Phytopia Plus
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Description
Book Information
Author Description
ZARA ZERBE wurde 1989 in Hamburg-Harburg geboren, hat Literatur- und Medienwissenschaften studiert und lebt als freie Autorin in Kiel. Sie ist Mitherausgeberin des Literaturmagazins »Der Schnipsel« und veranstaltet die »Lesebühne FederKiel« in der Hansa48 in Kiel. Ihre Erzählung »Limbus«, für die sie mit dem Preis Neue Prosa Schleswig-Holstein 2018/ 2019 ausgezeichnet wurde, ist 2020 im Sukultur Verlag erschienen. 2021 erschien die Novelle »Das Orakel von Bad Meisenfeld« im stirnholz Verlag. 2022 wurde sie mit dem Kunstförderpreis des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet. »Phytopia Plus« ist ihr Debütroman.
Posts
PHYTOPIA PLUS Zara Zerbe Hamburg um 2040: Extreme Hitze im Wechsel mit anhaltenden Trockenperioden haben Hamburg zugesetzt. Die Elbe hat die Umgebung verschlickt. Es gibt kaum noch frische Lebensmittel zu kaufen. Die Einzigen, denen es noch möglich ist Frischwaren zu kaufen, sind die Reichen, die in eingezäunten Wohnanlagen mit Bio-Märkten abgeschirmt in den Edelwohngebieten wohnen. Phytopia Plus ist ein Verfahren, das ermöglicht, das menschliche Bewusstsein zu digitalisieren und in der DNA von Pflanzen zu speichern. Die Drosera AG hat dieses Verfahren entwickelt. Hier arbeitet Aylin als Aushilfsgärtnerin. Es ist ihre Aufgabe, die Pflanzen mit dem gespeicherten Bewusstsein zu pflegen, Wasserstände zu erfassen und deren Überleben zu sichern. Gerne hätte sie selbst einen solchen Speicherplatz für das Bewusstsein ihres Großvaters erworben. Doch die Summe von 350.000 Euro, die der Transponder kostet, der erst in die Hirnrinde des Patienten eingesetzt - und nach dem Tode wieder entnommen wird, mit dem Ziel, diese Informationen in die Pflanzen einzusetzen, kann sie nicht aufbringen. Eines Tages entdeckt sie in einem Gewächshaus eine Veränderung an einer Pflanze: Die Blätter weisen kleine weiße Muster auf. Anstatt ihre Entdeckung zu melden, nimmt sie kurzerhand einen Trieb dieser Pflanze mit nach Hause und beginnt dort eine eigene kleine Pflanzenzucht. Schnell bemerkt Aylin, dass die Ableger der Pflanze sich wunderbar für viel Geld im Internet verkaufen lassen. Dass sie das Bewusstsein eines Menschen kopiert und in der ganzen Stadt verteilt, ist ihr zwar bewusst, tangiert sie aber eher peripher. Ob die Drosera AG von Aylins neuem „Businessmodell“ begeistert ist, müsst ihr allerdings selber herausfinden. Was für eine starke Geschichte! Eine Dystopie, die in Hamburg spielt, gesellschaftskritisch ist und auf unsere Umweltprobleme weist, musste ich einfach lesen. Leicht und locker liest sich das Buch und täuscht des Öfteren über ein erschreckendes Szenario hinweg - von dem ich befürchte, dass es in Hamburg zukünftig so aussehen könnte. Zara Zerbes Geschichte regt zum Nachdenken an und deshalb möchte ich euch diesen Roman unbedingt empfehlen. 4½/ 5

Ein toller Debütroman über eine Möglichkeit, menschliches Bewusstsein in Pflanzen-DNA einzuspeichern. In einem dystopisch möglichen, zeitlich nicht allzufernen Hamburg.
„»Scan damit mal eine von diesen Pflanzen.« Aylin erwischt sich bei einem neckischen Zwinkern, das ihr sofort unangenehm ist. »Was ist denn darauf gespeichert? «, fragt die Frau interessiert. »Das ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich«, behauptet Aylin. »Im Großen und Ganzen ist es Kunst.« »Klingt interessant«, sagt die Pelzmantelfrau. »Das werde ich ausprobieren«. Damit verschwindet sie wieder in ihrer Wohnung, und Aylin versucht, die Tiefen der Schwierigkeiten abzuschätzen, in die sie sich möglicherweise befördert hat.“ (Zerbe 2024, S. 180) Kurz zum Inhalt: Zara Zerbe zeichnet in ihrem Debütroman ein dystopisches Hamburg der näheren Zukunft nach, wahrscheinlich um das Jahr 2040 herum. Es handelt sich dabei um ein Hamburg, das geprägt ist von Dürre, Hitze, von vertrockneten Böden und gleichzeitig auch von Sümpfen. Von Pflanzen- und Tierartensterben, von Verfall und von Armut, von Lebensmittelknappheit und menschlicher Ohnmacht. Mittendrin die Protagonistin und Pflanzensammlerin Aylin Rastović. Aylin arbeitet als Aushilfskraft bei dem Biotech-Konzern Drosera AG. Der Name des Romans – Phytopia Plus – bezeichnet das für den Konzern bekannte Verfahren, bei dem das menschliche Bewusstsein auf einen in die Hirnrinde transplantierten Biochip digitalisiert gespeichert und nach dem Ableben in die DNA von Pflanzenzellen transferiert wird. Aylin kommt zufällig in den Besitz eines Ablegers einer Pflanze, auf der schon ein menschliches Bewusstsein abgespeichert wurde und verstrickt sich immer weiter in sich überschlagende Schwierigkeiten… Und mehr will ich gar nicht verraten. 😉 Die Szenerien im Roman wirken so befremdlich, sind aber eigentlich bedrohlich nah. Eine verschärfte globale Klimakrise, eine immer größer werdende Schere zwischen arm und reich, eine KI als eine Art Vorgesetzte, Menschen, die aus wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit woanders hin fliehen. Das ist alles nicht so unwahrscheinlich bzw. steuern wir in dieser kapitalistischen Gesellschaft unmittelbar darauf zu. Zara Zerbe macht eine mögliche Zukunft begreifbar, die insbesondere Konservative, Liberale und Rechte unterschätzen, verdrängen und, ja, sogar leugnen. Was der Autorin elegant gelingt, ist, dem*der Leser*in das Gefühl zu geben, die Perspektive der Protagonistin authentisch einzunehmen und sich dadurch in ihr Leben einfühlen zu können. Und dass (ich vermute mal auch wegen der jeweils einzigartigen Kapitelsymbolik) verschieden denkende Pflanzen im Roman zu uns sprechen, rundet das Leseerlebnis gut ab. Ein tolles Buch, das auch viel Potential für eine Fortsetzung besitzt!

Eigentlich gut.
2040. Der Klimawandel hat zugeschlagen. Es geht um Aylin, die in einer Firma arbeitet, die ein Verfahren anbietet um das Bewusstsein auf Pflanzen zu speichern. Aylin klaut aus der Firma Stecklinge, verkauft sie um Geld anzusparen, damit sie ihrem Großvater eine solche Bewusstseinsspeicherung anbieten kann. Eigentlich keine schlechte Idee. 😉 Das Buch liest sich sehr flüssig. Man huscht nur so über die Seiten. Besonders toll: es wird gegendert! Jedoch erschließt sich mir diese Geschichte nicht ganz. Irgendwas scheine ich verpasst zu haben. Klimawandel ist und bleibt einer großes Thema, keine Frage, aber mir ist das hier doch zu oberflächlich-irgendwie 🤔
Kreativ und schön geschrieben.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Es werden viele Themen angetippt (Familie, Freundschaft, Verteilungskämpfe, Kooperative Gemeinschaften, Kontingenzbewältigung, soziale Ungleichheiten) ohne dabei kitschig zu werden oder sich zu sehr zu verzweigen. Vieles wird eher angedeutet. Insgesamt hat der Roman eine hohe Bodenhaftung. Bei den Nebenfiguren bin ich nicht so ganz mitgekommen, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sich die Geschichte in einem relativ kurzen Zeitraum abspielt. Was mir wirklich sehr gut gefallen hat, war die Sprache und der Stil.
Hamburg mitten in der Klimakrise
Die Idee und den Ausgangspunkt finde ich schon genial: Scheren zwischen Arm und Reich klaffen noch mehr auseinander, nichts gegen die Klimakrise unternommen außer die Wirtschaft zu stärken. So startet der Roman. Dann ein bisschen SciFi, indem man sich in Pflanzen speichert.
"Wir sind ja vernetzt. Von Natur aus. Die großen beweglichen Wesen mussten es sich erst aufbauen. So ein Ersatznetzwerk. Voller Informationen." (S. 196) Hamburg irgendwann in den 2040ern. Teile der Stadt wurden bereits von der Elbe unterspült, Böden versumpfen und von den dystopischen Zuständen fernhalten kann sich nur, wer Geld hat. Aylin arbeitet für einen Hamburger Biotech-Konzern als Aushilfsgärtnerin. Die Drosera AG hat ein Verfahren entwickelt, das menschliche Bewusstsein zu digitalisieren und in Pflanzenzellen zu speichern - quasi als geistiges Erbe. "Länger bleiben mit Phytopia Plus", so ihr Slogan. Aber ist es das, was für den Fortbestand der Menschheit zielführend ist im Hinblick auf die Frage: "Welche Zukunft erwartet die Menschheit - und kann sich der Mensch noch an neue Lebensbedingungen anpassen?" (S. 92) Möglicherweise findet Aylin Antworten in den gespeicherten Bewusstseinsdaten und stiehlt kurzer Hand Ableger aus dem Gewächshaus. Doch was geschieht, wenn das in eine Pflanze implantierte digitalisierte Bewusstsein wieder "zum Leben erweckt" wird? Und was denken die Pflanzen über all das? Neben pflanzlichen Tauschgeschäften entdeckt Alyssa ihren eigenen (riskanten) Geschäftszweig. Zara Zerbe malt in "Phytopia Plus" ein Szenario unweit des Hier und Jetzt. Es wird vor allem das Überleben derer gesichert, die es sich aufgrund ihrer Privilegien leisten können. Ein globales Überleben, das den Planeten selber mit einschließt, ist nachrangig. Dieser Roman ist eine Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, die weiter denkt. Er beschreibt die Schieflage von Wohlstand und Chancen, die in Krisenzeiten immer extremer wird. Die Autorin eröffnet Geschäftsfelder, die absurd weit weg scheinen und nach Science Fiction klingen, dabei sind wir vielleicht schon erschreckend nah dran.
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ZARA ZERBE wurde 1989 in Hamburg-Harburg geboren, hat Literatur- und Medienwissenschaften studiert und lebt als freie Autorin in Kiel. Sie ist Mitherausgeberin des Literaturmagazins »Der Schnipsel« und veranstaltet die »Lesebühne FederKiel« in der Hansa48 in Kiel. Ihre Erzählung »Limbus«, für die sie mit dem Preis Neue Prosa Schleswig-Holstein 2018/ 2019 ausgezeichnet wurde, ist 2020 im Sukultur Verlag erschienen. 2021 erschien die Novelle »Das Orakel von Bad Meisenfeld« im stirnholz Verlag. 2022 wurde sie mit dem Kunstförderpreis des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet. »Phytopia Plus« ist ihr Debütroman.
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PHYTOPIA PLUS Zara Zerbe Hamburg um 2040: Extreme Hitze im Wechsel mit anhaltenden Trockenperioden haben Hamburg zugesetzt. Die Elbe hat die Umgebung verschlickt. Es gibt kaum noch frische Lebensmittel zu kaufen. Die Einzigen, denen es noch möglich ist Frischwaren zu kaufen, sind die Reichen, die in eingezäunten Wohnanlagen mit Bio-Märkten abgeschirmt in den Edelwohngebieten wohnen. Phytopia Plus ist ein Verfahren, das ermöglicht, das menschliche Bewusstsein zu digitalisieren und in der DNA von Pflanzen zu speichern. Die Drosera AG hat dieses Verfahren entwickelt. Hier arbeitet Aylin als Aushilfsgärtnerin. Es ist ihre Aufgabe, die Pflanzen mit dem gespeicherten Bewusstsein zu pflegen, Wasserstände zu erfassen und deren Überleben zu sichern. Gerne hätte sie selbst einen solchen Speicherplatz für das Bewusstsein ihres Großvaters erworben. Doch die Summe von 350.000 Euro, die der Transponder kostet, der erst in die Hirnrinde des Patienten eingesetzt - und nach dem Tode wieder entnommen wird, mit dem Ziel, diese Informationen in die Pflanzen einzusetzen, kann sie nicht aufbringen. Eines Tages entdeckt sie in einem Gewächshaus eine Veränderung an einer Pflanze: Die Blätter weisen kleine weiße Muster auf. Anstatt ihre Entdeckung zu melden, nimmt sie kurzerhand einen Trieb dieser Pflanze mit nach Hause und beginnt dort eine eigene kleine Pflanzenzucht. Schnell bemerkt Aylin, dass die Ableger der Pflanze sich wunderbar für viel Geld im Internet verkaufen lassen. Dass sie das Bewusstsein eines Menschen kopiert und in der ganzen Stadt verteilt, ist ihr zwar bewusst, tangiert sie aber eher peripher. Ob die Drosera AG von Aylins neuem „Businessmodell“ begeistert ist, müsst ihr allerdings selber herausfinden. Was für eine starke Geschichte! Eine Dystopie, die in Hamburg spielt, gesellschaftskritisch ist und auf unsere Umweltprobleme weist, musste ich einfach lesen. Leicht und locker liest sich das Buch und täuscht des Öfteren über ein erschreckendes Szenario hinweg - von dem ich befürchte, dass es in Hamburg zukünftig so aussehen könnte. Zara Zerbes Geschichte regt zum Nachdenken an und deshalb möchte ich euch diesen Roman unbedingt empfehlen. 4½/ 5

Ein toller Debütroman über eine Möglichkeit, menschliches Bewusstsein in Pflanzen-DNA einzuspeichern. In einem dystopisch möglichen, zeitlich nicht allzufernen Hamburg.
„»Scan damit mal eine von diesen Pflanzen.« Aylin erwischt sich bei einem neckischen Zwinkern, das ihr sofort unangenehm ist. »Was ist denn darauf gespeichert? «, fragt die Frau interessiert. »Das ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich«, behauptet Aylin. »Im Großen und Ganzen ist es Kunst.« »Klingt interessant«, sagt die Pelzmantelfrau. »Das werde ich ausprobieren«. Damit verschwindet sie wieder in ihrer Wohnung, und Aylin versucht, die Tiefen der Schwierigkeiten abzuschätzen, in die sie sich möglicherweise befördert hat.“ (Zerbe 2024, S. 180) Kurz zum Inhalt: Zara Zerbe zeichnet in ihrem Debütroman ein dystopisches Hamburg der näheren Zukunft nach, wahrscheinlich um das Jahr 2040 herum. Es handelt sich dabei um ein Hamburg, das geprägt ist von Dürre, Hitze, von vertrockneten Böden und gleichzeitig auch von Sümpfen. Von Pflanzen- und Tierartensterben, von Verfall und von Armut, von Lebensmittelknappheit und menschlicher Ohnmacht. Mittendrin die Protagonistin und Pflanzensammlerin Aylin Rastović. Aylin arbeitet als Aushilfskraft bei dem Biotech-Konzern Drosera AG. Der Name des Romans – Phytopia Plus – bezeichnet das für den Konzern bekannte Verfahren, bei dem das menschliche Bewusstsein auf einen in die Hirnrinde transplantierten Biochip digitalisiert gespeichert und nach dem Ableben in die DNA von Pflanzenzellen transferiert wird. Aylin kommt zufällig in den Besitz eines Ablegers einer Pflanze, auf der schon ein menschliches Bewusstsein abgespeichert wurde und verstrickt sich immer weiter in sich überschlagende Schwierigkeiten… Und mehr will ich gar nicht verraten. 😉 Die Szenerien im Roman wirken so befremdlich, sind aber eigentlich bedrohlich nah. Eine verschärfte globale Klimakrise, eine immer größer werdende Schere zwischen arm und reich, eine KI als eine Art Vorgesetzte, Menschen, die aus wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit woanders hin fliehen. Das ist alles nicht so unwahrscheinlich bzw. steuern wir in dieser kapitalistischen Gesellschaft unmittelbar darauf zu. Zara Zerbe macht eine mögliche Zukunft begreifbar, die insbesondere Konservative, Liberale und Rechte unterschätzen, verdrängen und, ja, sogar leugnen. Was der Autorin elegant gelingt, ist, dem*der Leser*in das Gefühl zu geben, die Perspektive der Protagonistin authentisch einzunehmen und sich dadurch in ihr Leben einfühlen zu können. Und dass (ich vermute mal auch wegen der jeweils einzigartigen Kapitelsymbolik) verschieden denkende Pflanzen im Roman zu uns sprechen, rundet das Leseerlebnis gut ab. Ein tolles Buch, das auch viel Potential für eine Fortsetzung besitzt!

Eigentlich gut.
2040. Der Klimawandel hat zugeschlagen. Es geht um Aylin, die in einer Firma arbeitet, die ein Verfahren anbietet um das Bewusstsein auf Pflanzen zu speichern. Aylin klaut aus der Firma Stecklinge, verkauft sie um Geld anzusparen, damit sie ihrem Großvater eine solche Bewusstseinsspeicherung anbieten kann. Eigentlich keine schlechte Idee. 😉 Das Buch liest sich sehr flüssig. Man huscht nur so über die Seiten. Besonders toll: es wird gegendert! Jedoch erschließt sich mir diese Geschichte nicht ganz. Irgendwas scheine ich verpasst zu haben. Klimawandel ist und bleibt einer großes Thema, keine Frage, aber mir ist das hier doch zu oberflächlich-irgendwie 🤔
Kreativ und schön geschrieben.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Es werden viele Themen angetippt (Familie, Freundschaft, Verteilungskämpfe, Kooperative Gemeinschaften, Kontingenzbewältigung, soziale Ungleichheiten) ohne dabei kitschig zu werden oder sich zu sehr zu verzweigen. Vieles wird eher angedeutet. Insgesamt hat der Roman eine hohe Bodenhaftung. Bei den Nebenfiguren bin ich nicht so ganz mitgekommen, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sich die Geschichte in einem relativ kurzen Zeitraum abspielt. Was mir wirklich sehr gut gefallen hat, war die Sprache und der Stil.
Hamburg mitten in der Klimakrise
Die Idee und den Ausgangspunkt finde ich schon genial: Scheren zwischen Arm und Reich klaffen noch mehr auseinander, nichts gegen die Klimakrise unternommen außer die Wirtschaft zu stärken. So startet der Roman. Dann ein bisschen SciFi, indem man sich in Pflanzen speichert.
"Wir sind ja vernetzt. Von Natur aus. Die großen beweglichen Wesen mussten es sich erst aufbauen. So ein Ersatznetzwerk. Voller Informationen." (S. 196) Hamburg irgendwann in den 2040ern. Teile der Stadt wurden bereits von der Elbe unterspült, Böden versumpfen und von den dystopischen Zuständen fernhalten kann sich nur, wer Geld hat. Aylin arbeitet für einen Hamburger Biotech-Konzern als Aushilfsgärtnerin. Die Drosera AG hat ein Verfahren entwickelt, das menschliche Bewusstsein zu digitalisieren und in Pflanzenzellen zu speichern - quasi als geistiges Erbe. "Länger bleiben mit Phytopia Plus", so ihr Slogan. Aber ist es das, was für den Fortbestand der Menschheit zielführend ist im Hinblick auf die Frage: "Welche Zukunft erwartet die Menschheit - und kann sich der Mensch noch an neue Lebensbedingungen anpassen?" (S. 92) Möglicherweise findet Aylin Antworten in den gespeicherten Bewusstseinsdaten und stiehlt kurzer Hand Ableger aus dem Gewächshaus. Doch was geschieht, wenn das in eine Pflanze implantierte digitalisierte Bewusstsein wieder "zum Leben erweckt" wird? Und was denken die Pflanzen über all das? Neben pflanzlichen Tauschgeschäften entdeckt Alyssa ihren eigenen (riskanten) Geschäftszweig. Zara Zerbe malt in "Phytopia Plus" ein Szenario unweit des Hier und Jetzt. Es wird vor allem das Überleben derer gesichert, die es sich aufgrund ihrer Privilegien leisten können. Ein globales Überleben, das den Planeten selber mit einschließt, ist nachrangig. Dieser Roman ist eine Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, die weiter denkt. Er beschreibt die Schieflage von Wohlstand und Chancen, die in Krisenzeiten immer extremer wird. Die Autorin eröffnet Geschäftsfelder, die absurd weit weg scheinen und nach Science Fiction klingen, dabei sind wir vielleicht schon erschreckend nah dran.











