Beduinenmilch

Beduinenmilch

Hardback
4.522

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Description

Eine spannende Coming-of-Age-Geschichte über eine junge Deutsch-Israelin im Kreuzfeuer des Nahostkonflikts

Nirit Sommerfeld engagiert sich seit vielen Jahren für die israelisch-palästinensische Freundschaft und schreibt mit der Erfahrung vieler Israel-Aufenthalte

Die 17-jährige Deutsch-Israelin Talia reist im Sommer 2014 zu ihrer Familie nach Israel, um sich zum Militärdienst einziehen zu lassen. Endlich will sie allein über ihre Zukunft bestimmen, will dazugehören zu ihrer großen Familie, eine sinnvolle Aufgabe übernehmen und Teil der israelischen Gesellschaft und Verteidigung werden. Alles in Israel scheint spannender zu sein als das linksliberale Leben, das ihre Eltern in Berlin führen.
Doch was sie in diesem Sommer erlebt – in Gaza tobt der Krieg, sie lernt Palästinenser kennen, verliebt sich in einen israelischen Menschenrechtsaktivisten, reist in die Westbank –, lässt sie eine vollkommen neue Sichtweise auf die Lebensrealität in ihrem Geburtsland erleben ...

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
344
Price
22.90 €

Author Description

Nirit Sommerfeld, 1961 in Eilat geboren, ist eine deutsch-israelische Schauspielerin und Sängerin. Sie ist Mitbegründerin des »Bündnisses für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern« und betreibt in Chemnitz ein Café. Beduinenmilch ist ihr Debütroman.

Posts

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Sehr erfahrensreich und gemütlich

💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐 Rezension zu "Beduinenmilch" von Nirit Sommerfeld Sehr erfahrensreich und auch gemütlich ❤️❤️❤️❤️❤️ Die junge Talia verreist im Sommer vor einigen Jahren zu ihrer Familie in Istanbul, weil sie beim Militär mitmachen will. Sie will dabei auch ihr Leben in der richtigen Richtung in die Hand nehmen und lernt dabei einiges in Israel kennen. Macht ganz neue Erfahrungen dort. Wie wird ihr Leben dort sein ? Wie wird sie ihre Zukunft verwirklichen? Auf mich wirkt es wie ein milder und gemütlicher Roman. Der mir dabei auch das wahre Leben in Israel gezeigt hat in allen Facetten. Es ist ein Roman, den man sehr locker lesen kann und der einen dabei auch zum Nachdenken bringt. Dabei fand ich Israel auch durchwegs interessant und auch schön. Sah es dabei auch schonmal auf Bildern. Wirklich sehr herrlich kann ich euch sagen. Schwärme noch jetzt davon. 😁 Ich lade euch nun alle herzlichst und liebevoll ein, es zu lesen. 💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐💐

5

Eine junge Frau die sich mit dem Krieg in Palästina und Israel auseinander setzt

Beduinenmilch, dieser Roman kann wirklich nachdenklich machen. Die junge Deutsch-Israelin Talia wird demnächst 18 Jahre alt. Dann ist die junge Frau endlich volljährig und sie kann sich zum Militärdienst in Israel melden. Bisher haben ihre Eltern sie davor geschützt. Als Deutsche Staatsbürgerin ist Talia sowieso vom Militärdienst befreit. Kurz vor ihrem Geburtstag fliegt die junge Frau alleine nach Israel zu ihrer großen jüdischen Familie und bei ihrer Einreise beschließt Talia kurzerhand, sich einberufen zu lassen. Diese Entscheidung stellt die junge Frau vor ein Problem, denn wie soll sie ihre Entscheidung ihren Berliner Eltern erklären! Und dann geschehen Dinge, die ihre Entscheidung ins Wanken bringen ... Talia verschweigt auch ihrer Großmutter, dass sie sich einberufen lassen hat. Nur ihre Cousine weiß davon und soll ihren Mund halten, bis Talia es selber erzählen mag. Bis dahin stromert sie durch die Straßen von Tel Aviv und trifft ihre große Liebe vom letzten Jahr. Dem jungen Mann scheint es gar nicht gut zu gehen. Er ist beim Militär und leidet unter einem Trauma. Und auch andere Freunde und Familienmitglieder erzählen davon, wie schrecklich die Zustände beim Militär sein müssen. Aber andere sind begeistert, wenn sie eingezogen werden, wie schick die Uniformen sind und was man alles machen kann, welche großartigen Ausbildungen angeboten werden und welchen Sinn es macht, für sein Land zu kämpfen. Auf einem Nachbargrundstück wird gerade gebaut. Auf der Baustelle arbeiten illegale Araber. Das scheint normal zu sein. Talias Großmutter versorgt die Arbeiter heimlich mit Lebensmitteln, das ist strafbar! Aber eines Tages werden die Männer von der Polizei abgeholt und Talia findet es eine Ungerechtigkeit. Immerhin sind die Männer billige Arbeitskräfte, werden ausgenutzt und müssen dann auch noch dafür bezahlen, dass sie ihre Familien in den besetzten Zonen unterstützen. Talia kann das so nicht zulassen und fährt in das Gefängnis nach ... Mulmig Ich habe das Buch mit einem mulmigen Gefühl gelesen. Talia kam mir am Anfang so blauäugig vor. Die junge Frau war von dem Bling-Bling der Armee geblendet und erst so nach und nach wurde ihr bewusst, was es heißt in den Dienst eingezogen zu werden. Sie ist eine sehr aufgeweckte Person und begreift schnell die Zusammenhänge. Dazu kommt, dass sie zu ihrem 18. Geburtstag eine Truhe mit Briefen und Gegenständen ihres geliebten verstorbenen Großvater geschenkt bekommen hat und auch der Leser bekommt einen Einblick in die Briefe. Sie zeigen viele Geschehnisse auf, die man schon lange aus den Augen verloren hat, die man auch niemals in der Presse gelesen oder gehört hat. Sie erzählen, wie der Großvater einer der Ersten war, der für sein Land gekämpft hat, der sich gegen die Palästinenser durchgesetzt hat, aber auch welchen Preis der Mann dafür zahlen musste. Wir könnten uns ihrer Freundschaft, Dankbarkeit und Loyalität erfreuen. Dann wären wir das Licht unter den Völkern, ein Vorbild vor den Menschen - denn wozu sonst wären wir als auserwähltes Volk berufen? Durch ihre Vertreibung jedoch machen wir uns zu Feinden - vielleicht für alle Zeiten Yitzhak Epstein (Seite 132) Meine Sicht auf die Zustände in Israel, dem Gazastreifen sowie Palästina haben sich durch dieses Buch geändert. Durch Presseberichte bekommt man Geschichten erzählt, die meist nur ein Teil der Wahrheit ist und inwieweit es den Menschen in den betroffenen Gebieten geht, bekommt man meistens gar nicht mit. Die Wahrheiten liegen wahrscheinlich immer irgendwo dazwischen. Mich hat dieses Buch aufgeweckt. Es hat mich erschreckt und aufgewühlt. Ich hatte Tränen in den Augen und war wütend. ... sie sind so in ihrer eigenen Perspektive gefangen, dass sie eine andere Sichtweise kaum zulassen können. Seite 312

Eine junge Frau die sich mit dem Krieg in Palästina und Israel auseinander setzt
5

„[I]n Zeiten, in denen Kriegstüchtigkeit mehr geschätzt wird als die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit“ ist dieses Buch ein Muss.

Die deutsch-israelische Autorin verbindet eine fesselnde Handlung mit einem tiefen Einblick in den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Die Geschichte ist bewegend und aufwühlend, doch gerade darin liegt ihre Stärke. Besonders beeindruckend ist, dass das Buch auch für Lesende gut verständlich bleibt, die sich sonst weniger mit politischen Themen beschäftigen. Eine absolute Empfehlung.

„[I]n Zeiten, in denen Kriegstüchtigkeit mehr geschätzt wird als die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit“ ist dieses Buch ein Muss.
4.5

Zwischen den Stühlen!

Ein eindringliches, augenöffnendes Buch, das mich tief bewegt hat. Der Schreibstil ist klar und feinfühlig, die Fakten und Hintergründe sind klug eingebaut. Ich konnte mir alles so gut vorstellen, dass ich stellenweise sogar davon geträumt habe, weil das Thema so real und erschreckend nah ist. Es regt stark zum Nachdenken an, über beide Seiten, über Menschlichkeit und über den Nahostkonflikt. Ich freue mich, wenn es für alle lesbar wird! (Leseexemplar durch NetGalley bekommen) #arsvivendiverlag #NetGalleyDE

3

Interessant aber trotzdem langwierig

Ein Buch das mir zuerst wegen dem schönen Cover ins Auge gestochen ist und mich dann durch die Kurzbeschreibung neugierig gemacht hat. Ich fand es sehr interessant mehr über Israel zu lesen und das Buch gab einen wirklich spannenden Einblick in die Konflikte zwischen Israel und Palästina. Die Propaganda in Israel, der starre Blick vieler Charaktere in diesem Buch. Auch die Briefe des Großvaters wodurch es einem begreiflich gemacht wurde wie lange dieser Krieg bereits stattfindet, öffnete einem wirklich nochmal die Augen. Trotzdem keiner meiner liebsten Bücher, ich habe sehr lange gebraucht bis ich es fertig gelesen habe und auch das Ende haute mich nicht vom Hocker. Aber ich glaube, dass das Buch auch wirklich sehr vielen sehr gut gefallen würde, ich stockte einfach immer wieder ziemlich.

5

[werbung/rezensionsexemplar] "Beduinenmilch" ist der Debütroman der Deutsch-Israelin Nirit Sommerfeld, in dem sie ihre Familiengeschichte mit historischen Fakten des Nahostkonflikts in einer fiktiven Erzählung vereint. Talia reist im Sommer 2014 von Berlin nach Israel, um dort wie jedes Jahr ihre Familie zu besuchen und ihren 18. Geburtstag zu feiern. Im Rahmen ihrer Volljährigkeit hat sie sich dazu entschlossen den Militärdienst anzutreten, obwohl sie eigentlich durch ihren deutschen Pass davon befreit ist. Davon weiß ihre Familie aber noch nichts. Im Laufe der sechs Wochen lernt Talia viele Menschen kennen und gerät in Situationen, die ihren Blick auf die Welt ins Wanken bringen und immer mehr Zweifel in ihr sähen. War es richtig, sich freiwillig für den Militärdienst zu melden? Ich bin durch Zufall auf "Beduinenmilch" im Rahmen der #NetGalleyDEChallenge2025 gestoßen und musste es direkt anfragen, da es aktueller nicht sein könnte und viel vereint, was ich an Romanen schätze. Das Genre Coming-of-Age wird hier wunderbar bedient, da die Leser:innen Talia bei all ihren Emotionen, Zweifeln, Herausforderungen und Erkenntnissen begleiten und ihre Entwicklung durch die Erzählung in der Ich-Perspektive hautnah miterleben. Die Ereignisse rund um Talia werden zwischendurch immer wieder mit Tagebucheinträgen ihres Sabas (Großvater) ergänzt, sodass nach und nach eine Verknüpfung der Zeitebenen und Charaktere stattfindet. Dabei zeigt Nirit Sommerfeld, wie vielschichtig der Konflikt zwischen den Israelis und den Arabern ist und ordnet diese immer wieder mit historischen Fakten ein ohne dabei belehrend zu sein. Hinzu kommt der sehr angenehme Schreibstil und eine Sogwirkung, die mich immer hat weiterlesen lassen. Zwischendurch musste ich zwar Pausen einlegen, da einige Szenen zu grauenhaft waren und wütend machen, aber gerade dieses Wechselbad der Gefühle hat viel in mir ausgelöst. "Beduinenmilch" ist ein absolutes Highlight in diesem Jahr, wenn nicht sogar der letzten Jahre und ich wünsche diesem Debüt ganz viele Leserinnen!

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5

Gerade heute ein unglaublich wichtiges Werk!

"Beduinenmilch" von Nirit Sommerfeld ist ein Roman, der nachhallt und nachdenklich macht. Talia ist Deutsch-Israelin und reist kurz vor ihrem 18. Geburtstag nach Tel Aviv. Da sie einen deutschen Pass besitzt, hat sie auch eine Befreiung vom Wehrdienst in Israel. Schon am Flughafen in Tel Aviv teilt sie den Grenzbeamten mit, dass sie sich zum Wehrdienst einziehen lassen will. Aus dem Blickwinkel aus Deutschland will sie etwas Sinnvolles für ihre zweite Heimat tun. Im Verlauf des Romans lernen wir nicht nur Talia und ihre Gedanken kennen. Sie erzählt in der Ich-Perspektive von ihrer Familie, von Palästinensern, Widerstandskämpfern, Rassismus und Vorurteilen. Sie lernt beide Seiten kennen in diesem furchtbaren Konflikt. Und als Leser*in ist man mittendrin im Geschehen. Dazwischen sind Tagebucheinträge eingeflochten, in denen Talias Großvater seine Erlebnisse und seine Sicht von 1947 bis in die 60er Jahre darstellt. Auf diese Weise erfahren die Lesenden auch etwas über die geschichtlichen Hintergründe. Der Roman ist in angenehmer Sprache geschrieben. Man merkt, dass sich die Autorin - selbst Deutsch-Israelin - intensiv mit der Thematik beschäftigt und eigene Erfahrungen hat. Das Thema Gaza ist im Moment aktueller denn je, was den Roman umso interessanter macht. Ich musste den Roman zwischendurch immer wieder sacken lassen, die Beschreibungen wühlen auf. Obwohl es ein Coming-of-Age-Roman ist, empfehle ich dieses eindrucksvolle Werk allen Lesenden weiter, die sich ein Bild vom Nahostkonflikt machen wollen. Aufgrund der leicht lesbaren Sprache einer Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein ist es ein Roman, der auch für andere Generationen geeignet ist. Dieser Roman gehört definitiv zu meinen Jahreshighlights und hätte trotz der Schwere der Thematik mehr als 5 Sterne verdient!

5

Ergreifend und berührend

Talia lebt seit vielen Jahren mit ihren Eltern in Deutschland.  Sie besucht aber auch regelmäßig ihre Familie in Israel. So auch im Jahr 2014 kurz vor ihrem 18. Geburtstag.  Doch diesmal hat Talia nicht vor nach Deutschland zurückzukehren.  Sie will in Israel ihren Militärdienst leisten und freut sich sehr darauf.  In Israel angekommen lernt sie viele neue Menschen kennen.  Einen Palästinenser,  der illegal auf der Baustelle gegenüber arbeitet. Omar,  einen alten Mann, der aus dem geräumten Dorf Lifta stammt und Yona, der für die Organisation "Breaking the silence" arbeitet. Talia lernt durch diese Menschen eine Seite von Israel kennen,  die ihr bis dahin fremd war. Man spürt ihre Zerrissenheit.  Sie kann mit kaum jemand darüber reden,  denn jedesmal wenn sie es versucht, stößt sie auf Ablehnung. Dieses Buch hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen.  An vielen Stellen war ich einfach nur fassungslos. Talia war für mich sehr glaubwürdig beschrieben und ich bewundere ihren Mut. Ein Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:"Sie sind so in ihrer eigenen Perspektive gefangen,  dass sie eine andere Sichtweise kaum zulassen können "(POS. 4174). Gerade in der heutigen Zeit ein sehr wichtiges Buch.

3.5

Nirit Sommerfelds „Beduinenmilch“ ist ein sehr persönliches Buch. Die Autorin nimmt uns mit auf eine emotionale Reise nach Israel und reflektiert ihre eigene Identität zwischen Tel Aviv und Deutschland. Sie schreibt ungeschönt über den Nahostkonflikt, der für uns alle so unfassbar unüberscihtlich scheint und schafft es, komplexe politische Fragen durch Einzelschicksale greifbar zu machen. Für Leser, die eine strukturierte Analyse des Konfliktes erwarten, ist das Buch oft zu sprunghaft und emotional gefärbt. Definitiv aber ein lesenswerter Denkanstoß für alle, die eine menschliche Perspektive auf Israel suchen, auch wenn der rote Faden manchmal verloren geht.

4

Aufrüttelnd

Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll. Es war super informativ, aber auch furchtbar grausam. Man lernt viel über den Nahost Konflikt. An einigen Stellen habe ich mich aber tierisch über die Protagonistin geärgert… sie ist an vielen Stellen so unfassbar naiv! Das Buch ist so geschrieben, dass man es am liebsten nicht beiseite legt.

5

„Beduinenmilch“ ist ein Roman, der mich mit voller Wucht hineingezogen hat – in eine Familiengeschichte, die zugleich politisch, persönlich und tief menschlich ist. Autorin Nirit Sommerfeld ist in Israel geboren, in Deutschland aufgewachsen, als Schauspielerin und Musikerin bekannt und engagiert sich seit Jahren für Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten. Ihre Perspektive als Grenzgängerin zwischen Kulturen und Narrativen prägt diesen Roman spürbar – literarisch kraftvoll und zugleich schmerzhaft ehrlich. Worum geht’s genau? Die Erzählerin Talia reist regelmäßig zu ihrer Großmutter („Savta“) nach Israel. Was als persönliche Begegnung beginnt, entfaltet sich zu einem Panorama aus Familienerinnerungen, politischen Konflikten und moralischen Fragen. Zwischen Tel Aviv, Hebron, Gaza und Beduinendörfern erlebt Talia, wie sich persönliche Geschichten mit der Geschichte des Landes verweben – und wie schwer es ist, Wahrheit, Loyalität und Zugehörigkeit miteinander zu vereinbaren. Dabei wird deutlich: Es geht um mehr als nur um eine Familie – es geht um Identität, Besatzung, Menschlichkeit und die Kraft, Dinge auszusprechen, die andere lieber verschweigen. Meine Meinung Selten habe ich einen Roman gelesen, der so gekonnt das Persönliche mit dem Politischen verwebt. Sommerfeld schreibt nah an ihren Figuren, ohne sie zu idealisieren – weder die kämpferische Savta, noch die unsichere Talia, die zwischen den Welten steht. Viele Szenen haben sich eingebrannt: Das Massaker in al-Lydda, bei dem „zwischen 450 und 800 Menschen getötet“ wurden (S. 323), Talias Verzweiflung darüber, dass „niemand meine Geschichte hören wollte“ (S. 317), oder Savtas mutige Rede im Gerichtssaal, in der sie sagt: „Wir könnten … vielleicht sogar miteinander leben! Es wäre Unrecht, ihn zu verurteilen!“ (S. 264). Der Roman thematisiert die Macht von Narrativen – und wie schwer es ist, diese zu hinterfragen, wenn man von klein auf „mit einem einzigen Narrativ gefüttert“ wurde (S. 323). Besonders bewegend fand ich, wie die Begegnungen mit Palästinenser:innen persönliche Nähe schaffen, wo Politik Mauern zieht: Haytham, der „nicht wie verrückt herumspringt“ nach seinem Freispruch (S. 287), oder die Beduinenfamilie, deren Milch symbolisch für Verbindung und gemeinsames Überleben steht. Der Blick auf Militarismus und „male gaze“-Sexualisierung – von Reizwäsche mit Uzi-Prints bis hin zu zynischen T-Shirts mit Fadenkreuz auf einer Schwangeren – ist scharf, manchmal schwer zu ertragen. Sommerfeld verschweigt nichts, weder den Zynismus mancher Soldat:innen noch die Traumata, die alle Seiten prägen. Dabei gelingt es ihr, unterschiedliche Perspektiven nebeneinanderstehen zu lassen, ohne den Schmerz der einen gegen den der anderen aufzurechnen. Stilistisch ist das Buch packend, oft dialoggetrieben, mit einer Intensität, die fast dokumentarisch wirkt. Gleichzeitig gibt es Momente von Zärtlichkeit und Humor – etwa wenn ein Baby „zum ersten Mal durchgeschlafen“ hat (S. 311) oder Talia mit ihrer Cousine Ma’ayan spielt. Diese Balance macht den Roman so besonders: Er konfrontiert, aber er lässt auch atmen. Fazit „Beduinenmilch“ ist ein vielschichtiger, mutiger Roman, der uns zwingt, hinzusehen – auf Geschichte, Gegenwart und die Verstrickungen dazwischen. Er ist politisch, ohne belehrend zu sein, und menschlich, ohne zu beschönigen. Wer bereit ist, sich auf eine herausfordernde und bewegende Lektüre einzulassen, wird hier nicht nur eine Geschichte lesen, sondern Spuren davon mitnehmen.

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