Anatolischer Reis

Anatolischer Reis

Softcover
3.03

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Description

Als der junge Landrat in dem anatolischen Provinzstädtchen eintrifft, ist er überwältigt von dem herzlichen Empfang, den ihm die örtlichen Honoratioren bereiten. Eigentlich hatte er befürchtet, einer Clique ausbeuterischer Großgrundbesitzer gegenübertreten zu müssen, die riesige Landstriche für den Reisanbau überfluten lassen, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, die unter der Malaria leidet und deren Anbaumöglichkeiten immer weiter eingeschränkt werden. Bald muss er feststellen, dass der Empfang nicht umsonst so freundlich war, dass die Reispflanzer um jeden Preis ihre Interessen durchsetzen wollen. Der Landrat stellt sich dem Kampf.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
120
Price
11.80 €

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Dies ist ein kurzer Ausflug in den türkischen Klassenkampf Mitte des 20. Jahrhunderts in der fruchtbaren Tiefebene Çukurova, einer Region im Süden der Türkei zwischen Taurusgebirge und dem Golf von İskenderun. Baumwolle pflanzende Bauern gegen profitorientierte, Reis pflanzende Großgrundbesitzer. Die Geschichte ist kein Märchen, deshalb verliert hier Arm gegen Reich, das Geld schmiert die Politik, die Dorfbewohner werden vertrieben und das Dorf für den Reisanbau geflutet. Zum Erzählstil: Der Autor benutzt plötzliche Wechsel in den Zeitformen, um dramatische Situationen mit Spannung aufzuladen (wodurch ich hin und wieder den Faden verliere). Z.B. hier (S. 83/84): "Mit verfinstertem Gesicht, in dem die Augen fast verschwunden schienen, machte sie ihre üblichen Wege. Die Dörfler verfolgten ihr Tun ebenso schweigend. Die Häuser müssen jeden Augenblick einstürzen. Zeyno Karı läuft dazwischen hin und her, steht unter Memed Alis Vordach. Memed Ali singt ein Volkslied, ein Türkü. Sie scheint ihm etwas sagen zu wollen, dann kehrt sie um …[…]" Yaşar Kemal ist eine türkische Schriftstellerlegende. Er war Zeit seines Lebens kritischer Beobachter der (türkischen) Politik. Als "Anatolischer Reis" 1962 veröffentlicht wird, ist er seit einem Jahr Mitglied der Arbeiterpartei der Türkei (TİP). Geboren 1923 in einem kleinen anatolischen Dorf wird er 1951 Journalist, reist und berichtet über die Lage der Arbeiter in der Türkei. Er veröffentlicht erste Erzählungen und erregt große Aufmerksamkeit, weil er seine Geschichten in der Umgangssprache verfasst und das einfache Leben der Arbeiter zum Mittelpunkt seiner Geschichten macht. Beides war ein absolutes Novum in der türkischen Literatur. In Deutschland erhielt er 1997 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. [Danke, Wikipedia.] Nach 112 Seiten und einigen Ausflügen ins Internet habe ich in eine Zeit und einen Teil der Welt geblickt, den ich vorher nicht kannte. Bekannt sind mir aber die Themen und Gefühle der Menschen des Romans, wie Hoffnung, Zuversicht, Wut, Hilflosigkeit, Scham. Was dem Autor vor 80 Jahren unter den Nägeln brannte, ist immer noch aktuell.

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Ich fand es zeitweise etwas schwer zu lesen, viele verschiedene Namen und Städte die ich vorallem am Anfang und in der Mitte des Buches schwer auseinander halten konnte. Die Thematik mit Reisanbau, Korruption und Malaria war interessant.

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