde auf Hochdeutsch geredet, jedoch gab es hin und wieder bairischen Dialekt, der einen daran erinnert, wo wir uns eigentlich befinden. Auch kam es immer wieder vor, dass englisch gesprochen wurde. Dadurch wurde eine tolle Atmosphäre geschaffen und ich habe mir die Unterhaltungen an diesem schönen Ort in den Bergen bildlich vorstellen können. Ich hoffe daher sehr, dass die Idee einer TV-Serie nicht gänzlich vom Tisch ist. 4,5 von 5 / 9 von 10 ⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️

Befreiung Das Ende des 2. Weltkrieges ist besiegelt und Berchtesgaden wird von den Alliierten befreit. Für die Bevölkerung Berchtesgadens, allen voran Sofie und Magda, stehen einige Änderungen bevor. So müssen Familien ihre Häuser räumen und werden mit den Siegeszügen der Truppen konfrontiert. Für all jene, mit einer Vergangenheit im Regime beginnt eine Zeit der Verurteilungen. Aber auch für die US-Soldaten ist das, was sie erfahren nicht leicht zu verdauen. „Berchtesgaden“ von Carolin Otto beschreibt in fiktiver Weise mit einigen realistischen Verknüpfungen das Leben nach der Befreiung des Markts Berchtesgaden. Es sind die Gefühle, das Leben nach der Politprominenz auf dem Obersalzberg, das Leben nachdem die kleine bayerische Stadt als zweiter Regierungssitz fungierte, die die Autorin hier beschreibt. Es sind aber nicht nur die Gefühle, sondern es ist auch die Vergangenheit mit der viele Familien nun konfrontiert werden. Es geht um Verantwortung, um Schuld und in gewisser Hinsicht auch um Verzeihen. Ich kenne Berchtesgaden, den Obersalzberg und vieles über seine Vergangenheit sehr gut. Somit konnte ich den Handlungsorten der Geschichte wunderbar folgen und wusste immer, wo sich die Protagonisten gerade befinden. Die Beziehung der beiden jungen Frauen, Magda und Sofie, die hier zwei der Protagonistinnen darstellen, sorgte bei mir manchmal für Verwirrung. Einerseits war diese sehr intensiv, andererseits konnten sie unterschiedlicher nicht sein und Magda war, für mein Empfinden, oftmals sehr unverschämt zu Sofie. Sofies innerer Konflikt sorgte für Spannung im Buch. Das gepaart mit der Geschichte von Captain Rosenzweig regte sehr zum Nachdenken an. Gerade letzteren fand ich sehr bewundernd, da er Dinge von allen Seiten beleuchtete, sich aber nicht von Emotionen lenken ließ. Insgesamt fand ich, dass es vielleicht ein oder zwei Charaktere weniger hätten sein können, denn gerade am Anfang erschlug mich die Anzahl der Hauptcharaktere. Fazit: Ein mitreißender Roman, der das Leben nach der schwärzesten Zeit der deutschen Geschichte beschreibt. Eine interessante Aufarbeitung mittels fiktiver Anlässe, die sich aber relativ nah an der Realität bewegt. Für all jene, die historische Romane mögen, aber auch für all jene, die sich für die Geschichte des Obersalzbergs interessieren, ist dieses Buch eine Empfehlung! Meinerseits gibt es 4,5 Sterne.
Wichtige Message, gut umgesetzt
Ich lese sehr gerne historische Romane, vor allem welche, die mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun haben. Dieser Roman spielt sich im titelgebenden Städtchen Berchtesgaden ab, wo die Bürger noch nicht ganz wahr haben wollen, welche Verbrechen Nazi-Deutschland begangen hat. Sophie ist eine angenehme Protagonistin, durch eigene Recherche, aber auch durch ihren Job bei den Amerikanern anfängt, den Krieg für sich selbst aufzuarbeiten. Sie lernt, unangenehme Fragen zu stellen und sich selbst der grauenhaften Wahrheit und den Taten ihres eigenen Bruders, einem SS-Mann, zu stellen. Auch der krasse Gegensatz zu denjenigen, die sich nicht damit befassen und am liebsten direkt alles vergessen wollen, ist hier verstörend gut dargestellt. Der Einblick in die ersten Tage der amerikanischen Übergangsregierung, in der versucht wird, Ordnung zu schaffen, ist sehr interessant. Die Verhöre mit Nazis wie Julius Streicher sind wie ein Schlag ins Gesicht, sowohl für Sophie als auch für den Leser. Auch Aspekte wie das Auswahlverfahren für neue Lehrkräfte oder die trennung nach Hautfarbe bei den amerikanischen Truppen fand ich sehr interessant. Das Buch hat mich berührt, obwohl es über weite Strecken relativ nüchtern geschrieben ist. Das Buch zeigt, wie wichtig es ist, die Geschichte aufzuarbeiten, um weitermachen zu können. Dabei bekommen wir als Leser aber keinen erhobenen Zeigefinger vor die Nase gehalten, sondern werden durch die ehrliche Erzählweise mitgerissen.

Interessant stellenweise, aber
Inhaltlich stellenweise interessant, einige Dinge der Nachkriegszeit waren mir noch nicht geläufig, mich hat aber die naive Sophie getriggert, die „nicht wusste was alles geschehen ist“ und das ganze Buch hat mir an Emotion und Tiefe gefehlt, teilweise wurden viele Themen nur angeschnitten und abgehandelt.
Ein Buch welches aus gegebenen Anlass ja nicht aktueller sein könnte… verschiedene Protagonisten verweben ihre Geschichte miteinander auf dem Obersalzberg kurz nach der Kapitulation Deutschlands 1945. Sehr informativ, sehr viele Informationen und Gedanken, die man während des Lesens sacken lassen musste. Zwischendurch habe ich das Buch auch mal 2 Tage weggelegt… das ist kein feel good Roman und obwohl meine Generation nicht für die Abscheulichkeiten des zweiten Weltkrieges verantwortlich ist… unsere Pflicht ist es , dass es keine Wiederholung gibt!
Informativ und bewegend
**** Worum geht es? & Mein Eindruck **** Mit diesem Buch hat Carolin Otto dem 80-jährigen Jubiläum des Endes des Zweiten Weltkriegs alle Ehre gemacht. Inhalt und Ton sind authentisch und überzeugend gewählt. Wir befinden uns kurz vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Berchtesgadener Region, und alles fühlt sich hautnah an. Die Beschreibungen der Autorin nehmen Raum und Seiten ein – ich konnte mir alles genau vorstellen und fühlte mich als Teil des Geschehens. So real hat sich die Zeit für mich in noch keinem Roman angefühlt. Angefüllt mit gut recherchierten Inhalten verfolge ich verschiedene Figuren und ihre individuellen Schicksale, die mich immer wieder emotional berührten. Die Charaktere wuchsen mir richtig ans Herz. Die Autorin scheut sich nicht, schwierige Szenen in aller Deutlichkeit darzustellen – eine Erinnerung daran, dass Wegsehen nie eine Lösung war. Ich habe das Lesen dieser Lektüre als bereichernd empfunden und konnte dem leichten, flüssigen Schreibstil folgen, sodass auch der Unterhaltungswert nicht zu kurz kam. **** Empfehlung **** Fans von historischen Romanen kann ich dieses Buch absolut empfehlen. Auch Leser*innen, die dem Genre normalerweise abgeneigt sind, aber mehr über diese Zeit erfahren möchten, könnten hier abseits des Mainstreams gut unterhalten werden.
Schwer hab ich mich getan. Und eine gefühlte Ewigkeit bin ich ehrlicherweise kaum voran gekommen mit dem Lesen. Das lag nicht am Thema, denn ich fand das Carolin Otto das wirklich gut umgesetzt hat. Es waren einfach so viele Figuren und ihre Geschichten. Das wirkte an einigen Stellen einfach überfrachtet und ich fand, das sich die Autorin mit dem Anspruch, viele verschiedene Blickwinkel und Erlebnisse - etwa auch jüdische und andere unter dem NS-Regime Verfolgte mit ein zu beziehen, aber auch Deutsche und ihre Anteile an Schuld und beginnender Schweigekultur - zu erzählen, übernommen hat. Ich musste daher an manchen Stellen inne halten, um allen Erzählsträngen auch gerecht zu werden. Dennoch... die Schwäch des Romans ist eigentlich auch seine Stärke. Ich werfe so manchen Autor:innen von Romanen über die Diktatur und den Holocaust vor, alles zu beschönigen. Einen Art NS-Kitsch entwickelt zu haben und ihre Hauptfiguren als ach so gut Deutsche in Szene zu setzen. Dieser Erzählung ist die Autorin zum Glück nicht aufgesessen. Im Gegenteil, sie versucht zu zeigen, wie die Lage in diesen ersten Monaten nach Ende des Krieges war. Das nichts vergessen, aber alles verdrängt wurde. Das Täter:innen sich ganz schnell und in Windeseile zum Armen Volk umfunktionierte, das ja von alle dem so gaaaar nichts gewusst habe. Das ja nur irgendwie den Krieg überleben wollte. Es ist ihr meiner Meinung nach sehr gut gelungen die Figuren realistisch zu zeichnen. Alle mit ihren verschiedenen Gefühlen, Erlebnissen und der Frage, wie sie nun mit all dem Umgehen werden, welche Wahrheiten sie in die Zukunft tragen werden und welche sie Verdrängen. In diesen Tagen werden auch durch den Umgang der Besatzer - vor allem durch den Umgang mit den sogenannten Entnazifizierungen und den nötigen Papieren dafür, Grundsteine dafür gelegt, wie sich die BRD bis heute entwickelt hat. Und genau diese Schweigekultur, die alles verdrängt, Täter:innen unbehelligt lies, hat eine Menge mit unserem hier und jetzt zu tun. Es hat Gründe, weshalb viele Autor:Innen sich Scheuen die Wahrheit aufs Korn zu nehmen. Die Wahrheit ist unbequem und hat nicht viel mit einem Land zu tun, das sich so viel auf seine sogenannte "Erinnerungskultur" einbildet. Carolin Otto scheut sich nicht, offen zu legen, wie dieses Schweigen und Wegschauen funktionieren konnte. Und warum alle so bereitwillig mit gemacht haben. Gleichzeitig, schafft sie es, das nicht alles schwarz und weiß bleibt. Menschen haben viele Fassetten. Motive sind oft vielschichtig, nicht alle davon böswillig, andere davon aber durchaus berechnend. Ein sehr vielschichtiger Roman, bei dem ich tatsächlich erst jetzt im Nachhinein wirklich merke, wie gut ich ihn eigentlich fand. Wer auf der Suche nach der Frage ist, wie Menschen weiter machen konnten, nach allem was im Holocaust passiert ist. Nach allem, was wir als Deutsche zugelassen haben. Akzeptiert haben, hingenommen haben weil wir davon profitiert haben - Teilweise ja noch bis in die heutige Zeit hinein, wenn man sich das Vermögen einiger großer bekannter deutscher Firmen ansieht... Wen diese Fragen umtreiben, der kann hier einige Denkanstöße finden. Außerdem hat die Autorin auch ein kleines Literaturverzeichnis beigefügt, das einen bei weiterer Recherche unterstützen kann. Kein Bequemes, gefälliges Buch mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Dafür ein umso wichtigeres, das zum Nachdenken anregt - auch über die eigene Familienvergangenheit. Was vielleicht nicht jedem passen mag.
"Berchtesgaden" - Carolin Otto (18in2025) "Wir sind keine Nazis. Wir sind nie welche gewesen." Obersalzberg April 1945, es ist eine gewisse Ruhe eingetreten. Die britischen Bomber sind durch und haben nur noch eine Ruine hinterlassen. Die Berchtesgader*innen werden mutig und fangen an sich ins Sperrgebiet zu wagen und sich zu nehmen was ihnen gefällt. Die Amerikaner*innen und Franzosen*innen stehen vor der Toren und jede Nation will die Erste sein, welche Hitlers zweiten Regierungssitz erobern will. Am Ende sind sie fast gleichzeitig da, aber die Amerikaner*innen werden die sein, die bleiben. Nach der ersten Freude der Deutschen über die Befreiung tritt schnell die Realität ein, keiner will ein Nazi gewesen sein, jeder hat einen oder mehr Leute verloren, keiner kennt die genau Geschichte, alle wollen nur leben und alles vergessen. Auch Sophie Gruber - sie fängt bei den Amerikanern als Stenografin und Übersetzerin an und erfährt relativ schnell was wirklich war, nicht nur von der Siegermacht, sondern auch von ihrem Bruder... Die grausame Wahrheit. Was soll ich sagen, außer ein riesiges und großes Dankeschön an @carolinotto.autorin für dieses wunderbare interessante, ehrliche, grausame, aufrüttelnde Buch. Diesmal hab ich mir bewusst Zeit gelassen, das Buch zu lesen. Ich war währenddessen auch in Berchtesgaden und auf dem Obersalzberg und hab versucht mir ein Einblick zu verschaffen. Auf alle Fälle eine Empfehlung. Es ist nun schon ganze 85 Jahre her, und immer noch dürfen wird es nicht vergessen, oder genervt sein von diesem Teil der deutschen Geschichte. Auch wenn es noch so schrecklich war, aber die Erinnerungen müssen am Leben gehalten werden.

Rezension in einem Satz: Ein Roman, der in den ersten Tagen nach dem zweiten Weltkrieg spielt und die Zeit sehr gut einfängt, unweigerlich Parallelen zur heutigen Situation in Deutschland (und der Welt 🌍) aufzeigt und dabei auch die persönlichen Schicksale der Bevölkerung, sowie der Alliierten, beschreibt und darstellt. Empfehlung? Klares Ja! 👍 Die Autorin schrieb auch schon Drehbücher für Polizeiruf 110 und Tatort. Ich möchte gerne mehr Romane von ihr lesen, weil ihr Stil angenehm zurückhaltend und dabei doch eindringlich ist. Sie hat auch eine eigene Homepage www.carolinotto.de
Absolut empfehlenswertes Buch, das die Frage nach den Tätern, Mitläufern und Opfern in der Nachkriegszeit beleuchtet.
⚡️Was passiert, wenn der Krieg vorbei ist – aber die Wahrheit gerade erst ans Licht kommt? ⚡️ 📚 Handlung Frühjahr 1945 in Berchtesgaden: Der Krieg ist vorbei und amerikanische Truppen übernehmen die Verwaltung der einstigen Lieblingsstadt Hitlers. Die 19-jährige Sophie beginnt als Schreibkraft beim Military Government zu arbeiten. Dort wird sie erstmals mit den Verbrechen des NS-Regimes konfrontiert. Gleichzeitig beginnt sie, ihre eigene Familie und deren Vergangenheit zu hinterfragen. Begegnungen mit verschiedenen Menschen – darunter ein jüdischer Jurist, eine Kriegsreporterin und der schwarze GI Sam – verändern ihren Blick auf die Welt grundlegend. 👥 Themen & Figuren Der Roman zeigt ein breites Panorama der unmittelbaren Nachkriegszeit. Täter, Mitläufer, Flüchtlinge, Heimkehrer und Überlebende treffen in Berchtesgaden aufeinander. Themen wie Entnazifizierung, Rassismus, Judenverfolgung und persönliche Verantwortung werden miteinander verwoben. Besonders gelungen sind die vielschichtigen Figuren, die unterschiedliche Perspektiven dieser Zeit repräsentieren. 📖 Eindruck & Fazit Carolin Otto schildert Landschaft, Orte und Situationen sehr bildhaft, sodass ein starkes Kopfkino entsteht. Der Kontrast zwischen idyllischer Alpenkulisse und der belasteten Vergangenheit macht den Roman besonders eindrucksvoll. Einige Themen bleiben zwar eher angerissen und der Stil wirkt stellenweise etwas klassisch, dennoch bietet das Buch einen spannenden und nachdenklichen Blick auf die Nachkriegszeit. 2. Auflage 2025 im @bastei_luebbe Verlag

































