Abgrund
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Description
»Eine der kraftvollsten neuen Stimmen aus Lateinamerika.« DEUTSCHLANDFUNK KULTUR
Das heranwachsende Mädchen Claudia ist viel allein. Ihre unglücklich verliebte Mutter verfällt dem Alkohol, der resignierte Vater schweigt sich davon. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Und ein junges Mädchen auf der Suche nach Antworten. Ein herzzerreißender Familienroman vor einer atemberaubenden kolumbianischen Kulisse, in der die Abgründe allgegenwärtig sind.
»Die kolumbianische Autorin Pilar Quintana legt hinter dem Klischee tiefe menschliche Sehnsüchte und Abgründe frei.« SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
»Pilar Quintana ist eine hellwache Autorin.« TAZ
Book Information
Author Description
Pilar Quintana, Jahrgang 1972, ist eine der bekanntesten und meistgelesenen Autorinnen Lateinamerikas. Ihr Roman „Hündin“ („La perra“, 2017) markiert einen großen Meilenstein: Er ist der erfolgreichste und meistverkaufte literarische Roman der letzten Jahre in Kolumbien und wurde 2018 mit dem begehrten Premio Biblioteca de Narrativa Colombiana ausgezeichnet, 2021 erhielt sie den Liberaturpreis.
Posts
Tiefe Schluchten…
… liegen zwischen der achtjährigen Claudia, ihrer gleichnamigen Mutter und Vater Jorge. Durch die Augen des jungen Mädchens sehen wir, wie sich die in depressive Episoden mündende Melancholie der Mutter und die schweigsame Resignation des Vaters auf das Familiengefüge und die Wahrnehmung von Claudia auswirkt. Denn das Mädchen nimmt sehr bildhaft auf, was um sie herum passiert und formt das Wahrgenommene in eigene Bilder und Realitäten. Besonders feinfühlig wurden dabei auch insbesondere die Eltern gezeichnet, die nicht dogmatisch als gut oder böse portraitiert werden, sondern durchaus vielschichtig angelegt sind. Interessant war dabei die psychologische Doppeldeutigkeit der unterschiedlichen „Abgründe“, die sich in Claudias Leben auftun und deren Sog sie sich wie in einem Fiebertraum nur schwer entziehen kann. Die Achtjährige beweist dabei oft mehr Stärke als man ihr abverlangen sollte und dient dabei häufiger als Schutzschild für ihre weggetretene Mutter als umgekehrt. Trotzdem ist die Stimmung nicht durchgehend zu Tode betrübt, sondern durchaus unterhaltsam, zum Beispiel wenn Mama Claudia über die tragischen Schicksale anderer Frauen philosophiert. Dieses abwechslungsreiche und trotz der Dramatik irgendwie schöne Buch habe ich gern gelesen!
„Im Haus war es still. Ich fühlte mich wie in einem Goldfischglas und wäre nicht überrascht gewesen, wenn sich ein riesiges Auge genähert hätte, um uns zu betrachten.“ (S. 154) Die 8-jährige Claudia lebt mit ihren Eltern in einer Wohnung, die einem Urwald nahekommt. Von unten bis oben voll mit Pflanzen vielerlei Arten. Von der Treppe oben könnte Claudia quasi fast in diesen traumhaften Urwald springen. Ihre Mutter, ebenfalls Claudia, hat für ihren persönlichen Urwald mehr Zeit und Liebe übrig, als sie es für ihre Tochter hat. Als sich die Mutter auf eine Liaison mit dem Ehemann der Schwägerin einlässt und erwischt wird, nimmt das Unheil seinen Lauf und die kleine Claudia kann nur zusehen, wie sich alles dem Abgrund nähert und die Familie droht auseinander zu brechen. Knapp und aufs Wesentliche konzentriert, klug formuliert und sehr sanft ist die Sprache in Pilar Quintana’s Buch. Die Wirkung, die diese Sprache erzeugt, hat eine besondere Tiefe; eine, die mir schon bei „Hündin“ sehr gut gefallen hat. Die Geschichte wird aus Sicht der kleinen Claudia erzählt, die doch nur eine heile Familie möchte. Zeitgleich muss sie sich aber mit der Hilflosigkeit des Vaters auseinandersetzen und der phlegmatischen, depressiven Stimmungen ihrer Mutter. Denn die große Claudia blättert nach dem „Erwischtwerden mit dem Schwager“ nur noch in Klatschzeitschriften und säuft. Der Vater hüllt sich in Schweigen und in Arbeit. Die einzige Gemeinsamkeit von Mutter und Tochter sind Klatschgeschichten, egal welcher Art. „Wenn meine Mama im Bett oder auf dem Sofa lag, störte sie alles. Zum Beispiel wenn ich redete. ... Wenn ich den Mund hielt, störte es sie, wenn ich mich bewegte oder durchs Zimmer lief. ... Wenn ich still sitzen blieb, mich bemühte, dass sie mich nicht bemerkte, störte sie meine Anwesenheit.“ Die einzige Art, wie die Mutter mögliches Interesse an ihrer Tochter aufkeimen lässt – zumindest lässt sich das vermuten. Der Vater, sichtlich überfordert mit dem Betrug seiner Frau, findet auch kein Gehör für seine Tochter. Die kleine Claudia in ihrer kindlichen Denkweise ist dennoch oft sehr direkt und hat eine klare, nicht vernebelte Sicht auf die Dinge. Sie ist vielen hilflosen Situationen der Erwachsenen ausgesetzt und kann niemals Herrin der Lage werden, zB als ihre Mutter vor einem tiefen Abgrund steht und vermutlich hinunterspringen wollte. „Hinter ihr lag der Abgrund, zwei Schritte entfernt. Auch wenn man ihn im Nebel nicht sah, war er da, so tief wie der, in den Grace Kelly gestürzt war. Ich spürte seinen Sog, den Faden, mit dem er von unten an ihr zog.“ (S. 194) Quintana hat einen einfühlsamen Roman geschrieben, inspiriert durch ihre eigene Kindheit in den 80er Jahren. Am Ende dieses tollen Romans ist jedoch klar: das Leben ist kein Ponyhof und die unbekümmerte Kindheit von Claudia hatte ein jähes Ende.
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»Eine der kraftvollsten neuen Stimmen aus Lateinamerika.« DEUTSCHLANDFUNK KULTUR
Das heranwachsende Mädchen Claudia ist viel allein. Ihre unglücklich verliebte Mutter verfällt dem Alkohol, der resignierte Vater schweigt sich davon. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Und ein junges Mädchen auf der Suche nach Antworten. Ein herzzerreißender Familienroman vor einer atemberaubenden kolumbianischen Kulisse, in der die Abgründe allgegenwärtig sind.
»Die kolumbianische Autorin Pilar Quintana legt hinter dem Klischee tiefe menschliche Sehnsüchte und Abgründe frei.« SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
»Pilar Quintana ist eine hellwache Autorin.« TAZ
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Pilar Quintana, Jahrgang 1972, ist eine der bekanntesten und meistgelesenen Autorinnen Lateinamerikas. Ihr Roman „Hündin“ („La perra“, 2017) markiert einen großen Meilenstein: Er ist der erfolgreichste und meistverkaufte literarische Roman der letzten Jahre in Kolumbien und wurde 2018 mit dem begehrten Premio Biblioteca de Narrativa Colombiana ausgezeichnet, 2021 erhielt sie den Liberaturpreis.
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Tiefe Schluchten…
… liegen zwischen der achtjährigen Claudia, ihrer gleichnamigen Mutter und Vater Jorge. Durch die Augen des jungen Mädchens sehen wir, wie sich die in depressive Episoden mündende Melancholie der Mutter und die schweigsame Resignation des Vaters auf das Familiengefüge und die Wahrnehmung von Claudia auswirkt. Denn das Mädchen nimmt sehr bildhaft auf, was um sie herum passiert und formt das Wahrgenommene in eigene Bilder und Realitäten. Besonders feinfühlig wurden dabei auch insbesondere die Eltern gezeichnet, die nicht dogmatisch als gut oder böse portraitiert werden, sondern durchaus vielschichtig angelegt sind. Interessant war dabei die psychologische Doppeldeutigkeit der unterschiedlichen „Abgründe“, die sich in Claudias Leben auftun und deren Sog sie sich wie in einem Fiebertraum nur schwer entziehen kann. Die Achtjährige beweist dabei oft mehr Stärke als man ihr abverlangen sollte und dient dabei häufiger als Schutzschild für ihre weggetretene Mutter als umgekehrt. Trotzdem ist die Stimmung nicht durchgehend zu Tode betrübt, sondern durchaus unterhaltsam, zum Beispiel wenn Mama Claudia über die tragischen Schicksale anderer Frauen philosophiert. Dieses abwechslungsreiche und trotz der Dramatik irgendwie schöne Buch habe ich gern gelesen!
„Im Haus war es still. Ich fühlte mich wie in einem Goldfischglas und wäre nicht überrascht gewesen, wenn sich ein riesiges Auge genähert hätte, um uns zu betrachten.“ (S. 154) Die 8-jährige Claudia lebt mit ihren Eltern in einer Wohnung, die einem Urwald nahekommt. Von unten bis oben voll mit Pflanzen vielerlei Arten. Von der Treppe oben könnte Claudia quasi fast in diesen traumhaften Urwald springen. Ihre Mutter, ebenfalls Claudia, hat für ihren persönlichen Urwald mehr Zeit und Liebe übrig, als sie es für ihre Tochter hat. Als sich die Mutter auf eine Liaison mit dem Ehemann der Schwägerin einlässt und erwischt wird, nimmt das Unheil seinen Lauf und die kleine Claudia kann nur zusehen, wie sich alles dem Abgrund nähert und die Familie droht auseinander zu brechen. Knapp und aufs Wesentliche konzentriert, klug formuliert und sehr sanft ist die Sprache in Pilar Quintana’s Buch. Die Wirkung, die diese Sprache erzeugt, hat eine besondere Tiefe; eine, die mir schon bei „Hündin“ sehr gut gefallen hat. Die Geschichte wird aus Sicht der kleinen Claudia erzählt, die doch nur eine heile Familie möchte. Zeitgleich muss sie sich aber mit der Hilflosigkeit des Vaters auseinandersetzen und der phlegmatischen, depressiven Stimmungen ihrer Mutter. Denn die große Claudia blättert nach dem „Erwischtwerden mit dem Schwager“ nur noch in Klatschzeitschriften und säuft. Der Vater hüllt sich in Schweigen und in Arbeit. Die einzige Gemeinsamkeit von Mutter und Tochter sind Klatschgeschichten, egal welcher Art. „Wenn meine Mama im Bett oder auf dem Sofa lag, störte sie alles. Zum Beispiel wenn ich redete. ... Wenn ich den Mund hielt, störte es sie, wenn ich mich bewegte oder durchs Zimmer lief. ... Wenn ich still sitzen blieb, mich bemühte, dass sie mich nicht bemerkte, störte sie meine Anwesenheit.“ Die einzige Art, wie die Mutter mögliches Interesse an ihrer Tochter aufkeimen lässt – zumindest lässt sich das vermuten. Der Vater, sichtlich überfordert mit dem Betrug seiner Frau, findet auch kein Gehör für seine Tochter. Die kleine Claudia in ihrer kindlichen Denkweise ist dennoch oft sehr direkt und hat eine klare, nicht vernebelte Sicht auf die Dinge. Sie ist vielen hilflosen Situationen der Erwachsenen ausgesetzt und kann niemals Herrin der Lage werden, zB als ihre Mutter vor einem tiefen Abgrund steht und vermutlich hinunterspringen wollte. „Hinter ihr lag der Abgrund, zwei Schritte entfernt. Auch wenn man ihn im Nebel nicht sah, war er da, so tief wie der, in den Grace Kelly gestürzt war. Ich spürte seinen Sog, den Faden, mit dem er von unten an ihr zog.“ (S. 194) Quintana hat einen einfühlsamen Roman geschrieben, inspiriert durch ihre eigene Kindheit in den 80er Jahren. Am Ende dieses tollen Romans ist jedoch klar: das Leben ist kein Ponyhof und die unbekümmerte Kindheit von Claudia hatte ein jähes Ende.





