Aus Wanderungen

Aus Wanderungen

Paperback

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Description

Große Lyrik ist immer das Aufreißen eines Vorhangs, das Fortblasen von Vernebelungen, das Ausgraben einer ver­schütteten oder verdrängten Wahr­heit. Plötzlich werden einem die Augen aufgetan; Augen, von denen man vorher gar nicht gewusst hatte, dass sie geschlossen, ja blind gewe­sen sind. Andrej Peters gelingt dieses Auf-Tun meisterhaft. Pars pro toto seien hier nur zwei Zeilen aus seinem Vietnam-Gedicht aufgeführt. ›Ein Land in dem Reichtum und Armut / Von den Händen abhängen‹ liest man da – ein scheinbar so simpler Satz, dass ich schon drei Zeilen weiter war, bevor mich sein Inhalt mit voller Wucht traf. Dann aber tat sich ein ganzes Kaleidoskop von Bedeutungen, Bezügen und Rück­bezügen auf, und ich fand mich plötz­lich in Gedanken über ökonomische Entwicklungen, soziale Gefälle und techni­schen Fortschritt, vor allem aber wurde mir klar, wie viel wir als selbstverständlich hinnehmen, das mitnichten selbstver­ständlich ist – und schon gar nicht für alle Zeit festgeschrie­ben … Diese Fähigkeit, zu fokussie­ren, die unterschiedlichs­ten, aber miteinander verwobenen Problemfelder mithilfe des poetisch-ästhetischen Zugriffs zu bündeln und ihren Zu­sammenhang vorzuzeigen – das ist die überragende Stärke von Andrej Peters. Man könnte nun aufgrund seiner Bio­graphie vermuten, er befinde sich inter esse, zwischen den Stühlen also, und könne eben deshalb alles aus demsel­ben Abstand mustern. Weit gefehlt! Denn der berühmte ›Fremde Blick‹ ist ihm überhaupt nicht zu eigen, dazu ist Peters – bei aller Koppelung ans Transzendente – viel zu erd- und men­schenverbunden. Es ist vielmehr ein fremdelnder Blick; frem­delnd nicht mit einer Kultur oder Ethnie, sondern mit der Welt wie sie ist. Alle Zeilen dieser Gedichte atmen ein ver­störtes Erstau­nen über Ungerechtigkeit, Leid, Dummheit, Ignoranz, Unrecht, Mangel an Nächstenliebe; atmen das so intensiv, dass auch wir, die Leser, verstört und erstaunt dar­über sind, was wir mit und aus dieser Welt gemacht haben. Mehr kann man von Literatur nicht verlangen. (Hans-Joachim Griebe)

Book Information

Main Genre
Poetry & Drama
Sub Genre
N/A
Format
Paperback
Pages
120
Price
6.70 €

Author Description

ANDREJ PETERS, Lyriker, Erzähler, Kinderbuchautor und Liedermacher, geboren 1958 in Tscheljabinsk-Ural (UdSSR). 1977 Ausreise aus Kirgisien in die Bundesrepublik Deutsch­land. 1984-1995 Studium der Theologie, Philosophie und Krankenpflege in der Schweiz, Gießen und Frankfurt a. M. ›Master of Divinity‹. Bis 2001 an der Uniklinik Gießen auf einer Leuk­ämie-Intensivstation als Pfleger und Seelsorger tätig. Zuletzt Pastor der Evangelischen Freikir­che Bad Rei­chenhall/Berchtesgaden und diplomierter Gesundheitspfle­ger in der Neurologi­schen Unikli­nik Salzburg. Auszeichnungen: ›Preis des Lebens‹ 2005 (internationaler deutschsprachiger Literaturpreis). Sieger bei ›reader´s round table‹ im Literaturhaus Salzburg 2009/2011/2014. Lyrikpreis der Deutschen Autoren aus Russland, 2014. Buchveröffentlichungen u.a.: ›Atemwege und Speiseröhren‹, Gedichte, 2005; ›Halleluja Halle­lunein‹, Lie­der, Segnungen, Gebete in der Bibel, 2010; ›Legion‹, Literari­sche Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus, 1940-1947, 2012; ›Die Brennnesselschlafwandlerin‹, Lyrik im Bild, 2012; ›Zer­setzungen‹, Geschichten, 2013; ›Verteidigung der Gedichte‹, Lyrik, 2014. Aufnahmen beim Bayerischen Rundfunk, ›Radio Europa‹ (WDR, Berlin). Mitglied Salzburger Autorengruppe (SAG)